Singularität (Astronomie)

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Als Singularität bezeichnet man in Physik und Astronomie Zustände, bei denen z. B. die betrachteten Raumzeiten (u. a. deren Metrik) in einem einzigen Punkt oder einer komplizierteren Mannigfaltigkeit nicht mehr definiert werden können.

Sie sind zunächst nur als mathematische Singularitäten formulierbar und hängen u. a. von speziellen Massenwerten M, Drehimpulsen J oder anderen Parametern ab, wobei das fragliche physikalische Gesetz nicht definiert, ungültig und ungeeignet ist, die Verhältnisse zu beschreiben, z. B. für M →Mc (wobei Mc einen kritischen Parameterwert bedeutet). Man kann dagegen in der Regel vermutete Eigenschaften einer Singularität mathematisch angeben, weiß aber nicht, wie das singuläre Verhalten physikalisch wirklich beschaffen ist - etwa: aus welchem „Material“ die erwähnte Mannigfaltigkeit besteht. Eine unendlich kleine Ausdehnung (Punkt) eines physikalischen Objekts oder die Divergenz einer Größe gegen einen unendlichen Wert widerspricht der Alltagserfahrung. Singularitäten können aber auch nicht-punktförmig sein, wobei sich etwa die Raumzeit so sehr um das Objekt krümmt, dass Größenangaben nicht in ein sinnvolles Verhältnis zur Metrik des umgebenden Raumes gesetzt werden können.

Physikalische Größen werden durch physikalische Gesetze in Beziehung gesetzt. Dabei kann, bei Annäherung der Parameter an einen bestimmten Wert, eine andere Größe gegen unendlich streben. Das heißt, sie wird singulär.

Arten von Singularitäten[Bearbeiten]

Es werden zwei Arten von Singularitäten unterschieden:

Letztere lassen sich durch die Wahl eines geeigneten Koordinatensystems ausschließen, für echte Singularitäten ist dies nicht möglich, hier wird eine neue Theorie (physikalisches Gesetz) gebraucht.

Astrophysik und Kosmologie[Bearbeiten]

In Astrophysik und Kosmologie wird der Begriff Singularität oft synonym für Schwarze Löcher oder in den Urknalltheorien für die Anfangssingularität benutzt. Die Feldgleichungen der allgemeinen Relativitätstheorie sind in beiden Fällen die zur Erklärung herangezogenen physikalischen Gesetze. Für die Anfangssingularität gilt, dass in ihr Raum und Zeit nicht vorhanden sind. Somit sind auch Angaben darüber sinnleer, wie groß sie war oder wie lange sie bestand. Schwarze Löcher lassen sich durch ihre Wirkung auf die sie umgebende Raumzeit charakterisieren. Viele Eigenschaften der Singularität im Innern des Schwarzen Lochs, wie etwa ihre Dichte, sind jedoch ähnlich undefiniert wie die der Anfangssingularität.

Karl Schwarzschild war der erste, der eine Lösung (Äußere Schwarzschild-Lösung) für die Feldgleichungen anbieten konnte. Seine Lösung beschreibt in Wirklichkeit aber die nicht-existenten nicht-rotierenden, d. h. statischen Schwarzen Löcher und wird im zentralen Punkt singulär (Punktsingularität). In den Kruskal-Koordinaten wird aus der Punktsingularität eine durch ein Hyperboloid beschriebene Mannigfaltigkeit. Man sieht so explizit, dass hier am Ereignishorizont selbst keine Singularität auftritt (siehe dagegen das Folgende).

Erst im Jahr 1963 fand der neuseeländische Mathematiker Roy Kerr eine weitere Lösung (Kerr-Lösung) für rotierende Schwarze Löcher, die in einem eindimensionalen Ring in der Äquatorebene singulär wird. Der Radius der Ringsingularität entspricht dem Kerr-Parameter. Eine noch allgemeinere Lösung mit einer zusätzlichen elektrischen Punktladung führt zur Kerr-Newman-Metrik.

Die Äußere Schwarzschild-Lösung ist ein Spezialfall der Kerr-Lösung (Kerr-Parameter „a = 0“, d. h. keine Rotation). Für maximal rotierende Schwarze Löcher, d. h. wenn der Ereignishorizont mit Lichtgeschwindigkeit rotiert, wird dagegen „a = 1“ und im Ereignishorizont (dem Gravitationsradius) liegt jetzt eine Ringsingularität.

Die Urknalltheorien werden, im Gegensatz dazu, nicht in einem Punkt im Raum, sondern in einem Punkt der Zeit („t = 0“) singulär. Sie beschreiben also nicht den Urknall selbst, sondern nur die Entwicklung des Universums danach (ab einem Alter von ca. 10−43 Sekunden).

Die allgemeine Relativitätstheorie (Albert Einsteins Gravitationstheorie) ist eine „klassische Theorie“, keine Quantentheorie, daher verliert sie auf sehr kleinen Längenskalen (Plancklänge) ihre Gültigkeit und es beginnt die Domäne einer Quantengravitation. Über den inneren Zustand oder den Aufbau von Singularitäten im Rahmen dieser Theorien ist jedoch nur sehr wenig bekannt.