Sintflut

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Sintflut (Begriffsklärung) aufgeführt.
Ölgemälde (Francis Danby, Tate Gallery)

Die Sintflut wird in den mythologischen Erzählungen verschiedener Kulturen als eine göttlich veranlasste Flutkatastrophe beschrieben, die die Vernichtung der Zivilisation zum Ziel hatte. Als Gründe für die Sintflut nennen die historischen Quellen zumeist Verfehlungen der Menschheit. Die bekanntesten Berichte sind im 1. Buch Mose der Bibel, im Gilgamesch-Epos und im Atraḫasis-Epos überliefert.

Etymologie[Bearbeiten]

Das deutsche Wort „Sintflut“ ging aus mittelhochdeutsch sin(t)vluot, althochdeutsch sin(t)fluot hervor, das so viel wie „immerwährende Überschwemmung“ bedeutet, es hat also nichts mit dem Wort „Sünde“ zu tun. Die germanische Vorsilbe sin- bedeutet „immerwährend, andauernd, umfassend“ und wurde seit dem 13. Jahrhundert volksetymologisch zu „Sünd-“ umgedeutet. Der Begriff „Sündflut“ wurde so in einer Reihe von Drucken bis ins 18. Jahrhundert verwendet, später wurde er als Titel oder Thema belletristischer und dramatischer Werke benutzt. Im Englischen heißt Sintflut „The (Great) Flood“ oder − nach dem französischen Wort − „Deluge“. Französisch heißt es déluge, spanisch diluvio und italienisch diluvio universale. Das hebräische Wort für Sintflut, מַבוּל mabūl, bezeichnet die himmlischen Wasserkrüge (vgl. נֵבֶל nēvel „Vorratskrug“) und kommt von der hebräischen Verbwurzel בלל bll mit der Bedeutung „anfeuchten, vermengen, verwirren“, das sich hier auf das „schwitzen“ eines porösen Kruges bezieht. Die Verbwurzel tritt ebenfalls als Wortspiel mit dem Namen der Stadt Babel (< bāb īlim „Tor Gottes“) und der dort stattfindenden Sprachverwirrung auf.

Altorientalische Sintflutberichte[Bearbeiten]

11.Tafel des Gilgamesch-Epos

Eine sehr alte Dokumentation der Sintflutsage findet sich in der sumerischen Königsliste, die von der Sintflut in Sumer berichtet.

Die älteste bekannte zusammenhängende schriftliche Überlieferung der Sintflutsage findet sich im Atraḫasis-Epos aus dem 19. Jahrhundert v. Chr. Die gleiche Erzählung findet sich auch im Gilgamesch-Epos.

Im Gilgamesch-Epos baute Ziusudra (griechisch bei Berossus: Xisouthros) ein Boot, mit welchem er, Angehörige und ausgewählte Tiere die Flutkatastrophe überlebten. In dieser Urform des Mythos waren verschiedene Details, wie z. B. die Vorwarnung an Ziusudra durch Enki und das Dankopfer für die Errettung, vorhanden, die später in der Bibel ähnlich überliefert sind. Im Atraḫasis-Epos findet sich auch die Erzählung der Aussendung von Vögeln am Ende der Flut.

Im sumerischen Etana-Mythos fand die „große Flut“ unmittelbar vor dem ersten irdischen König Etana statt.

Biblische Darstellung[Bearbeiten]

Künstlerische Darstellung der Sintflut von Gustave Doré.

Die biblische Version weist in vielen Details Ähnlichkeiten mit dem Atraḫasis-Epos auf, nimmt also die (ältere) sumerisch-akkadische Tradition auf, deutet sie aber im Kontext des monotheistischen Weltbildes.

Gemäß dem biblischen Bericht im Alten Testament (Gen 7,10–24 EU und Gen 8,1–14 EU) soll die Sintflut ein Kalenderjahr und 10 Tage gedauert haben. Selbst der höchste Berg der Welt war mit Wasser bedeckt, wobei das hebräische Wort eretz (ארץ) nicht nur „Welt“, sondern auch „Land“ bedeuten kann. Die gesamte Zeit der Flut wird in mehreren Phasen beschrieben:

  1. In Noahs 600. Lebensjahr begann die Flut am 17. Tag des zweiten Monats.
  2. 40 Tage dauerte die Flut auf der Erde. Nach insgesamt 150 Tagen des Anschwellens nahm das Wasser ab.
  3. Am 17. Tag des siebten Monats setzte die Arche im Gebirge Ararat auf.
  4. Am 1. Tag des zehnten Monats wurden die ersten Berggipfel sichtbar.
  5. Am 11. Tag des elften Monats öffnete Noah das Fenster und ließ einen Raben fliegen: Der flog aus und ein, bis das Wasser auf der Erde vertrocknet war.
  6. In Noahs 601. Lebensjahr hatte sich das Wasser am 1. Tag des ersten Monats verlaufen.
  7. Noah verließ am 27. Tag des zweiten Monats die Arche.

Nach masoretischem Text und nach samaritanischem Pentateuch gelang es nur Noach (Noah oder Noe), der auf göttliche Anweisung hin eine Arche gebaut hatte, mit seiner Familie (seine Frau, die drei Söhne und die entsprechenden Schwiegertöchter) und vielen Tieren (jeweils sieben Paare von den „reinen“ und ein Paar von den „unreinen“) zu überleben. Die Arche landete schließlich auf dem Gebirge Ararat; von dort verbreitete sich das Leben wieder über die Erde. Der biblische Bericht erzählt davon, dass JHWH im Anschluss einen neuen Bund mit Noach und den Menschen schloss, in dem er gelobte, die Menschen nie wieder durch eine Flut solchen Ausmaßes zu bestrafen. Das Zeichen dieses Bundes ist der Regenbogen.

