Eingangrad

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typisches Eingangrad

Der Begriff Eingangrad auch Single-Speed genannt, bezeichnet ein Fahrrad, das keine Gangschaltung hat. Ist außerdem kein Freilauf vorhanden, spricht man von einem starren Gang. Umgangssprachlich wird dafür häufig das Modewort Fixie (aus dem engl. „fixed gear“) benutzt. Bei Fixies wird auch gelegentlich auf Bremsen verzichtet; man bremst dann durch Gegendruck auf die Pedale.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geschichte

Die Geschichte des Fahrrads beginnt mit dem Eingangrad ohne Freilauf, den es in den 1860-er Jahren, als der Antrieb über Pedale und Kette erfunden wurde, genauso wenig gab wie die Gangschaltung. Die Gangschaltung (mit Freilauf) wurde 1902 erfunden und fand ab 1924 nennenswerte Verbreitung, sodass der Anteil der Eingangräder seitdem erheblich gesunken ist. Dennoch gibt es nach wie vor Fahrräder ohne Gangschaltung, allerdings meist mit Freilauf.

[Bearbeiten] Verbreitung

Heutzutage gibt es im Wesentlichen drei Gründe für den Verzicht auf eine Gangschaltung am Fahrrad:

  • Kosten: Fahrräder ohne Schaltung sind in vielen ärmeren Ländern nach wie vor die Regel, da solche Räder deutlich günstiger sind. Auch bei Werksfahrrädern wird aus Kostengründen (Anschaffung und Wartung) manchmal auf eine Schaltung verzichtet.
  • Spezialfahrräder: Eingangräder ohne Freilauf sind beim Radball, Kunstradfahren und BMX üblich, weil dabei auch rückwärts gefahren und das Fahrrad über die Pedale auf Position gehalten wird. Bei Bahnrädern ist ein starrer Gang aus Sicherheitsgründen vorgeschrieben.[1] Da diese Spezialfahrräder nicht im öffentlichen Verkehrsraum bewegt werden, wird auf eine Bremse verzichtet. Näheres dazu s. den Hauptartikel starrer Gang.
  • Mode: In Europa, Japan und Nordamerika ist der Verzicht auf eine Gangschaltung für auf der Straße verwendete Fahrräder eine Modeerscheinung, besonders unter Fahrradkurieren. In diesen Kreisen wird gelegentlich auf Bremsen verzichtet.

[Bearbeiten] Vorteile

  • Preisgünstiger
  • Leichter
  • Weniger defektanfällig
  • Viele Eingangradfahrer haben Gefallen an einem optisch „aufgeräumten“ Fahrrad.
  • Beim Fixie ist das Rückwärtsfahren möglich.

[Bearbeiten] Nachteile

  • Da keine unterschiedlichen Übersetzungen zur Verfügung stehen, entscheiden Kraft, Trittfrequenz und Ausdauer darüber, in welchem Gelände ein Fahrer mit einem Eingangrad fahren kann. Das schränkt den Einsatzbereich des Rades erheblich ein.
  • Die Kettenlängung muss in regelmäßigen Abständen ausgeglichen werden (siehe Abschnitt Technik).
  • Der Verzicht auf Bremsen bei manchen Fixies erschwert das Anhalten erheblich.
  • Bei Kurvenfahrten mit höherer Geschwindigkeit und entsprechend größerer Neigung des Rades kann das kurveninnere Pedal den Boden berühren. Beim Fixie ist es nicht einfach möglich das kurveninnere Pedal nach oben zu halten, da man die ganze Zeit weiter mittreten muss. Beim Berühren des Bodens mit dem Pedal kann das Hinterrad ausgehebelt werden und es kann zum Sturz kommen.

[Bearbeiten] Technik

Bei Kettenschaltungsnaben wird das Zahnkranzpaket durch einen einzelnen Zahnkranz ersetzt, wobei der Platz der weggefallenen Zahnkränze durch Abstandshalter eingenommen wird.

[Bearbeiten] Übersetzung

Die Übersetzung wird von der Anzahl der Zähne beim Kettenblatt und Ritzel bestimmt. Sie muss lang genug sein, um auf ebener Strecke oder bergab eine angemessene Geschwindigkeit zu ermöglichen, gleichzeitig aber kurz genug, um das Anfahren und das Befahren von Steigungen zu ermöglichen.

