Simpsonregel
Die Simpsonregel oder Simpson'sche Formel (nach Thomas Simpson), manchmal auch Kepler'sche Fassregel (nach Johannes Kepler) ist ein Verfahren der numerischen Integration, bei dem eine Näherung zum Integral einer Funktion
im Intervall
berechnet wird, indem man die schwer zu integrierende Funktion
durch eine exakt integrierbare Parabel
annähert.
Die Parabel
wird als Interpolationspolynom durch Funktionswerte an den Stellen
gelegt. Das Integral nähert man dann durch das Integral der Parabel an. Die Simpsonregel ist damit eine sogenannte abgeschlossene Newton-Cotes-Formel. Damit ergibt sich dann
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Geschichte [Bearbeiten]
Die Formel wurde erstmals von dem 1608 geborenen Evangelista Torricelli benutzt, ist aber nach dem 1710 geborenen englischen Mathematiker Thomas Simpson benannt. Sie entspricht der Keplerschen Fassregel, die Johannes Kepler bereits 1615 aufstellte.
Über die Entstehungsgeschichte berichtet Kepler in der Widmung der späteren Veröffentlichung. Nachdem 1611 Keplers erste Frau in Prag gestorben war, heiratete er – nun in Linz arbeitend – 1613 wieder. Er kaufte für die Hochzeit einige Fässer Wein. Als der Wein eingekellert war, kam der Verkäufer mit einer Messrute und bestimmte den Inhalt für alle Fässer ohne Überlegung oder Rechnung nach der gleichen Methode. Die Messrute wurde mit ihrer metallenen Spitze durch das Spundloch quer bis zu den Rändern der beiden Böden eingeführt und die Marke am Spundloch ergab den Rauminhalt. Kepler wunderte sich, dass eine Diagonale durch die Fasshälfte ein Maß für den Rauminhalt abgeben sollte, und bezweifelte die Richtigkeit dieser Methode, da ein sehr niedriges Fass mit etwas breiteren Böden und daher sehr viel kleinerem Rauminhalt die gleiche Visierlänge besitzen könnte.
Kepler verfasste daraufhin die Schrift Nova Stereometria doliorum vinariorum 1615 (Neue Inhaltsberechnung von Weinfässern), in der er nach überprüfbaren Methoden zur Inhaltsberechnung von Weinfässern suchte. Eine dieser Methoden bestand darin, die Krümmung des Fasses durch eine Parabel anzunähern, da Inhaltsberechnungen mit Hilfe von Parabeln seit Archimedes exakt durchgeführt werden konnten.
Unter anderem beschrieb er darin eine Formel zur Berechnung der Kapazität (genauer des Volumens) von Weinfässern mit unregelmäßigen Formen. Diese Formel liefert exakte Werte für den Pyramidenstumpf (einschließlich Pyramide), Kugel, elliptisches Paraboloid und einschaliges Hyperboloid.
Fehlerabschätzung [Bearbeiten]
Ist
viermal stetig differenzierbar in
, dann gilt für den Fehler
die Abschätzung
Ist
zusätzlich noch reellwertig, dann gilt mit einer geeigneten Zwischenstelle
aus
für das Restglied
Diese Restglieddarstellung wurde 1887 von Giuseppe Peano gefunden. Sie besagt insbesondere, dass die Simpsonregel Polynome vom Grad drei exakt integriert, also einen Grad höher als man nach Konstruktion erwarten würde. Diese Eigenschaft haben alle abgeschlossenen und offenen Newton-Cotes-Formeln von geradem Grad.
Summierte simpsonsche Formel [Bearbeiten]
Um das Integral noch besser annähern zu können unterteilt man das Intervall
in nebeneinanderliegende, gleich große Teilintervalle. In jedem Teilintervall wendet man die simpsonsche Formel für die einzelnen Teilflächen an und addiert danach die entstandenen Näherungen. Damit erhält man die summierte oder zusammengesetzte Simpsonregel. Es gibt unterschiedliche Notationen für die Unterteilung in Teilintervalle die zu verschiedenen Formulierungen der Summierten simpsonschen Formel führen.