Der Bund im Zeichen des Regenbogens[Bearbeiten]

In den alten Kulturen wird die Farbenpracht des Regenbogens mit der Farbenpracht der Schlange verglichen, die als Regenbogenschlange das Symbol des ‚unteren‘ Wassers (Sexualität) in Beziehung setzt zu den ‚oberen‘ Wassern des Himmels: „Damit ist die Schlange die ‚totale, ambivalente Gottheit‘, nicht nur im Sinn von Land und Wasser, von Leben und Tod, sondern auch von Himmel und Erde. Der Begriff ‚Regenbogenschlange‘, wie er besonders für die Vorstellung der australischen Ureinwohner von der Urschlange verwendet wird, ist der Ausdruck dieser ‚Totalität in der Dualität‘ von Himmel und Erde, von unterem und oberem Wasser. Der Geltungsbereich darf jedoch nicht auf Australien eingeengt bleiben, er ist viel weiter, geradezu global.“[1]

In der ersten biblischen Schöpfungserzählung (Gen 1,6–8) werden am 2. Schöpfungstag obere und untere Wasser (Ewigkeit und Zeit) gerade geschieden, um so Raum für das individuelle Leben auf Erden zu schaffen. „Mit dieser ‚mabul‘ [= Sintflut] aber wird diese Scheidung wieder aufgehoben, und damit wird das individuelle Leben, so wie es sich äußern konnte, ebenfalls vernichtet. (…) Auch die Ägypter gingen im Wasser unter, das sie bedeckte, während Israel, genauso wie Noach, durch das Wasser hindurchkommt. Auch Mose kam in eine ‚teba’ [Arche, Kästchen – vgl. Ex 2,5–10] und blieb dadurch im Wasser bewahrt.“[2]

Das hebräische Teba bedeutet das (geschriebene) Wort (Mose ist der ‚Mann des Wortes’), also das Wort Gottes (siehe Arche Noah). Im Glauben an das Wort als Weise des Gerechtseins vor Gott (Noah ist der ‚Gerechte’ – Gen 6,9; vgl. Weish 14,7) und der damit verbundenen „Hoffnung voll Unsterblichkeit“ (Weish 3,4) ist das Leben im ‚Wasser’ der Zeit immer schon gerettet. Dieser Glaube besteht im Bund als der rechten Verbindung von Himmel und Erde, Ewigkeit und Zeit, der im siebenfarbigen Regenbogen sein Bundes-Zeichen hat. Der Bogen zeigt symbolisch die Verbindung von Himmel und Erde oder „den hieros gamos [heilige Hochzeit] in der Welt der göttlichen Potenzen“: Rabbi Moses Cordovero deutet den Bogen mit Blick auf Ez 1,28 – der helle Schein des Feuers der Hüften (Lenden) der Gottesgestalt auf dem kosmischen Thronwagen der Ezechielvision war „wie der Anblick des Regenbogens“ – als das „Leben der Welten“; gemeint ist damit die fruchtbar-zeugende Kraft der 9. Sefira des zehngliedrigen Sefiroth-Baumes (Baum des Lebens), die eine ausgesprochene Phallus-Symbolik hat.[3]

Diese zeugende Kraft ist nach kabbalistischer Deutung verkörpert in Josef von Ägypten. Er gilt als Gestalt des Adam Kamon (des ursprünglichen Menschen) und als der „‚Bewahrer des Bundes‘ par excellence“, weil er „der Versuchung der hemmungslosen Sexualität widerstanden und an seinem Körper das Bundeszeichen der Beschneidung rein erhalten hat. In diesem Sinn wurde die Preisung Josefs im Segen Jakobs verstanden (Gen 49,24): ‚Sein Bogen erhielt sich in (seiner ursprünglichen) Kraft.“[4] Die beiden Zeichen des Gottesbundes, Regenbogen und Beschneidung, entsprechen somit einander. Josef von Ägypten wiederum gilt in der christlichen Deutung als Typos des Erlösers oder des Neuen Adam: „Hier wird das Erlösungswerk Christi vorweggenommen …“[5]

Im Neuen Testament (1 Petr 3,20f; 2 Petr 2,4f) und bei den Kirchenvätern wird die Sintflut als Sinnbild der Taufe verstanden.[6] Die Taufsymbolik von Tod und Auferstehung oder Neuschöpfung (2 Kor 5,17) kommt in der Achtzahl der in der ‚Arche‘ geretteten Personen zum Ausdruck – mit Noach, dem „Verkünder der Gerechtigkeit“, als dem „Achten“ (2 Petr 2,5). Nach frühkirchlicher Deutung ist der Tag der Auferstehung Christi nach dem Sabbat (= 7. Tag) bzw. nach der 7-Tage-Schöpfung der achte Tag.[7] Die Taufe als sakramentales Zeichen des Bundes wurde deshalb in achteckigen Baptisterien gespendet. „Der achte Tag ist der Tag des Messias“, des „Königs des 8. Tages“.[8]

Christliche Geschichtsschreiber datierten die Sintflut auf Grundlage der alttestamentlichen Angaben zumeist auf das Jahr 2242 Annus Mundi (3268 v. Chr.), so beispielsweise auch in der pseudo-manethonischen Überlieferung „Buch der Sothis“.[9] Der irische Theologe James Ussher berechnete im 17. Jahrhundert in seinen Annales veteris testamenti, a prima mundi origine deducti (Annalen des Alten Testaments, hergeleitet von den frühesten Anfängen der Welt) anhand von Bibelstellen den Zeitpunkt, zu dem die Sintflut stattgefunden haben soll. Er kam auf das Jahr 2501 v. Chr. Nach biblischer Zeitrechnung sind mit dem Eintritt des ‚600‘-jährigen Noah in die Arche 1656 Jahre seit der Schöpfung vergangen, der ‚Untergang der Schöpfung‘ und die ‚Neuschöpfung‘ im Zeichen des Bundes findet also im 17. Jahrhundert statt – zu dieser Zahlensymbolik siehe Arche Noah (Theologische Deutung).

