Sinfónica de la Juventud Venezolana Simón Bolívar

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Das Orchester bei einem Konzert in São Paulo (2013)
Konzert in Salvador da Bahia (2011)
Konzert in der Londoner Royal Albert Hall (2007)

Die Sinfónica de la Juventud Venezolana Simón Bolívar ist das staatliche Jugendsinfonieorchester von Venezuela. Das nach dem südamerikanischen Freiheitskämpfer Simón Bolívar benannte Orchester wurde 1975 von dem venezolanischen Wirtschaftswissenschaftler und Musiker José Antonio Abreu gegründet.

Das Simón-Bolívar-Jugendorchester ist das führende von mittlerweile 30 professionellen Orchestern, die zur Fundación del Estado para el Sistema de Orquesta Juvenil e Infantil de Venezuela (FESNOJIV) gehören. Das staatlich geförderte Programm hat das Ziel, Kindern und Jugendlichen – insbesondere solchen aus schlechten sozialen Verhältnissen – eine fundierte musikalische Ausbildung zu ermöglichen und ihnen eine andere Lebenschance zu geben. 350.000 Teilnehmer in 180 Zentren erhalten unter anderem kostenlos Leihmusikinstrumente von dem überall so genannten sistema, einem weltweit einmaligen System.[1]

Trotz der in erster Linie sozialen Ausrichtung hat das Sistema Orchester und Musiker von außerordentlicher Qualität hervorgebracht. Inzwischen kommen Dirigenten wie Claudio Abbado, Sir Simon Rattle und Zubin Mehta jedes Jahr nach Venezuela, um mit den Jugendlichen zu musizieren. Das Projekt rührt auch sie sehr. Rattle hatte mit Problemschülern in Berlin ähnliche kleinere Projekte, die im Film Rhythm Is It! dokumentiert wurden.

Der bekannteste Exponent des Orchesters ist gegenwärtig Gustavo Dudamel, der 1999 als 18-jähriger Chefdirigent des Orchesters wurde. Unter seiner Leitung hat das Orchester mehrere Audio-CDs eingespielt, darunter zwei Aufnahmen von Sinfonien von Ludwig van Beethoven und Gustav Mahler für Deutsche Grammophon. Im August 2007 gab das Orchester unter seiner Leitung sein Debüt bei den Londoner Proms.

2009 erhielt José Antonio Abreu den Frankfurter Musikpreis und ließ das Preisgeld dem von ihm begründeten Orchester zukommen. Das Orchester ist des Öfteren Gast auf dem Bonner Beethovenfest gewesen, 2010 war Abreu dort Schirmherr.

Literatur[Bearbeiten]

  • Torsten Eßer: Sinfonie der Straße. Die venezolanische Jugendorchesterbewegung. In: Matices. Zeitschrift zu Lateinamerika, Spanien und Portugal. 10. Jahrgang, Nr. 39, 2003, S. 55-56.
  • Elisabeth Elstner: Die soziale Kraft der Musik. Reise zu den Jugend- und Kinder-Orchestern von Venezuela. Epubli, Berlin 2011, ISBN 978-3-8442-0228-1.
  • Michael Kaufmann, Stefan Piendl: Das Wunder von Caracas. Irisiana, München 2011, ISBN 978-3-424-15079-7.

Filme[Bearbeiten]

  • El Sistema. (Originaltitel). Dokumentarfilm, Deutschland, 102 Min., 2009, Regie: Paul Smaczny (zugleich Produzent), Maria Stodtmeier, Produktion: EuroArts Music Production, arte France, NHK, Kinostart: 16. April 2009, Filmseite
    Fernsehfassung: Musik für die Zukunft Venezuelas. El Sistema. Dokumentation, Deutschland, 2009, 65 Min., Regie: Maria Stodtmeier, Paul Smaczny, Produktion: EuroArts Music Production, arte France, NHK, Erstsendung: 26. Oktober 2009, Inhaltsangabe von arte
  • Der Klang der Hoffnung. Dokumentarfilm, Deutschland, 93 Min., 2008, Regie: Enrique Sánchez Lansch, Produktion: Moving Images, Deutsche Welle TV, ZDF,Unitel Classica, Erstausstrahlung: 4. Oktober 2008, Inhaltsangabe von 3sat
  • … weil die Musik die Seele füllt. Dokumentarfilm, Deutschland, 2001, 30 Min., Regie: Kirsten Esch, Produktion: Ventana, ZDF, 3sat, Reihe: Fremde Kinder, Erstsendung: 18. November 2001, Inhaltsangabe von 3sat

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Orquesta Sinfónica Simón Bolívar – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Reportage in: Chrismon, Nr. 8, 2008, S. 13–20