Sinéad O’Connor

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Sinéad O’Connor im Juli 2014 in Lugano

Sinéad O’Connor (ʃɪˈneɪd oʊˈkɒnɚ), vollständiger Name Sinéad Marie Bernadette O’Connor (* 8. Dezember 1966 in Glenageary im heutigen County Dun Laoghaire-Rathdown) ist eine irische Musikerin und Sängerin.

Leben[Bearbeiten]

Sinéad O’Connor wurde 1966 als drittes von fünf Kindern im irischen Glenageary in der Nähe von Dublin geboren; ein Bruder ist der Schriftsteller Joseph O’Connor. Als Kind wurde sie nach eigenen Angaben von ihrer Mutter regelmäßig körperlich misshandelt. Ihr Song Fire on Babylon handelt von den Folgen ihrer eigenen Misshandlung. Als sie acht Jahre alt war, trennten sich ihre Eltern. Im katholisch-konservativen Irland jener Zeit war eine offizielle Scheidung noch nicht möglich und im Fall einer Trennung wurden Kinder generell der Mutter zugesprochen. Ihr Vater Jack O’Connor wurde ein ambitionierter Kämpfer für das irische Scheidungsrecht. 1979 zog Sinéad bei ihrer Mutter Marie O’Connor aus, um bei ihrem Vater und seiner Lebensgefährtin zu leben.

Später wurde sie der Schule verwiesen, wegen Ladendiebstahls eingesperrt und musste schließlich ein Internat der Sisters of Our Lady of Charity besuchen. Dieses verließ sie mit 16 Jahren, um Gesang und Klavier zu studieren. Zu ihren musikalischen Vorbildern zählte sie Aretha Franklin und The Smiths. Sie arbeitete nebenbei als Kellnerin und sang in Kaffeehäusern. Ihre erste Band hieß Ton Ton Macoute (abgeleitet von der Bezeichnung der früheren haitianischen Geheimpolizei Tonton Macoute).

Im Jahr 1983 unterschrieb sie in London einen Plattenvertrag bei Ensign Records. 1987 erschien ihr erstes Album The Lion and the Cobra. Die Single Mandinka schlug Wellen in der Independent-Szene, das Musikvideo mit einer glatzköpfigen Frau nicht weniger. Zu dieser Zeit heiratete sie „ihren“ Drummer John Reynolds, von dem sie sich Anfang der 1990er nach der Rechtsreform scheiden ließ. Aus der Verbindung mit Reynolds stammt ihr Sohn Jake.

Der große Durchbruch gelang Sinéad O’Connor 1990 mit ihrem zweiten Album I Do Not Want What I Haven’t Got und der Single-Coverversion des Prince-Songs Nothing Compares 2 U. Das Lied schaffte es in Deutschland auf Platz 1 der Hitparade. Im selben Jahr lehnte sie es ab, in New Jersey aufzutreten, da vor ihrem Auftritt die amerikanische Nationalhymne gesungen werden sollte. Frank Sinatras Aussage bezüglich ihrer Weigerung lautete schlicht: „I kick her ass!“ O’Connor reagierte auf diese Aussage, indem sie gegenüber Journalisten sagte, sie hoffe darauf, Sinatra nicht zu begegnen, schließlich könne sie doch keinen alten Mann schlagen. Die Veranstalter verzichteten für diesen Abend auf die Nationalhymne, lehnten es aber später ab, je wieder mit ihr zu arbeiten. Ebenfalls im Jahr 1990 hatte sie einen Auftritt bei Roger Waters’ Aufführung von The Wall auf dem Potsdamer Platz in Berlin. Dort sang sie das Lied Mother.

Sinéad O’Connor während eines Liveauftrittes im Jahr 2008

Im Jahr 1991 lehnte sie vier Grammy Awards ab.

Weiterhin sorgte O’Connor mit ihren kontroversen Auftritten und Aussagen für die unterschiedlichsten Reaktionen, indem sie zum Beispiel mit der PIRA sympathisierte und die klerikale katholische Kirche ablehnte. Bei einem Auftritt am 3. Oktober 1992 in einer Sendung von Saturday Night Live zerriss sie im amerikanischen Fernsehen vor laufenden Kameras ein Bild von Papst Johannes Paul II. Bei diesem Auftritt sang sie Bob Marleys Lied War, ersetzte jedoch das Wort „racism“ durch „child abuse“. Sie protestierte damit gegen die Leugnung von Kindesmissbrauchsfällen in der katholischen Kirche. Damals zog sie sich für kurze Zeit wegen gesellschaftlicher Anfeindungen aus dem Musikgeschäft zurück und begann in Dublin ein Studium des Operngesangs.