Darstellung in den Apokryphen[Bearbeiten]

Im ersten Buch Henoch, auf das im Judasbrief des Neuen Testamentes Bezug genommen wird, das auch in den Rollen von Qumran gefunden wurde und das heute noch zum kanonischen Schrifttum der (christlichen) äthiopischen Kirche gehört, wird diese Geschichte näher erläutert. Die Sintflut wird als göttliche Reaktion auf die unentschuldbare Rebellion der sogenannten Wächterengel unter Führung von Azazel verstanden. Diese gaben sich mit ihrer Nähe zu Gott nicht zufrieden, sondern lehrten die Menschen verschiedene Künste (vgl. Prometheus im griechischen Mythos) und vermischten sich schließlich mit diesen sogar sexuell. Während Azazel mit seinen Mitverschwörern zur Strafe für seinen Hochmut auf die Erde geworfen und gebunden wird bis zum endgültigen Gericht, muss der durch den Samen der abgefallenen Gottessöhne unrettbar verdorbene Teil der Menschheit flächendeckend ausgetilgt werden. Eine jüngere christliche apokryphe Tradition widerspricht dieser Legende. Sie ist im Orientalischen Adamsbuch und in der Syrischen Schatzhöhle niedergeschrieben worden. Demnach lebten die Nachkommen Kains zunehmend sündhaft, und auch die meisten Nachkommen Seths ließen sich darauf ein. Die Sintflut erscheint als Säuberung von dieser Sünde.

Historisch-kritische Analyse und kirchliche Wertung[Bearbeiten]

Die historisch-kritische Analyse sieht im vorliegenden biblischen Text mindestens zwei Quellen mit zum Teil unterschiedlichen Angaben unverbunden ineinandergefügt.

Viele heutige Exegeten bestehen nicht auf einer Historizität der Genesistexte, sondern weisen ihnen den Charakter eines Mythos zu, in dem sich Glaubenserfahrung ausdrückt. Von römisch-katholischer oder protestantisch-landeskirchlicher Seite wird eine Geschichtlichkeit der Sintflut nicht als notwendiger Bestandteil christlichen Glaubens angesehen. In Kreisen evangelikaler Christen gilt die Sintflut dagegen als historisches Ereignis.

Theologische Deutung[Bearbeiten]

Für die biblische Rechtfertigung der Sintflut als einzigartiges Gericht Gottes über die von ihm selber geschaffene und im Schöpfungsbericht der Bibel von ihm selbst als sehr gut angesehene Schöpfung ist die unmittelbar chronologisch vor der Noah-Geschichte stehende Erzählung der Gottessöhne in Genesis Kapitel 5 aufschlussreich:

Als aber die Menschen sich zu mehren begannen auf Erden und ihnen Töchter geboren wurden, 2 da sahen die Gottessöhne, wie schön die Töchter der Menschen waren, und nahmen sich zu Frauen, welche sie wollten. 3 Da sprach der HERR: Mein Geist soll nicht immerdar im Menschen walten, denn auch der Mensch ist Fleisch. Ich will ihm als Lebenszeit geben hundertundzwanzig Jahre. 4 Zu der Zeit und auch später noch, als die Gottessöhne zu den Töchtern der Menschen eingingen und sie ihnen Kinder gebaren, wurden daraus die Riesen auf Erden. Das sind die Helden der Vorzeit, die hochberühmten.

Die Sintflut wirft in theologischer Hinsicht die Frage auf, warum ein allwissender und gütiger Gott es überhaupt zur Sintflut kommen lassen konnte. Nicht nur Atheisten stellen die Frage, warum Gott dem biblischen Bericht gemäß in der Sintflut seine eigene Schöpfung nahezu vollständig verwarf. Rainer Albertz verweist in diesem Zusammenhang auf das Problem der damaligen Überbevölkerung, das ebenso im Atraḫasis-Epos der Grund für das Vernichtungsurteil war. Beide Sintflutberichte zeigen die weitere Gemeinsamkeit der späteren regulierenden Eingriffe der Natur, die eine erneute Überbevölkerung verhindern sollten.

Die Aussage, dass nur noch „Töchter“ und keine „Söhne“ mehr geboren werden, erklärt sich am plausibelsten unter der Voraussetzung des Gedankens des Bundes (s. o.), der biblisch immer ein 'hochzeitlicher' Bund ist (vgl. Eph 5,31f). Dieser Bund verbindet Himmel und Erde, Oben und Unten, Geist und Materie, das Innere und das Äußere, das Unsichtbare und das Sichtbare, aber damit auch das 'Männliche' und das 'Weibliche'. Das Fehlen der 'Knaben' (bzw. dann auch das Töten der Knaben: Ex 1,22; Mt 2,16–18) bedeutet dann, dass der innere, verborgene Pol des Bundes oder der Glauben fehlt: „Die große Vielheit drückt sich bei den Menschen auf Erden in der Geburt von Töchtern aus. Die Frau ist … nach unseren Maßstäben der Ausdruck dessen, was beim Menschen der Körper und in der Welt die Materie ist. Am Ende der Zeit [= am Ende der ersten zehn Geschlechter von Adam bis Noah] ist vor allem die Ausbreitung der Materie typisch. Alle ihre Entwicklungsmöglichkeiten werden nun frei. Und beim Menschen liegt die Betonung auf dem Körper. Dergleichen wird ihm jetzt in großer Zahl geboren.“[10]

Damit wird nicht gesagt, dass die Frau bzw. das „Fleisch“ (vgl. Gen 2,21; 6,3; Eph 5,28) minderwertig ist, sondern dass es „die Bestimmung des Leibes (ist), sich an die Seele zu binden“: „Bei der Bindung des Körpers an die Seele, der Materie an den Ursprung, des Menschen an Gott, soll es so sein, dass der Körper, die Materie, der Mensch sich von der Welt, in der sie lebten, lösen, und dass sie die Maßstäbe der Einheit übernehmen … Die Frau, die auf dieselbe Art aus dem Mann genommen wurde [Gen 2,21], verlangt nach der Rückkehr dieses Zustandes der Einheit.“[11]

