Sindschar

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Sindschar
Lage
Sindschar (Irak)
Sindschar
Sindschar
Koordinaten 36° 19′ N, 41° 52′ O36.32361111111141.864444444444520Koordinaten: 36° 19′ N, 41° 52′ O
Staat Irak
Gouvernement Ninawa
Basisdaten
Höhe 520 m
Einwohner 39.875 (2006)

Sindschar (kurdischشەنگالŞengal, arabisch ‏سنجار‎, DMG Sinǧār, aramäisch  ܫܝܓܳܪ Shiggor) ist eine irakische Stadt in der Provinz Ninawa mit 39.875 Einwohnern (Stand 2006). Gleichzeitig ist Sindschar auch Hauptstadt eines gleichnamigen Distriktes. Die Stadt liegt südlich des Dschabal Sindschar.

Die Bewohner Sindschars sprechen hauptsächlich Kurmandschi, welches ein Dialekt der kurdischen Sprache ist, und gehören der religiösen Minderheit der Jesiden an. Die Stadt wird von der irakischen Zentralregierung verwaltet. Der Status der Stadt ist nicht geklärt. Laut Artikel 140 der irakischen Verfassung soll eine Volksabstimmung entscheiden, ob sie weiterhin von der Zentralregierung oder der Autonomen Region Kurdistan verwaltet werden soll.

Antike[Bearbeiten]

In der Antike wurde der Ort Singara genannt. Gelegen am Fuße des Berges Sindschar, hatte eine große strategische Bedeutung. In römischer Zeit wurde Singara schwer befestigt und war Legionsstandort (so etwa für die Legio I Parthica). In der Spätantike war die Stadt dann wiederholt das Ziel von Angriffen der Sassaniden. 344 fand hier eine große Schlacht statt, in welcher der römische Kaiser Constantius II. fast schon gewonnen hatte, als ihn das undisziplinierte Verhalten seiner Truppen doch noch den Sieg kostete. Im Frieden von 363 wurde die Stadt dem Sassanidenkönig Schapur II. zugesprochen. In Singara muss es auch eine größere christliche Gemeinde gegeben haben, aus der unter anderem Gabriel von Schiggar stammte, der im 7. Jahrhundert Leibarzt König Chosraus II. war.

Aus römischer Zeit sind heute noch einige Überreste vorhanden. Der Ort ist wohl auch mit dem Schinar der Bibel gleichzusetzen; wenigstens ist der Name davon abgeleitet.

Flucht und Vertreibung von Jesiden[Bearbeiten]

Ein Tempel der Jesiden in der Region, 2004.

In den Monaten Juli und August 2014 flohen Tausende von in Sindschar lebenden Jesiden vor den sunnitischen IS-Kämpfern vor allem in den Höhenzug des Dschabal Sindschar, zum Teil auch in die Türkei oder in die Autonome Region Kurdistan.[1][2] Sie wurden dabei von der kurdischen Armee (YPG, Peschmerga) militärisch unterstützt. Seit Kurzem haben US-amerikanische Kampfbomber begonnen, die IS durch Zerstörung militärischen Geräts (Lastwagen, Artillerie, Panzer) aufzuhalten. US-amerikanische und kurdische Transportflugzeuge versorgen die Flüchtlinge auf dem Sindschar-Gebirge mit Lebensmitteln. YPG-Kämpfern gelang es einen Korridor nach Syrien freizukämpfen und zu halten, wodurch den Eingeschlossen die Flucht aus dem Gebirge ermöglicht wurde.

Mitte Oktober traten die IS-Milizen wieder zu einer Offensive an und konnten den Kessel bis zum Fuß des Gebirges zusammenziehen, es wurden etwa 7.000 Zivilisten im Gebirge eingeschlossen. Nur die Pilgerstätte Sherfedin konnte von den in der Zwischenzeit gebildeten jesidischen Bürgerwehren Hêza Parastina Şingal und Yekîneyên Berxwedana Şingal gehalten werden, die verbliebenen Ortschaften mussten in Rückzugsgefechten aufgegeben werden.

Am 1. November wurde bekannt, dass die Peschmerga eine Offensive zur Befreiung der Stadt gestartet hatten.[3][4] Im Dezember waren bereits Teile der Stadt in kurdischer Hand. In Hardan, einem jesidischen Dorf nahe Sindschar fand man Massengräber.[5]

Siehe auch: IS im Irak

Siehe auch[Bearbeiten]

Karte[Bearbeiten]

  • Google Maps: [6]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Loveday Morris: Islamic State seizes town of Sinjar, pushing out Kurds and sending Yazidis fleeing. Washington Post, 3. August 2014, abgerufen am 23. Oktober 2014 (englisch).
  2. Bangen um Angehörige: Jesiden in Deutschland gehen auf die Straße. Handelsblatt.de, 8. August 2014, abgerufen am 23. Oktober 2014.
  3. dpa: Kurden schlugen erneuten IS-Angriff auf Kobane zurück. Der Standard, 1. November 2014, abgerufen am 1. November 2014.
  4. spiegel.de 20. Dezember 2014: Terrorgruppe: IS-Miliz soll mehr als hundert "Deserteure" hingerichtet haben
  5. Newsobserver.com: Grisly finds in Iraqi Yazidi village wrested from militants, 24. Dezember 2014, abgerufen am 1. Februar 2015.
  6. https://www.google.de/maps/place/Shingal,+Irak/@36.3206914,41.8641115,4806m/data=!3m2!1e3!4b1!4m2!3m1!1s0x154ce1669783ccc1:0x83a8e22f94bf9dc5!5m1!1e4