Sindorf (Kerpen)

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50.9049805555566.675222222222275Koordinaten: 50° 54′ 18″ N, 6° 40′ 31″ O

Sindorf
Stadt Kerpen
Höhe: 75 m ü. NN
Fläche: 9,54 km²
Einwohner: 16.980 (31. Dez. 2012)[1]
Eingemeindung: 1. Januar 1975
Postleitzahl: 50170
Vorwahl: 02273
Sindorf (Nordrhein-Westfalen)
Sindorf

Lage von Sindorf in Nordrhein-Westfalen

Katholische Kirche St. Ulrich

Katholische Kirche St. Ulrich

Evangelische Christus-Kirche Sindorf
Katholische Kirche St. Maria Königin

Sindorf ist seit 1975 ein Stadtteil der Stadt Kerpen im Rhein-Erft-Kreis, Nordrhein-Westfalen. Sindorf ist mit 16.980 Einwohnern (2012) der größte Ortsteil und somit größer als die Stadt Kerpen selbst mit 14.260 Einwohnern (2012). Ortsvorsteherin ist zurzeit Gabriele Kalthöfer (CDU).

Lage[Bearbeiten]

Sindorf liegt nördlich der A 4 in direkter Nähe der Autobahnabfahrt Kerpen. Östlich von Sindorf verläuft die A 61, die sich im nahegelegenen Autobahnkreuz Kerpen mit der A 4 kreuzt. Zwischen der A 4 und dem Ortsrand verläuft die Bahnlinie Köln-Aachen. Der Bahnhof wird auch von der Rhein-Sieg-Eisenbahn angefahren.

Geschichte[Bearbeiten]

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Sindorf als Segendorp im Jahre 1141. Sindorf mit den Dörfern Horrem und Sehnrath bildete ursprünglich eine eigene Herrschaft, die dem Kölner Erzbischof als Tafelgut gehörte. Erzbischof Engelbert II. hatte sie 1271 dem Grafen von Jülich in Pfandnutzung gegeben. Im 14. Jahrhundert übergab der jüliche Graf dem Herrn zu Hemmersbach die Herrschaft Sindorf als Burglehen, der sie mit seiner Herrschaft Hemmersbach vereinigte.[2] Diese war bis zum Ende des 18. Jahrhunderts die Unterherrschaft des Amtes Bergheim im Herzogtum Jülich.

1872 wurde im Ort ein neues Bürgermeistereiamt errichtet.

Zu Ende des Zweiten Weltkrieges rückten am 27. Februar 1945 US-Truppen auf Sindorf zu. Sie hatten kurz zuvor im Rahmen der Operation Grenade die Rur überschritten, wo sich einige Wochen die Front zwischen ihnen und der Wehrmacht befunden hatte. Die St.-Ulrich-Kirche in Sindorf erhielt mehrere Artillerietreffer; die Sakristei brannte ab. Amerikanische Soldaten hatten Handgranaten in den Keller der Kirche geworfen; Briketts gerieten dadurch in Brand.[3]

Im Rahmen des Köln-Gesetzes wurde Sindorf am 1. Januar 1975 nach Kerpen eingemeindet.[4]

Bürgewald[Bearbeiten]

Sindorf gehört zu den so genannten Bürgewaldgemeinden, die Rechte am Bürgewald besaßen. Dies ist der Legende nach dem heiligen Arnold von Arnoldsweiler zu verdanken, durch den legendären "Ritt um den Bürgewald". Hauptort der Bürgewaldgemeinden ist Arnoldsweiler. Dorthin mussten die Sindorfer am Pfingstdienstag, später am Pfingstmontag, dem heiligen Arnold eine Kerze opfern. Dieser Wachszins wurde erst im 19. Jahrhundert aufgelöst. Noch Heute pilgert eine Gruppe aus Sindorf mit dem Fahrrad nach Arnoldsweiler, jedoch nicht mehr an Pfingsten, sondern im Juli zur Arnolduswoche.[5]

Religionsgemeinschaften[Bearbeiten]

In Sindorf gibt es:

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Die katholische St. Ulrich Kirche besteht seit dem 15. Jahrhundert, es gab aber vermutlich schon im 11. Jahrhundert eine Kirche in Sindorf. Sie ist nach dem Bau von Maria Königin als Filialkirche nur noch gelegendlich in Funktion.
  • Haus Breitmaar wurde 1356 erstmals erwähnt. Der heutige Bau stammt aus dem Jahr 1757. Ein kleiner fünfseitiger Anbau aus dem 15. oder 16. Jahrhundert ist Teil eines Kapellenraumes mit Rippengewölbe.
  • Haus Hahn, dreiflügelige Anlage, heutiger Zustand des Herrenhauses von 1710, renoviert um 1980.
  • Sindorfer Mühle heutiger Zustand von ca. 1791, instand gesetzt 1984 und wieder arbeitsfähig. Daneben die Motte Richlesberg, möglicherweise aus dem 13. Jahrhundert
  • Privates Schreibmaschinenmuseum Qwertzuiopü. Das älteste Gerät stammt aus dem Jahr 1873: eine Remington I.[7]
  • Der jüdische Friedhof aus der Zeit 1830 bis 1938 befindet sich im Mühlenfeld/In den Torbenden. Der Friedhof geriet während der NS-Zeit in Privatbesitz und wurde landwirtschaftlich genutzt. Nach der Rückgabe der Parzelle im Jahr 1947 wurde er rekonstruiert und Gedenksteine mit den Namen der Bestatteten errichtet.
  • Keuschenhof, Fachwerkbau, Dreiflügelhof aus der Zeit ab 1716.

