Simon Plößl

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Simon Plößl, Lithografie von Josef Kriehuber, 1836.

Simon Plößl (* 19. September 1794 in Wien; † 29. Jänner 1868 ebenda) war ein österreichischer Optiker und hatte seit 1823 eine Optikerwerkstätte in Wien.[1] Aus bescheidenen Anfängen wurde er zu einem der bedeutendsten Fernrohr- und Instrumentenbauer Mitteleuropas. Im Jahr 1835 erhielt er für seine Arbeiten eine Goldmedaille bei der Wiener Industrieausstellung.[2]

Ein Leben für die Optik[Bearbeiten]

Als Sohn eines Tischlers in Wien geboren, kam er zum Linsenschleifer und späteren Objektiv-Erfinder Voigtländer in die Lehre und eröffnete 1828 eine eigene Manufaktur. Bald wurde er für seine präzisen Brillen und Lupen bekannt und begann, größere Instrumente zu konstruieren, die seine Kunden äußerst zufrieden stellten.

So wurde Franz Joseph von Jacquin, Univ.Professor für Chemie und Botanik, auf ihn aufmerksam und bezog seine Mikroskope nun von ihm statt von Voigtländer. Er schlug ihm vor, auch Linsen für Mikroskope und Fernrohre zu schleifen, sodass Plössl bald den Astronomen Josef Johann von Littrow kennenlernte. Die ersten dieser Instrumente aus völlig eigener Produktion baute er 1830 und erhielt vom Kaiser den Auftrag, als Geschenk für den türkischen Großsultan einen Refraktor für die Sternwarte Stambul herzustellen.

Auch Andreas von Baumgartner, der erste Präsident der neugegründeten Akademie der Wissenschaften, wurde auf die Qualität von Plößls Instrumenten aufmerksam und empfahl sie in seinen Publikationen. 1835 wurde Plößl das Wiener Bürgerrecht zuerkannt und viele seiner Erzeugnisse prämiert. Höhepunkte der Ehrungen waren 1835 eine Goldmedaille der Industrieausstellung und 1867 die Große Goldmedaille für Kunst und Wissenschaft. Unweit seiner Werkstatt, in der Nähe des Belvedere, wurde 1875 die Plößlgasse im Stadtbezirk Wieden nach dem berühmten Optiker benannt.

Mechanische und optische Innovationen[Bearbeiten]

Plößl stellte 1830 das erste dialytische Fernrohr her. In der Schausammlung der Universitätssternwarte Wien, wo der o.e. Littrow wirkte, befindet sich ein von Plössl hergestelltes dialytisches Fernrohr mit rund 10cm Objektivdurchmesser und 1.25m Brennweite.

Am Mikroskop verbesserte er nicht nur die Bildschärfe, sondern auch die mechanischen Teile. Um 1840 entwickelte er das später nach ihm benannte Plössl-Okular, das in der Geschichte der Optik das erste farbreine Mikroskop- und Teleskopokular. Durch seine relativ einfache Bauweise und geringe Herstellungskosten ist es bis heute weit verbreitet. Eine sinnvolle Weiterentwicklung gelang erst 50 Jahre später dem Zeiss-Mitbegründer Ernst Abbe.



Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Historie der Firma Kahles International Wien
  2. Kleines Hand-Teleskop von "Plößl in Wien", Museum optischer Instrumente