Simmern/Hunsrück

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Simmern/Hunsrück
Simmern/Hunsrück
Deutschlandkarte, Position der Stadt Simmern/Hunsrück hervorgehoben
49.9833333333337.5166666666667400Koordinaten: 49° 59′ N, 7° 31′ O
Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Rhein-Hunsrück-Kreis
Verbandsgemeinde: Simmern/Hunsrück
Höhe: 400 m ü. NHN
Fläche: 11,96 km²
Einwohner: 7612 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 636 Einwohner je km²
Postleitzahl: 55469
Vorwahl: 06761
Kfz-Kennzeichen: SIM, GOA
Gemeindeschlüssel: 07 1 40 144
Adresse der Verbandsverwaltung: Brühlstraße 2
55469 Simmern/Hunsrück
Webpräsenz: www.simmern.de
Stadtbürgermeister: Andreas Nikolay (CDU)
Lage der Stadt Simmern/Hunsrück im Rhein-Hunsrück-Kreis
Boppard Badenhard Beulich Bickenbach (Hunsrück) Birkheim Dörth Emmelshausen Gondershausen Halsenbach Hausbay Hungenroth Karbach (Hunsrück) Kratzenburg Leiningen (Hunsrück) Lingerhahn Maisborn Mermuth Morshausen Mühlpfad Ney (Hunsrück) Niedert Norath Pfalzfeld Schwall (Rhein-Hunsrück-Kreis) Thörlingen Utzenhain Alterkülz Bell (Hunsrück) Beltheim Braunshorn Buch (Hunsrück) Dommershausen Gödenroth Hasselbach (Hunsrück) Hollnich Kastellaun Korweiler Lahr Mastershausen Michelbach (Hunsrück) Mörsdorf Roth (Rhein-Hunsrück-Kreis) Spesenroth Uhler Zilshausen Bärenbach (Hunsrück) Belg Büchenbeuren Dickenschied Dill (Gemeinde) Dillendorf Gehlweiler Gemünden (Hunsrück) Hahn (Hunsrück) Hecken (Hunsrück) Heinzenbach Henau (Hunsrück) Hirschfeld (Hunsrück) Kappel (Hunsrück) Kirchberg (Hunsrück) Kludenbach Laufersweiler Lautzenhausen Lindenschied Maitzborn Metzenhausen Nieder Kostenz Niedersohren Niederweiler (Hunsrück) Ober Kostenz Raversbeuren Reckershausen Rödelhausen Rödern (Hunsrück) Rohrbach (Hunsrück) Schlierschied Schwarzen Sohren Sohrschied Todenroth Unzenberg Wahlenau Womrath Woppenroth Würrich Argenthal Benzweiler Dichtelbach Ellern (Hunsrück) Erbach (Hunsrück) Kisselbach Liebshausen Mörschbach Riesweiler Rheinböllen Schnorbach Steinbach (Hunsrück) Damscheid Laudert Niederburg Oberwesel Perscheid Sankt Goar Urbar (Rhein-Hunsrück-Kreis) Wiebelsheim Bubach Riegenroth Laubach (Hunsrück) Horn (Hunsrück) Klosterkumbd Budenbach Bergenhausen Rayerschied Wahlbach (Hunsrück) Altweidelbach Pleizenhausen Mutterschied Niederkumbd Simmern/Hunsrück Neuerkirch Wüschheim (Hunsrück) Reich (Hunsrück) Biebern Külz (Hunsrück) Kümbdchen Keidelheim Fronhofen Holzbach Nannhausen Tiefenbach (Hunsrück) Ohlweiler Sargenroth Schönborn (Hunsrück) Oppertshausen Belgweiler Ravengiersburg Mengerschied Hessen Landkreis Mainz-Bingen Landkreis Mainz-Bingen Landkreis Bad Kreuznach Landkreis Birkenfeld Landkreis Bernkastel-Wittlich Rhein-Lahn-Kreis Landkreis Mayen-Koblenz Landkreis Cochem-ZellKarte
Über dieses Bild

