Sin (Gott)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Sin (meist als d30 geschrieben) ist der assyrische und babylonische Mondgott. Er wird meist mit dem sumerischen Nanna gleichgesetzt. Er gilt als der Vater der Ištar. Die Sterne, die Götter der Nacht (ilū mušitīm), treten erst hervor, wenn Šamaš und Sin untergegangen sind [1].

Adda-guppi, die Mutter Nabonids, nennt Sin den König der Götter[2]

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Kult

Das Zentrum der Verehrung von Sin befand sich in Harran, wo sein Tempel Ehulhul stand. Der Mondgott von Harran ((DEUS)LUNA+Mì-sa, (DEUS) hà+ra/i-na, ha+ra/i-na-wa/i-ni-sa(URBS)) wird auch in luwischen Inschriften oft angerufen[3].

[Bearbeiten] Mythen

[Bearbeiten] Sin und Gi-Sin

Nach einem assyrischen Mythos verliebte sich Sin in die Kuh Gi-Sin. Er gab ihr Wasser, weidete sie auf grüner Aue in frischem Gras und beschlief sie in der Gestalt eines Bullen. Als die Kuh niederkam, hatte sie extreme Geburtsbeschwerden, das Kalb steckte fest ("Die Tür war veschlossen, der Riegel war vorgeschoben"[4]) und die Kuh wandt sich in Schmerzen und war dem Tode nahe. Sin sandte zwei der Töchter Anus zur Erde nieder, um ihr beizustehen. Die eine trug das Wasser der Geburt (Fruchtwasser), die andere trug Öl in einem Krug und das Wasser der Geburt. Sin salbte die Stirn der Kuh mit dem Öl und besprenkelte ihren gesamten Körper mit dem Fruchtwasser, und die Kuh konnte normal entbinden[5]. Dieser Mythos wurde wohl rezitiert, wenn eine Frau Schwierigkeiten bei der Geburt hatte: so wie Gi-Sin eine normale Niederkunft gehabt hatte, so sollte auch die junge Frau eine normale Niederkunft haben. Weitere Fassungen dieses Mythos sind von etwa 1300 v. Chr. aus Hattuša (KUB 4 13) und einer mittelassyrischen Tontafel (Rm 376)[6]) überliefert. Weitere, jüngere Fassungen stammt aus Aššur (KAR 196 = BAM 248) und Niniveh (revers K 2413, AMT 67 Nr. 1, obvers BAM, K 82 10, K 3485+10443).

[Bearbeiten] Literatur

  • M. Kerebernik, Mondgott. RLA 8 (1995), 361-62.

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Wayne Horowitz, Nathan Wasserman, Another Old Babylonian Prayer to the Gods of the Night. Journal of Cuneiform Studies 48, 1996), 57-60
  2. C. J. Gadd, The Harran Inscriptions of Nabonidus. Anatolian Studies 8, 1958, 47
  3. John David Hawkins, Kubaba at Karkamiš and elsewhere. Anatolian Studies 31, 1981, 147-176
  4. Zeile 56, W. G. Lambert, A Middle Assyrian medical Text. Iraq 31/1, 1969, 32
  5. W. G. Lambert, A Middle Assyrian medical Text. Iraq 31/1, 1969, 33
  6. W. G. Lambert, Anatolian Studies 16, 1966, 283ff
Meine Werkzeuge
Namensräume

Varianten
Aktionen
Navigation
Mitmachen
Drucken/exportieren
Werkzeuge