Variante 1 [Bearbeiten]
Hier unterteilt man das Intervall
in
nebeneinanderliegende, gleich große Teilintervalle
der Länge
. In jedem Teilintervall wendet man die simpsonsche Formel
an und addiert danach die entstandenen Näherungen. Mit
und
erhält man:
bzw.
Man sieht leicht einen Zusammenhang mit der Sehnentrapezformel
und der Tangententrapezformel
:
Die Fehlerabschätzung für das Restglied lautet nun
beziehungsweise für reellwertige Funktionen mit einer geeigneten Zwischenstelle
aus dem Intervall ![[a,b]](http://upload.wikimedia.org/math/2/c/3/2c3d331bc98b44e71cb2aae9edadca7e.png)
Variante 2 [Bearbeiten]
Hier unterteilt man das Intervall
in
nebeneinanderliegende, gleich große Teilintervalle
mit Mittelpunkt
und Länge
. In jedem Teilintervall wendet man die simpsonsche Formel Für jedes gerade
wendet man auf das Intervall
die simpsonsche Formel
an und addiert danach die entstandenen Näherungen. Für gerades
,
und
erhält man:
bzw.
Volumenberechnung [Bearbeiten]
Der Name Fassregel lässt sich durch die folgende Anwendung begründen: Zur Berechnung des Volumens eines Weinfasses sei
die Querschnittsfläche quer zur Längsachse in der Entfernung
vom Boden des Fasses; sie lässt sich durch Bestimmung des Umfanges leicht ausrechnen. Ist
die Höhe des Fasses, so ist das Volumen gleich
Die Keplersche Fassregel gibt nun
als Näherungswert für das Volumen eines Körpers, dessen Querschnitt an drei Stellen bekannt ist. Ist der Körper ein Rotationskörper, so gilt bei Rotation um die x-Achse:
Für bestimmte Rotationskörper wie Kegel und Kegelstumpf, Zylinder und Rotationsparaboloid gibt diese Formel das genaue Volumen an.
Ist
der Umfang von Boden und Deckel und
der Umfang in der Mitte des Fasses, so ergibt sich daraus die Näherungsformel:
Der exakte Wert für eine parabolische Krümmung der Fassdauben ist
Verwendung als Runge-Kutta-Verfahren [Bearbeiten]
Die Simpsonregel lässt sich auch als Runge-Kutta-Verfahren darstellen, und zwar mit dem Butcher-Schema
Veranschaulichung durch Rechteckflächen [Bearbeiten]
Das Integral der Parabel ist gleich der schraffierten Fläche von sechs gleichbreiten Rechtecken. Die Höhen der äußeren Punkte werden einfach gewichtet, die Höhe des mittleren Punktes vierfach.
Literatur [Bearbeiten]
- Hans R. Schwarz, Norbert Köckler: Numerische Mathematik. 6. Auflage, Teubner, Stuttgart 2006, ISBN 3-519-42960-8, S. 311-316.
- Johannes Kepler: Neue Stereometrie der Fässer. Aus dem Lateinischen übersetzt und herausgegeben von R. Klug. W. Engelmann. Leipzig, 1908.













![V \approx \pi \frac{h}{6}\cdot \left[ 2 \left( {\frac{u}{2\pi}} \right)^2 + 4 \left( {\frac{U}{2\pi}} \right)^2 \right] \
= \pi \frac{h}{6}\cdot \left[ 2 \left( \frac{u^2}{4\pi^2} \right) + 4 \left( \frac{U^2}{4\pi^2} \right) \right]=\frac h{12\pi}\cdot \left[u^2 + 2U^2\right].](http://upload.wikimedia.org/math/a/e/8/ae8cd39cd79e921a6ebcb75a708f4b22.png)
![V = \frac{h}{60\pi}\cdot \left[3u^2 + 4Uu + 8 U^2 \right].](http://upload.wikimedia.org/math/d/f/a/dfae047d123cdc9f2158e1e7dc11c6e7.png)