Im Mountainbike-Bereich gilt 2:1 als Standardübersetzung. Das bedeutet, dass das vordere Kettenblatt doppelt so viele Zähne besitzt wie das hintere Ritzel. Zum Fahren im alpinen Gebiet wird gerne eine leichtere Übersetzung genommen. Wer überwiegend im Flachen fährt, wählt einen schwereren Gang. Beim Rennrad liegt die übliche Übersetzung je nach Einsatzbereich und Kraft zwischen 2,1:1 (Wintertraining Straße, z.B. 39/18) und etwa 3,3:1 (z. B. 52/16, eine weit verbreitete Standardübersetzung bei Sechstagerennen).

Die im Straßenradrennen bei flachem Streckenprofil gefahrenen Übersetzungen liegen hingegen zwischen 3,2:1 und fast 5:1. Allerdings erfordert selbst eine Übersetzung von z. B. 53/11 im Endkampf (bei Geschwindigkeiten bis zu 70 km/h) eine Trittfrequenz von etwa 115/min, was die Bedeutung des trittfrequenzorientierten Trainings – beispielsweise mit dem starren Gang – unterstreicht.

[Bearbeiten] Kettenspannung

Voraussetzung für einen störungsfreien Antrieb ist eine stets ausreichend gespannte Kette. Die allmähliche Kettenlängung im Betrieb erfordert regelmäßiges Nachspannen. Dafür gibt es mehrere Methoden:

  • Spezielle Eingangrahmen haben – wie viele ältere Fahrräder und Rahmen für Nabenschaltungen – oft horizontale Ausfallenden. Darin lässt sich das Hinterrad nach vorne und hinten verschieben, um die Kette zu spannen. Unter Umständen muss dabei auch die Position der Hinterradbremse angepasst werden.
Hinterbau eines Eingang-Mountainbike-Rahmens mit horizontalen Ausfallenden
  • Bei verschiebbaren Ausfallenden wird eine gegebenenfalls vorhandene Scheibenbremse mit dem Laufrad verschoben, sodass eine Korrektur der Position der Hinterradbremse nicht erforderlich ist.
  • Auch mit einer Exzenternabe ist die Position der Achse des Hinterrads verschiebbar. Dies ist in jedem Fahrradrahmen möglich.
  • Bei exzentrischen Innenlagern ist die Position des Innenlager veränderbar, sodass darüber die Kette gespannt wird. Nachteil dieser Konstruktion ist, dass sich der effektive Sitzwinkel sowie der Abstand vom Sattel zum Pedal beim Spannen der Kette geringfügig ändern. Durch die Integration in das Tretlagergehäuse ist dies die unauffälligste Vorrichtung zum Spannen der Kette. Da das Hinterrad immer dieselbe Position hat, entfällt die Korrektur der Position der Hinterradbremse.
  • Beim Kettenspanner läuft die Kette dabei über eine kleine Rolle, deren Position per Federkraft veränderbar ist. Es gibt auch Ausführungen mit mehreren Rollen. Der Nachteil dieser Lösung ist, dass sie zusätzliche Geräusche verursacht. Es existieren Varianten, die ohne Feder auskommen und deren breite Kunststoffrollen weniger Betriebsgeräusche verursachen.
  • Eine so genannte Half-Link-Kette lässt sich in kleineren Schritten kürzen als eine gewöhnliche Kette, sodass ein entsprechend kleinerer Verstellbereich zwischen Kettenblatt und Hinterrad erforderlich ist. Das kann die Einstellarbeit deutlich vereinfachen, weil zum Beispiel die Anpassung der Bremsklotzposition nicht erforderlich ist.

[Bearbeiten] Starrer Gang

Für den starren Antrieb wurden bis in die 1950er Jahre Hinterradnaben hergestellt, die auf einer Seite einen starren Gang und auf der anderen Seite einen 3-fach Zahnkranz mit Freilauf hatten. Auch die bis in die 1980er Jahre verwendeten Hinterradnaben konnten ohne große Mühe auf starren Gang umgerüstet werden, weil der Freilauf in den Zahnkranz integriert war. Der Zahnkranz mitsamt Freilauf konnte somit leicht gegen ein starres Ritzel ausgetauscht werden. Mit dem Aufkommen des in die Nabe integrierten Freilaufs existiert diese einfache Möglichkeit nicht mehr. Der Gebrauch des starren Gangs ist nur noch unter Verwendung geeigneter Naben möglich, zumeist Bahnradnaben.

[Bearbeiten] Rechtliche Situation beim Verzicht auf Bremsen

Im öffentlichen Straßenverkehr sind in den meisten Ländern Bremsen vorgeschrieben, oft auch zwei unabhängig voneinander wirkende Bremssysteme.