Am 16. Oktober 1992 trat Sinéad O’Connor beim 30th Anniversary Concert von Bob Dylan (veranstaltet von dessen Plattenfirma, Columbia Records) auf und wurde wegen des Vorfalls bei Saturday Night Live ausgebuht. Sie wich daraufhin von der Setlist ab. Statt eines Liedes von Bob Dylan sang sie zornig und ohne Begleitung den Titel War, was ihr ebenfalls keine Sympathien beim Publikum einbrachte. Sie wurde anschließend vom Gastgeber der Veranstaltung, dem Songwriter Kris Kristofferson, tröstend in die Arme genommen. Kristofferson widmete der Sängerin auf seiner CD Closer to the Bone (2009) das Lied Sister Sinéad.

In der Romanverfilmung Emily Brontë’s Wuthering Heights (Stürmische Leidenschaft) aus dem Jahr 1992, der unter der Regie von Peter Kosminsky entstand, übernahm Sinéad O’Connor eine kleine Rolle: Sie spielt Emily Brontë, die als Erzählerin auftritt.

Im Jahr 1994 erschien ihr Album Universal Mother.

Am 10. März 1996 wurde O’Connors Tochter Róisín geboren. Vater ist der irische Journalist John Waters. Die EP Gospel Oak mit vier Stücken wurde 1997 veröffentlicht, nahezu ohne öffentlich wahrgenommen zu werden. Im selben Jahr spielte sie in The Butcher Boy (deutscher Titel: Butcher Boy – Der Schlächterbursche) unter der Regie von Neil Jordan mit Ian Hart und Fiona Shaw und eröffnete zusammen mit Nanette Scriba das Mainzer Zeltfestival.

Sinéad O’Connor in Posen, 2007

Im Jahr 2000, als sie ein Comeback mit dem Album Faith And Courage hatte, outete sie sich als lesbisch, widerrief dies jedoch in späteren Interviews, in denen sie sich sowohl als bisexuell als auch als heterosexuell bezeichnete. Die meisten ihrer Beziehungen hatte sie mit Männern. Ihr 2002 veröffentlichtes Album Sean-Nós Nua enthält traditionelle Folksongs, darunter einige in irischer Sprache.

Anfang 2003 absolvierte sie einen Gastauftritt auf einem Album von Massive Attack. Im selben Jahr verkündete sie ihren Rückzug aus dem Musikgeschäft, um laut eigener Aussage ein normales Leben zu führen und Religionslehrerin zu werden. Im Juli 2003 erschien eine Konzert-DVD mit dem programmatischen Titel Goodnight, Thank You. You’ve Been a Lovely Audience.

Am 10. März 2004 brachte O’Connor ihr drittes Kind Shane zur Welt. Zu dieser Zeit studierte sie Theologie am Milltown Institute in Dublin.

Im Februar 2005 kündigte sie an, in das Musikgeschäft zurückzukehren. Im März erschien die CD Collaborations, auf der keine Eigenproduktionen zu finden sind, sondern Stücke, die sie im Laufe ihrer Karriere mit anderen Künstlern (darunter Peter Gabriel, U2 und Moby) aufgenommen hat.

Im Oktober 2005 veröffentlichte sie die CD Throw Down Your Arms mit Roots-Reggae-Musik, die sie mit den beiden Reggae-Größen Sly Dunbar und Robbie Shakespeare produziert hat. Die CD enthält unter anderem Coverversionen von Songs von Peter Tosh, Burning Spear und Bob Marley.

Am 19. Dezember 2006 brachte sie ihr viertes Kind, ihren Sohn Yeshua Francis Neil, zur Welt. Vater ist ihr damaliger Partner Frank Bonadio. Im Juni 2007 erschien ihre CD Theology, die Songs mit spirituellem Inhalt enthält, die sich auf das Alte Testament beziehen. Im September war sie mit Ian Brown mit dem Song Illegal Attacks in den britischen Charts.

2010 nahm sie mit Elaine Paige das Duett It’s Only Life für Elaine Paiges Album Elaine Paige and Friends auf. Das Stück hatte Tim Rice ausschließlich für dieses Album geschrieben.

