Silvio Meier

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Silvio Meier
Zwischenetage beim U-Bahnhof Samariterstraße Westausgang, der Ort wo Meier starb
Die aktuelle Gedenktafel aus dem Jahr 2007

Silvio Meier (* 1965 in Quedlinburg; † 21. November 1992 in Berlin) war ein Aktivist der links-alternativen Szene in Berlin und Hausbesetzer. 1992 wurde er auf dem U-Bahnhof Samariterstraße in Berlin-Friedrichshain von Neonazis getötet.

Leben[Bearbeiten]

Silvio Meier stammte aus der DDR. Er war Aktivist der sogenannten „Offenen Arbeit“ der Evangelischen Kirche in der DDR und beteiligt an der Organisation eines Element-of-Crime-Konzertes am 17. Oktober 1987 in der Berliner Zionskirche. Als das Konzert zu Ende war, stürmten rund 30 Neonazis unter den Augen von Volkspolizei und Stasi die Kirche. Sie schlugen mit Latten und Flaschen auf das Publikum ein.[1] Nach der Wende war er unter anderem als Hausbesetzer in der alternativen Szene aktiv.

Am Tag seiner Tötung hatten Meier und einige seiner Freunde sich mit acht rechtsextremen Jugendlichen geprügelt und einem von ihnen einen Aufnäher mit der Aufschrift „Ich bin stolz, ein Deutscher zu sein“ von der Jacke gerissen. Bei einer erneuten Begegnung mit den Neonazis zogen diese Messer und stachen auf die Gruppe ein. Meier wurde mit mehreren Stichen getötet, zwei seiner Begleiter schwer verletzt. Laut Zeugenbericht fiel dabei der Ausspruch „Jetzt haben wir es euch gezeigt, ihr linken Säue!“[2][3]

Die Jugendstrafkammer des Kriminalgerichts Berlin-Moabit verurteilte den 17-jährigen Sandro S., der die tödlichen Messerstiche ausgeführt hatte, am 2. Oktober 1993 in einem Jugendstrafverfahren wegen Totschlags zu einer Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren. Die Mitangeklagten, der 18-jährige Sven M. und der 17-jährige Alexander B., erhielten Freiheitsstrafen von dreieinhalb Jahren beziehungsweise acht Monaten, letztere wurde zur Bewährung ausgesetzt.[2] Die restlichen Festgenommenen wurden nicht angeklagt.

Gedenken[Bearbeiten]

Mahnwachen und Demonstrationen[Bearbeiten]

Unmittelbar nach dem Tod Meiers richteten Jugendliche am U-Bahnhof Samariterstraße eine Mahnwache ein. Seitdem findet an diesem Ort jedes Jahr eine von Antifa-Gruppen organisierte Gedenkdemonstration statt.

Kritisch wird aus Teilen des persönlichen Umfelds Meiers die politische Vereinnahmung seiner Person und Ermordung gesehen, einschließlich der damit verbundenen Heldenrezeption. Auch ist die Motivationsfrage des Mordes bislang nicht abschließend geklärt. Dirk Moldt[4] erklärt dazu: "Texte machen die Runde, die Bruchstücke der Erklärungen enthalten, die wir in jenen Tagen verfassten, als wir gezwungen waren, den Mord öffentlich als faschistisch motiviert darzustellen."

Gedenktafel[Bearbeiten]

In der U-Bahn-Station wurde eine Gedenktafel angebracht, die wiederholt geschändet wurde. Auch die BVG ließ diese Tafel mehrmals entfernen und entschied sich erst nach öffentlichem Protest dafür, sie an ihrem Platz zu belassen. Bei der Renovierung des U-Bahnhofes im Jahr 2005 verschwand die Gedenktafel erneut, wurde aber durch die verantwortliche Baufirma ersetzt und wieder angebracht. Ebenso wurde sie mehrmals gestohlen, zuletzt im August 2007. Im Jahr 2010 wurde die Platte wenige Tage vor der Silvio-Meier-Demonstration mit Teerfarbe beschmiert.

Straßenbenennung[Bearbeiten]

Bild von der Umbenennung zur Silvio-Meier-Straße

Antifa-Gruppen und der Bezirksverband Friedrichshain-Kreuzberg der Linkspartei forderten die Benennung einer Straße nach Silvio Meier bis 2012.[5] Ein Antrag der Linken, die im November 2010 eröffnete Bezirksbibliothek nach Silvio Meier zu benennen, wurde am 31. August 2011 im Kulturausschuss der Bezirksverordnetenversammlung mehrheitlich mit dem Verweis auf eine noch ausstehende Bürgerbeteiligung abgelehnt.[6] Schließlich stimmte die Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain-Kreuzberg mit den Fraktionen von SPD, Grüne, Linke und Piraten am 26. Juni 2012 einer Straßenbenennung zu. Diese stellt eine Ausnahme von einer im Bezirk gültigen Regel dar, nach der neue Straßennamen solange nach Frauen benannt werden sollen, bis eine Frauenquote von 50% erreicht wurde.[7] Geplant war, am 21. November 2012, dem 20. Todestag Silvio Meiers, die Gabelsbergerstraße in einem feierlichen Akt in Silvio-Meier-Straße umzubenennen.[8] Aufgrund der Klage eines in der Gabelsbergerstraße ansässigen Geschäftsmannes konnte die Umbenennung zunächst nicht wie geplant vorgenommen werden.[9] Im März 2013 wurde die Klage allerdings zurückgezogen[10] und die Umbenennung am 26. April 2013 vollzogen.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Silvio Meier – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Belege[Bearbeiten]

  1. Rechtsradikale im antifaschistischen Staat, Deutschlandradio Kultur, Fazit vom 26. September 2006
  2. a b Rechte Gewalt 1992-1993, Übersicht des Der Tagesspiegel
  3. Fürbittgottesdienste bringen nichts, Bericht des Freundes von Silvio Meir, Ekkehard S., taz, 21. November 2002
  4. Dirk Moldt: Das Leben toter Helden. In: TAZ, 26. April 2013.
  5. Straße soll an Silvio Meier erinnern, Der Tagesspiegel, 14. November 2010
  6. Peter Nowak: Friedrichshain Bibliothek wird vorerst nicht nach dem ermordeten Silvio Meier benannt, 5. September 2011
  7.  Harald Martenstein: Frauen, auf die Straßen!. In: Der Tagesspiegel. Berlin 28. April 2013 (Online, abgerufen am 25. Mai 2013).
  8. Karin Schmidl: Eine Straße für Silvio Meier Berliner Zeitung, 4./5. August 2012, S. 23
  9. Jörn Hasselmann, Tiemo Rink: Warum ein Geschäftsmann gegen die Umbenennung in Silvio-Meier-Straße klagt Tagesspiegel
  10. http://www.neues-deutschland.de/artikel/815255.klage-erfolglos-silvio-meier-strasse-kommt.html