Deutschland – §65 der StVZO schreibt „zwei voneinander unabhängige Bremsen“ vor. Es gibt einen Gerichtsentscheid, demzufolge ein starrer Antrieb als Bremse zählt, weil man mit den Pedalen das Hinterrad abbremsen kann. Demnach benötigen Fixies nur eine „echte“ Bremse.[2]

Frankreich – Um am Straßenverkehr teilnehmen zu dürfen, benötigt es zwei Bremsen. Dieses Gesetz wird jedoch eher wenig durchgesetzt, und das Aufkommen von offiziell nicht verkehrstauglichen Fahrrädern ist relativ hoch.[3]

Dänemark – Alle Fahrräder benötigen für jedes Rad eine funktionierende Bremse.

Vereinigte Staaten – Das Benutzen von Fahrrädern ohne Bremsen auf öffentlichen Straßen ist in vielen Orten verboten, aber der Wortlaut ähnelt oft „...muss mit einer Bremse ausgestattet sein, die es der Person ermöglicht, das Fahrrad auf trockener, planierter und sauberer Fahrbahn zu bremsen…“[4] und ermöglicht die Argumentation des Bremsens mit den Beinen und der Hinterradbremse.[5] Im Einzelhandel ist der Verkauf von Fixies ohne Bremsen durch die U.S. Consumer Product Safety Commision verboten.[6]

Eine Ausnahme hiervon sind jedoch Bahnräder („… ein Fahrrad welches hergestellt und zum Verkauf als Wettkampfrad mit Schlauchreifen, einem Gang und ohne Freilauf, gedacht ist.“).[7]

Großbritannien – The Pedal Cycles Construction and Use Regulations 1983 erfordern Fahrräder „mit einer Sattelhöhe über 635 mm, zwei unabhängige Bremssysteme, eine für das Vorderrad und eine für das Hinterrad, zu haben.“ Es ist allgemein anerkannnt, dass eine Vorderbremse und die fixierte Hinterradbremse diese Erfordernis erfüllen.[8]

Australien – In Australien benötigen Fahrräder mindestens eine funktionierende Bremse.[9]

Neuseeland – Der Gesetzgeber schreibt für alle Fahrräder mindestens „…eine gute Rückbremse…” und für die Fahrräder die nach dem 1. Januar 1988 gebaut wurden auch „…eine gute Vorderbremse“ vor.[10]

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Bestimmungen des Bundes Deutscher Radfahrer zum Antrieb bei Bahnrädern (pdf-Datei; 823 KB)
  2. http://www.spiegel.de/international/germany/0,1518,641075,00.html/ "Still No Fix for 'Fixies'. German Court Rules in Favor of Fixed-Gear Cyclist". Der Spiegel (DE). 8. Juli 2009.
  3. http://www.interieur.gouv.fr/sections/a_votre_service/votre_securite/sur-route/securite-bicyclette.../ Bike security regulations". France: Internal affairs ministry..
  4. http://www.bikesense.bc.ca/appendices.htm#law/ Appendices. BikeSense. Retrieved 1. Oktober 2010.
  5. http://bikeportland.org/2006/09/05/cyclist-wins-fixed-gear-case// "Cyclist wins fixed-gear case". Blog Archive. BikePortland. 2006-09-05. Retrieved 1. Oktober 2010.
  6. http://edocket.access.gpo.gov/cfr_2004/janqtr/16cfr1512.5.htm/ "Requirements for Bicycles: Requirements for braking system". Code of Federal Regulations. USA: GPO. 2004-01-01. Retrieved 1. Oktober 2010.
  7. http://edocket.access.gpo.gov/cfr_2004/janqtr/16cfr1512.2.htm/ "Requirements for Bicycles: Definitions". Code of Federal Regulations. USA: GPO. 2004. Retrieved 1. Oktober 2010.
  8. http://www.ctc.org.uk/DesktopDefault.aspx?TabID=4073/ "Construction and Use Regulations". UK: CTC..
  9. http://www.rta.nsw.gov.au/hubpages/hub_bicycle.html?tlid=1../Hub bicycle". NSW, AU: Road Traffic Authority.. Retrieved 14. Mai 2011.
  10. http://www.nzta.govt.nz/resources/roadcode/cyclist-code/docs/cyclist-code-2009-low.pdf.../"Transport Authority Road Code for Bicycles" (PDF). New Zealand. 2009.
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