Die Sehnsucht nach der Einheit (vgl. Gen 2,24) im Beschneiden des Fleisches (bzw. des 'Herzens') drückt sich aus in der Sehnsucht nach der 'Hochzeit' mit dem (göttlichen) Bräutigam, hebr. chathan, in Zahlen 8-400-50: „Dieses Wort [chathan] hat als Anfang die 8, die Cheth, den achten Buchstaben, und als Abschluss die Nun, die 50, den Buchstaben, den wir als Ausdruck des 8. Tages [nach der 7 x 7 = 49], der kommenden Welt, kennen. Das Wort [chathan] ist also aus dem 'Achten' als Anfang und als Ende zusammengestellt. Es lässt erkennen, dass die Bestimmung des Verlobten [= 7. Tag] der achte Tag ist.“[12] Der Bund der Taufe wie auch der Eucharistie als Ausdruck der (Ein-)Fleisch-Werdung des Wortes Gottes (Joh 1,14) wurde von daher von Anfang an als Geheimnis der 'Hochzeit' mit Gott verstanden: „In der gesamten [christlichen] Initiation verwirklicht sich das eine hochzeitliche Mysterium.“[13]

Im Judentum[Bearbeiten]

Das Judentum hat auf die Frage, warum ein allwissender und gütiger Gott es überhaupt zur Sintflut kommen lassen konnte, unter anderem im Raschi-Kommentar die Antwort gegeben, dass die harte Strafe Gottes wegen des Umfangs der menschlichen Verbrechen und der Bosheit der vorsintflutlichen Geschlechter notwendig wurde. Es kam demnach zum Brudermord sowie zu massiver Gewalt zwischen den Menschen, insbesondere gegenüber Frauen, so dass das Recht des Stärkeren herrschte. Zum Beleg dient unter anderem eine Textstelle aus dem 1. Buch Mose 6:2, in der es heißt: „Sie nahmen sich zu Weibern, welche sie nur wollten“.

Das Urteil Gottes lautete daher: „Alles Trachten ihres Herzens war die ganze Zeit nur böse“ (6,5) und „Die Erde war voller Gewalttat“ (6,11), womit im konkreten Fall besonders schändliche Gewalt wie etwa Raub bezeichnet wurde. Die Reaktion Gottes versteht das Judentum daher als Antwort auf die so bezeichneten Gräuel: „Das Ende allen Fleisches ist bei mir beschlossen.“ (6,13). Gewalttätiges Verbrechertum, Raub und Vergewaltigungen, sind, folgt man der Sintflutgeschichte, in theologischer Hinsicht die größte Sünde.

In den Worten des Rabbi Jochanan findet diese Ansicht ihren Ausdruck:

Kommt und seht, wie schrecklich ist die Macht der Gewalt! Denn seht, die Generation der Flut beging jede denkbare Sünde, aber ihr Schicksal wurde erst besiegelt, als sie ihre Hände zum Raub ausstreckten, wie es heißt: „Denn voll ist die Erde durch Gewalttat durch sie, und ich will sie verderben mit der Erde.“

Der Midrasch betrachtet es als korrumpierende Natur der „Gewalt, die fähig ist, das Gute im Menschen zu demoralisieren und die als unüberwindbare Barriere zwischen dem Menschen und seinem Schöpfer steht“. Die Frage, warum Gott den Tod der Sünder wünscht und nicht deren Umkehr, wird also durch die unrettbar durch Gewalt korrumpierte Menschheit begründet. Nur mit einem neuen, aus einem Gerechten hervorgegangenen Menschengeschlecht war demnach ein Neuanfang möglich.

Im Christentum[Bearbeiten]

Im Neuen Testament dient die Sintflut im Lukasevangelium (17,27) und in der entsprechenden Parallelstelle im Evangelium nach Matthäus (24,38) als Gleichnis für das Kommen des Menschensohns, das als plötzlich und unerwartet prophezeit wird:

Und wie es geschah zu den Zeiten Noahs, so wird's auch geschehen in den Tagen des Menschensohnes: Sie aßen, sie tranken, sie freiten, sie ließen sich freien bis auf den Tag, da Noah in die Arche ging, und die Sintflut kam und brachte sie alle um.

Martin Luther, der am Glauben hinsichtlich der Historizität dieser Fluterzählung bewusst festgehalten hat, sieht in seinen verschiedenen Auslegungen des Buches Genesis[14] die Flut mit Genesis 6 als Gottes gerechte Strafe für den Abfall aller Menschen von Gott, der sich unter den Gliedern der „wahren Kirche“ (d. h. den Nachkommen des Patriarchen Seth im Gegenüber zu denen des Kain) vor allem durch „Mischehen“ mit den ungläubigen Nachkommen Kains ausdrückte (6,2; vgl. Gen 24,3; Dtn 7,3–4).

Die moderne Frage der Theodizee stellt sich ihm daher so nicht, da er gerade in Genesis 6 entscheidende Belege für die Erbsündenlehre erblickt (bes. VV. 3 u. 5); er rechnet also nicht mit einem natürlichen Gutsein des Menschen, demgegenüber Leid (und Strafe) eigens begründet werden müssten (siehe Gen 3,17–19; 4,10ff.). Überhaupt weist er es in seiner Auslegung zu Gen 6,5–7 als theologisch gefährlich zurück, über Gottes Wesen und dessen Eigenschaften – etwa über seine Güte und Allmacht – abgesehen von seinem Wort zu spekulieren. Derartiges Tun der Vernunft des Menschen führe, so Luther, nicht zum wahren Gott, sondern an diesem vorbei.

