Simba-Rebellion

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Ausbreitung der Simba-Rebellion (rot) 1964.

Die Simba-Rebellion war ein bewaffneter lumumbistischer Aufstand, der sich Mitte der 1960er Jahre im Osten der Demokratischen Republik Kongo ereignete.

Verlauf[Bearbeiten]

Belgischer Soldat vor den Leichen einiger getöteter Geiseln in Stanleyville, November 1964
In Richtung Flughafen flüchtende Europäer
Befreite europäische Geisel wird zur Evakuierung in ein Flugzeug gebracht.

Im Jahre 1963 wurde erstmals auf Grund einer Verhaftung sowjetischer Diplomaten bekannt, dass Christophe Gbenye, ein lumumbistischer Politiker, welcher sowohl in der Regierung Lumumbas als auch in der Gegenregierung Gizengas das Amt des Innenminister bekleidet hatte, eine revolutionäre Bewegung namens Comité National de Libération mit sich selbst an der Spitze gegründet hatte. Kurz nach der Gründung nahm Gbenye Kontakt zur Sowjetunion und der Volksrepublik China auf und bat diese um Unterstützung für den Kampf gegen die Zentralregierung.[1]

Aus diesem Grund entsandte China Militärberater nach Burundi, welche die Rebellen in Guerillatechniken ausbilden sollten. Ebenfalls wurde die Rebellion von der UdSSR unterstützt. In Süd-Kivu wurden die Rebellenstreitkräfte von Gaston Soumialot und in Nord-Katanga von Laurent-Désiré Kabila angeführt.[2]

Im Mai 1964 gelang es den Rebellen am Tanganyikasee die Städte Uvira und Albertville zu erobern.[3] Anfang August eroberten die Rebellen Stanleyville und ermordeten 2500 Intellektuelle, Wohlhabende und Évolués (Kongolesen, die einen europäischen Lebensstil führten).[4]

In dem eroberten Gebiet gründeten die Rebellen am 5. September die République Populaire du Kongo (Volksrepublik Kongo). Christophe Gbenye wurde Präsident und Gaston Soumialot Verteidigungsminister. Die verschiedenen Rebelleneinheiten wurden zur Armée Populaire de la Libération (Volksbefreiungsarmee) zusammengefasst.[4] Oberbefehlshaber dieser neugegründeten Armee wurde Nicholas Olenga.[5]

Als nun der neu ernannte Premierminister des Kongos Moïse Tschombé damit begann, gegen die Rebellen vorzugehen, konnte er sich nicht auf die Nationalarmee des Kongos verlassen. Zum einen hatte sie dem Vormarsch der Rebellen kaum Widerstand geleistet, zum anderen misstraute ihm die Armee aufgrund seines wenige Jahre zuvor gescheiterten Versuchs, die Katanga-Provinz zu einem unabhängigen Staat zu machen. Insofern konnte sich Tschombé nur auf seine Verbände aus Katanga, den Katanga-Gendarmen, und südafrikanische, belgische und französische Söldner stützen, die schon während seines Sezessionsversuchs den Kern seiner Streitkräfte ausgemacht hatten. Ebenfalls beteiligten sich belgische Offiziere als Militärberater und die US-Luftwaffe mit Transportflugzeugen an der nun anlaufenden Offensive.

Daraufhin wurden die in dem Gebiet verbliebenen Europäer von den bedrängten Rebellen als Geiseln genommen und im Hotel Victoria Palace in Stanleyville festgehalten. Als die Simba damit drohten, alle Europäer umzubringen, löste das eine noch größere Militäroperation der belgischen und US-amerikanischen Streitkräfte aus. Diese setzte sich aus einer Bodenoffensive (Operation Ommegang) und einer Luftoffensive (Operation Dragon Rouge) zusammen. Am 24. November 1964 sprangen 343 belgische Fallschirmjäger über dem Flughafen von Stanleyville ab und befreiten die Stadt von den Aufständischen. Anschließend wurden 2000 Europäer mit C-130-Transportflugzeugen evakuiert. Ungefähr 100 Europäer waren zuvor von den Lumumbisten ermordet worden. Wenige Tage später wurden 90 Missionare weiter im Landesinneren von den Rebellen getötet. Die gleiche belgische Fallschirmjägereinheit sprang zwei Tage nach ihrem Einsatz in Stanleyville in der Operation Dragon Noir über Paulis ab und befreite rund 300 Geiseln. Rund 20 Europäer und Amerikaner hatten die Lumumbisten kurz zuvor umgebracht, nachdem sie die Nachricht von dem Angriff auf Stanleyville erreicht hatte[6].

