Sinnesmodalität

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In der Sinnesphysiologie bezeichnet man als Sinnesmodalität die auch dem Laien bekannten fünf klassischen Sinnesleistungen, die seit Hermann von Helmholtz auf der Unterscheidung von Auge, Ohr, Nase, Zunge und Haut beruhen. Die aus dieser Unterscheidung resultierenden spezifischen Empfindungskomplexe sind Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Fühlen.[1]

Ungenügende klassische Einteilung[Bearbeiten]

Allerdings liefert bereits das Innenohr zwei voneinander völlig unterschiedliche Empfindungen – Schall- und Gleichgewichtssignale. Noch größer ist die Vielfalt der durch den Hautsinn übertragenen Informationen, vgl. → Sensibilität.[1]

Die Erregungen durch physikochemische Reize werden durch Nervenfasern in gesonderten Nervenbahnen bis an die für die Auslösung der Empfindung zuständigen Hinrnneuronengruppen geleitet.[2] Einfach ausgedrückt gibt es reservierte Übertragungskanäle (Kommunikationskanäle), die jeweils festgelegte bestimmte Adressen im Gehirn haben.

Dieses Übertragungsschema gilt für die Erregungen aus spezifischen, räumlich verschiedenen Rezeptoren, die auf getrennter Bahn zu räumlich getrennten Zentren gelangen. Dies kann unter der Voraussetzung einer Lokalisationslehre für die oben genannten klassischen Empfindungskomplexe relativ sicher angenommen werden. Es kann jedoch nicht für alle Sinnesleistungen – insbesondere nicht für die Übertragung verschiedener Sinnesqualiäten – als gültig vorausgesetzt werden. Prinzipiell müssen alle möglichen 8 Kombinationen zwischen getrennten und nicht getrennten (identischen) Rezeptoren, getrennten und nicht getrennten Leitungsbahnen sowie getrennten und nicht getrennten Hirnzentren mit einiger Wahrscheinlichkeit vorausgesetzt werden. Die sensorische Integration in übergeordneten Zentren stellt neben der spezifischen Diskrimination eine der Hauptaufgaben des ZNS dar.[3] Bei der Erregung von unterschiedlichen Rezeptoren der Haut werden beispielsweise Erregungen von verschiedenen Rezeptoren auf gleiche Großhirnzentren übertragen.[1]

Es wird ferner nach Ayres unterschieden in:[4]

Entscheidend für die Zuordnung zu einer Modalität ist nach dem von Johannes Müller formulierten Gesetz der spezifischen Sinnesenergien nicht der Reiz selbst, sondern das Sinnesorgan, mit dem er wahrgenommen wird. Innerhalb einer Modalität unterscheidet man verschiedene Qualitäten (z. B. stechender oder übler Geruch; Rot- und Grünsehen). Bei inadäquater Reizung des Auges reagiert dieses mit Lichtempfindungen, den für das Auge spezifischen Empfindungskomplexen.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Hermann Rein, Max Schneider: Einführung in die Physiologie des Menschen. 15. Auflage. Springer, Berlin 1964, (a+b) zu Stw. „Sinnesmodalität“, S. 648 ff.; (b) zu Stw. „Unterscheidung von Sinnesqualitäten“, S. 618 f., 648 f.
  2.  Niels Birbaumer, Robert F. Schmidt, Hans-Georg Schaible: Neuro- und Sinnesphysiologie. Springer, 2006, ISBN 3-540-25700-4, S. 183ff.
  3. Herbert Hensel: Erg. Physiol. 47, 166 (1952)
  4.  Sensorische Verarbeitungsstörung: Theorie und Therapie der sensorischen Integration. Schulz-Kirchner Verlag, 2005, ISBN 3-8248-0748-3, S. 35ff.