Obwohl er die (jüdische) Interpretation von Gen 6,2 auf Dämonen- oder Engelwesen kennt, lehnt er sie ab: die „Söhne Gottes“ sind für ihn die, die durch Glauben an den im sog. Protoevangelium (Gen 3,15) verheißenen Retter Glieder der „wahren Kirche“ sind oder doch jedenfalls sein sollten (vgl. Gal 3,26). Am Ende war es jedoch nur Noah, der am Glauben festhielt (vgl. Hebr 11,7) und daher auch ein exemplarisches sittliches Leben führte, das ihn von seinen Zeitgenossen abhob. Luther macht also hier mit seiner grundlegenden Einsicht ernst, dass der allein seligmachende Glaube durch Liebe tätig ist (Gal 5,6). Wo Ersterer verlorengeht, da schlägt die Liebe Gottes und des Nächsten (entsprechend den beiden Tafeln der Zehn Gebote) in Selbstliebe zurück (Röm 1). Die Flut ist also nach Luther nicht einfach ein Aufruf zu moralisch-mitmenschlichem Handeln, sondern vor allem ein Ruf zum Glauben an Christus angesichts der drohenden Wiederkehr des Menschensohnes zum Weltgericht (siehe Mt 24,37–39), aber auch zur 'Hochzeit' (siehe Mt 25, 1–13).

Luther sieht gerade in Noah, dem „Prediger der Gerechtigkeit (des Glaubens)“ (2 Petr 2,5), den Prototyp aller wahren Propheten und Prediger, die vom wahren Gott den Auftrag haben, ihre Zeitgenossen zum Wort des Herrn und damit zum allein rettenden Glauben an Christus zurückzurufen, jedoch bis zum Ende der Welt damit wegen der Verderbheit der Menschen nicht großen Zulauf gewinnen werden, sondern als wenig überzeugende Unheilspropheten verspottet werden (siehe wieder Mt 24, 37–39 und 2 Petr 3,3ff.).

Evangelikale Gruppen, die ein biblizistisches Schriftverständnis pflegen, nehmen die Erzählung der Sintflut noch heute wörtlich. Sie glauben, dass die allenthalben anzutreffenden Schichtgesteine durch die Sintflut entstanden seien. Da die Sünde der Menschen wiederum die Ursache der Sintflut sei, müsse die Bildung dieser Schichtgesteine und der in ihnen zu findenden Fossilien zeitlich nach der Erschaffung des Menschen angesetzt werden.[15]

Allgemein[Bearbeiten]

Die Tatsache, dass der Gerechte seine Rettung, die Arche, selber bauen und danach durch schwieriges Wasser führen musste, ist ein theologisches Bild. Es wird manchmal von modernen Theologen aufgegriffen, wenn ein aufgeklärter Humanismus als heutige Entsprechung eines solchen Archebaus dargestellt wird.

An der Verpflichtung zur Nächstenliebe treffen sich jüdische, christliche und muslimische Exegeten bei der Interpretation der Sintflutgeschichte.

Sintflutsagen in anderen Kulturkreisen[Bearbeiten]

Die griechische Mythologie kennt eine ähnliche Erzählung im Deukalion-Mythos. Entsprechende Überlieferungen sind auch der indische Mythologie bekannt. Beide könnten aufgrund der geographischen Nähe leicht dem gleichen Überlieferungsstrang aus dem Zweistromland entspringen. Ähnliche Erzählungen finden sich aber auch in der Sagenwelt von Völkern, die keinen Kontakt mit der Sumerischen Kultur hatten:

Die Inder kennen den Fisch Matsya, der den König Manu zum Bau einer Arche aufforderte, in der er die sieben Rishis rettete. Auch die Schöpfungsgeschichte der alt-isländischen Prosa-Edda kennt die Geschichte einer weltweiten Flut, die nur der Riese Bergelmir und seine Frau überlebten. In der Schöpfungsgeschichte der australischen Aborigines, der sogenannten Traumzeit, gibt es den Mythos des Großen Kängurus, das einst mit anderen „animal people“ (engl. Tierleuten) die „Great Flood“ zurückhielt.

Aus dem chinesischen Altertum der Zeit Kaiser Yaos gibt es Sagen, dass sich „Fluten bis zum Himmel türmen“, oder von „Überschwemmungen, die mit ihren Fluten den Himmel bedrohen“.[16] Diese Sagen werden meist mit der „Flut des Ogyges“ gleichgesetzt. Als chinesische Entsprechung der biblischen Sintflutsage mit Noah wird oft Fu Xi gesehen, der als einziger im ganzen Land gerettet wurde.

Auch die amerikanischen Indianer kennen Geschichten von einer Flut, die die gesamte Erdoberfläche überspült haben soll.[17]

In Afrika kommen klassische Sintflutmythen nicht vor, da in der afrikanischen Kosmogonie Erzählungen zur Weltentstehung fast gänzlich fehlen. Periodische Überflutungen wie die Nilschwemme konnten keine eigene Vorstellung eines einmaligen Flutereignisses hervorbringen. Aus dem südlichen Afrika ist lediglich eine Sage von einem Dorf überliefert, das einmal in einem See versank. Von Neuguinea und den Südseeinseln sind einige Flutmythen bekannt, die ihrem Charakter nach aus vorchristlicher Zeit stammen.[18]

Im 7. Jahrhundert verfasste ein Pseudo-Methodius genannter syrischsprachiger Autor eine der biblischen Sintflut nachempfundene Legende, in der Noah, die Arche und der Teufel vorkommen. In der russischen Übersetzung ist sie in Osteuropa verbreitet und gelangte mit russischen Siedlern nach Sibirien, angereichert um den aus dem islamischen Kulturkreis stammenden störrischen Esel. Noah schrie den Esel an: „Geh hinein, Verfluchter“. In diesem Augenblick schlich sich der Teufel unbemerkt ein. Später berief er sich darauf, von Noah persönlich angesprochen und zum Eintreten aufgefordert worden zu sein. In weiteren nordasiatischen Sagen heißt der Erbauer des Schiffes vom biblischen Noah abgeleitet Noj, im Altai Nama. Dessen Weib wird regelmäßig als böse und mit dem Teufel verbündet dargestellt.

