Simson KR50

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Simson
Simson KR50.jpg
Der Simson KR50 in hammerschlagblau
KR50
Hersteller: VEB Fahrzeug und Gerätewerk Simson Suhl
Produktionszeitraum 1958 bis 1964
Motordaten
Einzylinder-Zweitakt-Ottomotor
Hubraum (cm³) 47,6 cm³
Leistung (kW/PS) 1,5 kW bei 5500/min, ab 1963: 1,7 kW
Höchstgeschwin-
digkeit
 (km/h)
50 km/h
Getriebe 2-Gang Handschaltung
Antrieb Kette
Leergewicht (kg) 64
Nachfolgemodell Simson Schwalbe
Zum Vergleich: Simson KR51 „Schwalbe“

Der KR (Klein-Roller) 50 war ein verkleidetes Kleinkraftrad in Roller-Optik, das von 1958 bis 1964 insgesamt 164.500 mal bei Simson in Suhl (Thüringen) gebaut wurde. Gestalterische Elemente des KR50 fanden sich deutlich in dessen Nachfolger, der KR51 "Schwalbe" wieder.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Einführung des KR 50 setzte neue Maßstäbe auf dem Rollermarkt, obgleich es nur wenig internationale Trends bei den 50-cm³-Rollern gab. Beinahe als einzige herausragende Erscheinung war der Kreidler R 50 präsent. Bereits 1954 präsentierte der Leipziger Rolf Berger den Motorroller Pünktchen mit 50 cm³ Hubraum und 1,3 PS Leistung.[1] Das Fahrzeug ging jedoch nicht in Serie. Konzeptionell könnte Simson bei der Entwicklung des KR50 vom DKW Hobby und vom Victoria Nicky inspiriert worden sein. In Leipzig wurde 1955 ein Kleinstmotorroller mit 50 cm³ und 35 km/h Höchstgeschwindigkeit konstruiert,[2] der jedoch nicht in Serie ging. So war der Simson KR50 der erste Kleinroller der DDR.

Ursprünglich war für den zweiten Fünfjahrplan der Bau von Modellen SR1, SR2 und SR3 parallel vorgesehen, wobei unter dem SR3 ein kleinrollerartiges Fahrzeug verstanden wurde. Letztlich kam es auch so, wobei die Fertigung des SR1 zugunsten des SR2 eingestellt wurde. Die Jawa 50 mit Kickstarter und Fußrasten weckte in der Bevölkerung bereits 1956 den Wunsch, dass Simson ein Mokick produziert.[3] Tatsächlich kam der KR50 1958 mit Kickstarter daher. Er verfügte außerdem über die bekannte Zweigang-Handschaltung und bot, wie damals üblich, nur einer Person Platz. Die Blechkarosserie des Rollers gewährleiste einen umfassenden Schmutzschutz. Neu im Vergleich zum Moped war auch die Fernbedienung von Tupfer und Choke, sowie der großzügige Gepäckträger, der sich auch an der Simson-Vogelserie wiederfinden sollte. Der abziehbare Benzinhahn als Diebstahlschutz konnte sich hingegen nicht durchsetzen. Der KR50 wurde in zwei Farben ausgeliefert – kupferbraun/beige und diaphanblau/grau – beides mit einer Art Hammerschlag. Wegen der blechintensiven Verkleidung waren beim Kleinroller von Anfang an nur begrenzte Stückzahlen möglich.

Modellpflege[Bearbeiten]

1959 wurde die Vorderradgabel mit langhubigen Schraubenfedern und Nachlauf ausgestattet. Die Kette wurde verstärkt, dickere Reifen verbaut, das Signalhorn verbessert und weitere Farben in das Programm aufgenommen.[4] Ab 1960 gab es weitere Neuerungen, wobei unter anderen ein Kippständer aus Blechprägeteilen den Rohrständer ablöste. Eine neue Hinterradfederung mit reibungsgedämpften Teleskopfederbeinen, ab der Fahrgestellnummer 82132 mit verlängertem Federweg von 85 mm, kam im Frühjahr auf. Die Vorderradführung vom damals aktuellen SR2E wurde ebenfalls übernommen. Somit bescherte die neue Gabel- und Schwingenkonstruktion mehr Fahrsicherheit und der um 12 mm verlängerte Federweg mehr Komfort. Das größere Rücklicht, ebenfalls vom SR2E übernommen, schloss das Änderungspaket im Oktober 1962 ab. 1963 gab es ebenfalls Neuerungen, wie beispielsweise einen Blechprägelenker, der den Rohrlenker ablöste. Weiter wurde das Fassungsvermögen des Tanks um einen halben Liter erhöht und die Leistung des Motors um 0,2 PS gesteigert.

