Simson Schwalbe

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Simson KR51/1 „Schwalbe“
KR51/2 L Bj 82 billardgrün, KR51/1 S Bj 79 rot, KR51/1 K Bj 79 saharabraun

Die Simson „Schwalbe“ ist ein vom VEB Fahrzeug und Gerätewerk Simson Suhl bzw. später VEB Fahrzeug- und Jagdwaffenwerk „Ernst Thälmann“ unter dem Markennamen Simson hergestelltes Kleinkraftrad. Die erste Baureihenbezeichnung der Schwalbe lautet KR51 (KR steht für Kleinroller; die 5 für den Nennhubraum von 50 cm³; die 1 dient der Unterscheidung zum Vorgänger, dem KR50). Insgesamt gab es drei Baureihen mit zusammen neun Modellen. Die Weiterentwicklung der Schwalbe stellte der SR50 dar. Zahlreiche Bauteile der Schwalbe fanden sich im dreirädrigen Krause-Duo wieder.

Geschichte und Entwicklung[Bearbeiten]

Die Schwalbe vom Typ KR 51 ist der erste Motorroller von Simson, der zur Vogelserie gehört. Dieser Kleinkraftroller wurde erstmals als Zweisitzer entwickelt und von 1964 bis 1986 produziert. Leitender Konstrukteur war zu dieser Zeit Erhard Werner, der bereits seit 1949 bei Simson angestellt war. Ursprünglich (Lastenheft 1962) war der Typ KR 51 als Kleinkraftrad ohne Geschwindigkeitsbegrenzung konzipiert und auf eine Höchstgeschwindigkeit von 68 km/h ausgelegt. Damit sollte – dem damaligen Weltstandsvergleich folgend – ein auch im Westen konkurrenzfähiges Kleinkraftrad geschaffen werden. Nach Verhandlungen mit den zuständigen Ministerien wurde die Geschwindigkeit jedoch 1963 auf 60 km/h begrenzt. Die Drosselung erfolgte über eine Änderung der Übersetzung im dritten Gang. Der Typ KR51 wurde zwar als Kleinroller mit gutem Wetterschutz konzipiert. Anordnung des Triebwerks, Aufbau und Fahreigenschaften zeigen jedoch auf, dass es sich letztlich weniger um einen Roller als vielmehr um ein blechverkleidetes Mokick handelt. Für das Design des KR51 mussten die Konstrukteure zunächst einige Kritik wegstecken. Die Fachpresse kritisierte es als nicht zu Ende gedacht und voller Kompromisse. Vergleicht man mit dem Vorläufer KR50, fällt tatsächlich eine inkonsequente Weiterentwicklung der Gestaltung auf. Der Popularität der Schwalbe tat dies jedoch keinen Abbruch. Nach diversen zum Teil zweifarbig lackierten Prototypen wurde 1963 eine Nullserie gefertigt. Produktionsbeginn der Serie war Januar 1964, wobei die Auslieferung der Fahrzeuge aufgrund von fehlendem Material – insbesondere einem bauartgenehmigten Rückstrahler – mehrmals gestoppt werden musste. Ab April 1964 erfolgte dann eine regelmäßige Auslieferung.

Bei der Konzipierung der Typreihe wurden fortschrittliche Wege beschritten. Neben austauschbaren Rädern wurden erstmals bei einer derartigen Fahrzeugklasse Blinklichter, Stopplicht, Parklicht und ein Gleichstrom-Signalhorn eingesetzt, für die ein Bleiakkumulator als Energiespeicher diente. Auch ein solider Gepäckträger mit verstellbarem Spannband gehörte schon zur Grundausstattung.