Der Held der Sintflut erscheint in nordasiatischen Erzählungen als der bekannte Stammvater der heutigen Menschen, in tuwinischen Sagen darüber hinaus auch als göttlicher Weltenschöpfer. Dort entstand die Sintflut, weil sich die im Urozean liegende und den Weltenberg tragende Schildkröte einmal bewegte. Ein alter Mann, der die Sintflut voraussah, baute ein Floß und versammelte seine Angehörigen darauf. Nach der Flut landete das Floß auf einem hohen Berg, wo es sich heute noch befindet. Der Alte, genannt der „gnädige Fürst“, erschuf nun die Welt aufs Neue. Eine solche Vergöttlichung lässt sich nicht aus der Bibel herleiten, sondern ist mit dem altiranischen Helden Yima oder Dschamschid verknüpft. Im Altai hieß er Schal-Jime.

Strukturell verwandt mit der Sintflut ist der seltene Weltuntergang durch eine strenge Frostperiode, die alles Leben vernichtet. Solche Erzählungen sind aus dem alten Iran, Nordasien und Skandinavien bekannt. Hierzu gehören auch die bei mehreren asiatischen Völkern aufgezeichneten Sagen von Brandkatastrophen, die Ähnlichkeiten zwischen der buddhistischen und frühchristlichen Mythologie zeigen. Die Erde wird jedes Mal von teuflischen Einflüssen gereinigt und eine neue bessere Welt entsteht.[19]

Korrelation mit vermuteten Überschwemmungskatastrophen[Bearbeiten]

Bei Mythen- und Legendenbildung tritt das typische Phänomen der überhöhenden Dramatik in das Grenzenlose auf. Historische Erfahrungen einiger Beteiligter nehmen oft den Weg als phantastische Vision; in der Sintfluterzählung in diesem Fall als Mythensammlung vom Untergang von nahezu allen Menschen und Tieren.[20][21] Wissenschaftliche Theorien wurden hinsichtlich möglicher Zusammenhänge entwickelt und überprüft.

Ein Zusammenhang zu Flutmythen ist jedoch für keine der kataklystischen Katastrophen belegt.

Lokale Überschwemmung[Bearbeiten]

Die in der Wissenschaft früher bevorzugte Theorie, dass alle mesopotamischen Flutmythen auf die traumatische Erfahrung der lokalen Schwemmfluten von Euphrat und Tigris im Zweistromland zurückgehen, konnte zwischenzeitlich, bedingt durch archäologische Untersuchungen, nicht bestätigt werden.[22] Die periodisch auftretende Nilschwemme macht altägyptische Vorstellungen einer Sintflut verständlich.

Kontinentale Megafluten[Bearbeiten]

In verschiedenen Regionen Zentralasiens und Nordeuropas ereigneten sich 13.000 bis 9000 v. Chr. (am Ende des Pleistozäns) kontinentale Megafluten durch Aufbrechen von Eisstauseen vermutlich wiederholt.[23][24][25][26][27]

Vulkanausbruch Santorin[Bearbeiten]

In einem weiteren Erklärungsversuch wurde die Sintflut auf die Minoische Eruption auf der Insel Santorin und den nachfolgenden Tsunami zurückgeführt. Zusätzlich wurde auf entsprechend ähnliche Sagen der Griechen und Kreter verwiesen, die später bei den Bewohnern der Levante in mündlicher Überlieferung fortbestanden haben sollen. Archäologische Untersuchungen konnten jedoch diese Theorien nicht bestätigen, da die Santorin-Eruption zwischen 1625 und 1530 v. Chr. erfolgte und die Textfunde des babylonischen Sintflut-Epos mindestens auf das 18. Jahrhundert v. Chr. datieren.[28]

Meteoriten-Theorie[Bearbeiten]

Im Jahr 1932 wurde der Meteorit Wabar[29] in der Wüste von Saudi-Arabien entdeckt. In ersten Schätzungen wurde der Einschlag in die Zeit um 4000 v. Chr. datiert und als möglicher Grund für eine Flutwelle genannt. Weitere Fragmente des Meteoriten wurden auf ein Alter von ca. 3500 Jahren geschätzt. Dies führte zu der Annahme, dass ca. 1500 v. Chr. ein weiterer Einschlag in Saudi-Arabien erfolgt sei. Die Wucht der Aufschläge wurde mit der Sprengkraft der Hiroshima-Atombombe verglichen. Aktuelle Untersuchungen ergaben ein tatsächliches Alter von 300 bis 500 Jahren. Die Theorie, dass der Meteorit Wabar möglicher Auslöser der sumerischen Flutkatastrophe war, scheidet damit aus.

