Sinaloa-Kartell

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Vom Sinaloa-Kartell dominierte Bundesstaaten 2008
Bosse des Sinaloa-Kartells

Als Sinaloa-Kartell (spanisch Cártel de Sinaloa) bekannt ist die mexikanische Verbrecherorganisation, die Geschäften im Drogenhandel, der Geldwäsche und dem Menschenhandel nachgeht. Das Kartell hat seine Basis in Culiacán, Sinaloa, agiert aber in mehr als 20 mexikanischen Bundesstaaten. Das Kartell ist auch unter den Bezeichnungen Guzmán-Loera-Organisation und Pazifik-Kartell bekannt. Das Kartell wurde auch „Federación“ genannt. Diese „Federación“ löste sich aber mit der Abspaltung der Beltrán-Levya Brüder vom Sinaloa-Kartell auf.

Das Sinaloa-Kartell soll 2010 in 35 lateinamerikanischen Teilstaaten aktiv gewesen sein. Es soll auf die Unterstützung von mexikanischen Behörden auf kommunaler, regionaler und Bundesebene zählen können.[1]

Die United States Intelligence Community bezeichnete 2010 das Sinaloa-Kartell als „die mächtigste Organisation im Drogenhandel weltweit“.[2] Laut dem United States Attorney General ist das Sinaloa-Kartell verantwortlich für den Import und den Vertrieb von über 200 Tonnen Kokain zwischen 1990 und 2008.[3]

In den letzten Jahren gewann das Verbrechersyndikat aus Sinaloa zunehmend an Einfluss und wird mittlerweile wieder als das mächtigste Kartell Mexikos gehandelt.[4]

Entstehung und Geschichte[Bearbeiten]

Der Drogenhandel in Mexiko professionalisierte sich im Laufe der 1980er Jahre. Während früher überwiegend Kolumbianische Kartelle, wie das Cali-Kartell und das Medellín-Kartell, dafür sorgten, dass Kokain, Marihuana und Heroin in die USA gelangten, begann sich in den 1980er Jahren ein Kartell mit seiner Basis in Guadalajara, Jalisco zu bilden. Der ehemalige Polizeibeamte Miguel Ángel Félix Gallardo gründete gemeinsam mit seinen Partnern Ernesto Fonseca Carrillo und Rafael Caro Quintero das Guadalajara-Kartell, welches in seiner Hochblüte in den 1980ern den gesamten Kokainhandel in Mexiko beherrschte.[5]

Gallardo entwickelte Mitte der 1980er ein neues Vertriebsmodell für Kokain, verzichtete dadurch aber auf große Teile seiner Macht. Er unterteilte sein Einflussgebiet in sechs neue Bezirke:

Region Zuständiger Drogenboss
Guadalajara Miguel Ángel Félix Gallardo
Sinaloa Joaquín Guzmán (El Chapo) und Ismael Zambada García (El Mayo)
Tijuana Arellano-Felix-Brüder
Ciudad Juarez Amado Carrillo Fuentes
Sonora Miguel Caro Quintero
Tamaulipas Juan Garcia Abrego

Zu diesem Zeitpunkt war das Guadalajara-Kartell das wohl einflussreichste und mächtigste Drogenkartell in der Geschichte Mexikos.[5] Doch nachdem Miguel Angel Felix Gallardo 1989 verhaftet wurde, entbrannten Kompetenzstreitigkeiten. Da sich jeder der fünf verbliebenen Drogenbosse erhöhten Einfluss sichern wollte, zerbrach schlussendlich die Federación und es entstanden mehrere kleine Gruppierungen, die stellenweise bis heute existieren: Sinaloa-Kartell, Golf-Kartell, Tijuana-Kartell, Juárez-Kartell.

Anfang der 1990er entwickelte sich dann das Sinaloa-Kartell, trotz zahlreicher Gefechte mit den verfeindeteten Kartellen, zu dem einflussreichsten Kartell Mexikos.[5] Dies änderte sich, als die Kämpfe intensiver wurden. Besonders der Kampf um die Schmuggelroute über Tijuana nach Kalifornien wurde heftig umkämpft. Es kam vermehrt zu Auseinandersetzungen mit den Arellano-Felix-Brüdern vom Tijuana-Kartell. So entging El Chapo oft nur knapp Attentaten, die auf das Tijuana-Kartell zurückzuführen waren.[6] Immer seltener hielt er sich über längere Zeit an ein und demselben Ort auf. Er nutzte überwiegend Hotelzimmer, blieb oft nur zwei Nächte, um nicht gefunden zu werden. Seine Flucht endete 1993 in Guatemala, wo er gefangen genommen und anschließend in das Hochsicherheitsgefängnis „Puente Grande“ in Jalisco gebracht wurde.[7]