Simmern/Hunsrück ist Kreisstadt des Rhein-Hunsrück-Kreises und Verwaltungssitz der Verbandsgemeinde Simmern/Hunsrück. Simmern ist ein staatlich anerkannter Fremdenverkehrsort und gemäß Landesplanung als Mittelzentrum ausgewiesen.[2]

Geographie[Bearbeiten]

Lage[Bearbeiten]

Simmern liegt, tangiert vom 50. Breitengrad, in der Mittelgebirgslandschaft des Hunsrücks in der sogenannten Simmerner Mulde. Der alte Stadtkern befindet sich in der Tallage des Simmerbachs, die neueren Stadtteile breiten sich auf den umliegenden Höhen aus. Der Külzbach mündet am westlichen Stadtrand in den Simmerbach. Östlich der Stadt findet man ein Naherholungsgebiet mit dem künstlich angelegten Simmersee. Südlich der Stadt beginnen die Erhebungen des Soonwaldes mit einem Teil des Simmerner Stadtwaldes.

Die Fläche der Stadt beträgt 1196 ha. Touristisch interessant ist Simmern wegen des hohen Natur- und Freizeitwertes, die zentrale Lage zur Mosel, zum Mittelrhein und zur Nahe, die jeweils etwa 25 km entfernt sind, lässt Tagestouren zu weiteren Nahzielen zu. Viele tief eingeschnittene Täler verbinden die Hunsrück-Hochfläche mit den Flusstälern und können erwandert werden.

Stadtgebiet[Bearbeiten]

Zum Stadtgebiet von Simmern gehören auch die Wohnplätze Domäne, Eichenhof, Haus Bergschlößchen (ehemalige Brauerei), Haus Hunsrück, Haus Seeberg, Haus Vogelsang, Marienhof, Marthahof (Schafhof), Reginahof, Römerhof, Schießstand, Sonnenhof, Waldhof und Rheinbacherhöfe.[3]

Klima[Bearbeiten]

Der Jahresniederschlag beträgt 690 mm. Die Niederschläge liegen im mittleren Drittel der in Deutschland erfassten Werte. An 38 % der Messstationen des Deutschen Wetterdienstes werden niedrigere Werte registriert. Der trockenste Monat ist der Januar, die meisten Niederschläge fallen im August. Im August fallen 2,1-mal mehr Niederschläge als im Januar. Die Niederschläge variieren sehr stark. An nur 25 % der Messstationen werden höhere jahreszeitliche Schwankungen registriert.

Geschichte[Bearbeiten]

Name[Bearbeiten]

Der Name Simmern stammt möglicherweise aus dem Mittelhochdeutschen Wort Semida (Binsen) (d/t im Hunsrückischen > r und e > i = Siemera in Verbindung mit (keltisch) aha (Wasser)).[4] Im Hunsrücker Dialekt werden Binsen heute noch Sieme genannt.[5]

Den Namensbestandteil „Hunsrück“ trägt die Stadt seit dem 1. Juni 1980, um sie von anderen gleichnamigen Gemeinden zu unterscheiden.[6]

Mittelalter und frühe Neuzeit[Bearbeiten]

Schloss Simmern in der Darstellung von Matthäus Merian aus dem Jahre 1648
Reste der mittelalterlichen Stadtmauer

Simmern wird 1072 erstmals urkundlich erwähnt, das Stadtgebiet war aber bereits in der Römerzeit besiedelt. Nennungen vor dem 11. Jahrhundert lassen sich nicht sicher zuordnen, bzw. bezeichnen den Simmerbach. Simmern lag an der wichtigen Heerstraße BingenTrier. Es gehörte zunächst den Nahegaugrafen, später wurde es Besitz der Raugrafen. Diese nahmen Simmern 1323/1330 vom Erzbistums Trier zu Lehen. Vermutlich unter Vermittlung von Erzbischof Balduin erhielt Simmern 1330 das Stadtrecht durch Kaiser Ludwig den Bayern. Die Wochen- und Jahrmärkte der Stadt zogen alsbald Händler des gesamten Hunsrücks an und sorgten für ein Aufblühen von Handel und Gewerbe. Mit dem Stadtrecht verbunden war das Recht zur Befestigung mit einer Stadtmauer, die mit einer Reihe von Türmen und Toren versehen war. Noch im 14. Jahrhundert kam Simmern an die Pfalzgrafen aus dem Hause Wittelsbach.