Im Jahr 2006 wurde der Krater Jabal Waqf es Swwan in Jordanien von den Entdeckern Elias Salameh, Hani Khoury und Werner Schneider aufgrund der relativ geringen Erosion zunächst auf ein Alter unter 10.000 Jahren geschätzt. Dies führte dazu, dass in Massenmedien eine Verbindung zur Sintflut-Geschichte und insbesondere zum Gilgamesch-Epos hergestellt wurde.[30] Nach neueren Untersuchungen[31] handelt es sich zwar wohl tatsächlich um einen Einschlagkrater, jedoch aus dem Eozän, das heißt aus einer Zeit vor 56 bis 37 Millionen Jahren.[32]

Otto H. Muck entwickelte ein Szenario, nach dem durch den Einschlag eines Asteroiden aus der Adonis-Gruppe im westlichen Atlantik die Großinsel Atlantis versank. Die entstehenden ungeheuren Flutwellen ertränkten in Ost und West Mensch und Tier in einer großen Sintflut, die in den Sagen und Mythen der Völker östlich und westlich des Atlantiks erscheint. Bei dem Impakt wurden auch ungeheure Mengen an Asche und Wasser in die Luft gerissen, die sich danach zusätzlich auf das Land ergossen. Muck beschreibt das Folgeszenario mit zahlreichen Indizien sowie Zitaten aus Sintflutsagen alter Völker. Er datiert den Auslöser der Sintflut auf das Nulljahr des Maya-Kalenders: das Jahr 8498 v. Chr.[33]

See- und Erdbeben[Bearbeiten]

Am 21. Juli im Jahr 365 n. Chr. erschütterte ein schweres Erdbeben den gesamten östlichen Mittelmeerraum. Die nachfolgenden Tsunamis liefen über die flachen Küstenbereiche und zerstörten Siedlungen. Alexandria verzeichnete nach Überlieferungen etwa 50.000 Opfer. Die Ursache für die schweren Beben in dieser Region ist der Nordwärtsdrang der Afrikanischen Platte, die sich hier unter die Eurasische Platte schiebt. Der geknautschte Untergrund steht dadurch ständig unter Spannung und ist von Störungszonen und Bruchlinien durchzogen. Insbesondere im Osten des Meeresbeckens steht zusätzlich die kleinere Anatolische Platte im Mittelpunkt dieser Bewegungen. Dort kommt es immer wieder zu schweren Erschütterungen entlang der Nordanatolischen Verwerfung.

Durch See- oder Erdbeben ausgelöste Tsunamis stellen rückblickend keine Seltenheit in dieser Region dar und erfolgen in zyklischen Abständen. Eine weitere Vermutung der Tsunami-Theorien nennt einen vor rund 8000 Jahren erfolgten Erdrutsch am Ätna als Auslöser für einen Tsunami,[34] der in den späteren Überlieferungen als Sintflut deklariert wurde. Aufgrund der Häufigkeit dieser Ereignisse stellen jedoch alle Vermutungen bislang nicht beweisbare Spekulationen dar.

Wassereinbruch in das Schwarze Meer[Bearbeiten]

Nach langjährigen Forschungen entwickelten 1997 die US-amerikanischen Marinegeologen Walter Pitman und William Ryan die Theorie, die Sintflut gehe auf einen Wassereinbruch in das Schwarze Meer zurück. Nach ihrer Ansicht hat dieser stattgefunden, als nach dem Ende der letzten Eiszeit durch das Abschmelzen der Gletscher alle Meeresspiegel weltweit anstiegen und damit sich auch der des Mittelmeers hob und etwa im 7. Jahrtausend v. Chr. das Niveau des Bosporus erreichte. Innerhalb kurzer Zeit hat sich so der Wasserspiegel in der Senke um mehr als 100 Meter erhöht. Mark Siddall entwickelte ein virtuelles physikalisches Modell des Grabens am Bosporus und des Schwarzen Meeres. Auf dieser Basis konnte er alle Überschwemmungsszenarien simulieren:

„Als der Schwarzmeer-Damm gebrochen war, strömte das Wasser durch den Bosporus, erreichte das Schwarzmeer-Becken in einem gigantischen Crash, und stromabwärts von dieser Crash-Zone muss ein eindrucksvoller Jet-Stream entstanden sein, ein schneller Wasserstrahl, der entlang der Küstenlinie verlief und dort einen tiefen Graben in den Boden gepflügt haben muss.“

William Ryan überprüfte mit Echoloten den Boden des Schwarzen Meeres. Die Auswertungen zeigten, dass der Graben sich genau dort befindet, wo Siddall ihn vorhergesagt hatte. Neue Bohrkernproben wurden von Yossi Mart untersucht: „Aus den Untersuchungen können wir ableiten, dass der Übergang vom See zum Meer sehr abrupt war.“ Der Muschelfund bestätigt damit die Theorie des plötzlichen Meerwasser-Einfalls, der mit der zehnfachen Wucht der Niagarafälle zu Tal stürzte.

Weitere Ergebnisse stellen die These von Pitman und Ryan in Frage und zeigen aufgrund vielfältiger Befunde, dass eine katastrophenartige Flutung des Schwarzen Meeres aus dem Mittelmeer über das Marmarameer zumindest innerhalb der letzten 30.000 Jahre unglaubwürdig ist.[35][36][37]

Monsunklima-Theorie[Bearbeiten]

Die Geowissenschaftler Helge Arz und Frank Lammy vom DFG-Forschungszentrum Ozeanränder untersuchten Meeresablagerungen aus dem nördlichen Roten Meer und fanden im Jahr 2003 heraus, dass die heute sehr trockene Region noch vor einigen tausend Jahren durch eine lange Feuchtperiode – ein monsunartiges Wettersystem – geprägt war.[38] Die Forscher stellten fest, dass das Oberflächenwasser des Roten Meers in der Zeit zwischen etwa 7000 bis 4500 v. Chr. einen deutlich geringeren Salzgehalt aufwies als gegenwärtig. Ein monsunartiges Klima war die Folge, vergleichbar mit dem Klima am Indischen Ozean, welches bis ca. 5000 v. Chr. das Wettergeschehen im Nahen Osten dominierte. Untersuchungen an Blütenpollen und israelischen Höhlenablagerungen erhärteten das Monsun-Szenario.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Zu weltweit verbreiteten Sintflutberichten[Bearbeiten]

  • Publius Ovidius Naso: Metamorphosen. und Diluvium.
  • Richard Andree: Die Flutsagen ethnographisch betrachtet. Vieweg und Sohn, Braunschweig 1891.
  • Norbert Buchner, Elmar Buchner: Klima und Kulturen. Die Geschichte von Paradies und Sintflut. Greiner, Remshalden 2005, ISBN 3-935383-84-3.
  • Heinrich Lüken: Die Traditionen des Menschengeschlechts oder die Uroffenbarung unter den Heiden. Aschendorff, Münster 1869.
  • Johannes Karl Richard Riem: Die Sintflut in Sage und Wissenschaft. Agentur des Rauhen Hauses, Hamburg 1925.
  • Alexander Tollmann, Edith Tollmann: Und die Sintflut gab es doch. Vom Mythos zur historischen Wahrheit. Knaur, München, 1995, ISBN 3-426-77139-X.