Bürgerservicestelle[Bearbeiten]

Die Stadt Kerpen hat in den Stadtteilen Bürgerservicestellen eingerichtet. Für Sindorf befindet sie sich im katholischen Pfarrzentrum in der Kerpener Straße. Sie ist nur zu bestimmten Zeit geöffnet.

Haltepunkt Sindorf S-Bahn

Verkehr[Bearbeiten]

Im Dezember 2002 wurde Sindorfs Bahnanschluss an die Fernbahnstrecke Köln–Aachen aufgegeben und ein neuer Haltepunkt einzig am Gleis der S-Bahn-Strecke Düren–Horrem errichtet. Die S-Bahnlinie 12 verbindet Sindorf nun an Arbeitstagen im 20-Minutentakt mit Köln, während die Züge in der Gegenrichtung nach Düren außerhalb des Berufsverkehrs häufig in Sindorf enden.

Im Schienenpersonennahverkehr wird der Haltepunkt Sindorf von folgenden Linien bedient (Stand 9. Dezember 2012):

Linie Verlauf Takt
NRW S12.svg Düren – Merzenich – Buir – Sindorf – Horrem – Frechen-Königsdorf – Köln-Weiden West – Köln-Lövenich – Köln-Müngersdorf Technologiepark – Köln-Ehrenfeld – Köln Hansaring – Köln Hbf – Köln Messe/Deutz – Köln-Trimbornstraße – Köln-Airport Businesspark – Köln-Steinstraße – Porz – Porz-Wahn – Spich – Troisdorf – Siegburg/Bonn – Hennef (Sieg) – Hennef Im Siegbogen – Blankenberg – Merten (Sieg) – Eitorf – Herchen – Dattenfeld – Schladern (Sieg) – Rosbach (Sieg) – Au (Sieg) 20 min (Hauptabschnitt)
NRW S13.svg Aachen Hbf – Aachen-Rothe Erde – Stolberg Hbf – Langerwehe – Düren – Merzenich – Buir – Sindorf – Horrem – Frechen-Königdorf – Köln-Weiden West – Köln-Lövenich – Köln-Müngersdorf Technologiepark – Köln-Ehrenfeld – Köln Hansaring – Köln Hbf – Köln Messe/Deutz – Köln-Trimbornstraße – Köln Frankfurter Straße – Köln Bonn/Flughafen – Porz-Wahn – Spich – Troisdorf 1 Zug/Tag

Schulen[Bearbeiten]

Im Ort gibt es zwei Grundschulen (Ulrichschule und Mühlenfeldschule), eine Realschule (Realschule der Stadt Kerpen) und eine Gesamtschule (Willy-Brandt-Gesamtschule).

Sonstiges[Bearbeiten]

Im Gewerbegebiet, direkt an der A4, liegt die Indoor/Outdoor-Kartbahn von Michael Schumacher.

Literatur[Bearbeiten]

  • Hermann Hinz: Archäologische Funde und Denkmäler des Rheinlandes Bd. 2, Kreis Bergheim, Rheinland-Verlag, Düsseldorf 1969, S. 339–341 und Tafel 61/2
  • Konrad Honings: Im Meer der Zeit – Eine Geschichte Sindorfs, Druck- + Verlagshaus Wienand, Köln 1984

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sindorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. „Zahlen, Daten, Fakten“ auf www.stadt-kerpen.de
  2. Informationen zur Herrschft Hemmersbach (PDF; 343 kB) in der Sammlung Duncker der Zentral- und Landesbibliothek Berlin
  3. Norbert Kurt: Das Ziel war die Erft: Kölner Stadtanzeiger, 22. Februar 2005
  4.  Martin Bünermann, Heinz Köstering: Die Gemeinden und Kreise nach der kommunalen Gebietsreform in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1975, ISBN 3-555-30092-X.
  5. Urkunde von 1360 zur Bestätigung des Wachszinses, durch den Herzog von Jülich.
  6. Seelsorgebereich Horrem-Sindorf
  7. Bernd Imgrund, Nina Osmers: 111 Orte im Kölner Umland, die man gesehen haben muss, Verlag Emons, Köln, 2010, ISBN 978-3-89705-777-7, Ort 53