Baureihe KR 51[Bearbeiten]

Unrestaurierte Simson Schwalbe KR 51, hergestellt Februar 1964 mit zeitgenössischem Sitzbankbezug als Zubehör

Die erste Generation der Schwalbe wurde unter der allgemeinen Typenbezeichnung KR 51 ohne Zusatz von 1964 bis 1968 produziert. Der gebläsegekühlte 3-Gang-Motor wurde anfangs nur mit Handschaltung, ab 1965 wahlweise mit Fußschaltung angeboten. Als Farbe war von Anfang an das typische, kräftige blau im Angebot. Außerdem tundragrau, sowie ganz zu Anfang auch orange. Schwalben der ersten Jahre unterschieden sich in vielen Details von späteren Jahrgängen, was sie heute im Originalzustand zu gesuchten Raritäten macht. So war die Form der Blinker anders, der Kippständer aus Stahl und in Fahrzeugfarbe lackiert, ein Katzenauge am Fahrzeugheck montiert, der Kettenkasten aus Aluminium, die Sitzbank mit Chromrahmen usw. (siehe Foto). Die Ansauggeräuschdämpfung fiel bei dieser ersten Typenreihe relativ spärlich aus, was zu einem kräftig-kernigen Motorklang führte. Beteiligt daran war auch die recht einfache Auspuffanlage. Der Motor war noch nicht optimal an die Anforderungen der 60-km/h-Beschränkung angepasst: In niedrigeren Drehzahlen fehlte es ihm an Kraft, dafür aber neigte er zum Überdrehen, sodass die 60-km/h-Grenze unter günstigen Bedingungen deutlich überschritten werden konnte. Bei der recht hohen Nenndrehzahl von 6500 min−1 traten zudem starke Vibrationserscheinungen auf. In Verbindung mit den eher hart ansprechenden, reibungsgedämpften Federbeinen, ergibt sich aus alledem ein recht uriges Fahrgefühl auf diesem ersten Schwalbetypus. Der Unterschied zu Schwalben der /2-Reihe ist also deutlicher, als man bei dem kaum veränderten Äußeren erwartet. Der Motor benötigt als Kraftstoffgemisch 1:33. 1965 wurde ein neuer Vergaser mit separatem Leerlaufsystem verbaut, der einen sparsameren und störungsfreieren Motorlauf ermöglichte. Dabei entfiel auch die Tupferbetätigung. Die Choke-Bedienung wurde vom Blech unter dem Lenker an den Lenkergriff verlegt.

KR 51 Schwalbe von 1964; unrestauriert und völlig original, überdauerte die Zeit im Schaufenster eines westdeutschen Händlers.
Technische Daten
KR 51
Bauzeit 1964–1968
Motor M53KH
Hubraum 49,6 cm³
Verdichtung 9,5:1
Leistung 3,4 PS / 6500 min−1
Kühlung Radialgebläse
Getriebe 3-Gang-Fußschaltung
Rahmen Doppelrohr
Radführung vorn geschobene Langschwinge mit Federbein und Reibdämpfern
Radführung hinten Schwinge mit Federbein
Bereifung 2,75 × 16" (alte Bez. 20 × 2,75)
Gewicht 79 kg
Höchstgeschwindigkeit 60 km/h
Stückzahl 163.500

Baureihe KR 51/1[Bearbeiten]