Infolgedessen war das Sinaloa-Kartell sichtlich geschwächt, auch wenn El Chapo die Geschicke aus der Gefängniszelle weiter fortführen konnte. Nach seinem legendären Ausbruch 2001 fand das Sinaloa-Kartell zu alter Stärke zurück. Besonders während der Amtszeit von Felipe Calderón (2006-2012), wuchs die Macht des Kartells stark an. In der jüngeren Vergangenheit wird es wieder als stärkstes Kartell Mexikos bezeichnet.[8] Während andere Kartelle, besonders das Golf-Kartell und die Los Zetas, brutale Auseinandersetzungen mit den mexikanischen Streitkräften hatten, blieb das Kartell aus Sinaloa weitestgehend verschont. Dies führte zur Vermutung einer geheimen Zusammenarbeitsvereinbarung zwischen Präsident Felipe Calderón und den Führern des Sinaloa-Kartells.[5] Auch der US-amerikanischen Drug Enforcement Administration wurde eine Kooperation mit dem Kartell unterstellt.[9]

Chronologie[Bearbeiten]

Am 30. Juli 2010 wurde Ignacio „Nacho“ Coronel, einer der drei Anführer des Kartells, von mexikanischen Militärangehörigen getötet. Es war der größte Erfolg der mexikanischen Armee im Kampf gegen das Sinaloa-Kartell seit Beginn des Drogenkrieges.[10]

Am 25. September 2010 wurde mit Margarito Soto Reyes der mutmaßliche Nachfolger von Ignacio Coronel von der Polizei verhaftet.[11]

Am 26. Mai 2011 lieferten sich Angehörige des Sinaloa-Kartells, laut Regierungsangaben, in Ruiz auf der Hauptstraße von Tepic nach Mazatlán mit Mitgliedern der Zetas ein einstündiges Feuergefecht aus fahrenden Autos heraus, bei dem 29 Personen, teilweise mit Kampfanzügen und Schutzwesten bekleidet, getötet wurden. Die Polizei konfiszierte 14 Fahrzeuge, darunter zwei gepanzerte und zusätzlich Gewehre, Munition und Handgranaten.[12]

Am 22. Februar 2014 wurde Joaquín Guzmán verhaftet.[13] Als Nachfolger Chapos gilt nun sein langjähriger Vertrauter El Mayo[14] Eine Woche nach der Festnahme Guzmáns demonstrierten mehrere Tausend Anhänger landesweit für die Freilassung des ehemaligen Anführers des Sinaloa-Kartells.[15]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sinaloa-Kartell – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wolf-Dieter Vogel: Noch mehr müssen sterben. In: die tageszeitung. 22. Oktober 2010, abgerufen am 22. Oktober 2010 (Interview mit Edgardo Buscaglia, Jurist und Volkswirt).
  2. U.S. Intelligence Says Sinaloa Cartel Has Won Battle for Ciudad Juarez Drug Routes, In: CNSNews.com, 9. April 2010
  3. "U.S. charges 10 accused Mexican drug cartel leaders", In: Washington Post, 20. August 2009
  4. US-Bericht: Sinaloa wird Mexikos mächtigstes Drogenkartell, In: Spiegel online, 6. Januar 2011
  5. a b c d Narcoland: The Mexican Drug Lords And Their Godfathers, Anabel Hernandez, ISBN 978-1781680735
  6. Narcoland: The Mexican Drug Lords And Their Godfathers, Anabel Hernandez, ISBN 978-1781680735 S.35 ff
  7. El Chapo: Die Jagd auf Mexikos mächtigsten Drogenbaron, Malcom Beith, ISBN 978-3453676411
  8. US-Bericht: Sinaloa wird Mexikos mächtigstes Drogenkartell, In: Spiegel online, 6. Januar 2011
  9. Mexikanische Mafia: US-Antidrogenbehörde soll mit Sinaloa-Kartell kooperiert haben, In: Spiegel online, 15. Januar 2014
  10. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatMexikos Armee tötet mächtigen Drogenboss. Spiegel Online, 30. Juli 2010, abgerufen am 1. August 2010.
  11. Wieder führender Drogenboss in Mexiko verhaftet. In: Neue Zürcher Zeitung, 26. September 2010.
  12. Blutiges Gefecht zwischen Gangsterbanden in Mexiko. In: Neue Zürcher Zeitung. 27. Mai 2011, abgerufen am 27. Mai 2011.
  13. Mexiko jubelt über Festnahme von Drogenboss «El Chapo», In: Süddeutsche Zeitung, 23. Februar 2014
  14. The next El Capo: Ismael „El Mayo“ Zambada believed to have taken over notorious Sinaloa drug cartel after arrest of former boss
  15. Unterstützung für "Chapo" Guzmán: Warum ein Massenmörder als Wohltäter verehrt wird