Als sich die Rebellion bereits in Auflösung befand, landete im April 1965 Che Guevara mit über hundert kubanischen Soldaten schwarzer Hautfarbe im Aufstandsgebiet, um den Kampf der Simba zu unterstützen. [7] Von der geringen ideologischen Überzeugung der Aufständischen enttäuscht, reiste Che Guevara aber sieben Monate später wieder ab.[8] Seine Erfahrung hielt er in seinem später wiederaufgefundenen Tagebuch fest.[9]

1967 verließen auch Gbenye und Soumialot das Land, womit die Rebellion faktisch endete. Nur Kabila konnte sich in einem kleinen Gebiet zwischen Fizi und Baraka behaupten, stellte aber für die kongolesische Regierung keine Bedrohung mehr dar.[10]

Bewaffnung und Motivation[Bearbeiten]

Da die Simbas kaum internationale Unterstützung erhielten, waren sie größtenteils auf primitive Waffen wie Speere, Macheten und Knüppel angewiesen. Aus diesem Grund bedienten sich die Rebellenführer traditioneller magischer Rituale, um ihre teilweise noch minderjährigen Kämpfer zu motivieren. So wurden sie von der féticheuse Mama Onema verschiedenen Ritualen unterzogen, die ihnen Kraft verleihen sollten. Vor dem Kampf wurden die Krieger und ihre Waffen mit Wasser besprenkelt, was sie unverwundbar machen sollte. [2] Beim Angriff auf die Regierungstruppen riefen die Rebellen: "Simba, Simba! Mulele mai! Mulele mai! Lumumba Mai! Lumumba Oyé!" Dies sollte bewirken, dass sich die gegnerischen Kugeln bei einem Treffer in Wasser verwandeln. [3] Da nicht nur die Rebellen sondern auch die Regierungstruppen an die Wirksamkeit dieser Rituale glaubten, ergriffen die Soldaten trotz überlegener Bewaffnung oft bei einem Angriff der Simbas die Flucht.

Allerdings sollten die Simbas bestimmte Verhaltensnormen beachten. Ein Verstoß gegen diese Regeln, so waren sie überzeugt, hätte den Verlust ihrer Unverwundbarkeit bewirkt.[2] Aus diesem Grund wurden dann auch Verluste in den Reihen der Rebellen damit erklärt, dass der Gefallene eine bestimmte Verhaltensregel nicht beachtet habe.[3] Als es durch das Eingreifen der amerikanischen und belgischen Truppen zu starken Verlusten unter den Rebellen kam, wurden diese damit erklärt, dass der für die Jahreszeit typische Regen die Zauberkräfte abgewaschen habe. [11]

Literatur[Bearbeiten]

  • S J G Clarke: The Congo Mercenary: A history and analysis, South African Institute of International Affairs (SAIIA), 1968, pp. 41–67, hier:, abgerufen am 10. April 2014
  • Ruth Margaret Delaforce: A Mafia for the State. Mercenary Soldiers and Private Security Contractors 1946–2009, Thesis, Griffith University 2010, pp. 138–165, hier:, abgerufen am 10. April 2014
  • Hans Germani: Weiße Söldner im schwarzen Land, Ullstein, Frankfurt am Main/Berlin 1966
  • Piero Gleijeses: “Flee! The White Giants Are Coming!”: The United States, the Mercenaries, and the Congo, 1964–65. Diplomatic History, 18/1994, pp. 207 - 237, hier:
  • Ernesto Che Guevara: Der afrikanische Traum: Das wiederaufgefundene Tagebuch vom revolutionären Kampf im Kongo. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2000, ISBN 978-3462028997
  • Mike Hoare: Congo Mercenary, Paladin Press, Boulder/Colorado 2008, ISBN 978-1-58160-639-3
  • Anthony Mockler: The new mercenaries, Corgi Books, London 1986, ISBN 0-552-12558-X, pp. 83-130
  • Thomas P. Odom: Dragon Operations: Hostage Rescues in the Congo, 1964-1965, Combat Studies Institute US Army Command and General Staff College (Leavenworth Papers No.14), Fort Leavenworth, Kansas, 1988 hier:, abgerufen am 20. April 2014
  • David Van Reybrouck: Kongo. Eine Geschichte. Suhrkamp Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3518423073
  • Peter Scholl-Latour: Mord am großen Fluß – Ein Vierteljahrhundert afrikanische Unabhängigkeit. DVA 1986, ISBN 3-421-06307-9, S. 315–333
  • Fred E. Wagoner: Dragon Rouge: The rescue of hostages in the Congo, National Defense University Research Directorate Washington, DC 1980 hier:, abgerufen am 20. April 2014

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. David Van Reybrouck: Kongo: Eine Geschichte. Suhrkamp Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-518-42307-3, S. 379.
  2. a b c David Van Reybrouck: Kongo. Eine Geschichte. Suhrkamp Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3518423073, S. 382.
  3. a b c David Van Reybrouck: Kongo. Eine Geschichte. Suhrkamp Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3518423073, S. 383.
  4. a b David Van Reybrouck: Kongo. Eine Geschichte. Suhrkamp Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3518423073, S. 384.
  5. David Van Reybrouck: Kongo. Eine Geschichte. Suhrkamp Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3518423073, S. 385.
  6. Thomas P. Odom: Dragon Operations: Hostage Rescues in the Congo, 1964-1965, Combat Studies Institute US Army Command and General Staff College (Leavenworth Papers No.14), Fort Leavenworth, Kansas, 1988, pp. 121–146
  7. David Van Reybrouck: Kongo. Eine Geschichte. Suhrkamp Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3518423073, S.388
  8. David Van Reybrouck: Kongo. Eine Geschichte. Suhrkamp Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3518423073, S. 389.
  9. Ernesto Che Guevara: Der afrikanische Traum: Das wiederaufgefundene Tagebuch vom revolutionären Kampf im Kongo. KiWi-Paperback, 200.
  10. David Van Reybrouck: Kongo. Eine Geschichte. Suhrkamp Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3518423073, S. 404.
  11. David Van Reybrouck: Kongo. Eine Geschichte. Suhrkamp Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3518423073, S. 387