Ab 1968 wurde die Schwalbe unter der Bezeichnung KR 51/1 mit überarbeitetem Motor gefertigt. Die Leistung erhöhte sich geringfügig auf 3,6 PS. Dabei verbesserte sich vor allem die Elastizität. Abgas- und Ansauganlage wurden verbessert, sodass der Geräuschpegel deutlich reduziert werden konnte. Der Luftfilter saß nun unterhalb des Lenkers und war über Schläuche und einen Luftberuhigungskasten mit dem Vergaser verbunden. Äußerlich waren die beiden Modelle kaum voneinander zu unterscheiden. Auch das Farbprogramm blieb zunächst unverändert. Im Laufe der 1970er Jahre wurden jedoch einige Veränderungen im Detail vorgenommen. Gummi- und Plasteteile sowie die Sitzbank wurden im Laufe der Jahre schwarz statt beigefarben ausgeführt. 1974 wurde der Auspuff verändert, zu erkennen an einem flach abgerundeten Endstück statt bisher spitz zulaufend. Dabei veränderte sich erneut das Klangbild der Schwalbe. Um 1972 wurde der hintere Bremsnocken nach außen verlegt, was eine bessere Nachstellbarkeit der Hinterradbremse ermöglichte. Die anfängliche Nierenform des Rückspiegels wich einem rechteckigen Spiegel. Dieser wiederum wurde 1975 durch einen schwarzen runden Spiegel abgelöst, der fortan in einer Bohrung am Kupplungsgriff befestigt wurde. Wichtig war die Umstellung des oberen Pleuellager von Bronzebuchse auf Nadellagerung, womit das nötige Gemisch von 1:33 auf 1:50 reduziert werden konnte. Die Umstellung erfolgte im Laufe des Jahres 1975 bis Mitte 1976 (im Zweifelsfall sollte ein 1:40-Gemisch getankt werden, um Motorschäden zu verhindern). Ferner wurden ab Mitte 1976 der Kupplunghebel und der Vorderradbremshebel aus Kunststoff gefertigt, was eine bessere Haltbarkeit und ein komfortableres Bedienen ermöglicht. Bei der nur noch selten ausgelieferten Variante mit Handschaltung wurden die Bedienhebel aus Metall wie auch der graue rechteckige Rückspiegel beibehalten.

Modell KR 51/1 und KR 51/1 F[Bearbeiten]

Diese beiden Grundmodelle waren mit reibungsgedämpften Federbeinen ausgestattet. Typische Farbe war ein kräftiges Blau. Bis 1973 war außerdem die Farbe tundragrau im Angebot. Die Schaltung des Getriebes erfolgte beim Modell KR 51/1 F mittels Fußschaltwippe. Außerdem wurde in geringer Stückzahl weiterhin die Handschaltung mit Schaltdrehgriff am Lenker gefertigt. Ab etwa 1977 wurde die Sitzbank auch für die Grundmodelle verlängert. Insgesamt wurden von diesem Typus 375.000 Stück gebaut. Der Einzelhandelsverkaufspreis (EVP) dieser Modelle betrug in der DDR 1265 Mark.

Technische Daten
KR 51/1 KR 51/1F
Bauzeit 1968–1980 1968–1980
Motor M53/1KH M53KFR
Hubraum 49,6 cm³
Verdichtung 9,5:1
Leistung 2,7 kW (3,6 PS) / 5700 min−1
Kühlung Radialgebläse
Getriebe 3-Gang-Handschaltung 3-Gang-Fußschaltung
Rahmen Doppelrohr
Radführung vorn geschobene Langschwinge mit Federbein und Reibdämpfern
Radführung hinten Schwinge mit Federbein
Bereifung 2,75 × 16" (alte Bez. 20 × 2,75) 2,75 × 16"
Gewicht 80 kg 79 kg
Nutzlast 151 kg
Höchstgeschwindigkeit 60 km/h
Stückzahl 25.000 350.000

Modell KR 51/1 S[Bearbeiten]

KR51.1S Bj75 original, zu erkennen ist der fehlende Kupplungshebel

Diese von 1968 bis 1980 in einer Stückzahl von 44.600 produzierte Roller-Sonderausführung besaß als wichtigstes Unterscheidungsmerkmal eine halbautomatische Fliehkraftkupplung zum Anfahren. Während des Gangwechsels wurde diese Kupplung beim Betätigen der Schaltwippe auf mechanischem Wege automatisch mit getrennt. Nach etwas Eingewöhnung ist dies eine sehr angenehme Variante, die vor allem im dichten Stadtverkehr ihre Vorteile ausspielt. In Zuverlässigkeit und Langlebigkeit steht die Halbautomatik der gewöhnlichen Ausführung in nichts nach. Ferner brachte die außenliegende Zündspule eine Erhöhung der Scheinwerferleistung auf 25 Watt mit sich. Die S-Schwalbe war außerdem mit komfortablen hydraulisch gedämpften Federbeinen ausgestattet, die (nur bei diesem Modell) verchromte Hülsen trugen. Eine neu geformte längere Sitzbank vervollständigte die gehobene Ausstattung. Die Lackierung erfolgte zunächst in Olivgrün, wobei die Lenkerschale beige lackiert wurde. 1978 wurde auf die Farbe Signalrot umgestellt. Zu erkennen gibt sich der Typ auch am Schriftzug „SchwalbeS“. Der Einzelhandelsverkaufspreis für dieses Modell betrug in der DDR 1400 Mark. Anders als erwartet wurde die Schwalbe-S kein Verkaufsschlager, sodass man sich dazu entschied, die Komfortmerkmale auch mit herkömmlicher Schaltung anzubieten. Heraus kam dabei das populäre Modell K.

