Simpl (München)

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Der Alte Simpl ist ein Lokal im Münchener Stadtteil Maxvorstadt.

Alter Simpl - Vordere Gaststube

1903 übernahm Kathi Kobus die Räume des Kaffeehauses Kronprinz Rudolf in der Münchener Türkenstraße. Mit ihr zogen auch ihre Stammgäste Frank Wedekind, Ludwig Thoma, Thomas Theodor Heine, Olaf Gulbransson, Julius Beck und andere Autoren im Dunstkreis der Zeitschrift Simplicissimus aus der Dichtelei (Adalbertstraße) in das neue Lokal um. Neben dem Café Stefanie (Amalienstraße) wird auch der Simplicissimus als Kabarettlokal schnell bekannt. Kobus arbeitet bis zu ihrem vorläufigen Ruhestand 1912 selbst aktiv daran, ihr Lokal zu etablieren, indem sie beispielsweise Karl Valentin, Joachim Ringelnatz und Theo Prosel auf ihre Bühne holt und teilweise auch als Hausdichter vertraglich bindet.

Zwischen 1903 und 1912 erlebt das Simpl seine erste Blütezeit. Aber auch danach sorgen neue Vortragskünstler für wichtige kulturelle Impulse, wie ab 1913 die Diseuse Marietta di Monaco, 1914 der junge Kabarettist und spätere Film- und Schallplattenstar Max Hansen oder ab 1919 der schwierige Chansonnier Walter Hillbring, der zum Leidwesen Kathi Kobus' (die wegen finanzieller Schwierigkeiten den Laden wieder übernommen hatte) die Bühne wieder verließ, wenn das Publikum ihm nicht beliebte. Auch für die Dichter der Schwabinger Bohème blieb das Simpl ein zentraler Anlaufpunkt, wenn es darum ging, dem literarisch interessierten Publikum neue Texte vorzustellen. In diesem Zusammenhang soll im Simpl bei einer Rezitation Mariettas 1914 und damit zum ersten Mal in der Literaturgeschichte der in einem von Klabund und Hugo Ball gemeinsam verfassten Gedicht auftauchende Begriff "Dada", der sich später in der Bezeichnung für die neuentwickelten Kunstform des Dadaismus wiederfand, öffentlich gefallen sein.

Eine zweite Blüte erlebt das Lokal zwischen 1935 und dem Beginn des Zweiten Weltkrieges nach dem Kauf durch den Kabarettisten Adolf Gondrell, der Theo Prosel als Pächter einsetzt. Unter anderem treten jetzt jüngere Künstler wie Fred Endrikat auf. Der letzte Hausdichter des alten "Simpl" ist Dr. Ernst Klotz (bis 1944). Viele Figuren aus der Ära alter "Simpl" gehören später zu den ersten Trägern des ab den 1960er Jahren verliehenen Schwabinger Kunstpreises.

Am 13. Juli 1944 zerstört eine Bombe das Gebäude. Am Platzl eröffnet Theo Prosel 1946 ein Lokal namens Neuer Simpl, in dem z.B. in seinem Todesjahr noch Karl Valentin auftritt. In den 1980er Jahren gastiert in der Türkenstraße unter anderem der Tukan-Kreis. Heute findet sich unter dieser Adresse das Alte Simpl, das im Universitätsviertel als Lokal nach wie vor beliebt ist. Das Bulldoggenlogo verweist immer noch auf die Anfänge als Kabarettlokal und auf die Zeitschrift Simplicissimus, allerdings spielt der Alte Simpl in der Münchener Kulturszene heute keine Rolle mehr.

Literatur[Bearbeiten]

  • Walther Diehl: "Die Künstlerkneipe "Simplicissimus" - Geschichte eines Münchner Kabaretts 1903 bis 1960." (Mit einem Vorwort von Konstantin Wecker). MünchenVerlag, München 2008, ISBN 978-3-937090-27-6

Weblinks[Bearbeiten]

48.15108333333311.576255555556Koordinaten: 48° 9′ 4″ N, 11° 34′ 35″ O