Der Hersteller des Motors war das Unternehmen VEB Büromaschinenwerk Sömmerda, das vor dem Zweiten Weltkrieg zum Rheinmetall-Konzern gehörte. Die Seitendeckel des Motors zeigten noch den Schriftzug „Rheinmetall“.

Eigenschaften[Bearbeiten]

Der KR50 bot ausgezeichneten Wetterschutz. Die äußere Erscheinung eines Motorrollers täuschte insofern, als dass der KR50 mit vorn angeordnetem Motor, recht hohem Durchstieg und großen 16"-Rädern den Charakter eines eher sportlichen Mokicks hatte. Wegen seines femininen Äußeren wurde der KR50 stets mit Frauen beworben. Der etwas knapp bemessene Kraftstoffbehälter (6,3 l) wurde 1963 um einen halben Liter vergrößert, sodass sich nunmehr eine Reichweite von 270 km ergab.

Technische Daten[Bearbeiten]

Kenngröße Simson KR50
Motor Einzylinder-Zweitaktmotor mit Flachkolben
Kühlung Fahrtwind
Starter Kick
Hubraum (cm³) 47,6
Hub/Bohrung (mm) 42/38
Verdichtung 7,5:1; ab 1963 8,5:1
Leistung (PS/min) 2,1/5500; ab 1963 2,3/5500
Zündkerze M14/225
Vergaser BVF Zentral-Schwimmer-Vergaser NKJ 132-0; ab 1963 NKJ 133-2
Getriebe 2 Gang mit Handschaltung über Bowdenzug (Drehgriffschaltung)
Kupplung Dreischeiben-Ölbadkupplung
Bereifung 20x2,25; ab 1963 16x2,50 DIN 7802
Rahmen Doppelrohr
Bremse vorn/hinten Innenbacken
Federung vorn Schwinghebel mit Gummipuffern; ab 1959 Kurzschwinge auf Schraubenfedern
Federung hinten Schwinge mit Federbein
Eigengewicht (kg) 63; ab 1963 68
zulässiges Gesamtgewicht (kg) 170
Höchstgeschwindigkeit 50 km/h
Verbrauch (l/100 km) 2,5
Tankinhalt (l) 6,3
Preis 1150 Mark der Deutschen Notenbank (MDN); 1265 MDN mit Leichtmetallfelgen und Zweifarbenlackierung
Bauzeit 1958–1964
Stückzahl 164 500
elektrische Anlage Schwunglichtmagnetzünder 15/18 W mit Lichtspule 6 V, 18 W
Sonstiges Scheinwerfer: 15/15 W, 6 V; Signalhorn über zwei Trockenbatterien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Rückblick auf die technische Messe 1954. In: Kraftfahrzeugtechnik 11/1954, S. 338.
  2. Neuer Kleinstmotorroller aus Leipzig. In: Kraftfahrzeugtechnik 3/1955, S. 91.
  3. Ist die Mopedentwicklung zweckmäßig? In: Kraftfahrzeugtechnik 5/1956, S. 193–194.
  4. Der volkseigene Kraftfahrzeugbau auf der Leipziger Herbstmesse 1959. In: Kraftfahrzeugtechnik 9/1959, S.369.

Literatur[Bearbeiten]

  • Simson-Kleinroller KR 50., Kraftfahrzeugtechnik 8/1958, S.304-305.
  • Schrader-Typen-Chronik: Simson Schwalbe & Co 1955–1991.

Weblinks[Bearbeiten]