Die pfälzischen Wittelsbacher spalteten sich 1410 nach dem Tod Ruprechts III., der auch die deutsche Königskrone innehatte, in mehrere Linien auf, darunter die Linie Pfalz-Simmern, die ihre Residenz in der Stadt nahm. Zu nennen sind die Herzöge Stefan von Pfalz-Simmern-Zweibrücken, Friedrich I. von Pfalz-Simmern, Johann I. und vor allem Johann II.. Dieser regierte in Simmern von 1509-1557, war humanistisch und künstlerisch gebildet, ließ eine erste Druckerei in der Stadt errichten und förderte insbesondere die Bildhauerkunst. Johann II. war den Ideen der Reformation gegenüber aufgeschlossen, aber erst seine Söhne führten die Reformation ein, was zu Spannungen mit den umgebenden Erzbistümern Trier und Mainz führte. Auf Joahnn II. folgte sein ältester Sohn und spätere Pfalzgraf und Kurfürst Friedrich III., genannt „der Fromme“, der 1563 zum Calvinismus wechselte und eine führende Rolle in der Reichspolitik spielte. Im Jahre 1559 folgte die Linie Pfalz-Simmern der erloschenen Hauptlinie der Pfalz mit der Kurwürde in Heidelberg nach. Die Brüder Friedrichs III., Georg und Reichard, bildeten die kurzlebige Linie der Pfalzgrafen von Simmern-Sponheim, deren Besitz nach Reichards Tod 1598 wieder an das Kurfürstentum unter Friedrich IV. zurückfiel.

Während des Dreißigjährigen Krieges war Simmern im Dezember 1631 zunächst im Besitz der Schweden, ab 1632 wurde es Spanisch, so 1645 Matthäus Merian.

Kriege um die Pfalz[Bearbeiten]

Friedrichs IV. Sohn Friedrich V. trug mit seiner Kandidatur für den böhmischen Königsthron als „Winterkönig“ mit dazu bei, dass der Dreißigjährige Krieg auch seine Besitzungen in der Rheinpfalz erfasste. Diese waren inzwischen mit Begründung der jüngeren Linie Pfalz-Simmern durch seinen Bruder Ludwig Philipp 1611 erneut geteilt worden, doch fällt auch diese mit dem Tod von dessen Sohn Ludwig Heinrich 1673 wieder an die Hauptlinie unter Karl I. Ludwig zurück, der im Westfälischen Frieden die Kurwürde zurück erlangte. Dank seiner Befestigungen konnte die Stadt die Kriegswirren relativ unbeschädigt überstehen. Doch kam es durch den Tod des Sohnes von Karl I., Karl II. zu neuen Wirren, da mit ihm die Linie der pfälzischen Wittelsbacher ausstarb und Frankreich Besitzrechte anmeldete. Liselotte von der Pfalz, Schwester Karls II. und in den Augen der Franzosen erbberechtigt, war mit Philipp I. von Orléans verheiratet, dem Bruder Ludwigs XIV.; da aber auch die wittelsbacher Linie Pfalz-Neuburg Ansprüche auf das Simmerner Erbe erhob, brach 1688 der Pfälzer Erbfolgekrieg aus, in dessen Verlauf die Franzosen weite Gebiete der Pfalz verwüsteten.

Neues Schloss Simmern, erbaut 1708 bis 1713 als Sitz des pfälzischen Oberamtmannes

1685 war das Herzogtum Simmern an die Linie Pfalz-Neuburg gefallen. Diese führte das katholische Bekenntnis wieder ein und rief 1686 den Bopparder Karmel zur Betreuung der Katholiken in Stadt und Oberamt Simmern. Mit Hilfe der Familie Schenk von Schmidtburg gründeten die Karmeliter in Simmern eine Niederlassung und übernahmen in der Stadt und zusammen mit den Kreuznacher Kapuzinern im Oberamt die Pfarrseelsorge. Sie errichteten die Josefskirche. Die Stadt Simmern selbst war kurz zuvor von zahlreichen Hugenotten, die der religiösen Verfolgung in Frankreich entflohen waren, regelrecht überflutet worden. Am 17. September 1689 schließlich eroberten die französischen Truppen die Stadt, die sie fast vollständig in Trümmern legten. Das Residenzschloss wurde, ebenso wie das in Heidelberg, zur Ruine, lediglich Stefanskirche, der Pulverturm (der spätere Schinderhannesturm) und eine Handvoll Häuser überstanden die Katastrophe. Immerhin blieb die Pfalz infolge des Friedens von Rijswijk wittelsbachisch. Im 18. Jahrhundert war Simmern dann aber nur noch Sitz eines pfälzischen Oberamts, da die Kurfürsten in Mannheim residierten.

18. bis 20. Jahrhundert[Bearbeiten]

Schinderhannesturm

Nach der Besetzung des Linken Rheinufers (1794) durch französische Revolutionstruppen gehörte der Ort von 1798 bis 1814 zum Rhein-Mosel-Departement. Simmern wurde Hauptort eines Arrondissements und eines Kantons. Bei den regelmäßigen Patrouillen der neu gegründeten Nationalgendarmerie wurde der später als Räuber bekannte Johannes Bückler, genannt „Schinderhannes“, gefangen, der zu dieser Zeit noch als kleiner Viehdieb in Hunsrück und Nordpfalz aktiv war. 1799 verbrachte er ein halbes Jahr im heutigen Schinderhannes-Turm in Simmern, von wo ihm aber die Flucht gelang. 1804 weilte Kaiser Napoleon I. in der Stadt, die mittlerweile auch eine Stadtverwaltung nach französischem Recht erhalten hatte.

Aufgrund der auf dem Wiener Kongress (1815) getroffenen Vereinbarungen wurde die Region dem Königreich Preußen zugeordnet. Unter der preußischen Verwaltung ging der Kanton Simmern im 1816 neu gebildeten Kreis Simmern im Regierungsbezirk Koblenz auf.

Die Situation der Stadt, die doch etwas abseits der Zentren der Industrialisierung lag, war im 19. Jahrhundert nicht leicht, zumal es 1845 auch noch zu Kartoffelfäule und Missernten kam, woraufhin viele Bewohner nach Amerika auswanderten.

Im Ersten Weltkrieg war Simmern wichtiger Stützpunkt der Etappe der Westfront. In der Zwischenkriegszeit litt die Stadt, die zudem bis 1930 erneut französisch besetzt war, unter der wirtschaftlichen Situation jener Zeit. Im Zweiten Weltkrieg kam es dann erneut zu Verwüstungen. Im März 1945 wurde Simmern von US-amerikanischen Truppen besetzt, wurde dann mit der Pfalz der französischen Besatzungszone zugeschlagen und gehört seit 1946 dem Land Rheinland-Pfalz an.

Am 15. April 1999 wurde ein Gebietstausch mit der Gemeinde Mutterschied durchgeführt, wodurch mehrere Einwohner die Gemeindezugehörigkeit wechselten.[6]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Simmern, die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen:[2][1]

Jahr Einwohner
1815 1.907
1835 2.697
1871 2.351
1905 2.414
1939 3.712
1950 4.322
Jahr Einwohner
1961 5.248
1970 5.507
1987 6.145
1997 7.690
2005 7.846
2013 7.612

Politik[Bearbeiten]

Stadtrat[Bearbeiten]

Der Stadtrat in Simmern/Hunsrück besteht aus 24 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Stadtbürgermeister als Vorsitzenden.

Die Sitzverteilung im Stadtrat:[7]

Wahl SPD CDU Grüne FDP aSL Gesamt
2014 6 11 2 1 4 24 Sitze
2009 6 10 2 2 4 24 Sitze
2004 6 12 1 1 4 24 Sitze
  • aSL = anStadt Liste e.V.

Bürgermeister[Bearbeiten]

  • 1949–1966: Fritz Vollbracht
  • 1966–1975: Kurt Schöllhammer
  • 1975–1977: Albert Lax
  • 1977–1979: Karl Windhäuser
  • 2009–0000: Andreas Nikolay

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung:„Geteilt; oben in Schwarz ein schreitender rot gekrönter und bewehrter goldener (gelber) Löwe; unten schräggerautet (-geweckt) in Silber (Weiß) und Blau.“

Das Wappen verweist auf den Pfälzer Löwen und die seit 1358 herrschenden Wittelsbacher Stadtherren, die die (weiß-blauen) bayerischen Wecken im Wappen führten. Das Wappen wurde 1901 genehmigt und bezieht sich auf das älteste Siegel, datiert vor 1400.[8]

Partnerstadt[Bearbeiten]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Plastik des Simmerner Originals „Greta“ in der Fußgängerzone, Margarete Scherschlicht genannt.[9]
  • Stephanskirche: Spätgotische evangelische Kirche, erbaut unter Herzog Johann I. 1486 bis 1510 als Erweiterungsbau einer älteren Anlage, deren Überreste sich unter dem Turm noch nachweisen lassen. Am südlichen Seitenschiff befindet sich die St.-Anna-Kapelle mit den Grabdenkmälern der Simmerner Herzöge. Weitere Epitaphien befinden sich im Chor der Kirche, sie gehören zu den berühmtesten Zeugnissen der Renaissancekultur zwischen Mainz und Trier. Die Bildhauerarbeiten werden der Werkstatt des Koblenzer Bildschnitzers Jakob Kern (oder Kerre) zugeordnet, einem Schüler von Hans Backoffen (um 1520), des Weiteren Johann von Trarbach (1530–1586)[10] und einem bislang unbekannten Meister aus Simmern. Unter dem Glockenturm ist eine weitere Gruft mit den Särgen des letzten Simmerner Fürstenpaars (Herzog Ludwig Heinrich, † 1674 und Maria von Oranien, † 1688). Die historische Orgel von 1776 stammt aus der Werkstatt der Sulzbacher Orgelbauer- Familie Stumm. Hinter der Stephanskirche befand sich die Heiligkreuzkapelle, die an die Nordecke der alten Stadtbefestigung grenzte. Der sich anschließende Kirchhof wurde 1564 geschlossen, den Katholiken zugesprochen und seit 1813 nicht mehr genutzt.
  • Katholische Pfarrkirche St. Josef: Die barocke römisch-katholische Kirche wurde in den Jahren 1749–1752 nach der Erlaubnis von Kurfürst Karl Theodor von der Pfalz erbaut. Die Pläne dazu schuf der kurpfälzische Bau- und Werkmeister Johann Jakob Rischer. An den rechteckigen Langhaussaal schließt sich ein Halbkreischor an, an dessen Scheitel sich der haubengekrönte Glockenturm erhebt. Eine zweigeschossige Vorhalle mit Portal und Freitreppe verbindet die Kirche mit dem 1703/04 errichteten ehemaligen Karmeliterkloster, das heute als Pfarramt dient. Im Inneren verdienen die sehenswerten Deckenfresken (1752–1756) des Mannheimer Hofmalers Francesco Bernardini Erwähnung, die die Anbetung des Kindes darstellen. Der ursprüngliche Hochaltar, aufgestellt am 7. November 1753, wird dem Mannheimer Bildhauer Paul Egell (1691–1752; seit 1721 in Mannheim) zugeschrieben. Die Orgel wurde am 9. Oktober 1753 von der Orgelbauerfamilie Stumm aus Rhaunen geliefert. 2002 erfolgte die letzte Restaurierung der Kirche.
  • Kulturzentrum im Schloss Simmern: Das neue Schloss wurde 1708 als Verwaltungsgebäude des Oberamtmannes erbaut. An gleicher Stelle stand die mittelalterliche Burg, die in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts als Residenz ausgebaut und 1689 zusammen mit der Stadt zerstört wurde. Es beherbergt heute:
  • Schinderhannesturm: im ehemaligen Pulvermagazin und Gefängnisraum an der äußeren ehemaligen Stadtmauer war unter anderem der Räuber Johannes Bückler, genannt Schinderhannes, gefangen. Schinderhannes wurde Ende Februar 1799 dort inhaftiert, konnte jedoch in der Nacht vom 19. auf den 20. August 1799 fliehen. Am 29. November 1798 war sein Kumpan, Johann Peter Petri, genannt Schwarzer Peter, aus dem bis dahin als ausbruchsicher geltenden Turm geflohen. Als eines der wenigen Gebäude Simmerns überstand der Turm den großen Brand von 1689. Aus dem Jahre 1750 stammt das steile barocke Kegeldach und die westliche Freitreppe. Heute findet der Besucher im mehrstöckig restaurierten Turm die Ausstellung Realität und Mythos des Schinderhannes mit zahlreichen originalen Ausstellungsstücken, teils aus dem persönlichen Besitz des Räuberhauptmanns. Auf dem Platz vor dem Turm erinnert eine Skulptur an einen Schweinediebstahl Schinderhannes' und eines Kumpans im Jahre 1797.
  • Ein weiterer Turmrest befindet sich nördlich der Stephanskirche. Reste der mittelalterlichen Stadtmauer sind noch an der Koblenzer Straße zu sehen sowie am Ende der Mühlengasse, wo ein bisher durch Wohnhäuser verdeckter Teil freigelegt wurde und aktuell saniert wird (Stand 2014).
  • Restaurant Schwarzer Adler: Eines der wenigen Häuser, die von der Zerstörung der Stadt im Jahre 1689 verschont geblieben waren. Neben der Stephanskirche und dem Schinderhannesturm gehört es heute zu den ältesten Bauwerken der Stadt. Nach einem Brand jedoch nur noch der untere Teil mit Kellergewölbe historisch, darüber Neubau.
  • Weitere Sehenswürdigkeiten in der Verbandsgemeinde Simmern/Hunsrück:

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Die vierspurig ausgebaute Bundesstraße 50 verläuft südlich der Stadt. Simmern hat einen Bahnhof, der zur Zeit nur als Busbahnhof dient, weil die Strecke der Hunsrückbahn Boppard - Simmern stillgelegt und abgebaut wurde und die Strecke der Hunsrückquerbahn BingenHermeskeil derzeit nicht befahren wird.

Unternehmen[Bearbeiten]

Zu den größeren Arbeitgebern der Stadt zählen: die ZF Boge Elastmetall (ca. 600 Beschäftigte), die CompAir Drucklufttechnik (ca. 500 Beschäftigte), die Firma Pfefferkorn (Sektstopfenhersteller), die Deutsche Fertighaus Holding (Fertighausbau), SchwörerHaus KG ein Werk zur Fertigung von Kastell-Massivhäusern, Kellern, Decken und Beton-Fertigteilen, Zischka Textilpflege (Großwäscherei), die Hunsrück-Klinik und die DHL mit einer Logistikzentrale. Daneben gibt es mehrere Verbrauchermärkte und eine Vielzahl kleinerer Dienstleister. Simmern hat sich in den letzten Jahren zu einem regionalen Zentrum des Automobilhandels entwickelt.

Geschäftsstraße Oberstraße

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

Neben der Stadt- und Kreisverwaltung sind in Simmern auch eine Reihe weiterer Dienststellen zu finden (Amtsgericht, Finanz-, Forst-, Gesundheits- und Katasteramt, Polizei, Außenstelle der Industrie- und Handelskammer Koblenz, Kreishandwerkerschaft). Außerdem ist es Standort eines Technologie- und Gründerzentrums. Das Hunsrück-Museum dokumentiert die Stadtgeschichte und zeigt Gebrauchsgegenstände und Gemälde aus Stadt und Region. Auch ein Kino („Pro-Winz-Kino“) ist vorhanden. Neben dem VfR 1921 Simmern verfügt die Stadt über eine ganze Bandbreite anderer Vereine. Die Werbegemeinschaft Simmern attraktiv e. V. zum Beispiel ist der Zusammenschluss von Gewerbetreibenden der Stadt. Sie haben sich zum Ziel gesetzt, den Einzelhandelsstandort zu stärken und die Stadt noch attraktiver für Bürger, Kunden und Besucher zu machen.

Simmern, Evangelienbilder, 2012 gemalt von Andreas Armin d’Orfey für die Katholische Pfarrei St. Josef. Foto: A. d’Orfey, Kunst im Licht, München 2012
Stephanskirche und Fruchtmarktschule

Bildung[Bearbeiten]

An Bildungseinrichtungen existieren mit der Kurt-Schöllhammer-Grundschule und der Rottmannschule zwei Grundschulen sowie eine Realschule plus, das staatliche, mathematisch-naturwissenschaftliche Herzog-Johann-Gymnasium, die Berufsbildende Schule mit einem Wirtschaftsgymnasium, mehrere Fach- und Fachoberschulen und die Hunsrückschule für Lernbehinderte. Die Volkshochschule ist der Erwachsenenbildung verpflichtet.

Freizeit[Bearbeiten]

In Simmern gibt es ein Freizeit-Hallen- und Naturfreibad, die Indoor-Kindererlebniswelt „Dschungeldorf“, ein Jugendcafe, einen Skaterpark und ein Kino.

Am westlichen Stadtrand beginnt der Schinderhannes-Radweg. Er führt von dort durch das Külztal über Kastellaun nach Emmelshausen. In südlicher Richtung verläuft der Schinderhannes-Soonwald-Radweg der Simmern mit dem Soonwald verbindet.

2007 und 2008 führte die Stadt erstmals Schinderhannesfestspiele durch. Zur Erstaufführung kam das Stück Der Ausbruch. Es zeichnete die abenteuerliche Flucht des Räuberhauptmannes aus dem ehemaligen Pulverturm der Stadt im August 1799 nach. Der Pulverturm galt eigentlich als ausbruchsicher. Heute heißt der Turm deshalb Schinderhannesturm. Im Jahr 2010 gab es zum dritten Mal Schinderhannesfestspiele, bei dem das Musical Julchen zur Uraufführung kam.

Sport[Bearbeiten]

In Simmern sind der VfR Simmern und der BGV Simmern die Sportvereine. Der VfR Simmern ist im Fußball als SG Soonwald/Simmern (einer Spielgemeinschaft mit Vereinen der Umgebung), Tischtennis (Regionalliga) und Handball als HSG Kastellaun/Simmern (einer Spielgemeinschaft mit dem TV Kastellaun 09) bekannt. Des Weiteren bietet der VfR Simmern auch Basketball, Schwimmen, Badminton und weitere Sportarten an[11]. Im TC Sportpark Simmern spielt der Simmerner Tennisverein. Im Judoclub Nippon Simmern, 1960 als eine Abteilung im VfR entstanden und 1976 selbständig geworden, werden Judo und Tai Chi betrieben.[12]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

in Simmern geboren[Bearbeiten]

mit Simmern verbunden[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Karl Faller: Die Stephanskirche in Simmern, Hunsrück (Große Baudenkmäler, Heft 293). München/Berlin 1975
  • Willi Wagner, Gustav Schellack: 650 Jahre Stadt Simmern im Hunsrück; Simmern 1980

Quellen[Bearbeiten]

  • Diarium residentiae Carmelitarum im Hunsrück-Museum Simmern.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Simmern/Hunsrück – Sammlung von Bildern
 Wikisource: Simmern/Hunsrück – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31. Dezember 2013 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. a b Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Regionaldaten
  3. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Amtliches Verzeichnis der Gemeinden und Gemeindeteile 2010, Seite 40 (PDF; 2,3 MB)
  4. L. Armbrust: Hunsrücker Ortsnamen in den Kreisen Simmern und Zell, in „Rheinische Geschichtsblätter“, 3. Jahrgang, No. 4, S. 101 Hansteins Verlag, Bonn 1897, dilibri.de
  5. Walter Diemer: Hunsrücker Wörterbuch, S. 232 (ohne Bezugnahme auf Simmern)
  6. a b Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Amtliches Gemeindeverzeichnis 2006, Seite 196, 205 (PDF; 2,6 MB)
  7. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2014, Stadt- und Gemeinderatswahlen
  8. Stadler, Klemens; Deutsche Wappen; Band 2, Bremen 1966; S. 58
  9. Simmerner Original „Greta“
  10. Trarbach-Ausstellung Hunsrück-Museum
  11. http://www.vfrsimmern.de/
  12. Judo Club NIPPON Simmern e.V.: Unser Verein