Modell KR 51/1 K[Bearbeiten]

KR51/1K Bj 76 Originalzustand

Bei dieser Komfort-Variante des Kleinrollers mit einer Auflage von 185.000 Stück wurden Motor und Elektrik der Grundausstattung mit den Komfortmerkmalen der S-Schwalbe zu einem beliebten Modell kombiniert. Die hydraulisch gedämpften Federbeine verbesserten Fahrkomfort und Bodenhaftung der Räder erheblich. Ferner bot die auf 625 mm verlängerte Sitzbank günstigere Voraussetzungen für den Soziusbetrieb. Ansonsten unterschied sich das K-Modell noch durch die Lackierung vom Grundtyp: Sie erfolgte in Atlasweiß mit goldfarbenem Schriftzug (ab 1978 in Saharabraun und dem gewöhnlichen silbernen Schriftzug). Der Ladenpreis (EVP) des Rollers KR 51/1 K lag bei 1350 Mark.

Technische Daten
KR 51/1 K
Bauzeit 1974–1980
Motor M53/1 KFR
Hubraum 49,6 cm³
Verdichtung 9,5:1
Leistung 2,7 kW (3,6 PS) / 5750 min−1
Kühlung Radialgebläse
Getriebe 3-Gang-Fußschaltung
Rahmen Doppelrohr
Radführung vorn geschobene Langschwinge mit Federbein und Hydraulikdämpfern
Radführung hinten Schwinge mit Federbein
Bereifung 2,75 × 16" (alte Bez. 20 × 2,75)
Gewicht 80 kg
Höchstgeschwindigkeit 60 km/h
Stückzahl 185.000

Baureihe KR 51/2[Bearbeiten]

Simson KR 51/2 von 1984
Simson Schwalbe KR 51/2 E von 1981 „unrestauriertes Original“

Diese letzte Baureihe der Schwalbe wurde von 1980 bis 1986 produziert. Wesentliche Neuerung war der neu konstruierte, fahrtwindgekühlte 3,7-PS-Motor aus dem S51. Für den Einbau in die Schwalbe wurde eine Rahmenänderung erforderlich (Wegfall des Mittelstegs durch die nicht mehr nötige Aufhängung des Zylinderkopfs, dafür zusätzliche Verstärkungsbleche an der hinteren Motoraufhängung). Dieser Motor war sparsamer, elastischer und mit wahlweise drei oder vier Gängen, mit Unterbrecher oder kontaktloser Zündung lieferbar. Mit der veränderten Motoraufhängung und der verringerten Nenndrehzahl (5500 min−1) wurden die Vibrationen an Lenker, Trittbrett und Sitzbank erheblich reduziert. Durch den Wegfall des Gebläses verringerte sich der Geräuschpegel, jedoch war der Motor nun nicht mehr so gut vor Überhitzung geschützt (spielt bei strapaziösen Fahrten im Hochsommer eine Rolle). Abgesehen davon stellt der Motor einen deutlichen Fortschritt dar. Sein größter Vorteil ist, dass er seine Leistung bereits bei vergleichsweise niedrigen Drehzahlen entfaltet. In der Praxis bedeutet das, dass nicht so früh zurückgeschaltet werden muss bzw. eher hochgeschaltet werden kann. Mit dem 4-Gang-Getriebe trat eine zusätzliche Verbesserung ein. In Verbindung mit der kontaktlosen Elektronikzündung (nur in der L-Ausstattung) kann dieser Motor auch heute noch als zeitgemäß und wirtschaftlich gelten.

Weitere Änderungen: Die Hinterradbremse wurde von Bowdenzug auf Gestängebetätigung umgestellt, was mehr Zuverlässigkeit und Wirksamkeit mit sich brachte. Die Elektrikbauteile wurden unter das vordere Abdeckblech verlegt, der vorher dort sitzende Luftfilter saß nun direkt vor dem Vergaser; lediglich das Ansaugrohr für die Luft verblieb unter dem Knieblech. Außerdem wurde die Leistung der Bremsleuchte von 18 auf 21 Watt erhöht.

Äußerlich ist die /2er-Typenreihe kaum von ihren Vorläufern zu unterscheiden. Die Abgasanlage wurde auf die rechte Fahrzeugseite verlegt. Damit wurde der Ausbau des Hinterrades erleichtert und die Verbrennungsgefahr verringert. Ins Auge fällt außerdem das runde Rücklicht vom S 50. 1983 wurde es durch das größere, ebenfalls runde Rücklicht BSL 122 ersetzt, das mit drei statt bisher zwei Schrauben befestigt wurde. Außerdem sind die /2er an einem generell schwarz lackierten Lenkerblech mit einer etwas anderen Form zu erkennen.

Modell KR 51/2 N[Bearbeiten]

Dieser generell mit Fußschaltung ausgestattete Grundtyp erhielt den neuen Motor in 3-Gang-Ausführung. Für die Radfederung wurden weiterhin reibungsgedämpfte Federbeine eingesetzt. Im Gegensatz zu den N-Ausführungen anderer Simsonmodelle verfügte die N-Schwalbe über Batterie und Blinker. Stückzahl: 90.800. Die Lackierung erfolgte zunächst traditionell in Blau und ab 1984 in Saharabraun. Damit schied das typische Blau aus der Farbpalette aus.

Modell KR 51/2 E[Bearbeiten]

Dieses Modell war mit hydraulisch gedämpften Federbeinen und dem neuen Motor in 4-Gang-Ausführung ausgestattet. Vor allem für Bergauffahrten und Soziusbetrieb ergab sich daraus eine weitere Verbesserung der Fahrleistungen. Stückzahl: 124.500; Motor M541KFR. Der Einzelhandelsverkaufspreis für dieses Rollermodell lag bei 1755 Mark. Die Farbgebung war braun, bis 1984 hell saharabraun, später kräftig biberbraun.

Modell KR 51/2 L[Bearbeiten]

In diesem Luxusmodell war über die Ausstattung der E-Schwalbe hinausgehend eine wartungsfreie elektronische Zündanlage montiert und dadurch gleichzeitig die Scheinwerferleistung auf 35/35 W erhöht worden. Der Wegfall des Unterbrechers war ein nicht zu verachtender Pluspunkt für Zuverlässigkeit, denn der Motor erhielt nun stets zum vorgesehenen Zeitpunkt seinen Zündfunken und wurde damit nochmals zuverlässiger und sparsamer. Als Antrieb wurde der Motor M541 KFR verwendet. Die Farben dieses Modells waren erst kirschrot und ab 1982 billardgrün.

Technische Daten: KR 51/2N, KR 51/2E, KR 51/2L
KR 51/2N KR51/2E KR51/2L
Bauzeit 1979–1986
Motor M 531KFR M 541KFR
Hubraum 49,9 cm³
Verdichtung 9,5:1
Leistung 2,7 kW (3,7 PS) / 5500/min
Kühlung Fahrtwind
Getriebe 3-Gang-Fußschaltung 4-Gang-Fußschaltung
Rahmen Doppelrohr
Radführung vorn Langschwinge mit Federbein
Radführung hinten Schwinge mit Federbein
Bereifung 2,75 × 16"
Gewicht 80 kg 81,5 kg
Höchstgeschwindigkeit 60 km/h
Stückzahl 90.800 124.500 84.900

Modell „e-Schwalbe“[Bearbeiten]

Die Firmen efw-Suhl GmbH und Entega wollten im Frühjahr 2011 einen Elektroroller auf den Markt bringen, der das Design der Simson Schwalbe wieder aufgreift.[1] Wegen Lieferschwierigkeiten beim Zulieferer von Elektronikbauteilen sollte die Auslieferung erst im Frühjahr 2012 beginnen.[2] Zu diesem Termin verschob man den Serienstart erneut, diesmal auf Frühjahr 2013, wegen noch fehlender gründlicher Tests der neuen Modelle.[3]
Im September 2012 gab Entega bekannt, dass der Ökostromanbieter beabsichtigt, sich von seiner 48%-Beteiligung an der efw-Suhl zu trennen. Ein Sprecher des Unternehmens gab zum damaligen Zeitpunkt an, dass klar geworden sei, dass das Projekt noch technische und sicherheitsrelevante Fragen aufwerfe. Ebenso wurden Mängel im Management eingeräumt. [4] Aus anderer Quelle ist zu entnehmen, dass der Rückzug von Entega aus dem Projekt möglicherweise mit einem Führungswechsel beim Energieversorger HSE zusammenhängt.[5]
Nachdem am 8. September 2012 in den Medien berichtet wurde, ein fahrtüchtiger Roller von der efw-Suhl sei nicht in Sicht [6], nahmen am 14. September 2012 zwei e-Schwalbe Fahrzeuge an der 194 km langen Bertha Benz Challenge 2012 teil.[7]

Allgemeine Besonderheiten[Bearbeiten]

Konstruktionsmerkmale[Bearbeiten]

Alle Baureihen der Schwalbe besitzen ein Vollschwingenfahrwerk mit großen Federwegen und Simplex-Trommelbremsen. Vorder- und Hinterrad sind austauschbar. Der Kettentrieb ist staubdicht mittels Gummischutzschläuchen gekapselt. Außerdem erleichtern Steckachsen die Demontage der Räder, wobei der Hinterradantrieb komplett an der Hinterradschwinge verbleiben kann.

Zubehör[Bearbeiten]

Folgendes Originalzubehör war für die Schwalbe erhältlich:

  • Anhängerkupplung mit Elektrikanschluss
  • Kindersitz
  • Kniedecke
  • eine am Lenker zu montierende Windschutzscheibe[8], die unterhalb angebrachten Lederlappen schützen die Hände vor Fahrtwind und Regen

Verbreitung[Bearbeiten]

Ganz wesentliche Sympathien gewann die 50er-Klasse aus der DDR dank der Festlegung der StVZO-DDR, nach der motorisierte Zweiräder mit einem Hubraum bis 50 cm³ und mit einer erreichbaren Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h bereits von Personen gefahren werden durften, die ihr 15. Lebensjahr vollendet hatten. Allerdings bevorzugten Jugendliche zu DDR-Zeiten in der Regel die sportlicheren Mokick-Modelle Star und Habicht. Die Schwalbe war jedoch in breiten Altersgruppen überaus beliebt. Die meisten Fahrzeuge wurden im Inland verkauft. Insgesamt wurde sie über 1 Million mal gebaut und zählt damit zu den Meilensteinen deutscher Mopedgeschichte. Noch heute ist sie im deutschen Straßenbild vertreten. Allerdings sind die meisten heute noch fahrenden Schwalben nicht mehr original erhalten. Durch die einfache Konstruktion wurden viele Fahrzeuge bereits einmal zerlegt, aus verschiedenen Teilen wieder aufgebaut, Motoren getauscht, die Verkleidung umlackiert usw. Komplett original belassene Modelle sind deswegen selten geworden und entsprechend gesucht.

Ersatzteillage[Bearbeiten]

Dank des Baukastenprinzips sind viele Simson-Teile standardisiert und universell verwendbar. So kann zum Beispiel das Rad von vorn nach hinten und sogar zwischen den meisten Simson-Modellen getauscht werden. Die Schwalbe hat sehr viel gemeinsame Teile mit anderen Modellen der Vogelserie. Bis auf wenige Ausnahmen sind noch alle Originalersatzteile auf dem Gebrauchtteile-Markt zu bekommen. Die Ersatzteillage ist außerdem durch diverse Reproduktionen gesichert. Die MZA (Meyer-Zweiradtechnik Ahnatal) GmbH aus Vellmar bei Kassel stellt fast alle Ersatzteile für die Schwalbe (wie auch für alle anderen SIMSON-Baureihen) neu her, allerdings erreicht man dabei häufig nicht die Qualität und Passgenauigkeit der Originalersatzteile.

Vorteile[Bearbeiten]

  • Die Schwalbe darf mit der Führerscheinklasse AM (vorher M) gefahren werden, obwohl sie eine Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h besitzt. Laut Einigungsvertrag und Fahrerlaubnisverordnung[9] dürfen in Deutschland Ein- und Mehrspurfahrzeuge der ehemaligen DDR mit maximal 50 cm³ Hubraum trotz einer (in der DDR zulässig gewesenen) Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h immer noch mit der Klasse AM gefahren und als Kleinkraftrad versichert werden, sofern sie vor dem 28. Februar 1992[10] erstmals in den Verkehr kamen. Eigentlich ist die Klasse AM EU-weit auf Fahrzeuge mit einer bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit von bis zu 45 km/h beschränkt.
  • Dank der Einstufung als Kleinkraftrad unterliegt die Schwalbe (wie auch andere hubraumgleiche Einspurfahrzeuge der ehemaligen DDR) nicht der Verpflichtung, sich regelmäßig der Hauptuntersuchung (HU) unterziehen zu müssen; eine Kraftfahrzeugsteuer wird – wenigstens in der Bundesrepublik – gleichfalls nicht erhoben.
  • Die Technik ist anspruchslos, ausgereift und zuverlässig.
  • Durch die wartungsfreundliche Konstruktion sind viele Reparaturen ohne großen Aufwand durchführbar, generell sind die Unterhaltskosten gering.
  • Die nicht-selbsttragende Karosserie weist keine rostanfälligen Hohlräume auf.
  • Die Schwalbe ist dank ihres altmodischen Designs – wie die Vespa – zum Kultfahrzeug avanciert.
  • Die Ersatzteilversorgung ist meist sehr gut und günstig, was einerseits am genannten Baukastenprinzip und einer hohen in der DDR produzierten Stückzahl liegt und andererseits auch an einer vielzahl an nachproduzierten Teilen. Außerdem wurden zu DDR-Zeiten viele Ersatzteile "gebunkert", sodass es auch heutzutage noch viele unbenutzte Originalteile zu vertretbaren Preisen gibt.

Nachteile[Bearbeiten]

  • Aufgrund der als Schwinge realisierten Vorderradführung neigt die Schwalbe etwas zum Lenkerpendeln, vor allem bei Belastung des Gepäckträgers. Allerdings kann dies auch auf ein ausgeschlagenes Stirnrohr hinweisen, womit die Lenkkopflager nicht mehr festsitzen (tritt häufiger auf).
  • Der Rahmen der KR51/2 Baureihe kann an der Motoraufhängung reißen, bei der älteren 51/1 Baureihe ist das nur selten der Fall, da hier eine weitere Halterung am Zylinderkopf vorhanden ist.
  • Zur Montageerleichterung besitzt der Rahmen der Schwalbe viele Einschraubgewinde, welche bei unsachgemäßer Behandlung leicht "überdrehen" und dann nur schwer zu reparieren sind.
  • Die Unterbrecherzündung (alle außer Modell L) erfordert regelmäßige Wartung.
  • Das Blechkleid der Schwalbe erschwert den Zugriff auf die Technik (z. B. Benzinhahn ist erst nach Abnahme der Heckverkleidung demontierbar).
  • Da es kaum noch Tankstellen gibt, die Zapfstellen für Zweitakt-Kraftstoff (Benzin-Öl-Gemisch im Verhältnis 1:25 bzw. 1:50) anbieten und die Schwalbe in Ermangelung einer automatischen Öldosiereinrichtung nur gemischten Kraftstoff verarbeiten kann, ist häufig Selbstmischung erforderlich.

Literatur[Bearbeiten]

  • Erhard Werner: Das Schwalbe Buch – Ein Ratgeber. MZA-Verlag, ISBN 3-9809481-0-2.
  • Erhard Werner: Simson-Roller Schwalbe. MZA-Verlag, ISBN 3-9809481-5-3.
  • Schrader-Motor-Chronik „Schwalbe und Co.“
  • Schrader-Typen-Chronik: Simson Schwalbe & Co. 1955–1991.
  • Florian Rolke: Slow Way Down – Mit der Simson Schwalbe von Hamburg nach Kapstadt. Verlag Kastanienhof, ISBN 978-3941760127.

Weblinks[Bearbeiten]

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 Commons: Simson Schwalbe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Kr51 -Schwalben-Welt Internetseite mit technischen Daten, Einsteigertipps und Anleitungen zur Kr51, Kr51/1
  • Kr51/2 -Schwalben-Welt Internetseite mit technischen Daten, Einsteigertipps und Anleitungen zur Kr51/2
  • www.schwalbennest.de Webcommunity zur Schwalbe mit Forum, Wiki und Reparaturanleitungen
  • Schwalbe Homepage Älteste Seite zur Simson Schwalbe
  • www.Simson-und-co.de Website für Schwalbefahrer mit vielen Tipps und Tricks, Schwalbe-Bauplan-Tool, Reparaturanleitungen und mit eigenem Forum uvm.
  • http://www.zweiradmuseum-mv.de Zweiradmuseum in Mecklenburg mit allen Fahrzeugtypendie auf dem Gebiet der DDR gebaut wurden
  • „Mit der Schwalbe an die Ostsee“: Reisebericht des NDR in der Reihe „Hanseblick“ (2010) mit dem Lied „Süßen“ der Gruppe Reuters Fritzen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Rückzug bei e-Schwalbe, aufgerufen 19. November 2012
  2. Berliner Zeitung, 19. Juli 2011: Sommer noch ohne E-Schwalbe, abgerufen am 27. April 2012
  3. OTZ, 16. März 2011: Serienstart der E-Schwalbe erneut verschoben, abgerufen am 27.April 2012
  4. Echo Online: Notbremse bei E-Roller, Energiewende – Entega steigt aus dem E-Schwalbe-Projekt aus – Entwicklung verzögert; 5. September 2012: [1], abgerufen am 27. Dezember 2012
  5. In Südthüringen, 12. September 2012, abgerufen am 27. Dezember 2012
  6. Echo Online: „In jedem Fall Totalverlust“ Haupt- und Finanzausschuss – Partsch und HSE-Vorstand zum „Schwalbe“-Ausstieg; 8. September 2012 [2], abgerufen am 27. Dezember 2012
  7. Bertha Benz Challenge 2012, Teil 3 ,Pforzheim – Hockenheimring – Mannheim auf youtube, abgerufen am 27. Dezember 2012
  8. ddrmoped.de :Bild Windschutzscheibe für Lenkermontage, aufgerufen 21. Juli 2012
  9. § 76 FeV, Nr. 8 „§ 6 Abs. 1 zu Klasse M“; Anlage I Kap XI B III Anlage I Kapitel XI, Sachgebiet B – Straßenverkehr, Abschnitt III Nr. 2 Abs. 21 EinigVtr
  10. Fahrerlaubnisverordnung auf verkehrsportal.de