Siméon Denis Poisson

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Siméon Denis Poisson

Siméon Denis Poisson (* 21. Juni 1781 in Pithiviers (Département Loiret); † 25. April 1840 in Paris) war ein französischer Physiker und Mathematiker.

Werdegang[Bearbeiten]

Er wurde als Sohn des Soldaten und späteren Verwaltungsbeamten Siméon Poisson in Pithiviers geboren. Nach dem Wunsch seines Vaters sollte Poisson Arzt werden. Zu diesem Zweck schickte man ihn zur Ausbildung zu einem Onkel nach Fontainebleau, der dort als Chirurg praktizierte. Diese Ausbildung brach er jedoch ab. Im Jahre 1796 wurde Poisson an die École centrale in Fontainebleau geschickt, einer vom Direktorium, Le Directoire, gegründeten Schule. Durch seine guten mathematischen Leistungen wurde ihm ein Studium an der École polytechnique in Paris empfohlen.[1]

Dort, an der École Polytechnique begann Poisson 1798 Mathematik zu studieren, wo er die Bekanntschaft von Laplace und Lagrange machte. Schon im Jahre 1800 beendete er erfolgreich sein Studium mit einer Abschlussarbeit über Étienne Bézouts (1730-1783) Theorem und Gleichungstheorie. Bereits 1802 wurde er dort Professor und übernahm 1806 den Lehrstuhl von Jean Baptiste Joseph Fourier, nachdem dieser von Napoleon nach Grenoble geschickt worden war. Ab Juli 1807 wurde er in den Mémoires de Physique et de Chimie de la Société d’Arcueil als Mitglied der Société d’Arcueil erwähnt.

Im Jahre 1817 heiratete er Nancy de Bardi, ein in England geborenes Waisenkind emigrierter Eltern. Er hatte mit ihr vier Kinder.
Er ist namentlich auf dem Eiffelturm verewigt, siehe: Die 72 Namen auf dem Eiffelturm.

Der Mondkrater Poisson ist nach ihm benannt.

Wissenschaftliche Arbeit[Bearbeiten]

Poisson war ein Schüler von Pierre Simon Laplace und beschäftigte sich mit den physikalischen Grundlagen von Wellen, arbeitete über Akustik, Elastizität und Wärme sowie über die elektrischen Eigenschaften von festen Körpern. 1812 publiziert er eine Erweiterung der Laplace-Gleichung um die Oberflächenladung. 1818 sagte er den Poisson-Fleck voraus, wenn Licht Wellencharakter haben sollte. Dies bezweifelte er allerdings. Er führte heftige Diskussionen mit Augustin Jean Fresnel als Verfechter der Wellentheorie des Lichts. Der Disput wurde durch den experimentellen Nachweis des Flecks durch François Arago beendet.[2] 1838 veröffentlichte er seine Wahrscheinlichkeitstheorie. Darin enthalten war die Herleitung der Poisson-Verteilung.

Die Beziehung zwischen Druck p und Volumen V bei adiabatischer Zustandsänderung ging als Poissonsches Gesetz in die Physik ein:

pV^{\gamma} = const. ~

In der Thermodynamik, auch Kalorik oder Wärmelehre genannt, spricht man eher von den Poissonschen Gleichungen:

TV^{(\gamma-1)} = const. \quad pV^\gamma = const. \quad \frac{T^\gamma}{p^{(\gamma-1)}} = const.

Dabei ist γ der so genannte Adiabatenexponent (oft auch κ genannt).

Nach Poisson ist auch die Poissonzahl \nu benannt. Sie gibt an, in welchem Verhältnis die elastische Längsdehnung ε und die gleichzeitig eintretende elastische Querkontraktion εq zueinander stehen, wenn ein Stab auf Zug beansprucht wird. Die Poissonzahl, auch Querkontraktionszahl genannt, liegt bei gewöhnlichen Materialien zwischen 0 und 0,5.

Als Mathematiker arbeitete Poisson auf vielen Gebieten, unter anderem der Differentialgeometrie, Infinitesimalrechnung und Wahrscheinlichkeitsrechnung. Mehrere mathematische Begriffe sind mit seinem Namen verbunden, z. B. Poissonsche Differentialgleichung, Poissonsche Integralformel, Poisson-Kern, Poisson-Verteilung, Poisson-Gleichung, Poissonzahl und Poisson-Klammer. Insgesamt veröffentlichte er über 300 Arbeiten.

Nachdem die Gesetze der Deviation von Matthew Flinders gefunden worden waren, stellte Poisson sie in mathematischer Form dar.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Biographie in deutscher Sprache Pdf
  2. Augustin Jean Fresnel, OEuvres Completes 1, Seite 369 (französisch)