Am 8. Dezember 2011 heiratete Sinéad O’Connor in Las Vegas in vierter Ehe Barry Herridge. Die Ehe wurde 16 Tage später geschieden.[1] Am 12. Januar 2012 verbreitete sich die Nachricht eines Selbstmordversuches der Sängerin.[2]

Im April 2012 wurde eine begonnene Tournee von Sinéad O’Connor aufgrund von psychischen Problemen der Sängerin abgebrochen.[3]

Im Mai 2014 wurde ihr zehntes Studio-Album The Vishnu Room für den August des gleichen Jahres angekündigt. Die Platte wird beim Indie-Label Nettwerk erscheinen.[4]

Sinéad O’Connor im Juli 2014

Tätowierungen[Bearbeiten]

Sinéad O’Connor hat zahlreiche Tätowierungen. Auf dem Rücken der rechten Hand steht seit 2013 der Text „The Lion of Judah Shall Break Every Chain“, ein Zitat aus dem Lied Lion Of Judah (deutsch: Löwe Judas) von Bob Marley, das der Glaubensrichtung der Rastafari zugeschrieben wird. Ebenfalls seit 2013 hat sie auf ihrer linken und rechten Wange in rot die Buchgstaben B und Q, die nach ihren Angaben für Brendan Quinlan stehen, einen Mann, den sie auf ihrer Website erwähnte. Auf ihre Brust ist ein großes Bild von Jesus tätowiert.[5]

Diskografie[Bearbeiten]

Studioalben[Bearbeiten]

Jahr Titel Chartplatzierungen [6] Anmerkungen
DE AT CH UK US IE
1987 The Lion and the Cobra 52
(3 Wo.)
12
(6 Wo.)
27
(20 Wo.)
36
(76 Wo.)
Erstveröffentlichung: 4. November 1987
Verkäufe: + 600.000
1990 I Do Not Want What I Haven’t Got 1
(43 Wo.)
1
(29 Wo.)
1
(32 Wo.)
1
(50 Wo.)
1
(52 Wo.)
Erstveröffentlichung: 12. März 1990
Verkäufe: + 3.135.000
1992 Am I Not Your Girl? 24
(12 Wo.)
9
(8 Wo.)
11
(10 Wo.)
6
(6 Wo.)
27
(9 Wo.)
Erstveröffentlichung: 22. September 1992
Verkäufe: + 125.000
1994 Universal Mother 38
(9 Wo.)
7
(11 Wo.)
11
(11 Wo.)
19
(8 Wo.)
36
(8 Wo.)
Erstveröffentlichung: 13. September 1994
Verkäufe: + 110.000
2000 Faith and Courage 38
(8 Wo.)
21
(10 Wo.)
19
(10 Wo.)
61
(1 Wo.)
55
(11 Wo.)
8
(18 Wo.)
Erstveröffentlichung: 13. Juni 2000
2002 Sean-Nós Nua 75
(6 Wo.)
29
(5 Wo.)
67
(5 Wo.)
52
(1 Wo.)
139
(2 Wo.)
3
(20 Wo.)
Erstveröffentlichung: 8. Oktober 2002
2005 Throw Down Your Arms 17
(8 Wo.)
Erstveröffentlichung: 4. Oktober 2005
Verkäufe: + 7.500
2007 Theology 86
(1 Wo.)
168
(1 Wo.)
18
(7 Wo.)
Erstveröffentlichung: 18. Juni 2007
2012 How About I Be Me (And You Be You)? 78
(… Wo.)
42
(… Wo.)
69
(… Wo.)
33
(… Wo.)
115
(… Wo.)
5
(… Wo.)
Erstveröffentlichung: 21. Februar 2012

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sinéad O'Connor – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatSinéad O’Connor: Vierte Ehe hielt nur 16 Tage. In: Der Standard. 27. Dezember 2011, abgerufen am 27. Dezember 2011.
  2. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatJennifer O’Brien: Sinéad’s Twitter SOS after taking overdose. In: The Sun. 12. Januar 2012, abgerufen am 12. Januar 2012.
  3. Psychisch angeschlagen: Sinéad O’Connor sagt Konzert in Zürich ab. In: Aargauer Zeitung, 22. April 2012
  4. Sinéad O'Connor: neu bei Nettwerk, Album im August, mit Videos, Online Artikel, musikmarkt.de, 12. Mai 2014
  5. You can do it when you 'B' and 'Q' it! Sinead O'Connor gets face tattoos with the initials of a mystery man, Artikel auf MailOnline, der Online-Plattform von Daily Mail.
  6. Chartquellen: DE AT CH UK US IE 1 IE 2