Simeon Solomon

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Simeon Solomon (* 9. Oktober 1840 in London; † 4. August 1905 in London (St. Giles's Workhouse)) war ein britischer präraffaelitischer Maler.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Simeon Solomon: Schadrach, Meschach und Abed-Nego, 1863

Simeon Solomon war das jüngste von acht Kindern einer jüdisch-orthodoxen Familie. Sein Talent als Maler zeigte sich schon früh, und die erste Schulung erhielt er vermutlich durch seinen älteren Bruder Abraham Solomon, der bereits Maler war.

Solomon studierte zunächst von 1853 bis 1856 an der Akademie von F.S. Cary. Am 24. April 1856 wurde er zur Royal Academy of Arts zugelassen. Solomons frühe Werke waren von der Kultur seiner Familie inspiriert und behandeln meist Themen aus dem Alten Testament. Mit ihnen wurde er auch bekannt. Andere seiner Bilder zeigen mittelalterliche literarische Themen, wie sie auch von den Präraffaeliten bevorzugt wurden.

1857 oder 58 lernte Solomon den Maler Rossetti kennen. Durch ihn bekam er Kontakt auch zu den anderen Mitgliedern der Präraffaeliten. Er schloss sich bald diesem Kreis an. So entwarf er beispielsweise für die Firma Morris, Marshall, Faulkner & Co. Kirchenfenster für die All Saints Church in Middleton Cheney, South Northamptonshire. Einige seiner bekanntesten Gemälde dieser Zeit zeigen Figuren in tiefer religiöser Versenkung.

Seine Bilder wurden von den anderen Präraffaeliten bewundert, so sagte beispielsweise Burne-Jones über ihn: „Solomon war von uns allen der größte Künstler.“

Über diesen Kreis lernte Solomon auch den Dichter Algernon Swinburne kennen, dessen Vorlieben Solomons Werke beeinflussten. Allmählich wandelten sich die Themen seiner Aquarelle und Gemälde von alttestamentlichen Stoffen zu solchen der griechisch-römischen Antike, beispielsweise Sappho. Viele dieser Bilder stellen melancholische Frauengestalten dar. Die Themen sind oft vage gehalten und es wird eher eine ästhetische Stimmung beschworen.

Besonders gefeiert wurde Solomon für sein Gemälde Habet! (Er hat's). Es zeigt die römische Kaiserin und andere Frauen in der Loge eines Amphitheaters, die den endgültigen Todesstoß für den unterlegenen Gladiator fordern. Für Solomons Zeitgenossen war das Bild der perfekte Ausdruck römischer Dekadenz.

1865 wurde in London die Dudley Gallery eröffnet. Solomon stellte danach die meisten seiner Bilder erstmals dort aus. Oft zeigen diese Bilder junge Männer bei religiösen Riten. Solomon war bald Mitglied des Ausstellungskomitees.

1871 veröffentlichte Solomon ein Prosagedicht mit dem Titel A Vision of Love Revealed in Sleep (Eine Vision der Liebe, im Schlaf offenbart). Die Allegorie der Liebe, ein schöner junger Mann, wird gequält und schließlich glorifiziert. Auch in vielen seiner Bilder dieser Zeit beschäftigte sich Solomon mit diesem Thema. Die Motive ab Mitte der 1860er Jahre zeigen häufiger männliche Akte und stießen bei manchen viktorianischen Kritikern auf Ablehnung.

1873 wurde Solomon zusammen mit einem anderen Mann in einer öffentlichen Toilette verhaftet und wegen „Sodomie“ (Homosexualität) verurteilt. Der Kontakt zur Kunstszene ging trotz einer Ausstellung an der Royal Society of Portrait Painters verloren, Solomon konnte seine Bilder nicht mehr ausstellen und nur noch schwer verkaufen. Er starb verarmt und alkoholkrank und wurde schließlich nahezu vergessen.

Werke[Bearbeiten]

(Auswahl)

  • Babylon war ein goldener Kelch (Birmingham Museums & Art Gallery), 1859
  • Schadrach, Meschach und Abed-Nego, 1863
  • Sappho und Erina in einem Garten zu Mytilene (Tate Britain), 1864
  • Habet! (Bradford Museums, Galleries & Heritage), 1865
  • Bachus (Birmingham Museums & Art Gallery), 1867
  • Das Präludium von Bach (Privatsammlung), 1868
  • Mystery of Faith (Lady Lever Art Gallery, Port Sunlight), 1871
  • Die Morgendämmerung (Birmingham Museums & Art Gallery), 1871
  • Hosannah! (Tate Britain), 1871
  • Die Braut, der Bräutigam und die traurige Liebe (Victoria and Albert Museum), 1865
  • Sacramentum Amoris (verloren, zeitgenössische Fotografie im Victoria and Albert Museum), 1866

Literatur[Bearbeiten]

  • Victoria Osborne: Offenbarung der Liebe: Simeon Solomon und die Präraffaeliten. Museum Villa Stuck, München 2006, ISBN 3-923244-24-X.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Simeon Solomon – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien