Simon Johnson

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Simon H. Johnson (* 1963 in Sheffield) ist ein US-amerikanischer Wirtschaftswissenschaftler britischer Herkunft. Er war von März 2007 bis August 2008 Chefökonom des Internationalen Währungsfonds (IWF).[1] Seit 2004 arbeitet er als Ronald A. Kurtz Professor of Entrepreneurship an der MIT Sloan School of Management.[2]

Er besitzt Abschlüsse als Bachelor der University of Oxford, als Master of Arts (M.A.) der University of Manchester sowie den Doktorgrad (Ph.D.) in Wirtschaftswissenschaften des MIT (Promotion 1989 bei Rudiger Dornbusch). Johnson hatte in seiner Laufbahn bereits zahlreiche wissenschaftliche oder politikverbundene Positionen inne. Aktuell arbeitet er beim National Bureau of Economic Research und Centre for Economic Policy Research und ist als Berater für das Congressional Budget Office tätig. Johnson betont für seine Unabhängigkeit, dass er zwar Vorträge bei Interessengruppen gehalten habe, aber weder in einer Unternehmensposition sich befinde noch gesponserte Forschung übernehme.

Johnsons Expertengebiet sind unter anderem Finanzmärkte. Er kritisiert dabei den Einfluss von Finanzunternehmen auf die Regierung (was er als „Finanzoligarchie“ bezeichnete)[3] und befürwortete unter anderem die Ermittlungen der Börsenaufsicht SEC gegen Goldman Sachs. Ablehnend steht er aufgrund einiger Forschungsergebnisse dem Versuch von Republikanern entgegen, die Eigenheimkäufe von Armen als Finanzkrisenursache darzustellen (siehe Kontroverse zum Community Reinvestment Act) und sieht stattdessen die seit dreißig Jahren betriebene Deregulierung des Finanzsektors als wesentliche Ursache.[4] In einer Sendung des Public Broadcasting Service-Fernsehmagazins Bill Moyers Journal gab er an, bei der Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten 2008 für Barack Obama gestimmt zu haben, um einen Wandel zu erreichen. Er merkte dazu kritisch an, dass er optimistisch sei, jedoch bisher keine Verbesserungen bezüglich der Lobbymacht sehe.[5]

Aufsehen erregte er im April 2011, als er in einem Zeitungsinterview Josef Ackermann, den damaligen Chef der Deutschen Bank, als „einen der gefährlichsten Bankmanager der Welt“ bezeichnete.[6][7][8]

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

  • Inflation, Intermediation and Economic Activity. Dissertation. Massachusetts Institute of Technology, 1989
  • (Hrsg.): The Collected Works of Franco Modigliani. Volumes 4 and 5. MIT Press, 1989
  • mit Gary Loveman & David Kotchen: Managing business enterprises after communism. Harvard Business School Publishing, 1994
  • mit Gary Loveman: Starting over in Eastern Europe: Entrepreneurship and Economic Renewal. Harvard Business School Press, 1995, ISBN 087584569X
  • mit James Kwak: 13 Bankers: The Wall Street Takeover and the Next Financial Meltdown. Pantheon, 2010, ISBN 0307379051

Weblinks[Bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. IWF: Simon Johnson – Biographical Information
  2. Peterson Institute for International Economics: Biography: Simon Johnson
  3. Simon Johnson: The Quiet Coup. In: The Atlantic. Mai 2009
  4. Simon Johnson: Die Armen: Verursacher der Krise? In: Project Syndicate. 19. Januar 2011
  5. PBS: Bill Moyers Journal: Simon Johnson. 13. Februar 2009
  6. Ulrike Herrmann: Ex-IWF-Chefökonom über Bankenkrisen: „Ackermann ist gefährlich“. In: die tageszeitung. 13. April 2011
  7. Markus Diem Meier: «Josef Ackermann ist einer der gefährlichsten Banker der Welt». In: Basler Zeitung. 14. April 2011
  8. Dietmar Neuerer: Attacke auf Ackermann: Deutsche Bank weist Kritik von Ex-IWF-Chefökonom zurück. In: Handelsblatt. 14. April 2011