Zu den Beziehungen zwischen orientalischer, biblischer und antiker Sintfluttradition[Bearbeiten]

  • Gian A. Caduff: Antike Sintflutsagen. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1986, ISBN 3-525-25180-7.
  • Florentino García Martínez u.a. (Hrsg.): Interpretations of the flood (= Themes in biblical narrative. Bd. 1). Brill, Leiden 1999, ISBN 90-04-11253-7.
  • Alfred M Rehwinkel: The Flood in the Light of the Bible, Geology and Archaeology. Concordia, Saint Louis MO 1957.
  • Byron Christopher Nelson: The Deluge Story in Stone. 7. print, Bethany Fellowship, Minneapolis Minn. 1968.
  • Reginald Daly: Earth’s Most Challenging Mysteries. Craig Press, Nutley NJ 1981.

Zur Schwarzmeer-Überflutungs-Theorie[Bearbeiten]

  • Harald Haarmann: Geschichte der Sintflut. Auf den Spuren der frühen Zivilisationen. Beck, München 2005, ISBN 3-406-49465-X.
  • William Ryan, Walter C. Pitman: Sintflut. Ein Rätsel wird entschlüsselt. Bastei-Lübbe, Bergisch-Gladbach 2001, ISBN 3-404-60492-X.
  • Valentina Yanko-Hombach: The Black Sea flood question: Changes in coastline, climate and human settlement. Springer, Dordrecht 2007, ISBN 1-4020-4774-6.
  • Petko Dimitrov & Dimitar Dimitrov: The Black Sea, the flood, and the ancient myths. Slavena. Varna (Bulgaria) 2004, ISBN 954-579-335-X. (bei Google-books).
  • Dimitar Dimitrov: Geology and Non-traditional resources of the Black Sea. Lambert academic publishing (LAP), Saarbrücken 2010, ISBN 978-3-8383-8639-3.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Sintflut – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Sintflut – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Hans Egli: Das Schlangensymbol. Geschichte – Märchen – Mythos, ISBN 3-530-18855-7, Olten/Freiburg 1982, S. 164.
  2. Friedrich Weinreb: Schöpfung im Wort. Die Struktur der Bibel in jüdischer Überlieferung, Zürich ²2002, S. 444–473 (Das Wort trägt das Leben durch die Zeit), hier S. 448.
  3. Gershom Scholem: Farben und ihre Symbolik in der jüdischen Überlieferung und Mystik, in: Eranos-Jahrbuch 1972, Leiden 1974, S. 1–49, hier S. 40f.
  4. Gershom Scholem: Farben und ihre Symbolik in der jüdischen Überlieferung und Mystik, in: Eranos-Jahrbuch 1972, Leiden 1974, S. 1–49, hier S. 40.
  5. Kardinal Carlo M. Martini: Der Pilger weiß, wohin er geht. Unterwegs mit Josef aus Ägypten und Ignatius von Loyola, Freiburg 1993, S. 94.
  6. Jean Daniélou: Liturgie und Bibel. Die Symbolik der Sakramente bei den Kirchenvätern, München 1963, S. 80–86 (Sintflut).
  7. Vgl. Jean Daniélou: Liturgie und Bibel. Die Symbolik der Sakramente bei den Kirchenvätern, München 1963, S. 265–289: Der achte Tag.
  8. Friedrich Weinreb: Schöpfung im Wort. Die Struktur der Bibel in jüdischer Überlieferung, Zürich ²2002, S. 230–247.
  9. * Gerald P. Verbrugghe, John M. Wickersham: Berossos and Manetho, introduced and translated. Native traditions in ancient Mesopotamia and Egypt. University of Michigan Press, Ann Arbor (Michigan) 2000, ISBN 0-472-08687-1, S. 125.
  10. Friedrich Weinreb: Schöpfung im Wort. Die Struktur der Bibel in jüdischer Überlieferung, Zürich ²2002, S. 431f.
  11. Friedrich Weinreb: Schöpfung im Wort. Die Struktur der Bibel in jüdischer Überlieferung, Zürich ²2002, S. 433.
  12. Friedrich Weinreb: Schöpfung im Wort. Die Struktur der Bibel in jüdischer Überlieferung, Zürich ²2002, S. 437f.
  13. Jean Daniélou: Liturgie und Bibel. Die Symbolik der Sakramente bei den Kirchenvätern, München 1963, S. 193–208 (Das Hohelied), hier S. 205.
  14. Zuletzt in seinem großen Alterswerk, den Genesis-Vorlesungen von 1535–1545, WA 42, 264ff.
  15. Mit der Evolution gegen den „Bibelfundamentalismus.“ Stellungnahme der Studiengemeinschaft Wort und Wissen zu: Hansjörg Hemminger: Mit der Bibel gegen die Evolution – Kreationismus und ‚intelligentes Design’ – kritisch betrachte. EZW-Texte 195, 2007, Diskussionsbeitrag 2/08
  16. James Legge: Shoo King, the Canon of Yaou, 1879; Chrétien-Louis-Joseph de Guignes: Le Chou-king, 1770; J. Moryniac: Histoire générale de la Chine, 1877
  17. Hartley Burr Alexander: North American Mythology, 1916 und Latin American Mythology, 1920
  18. Richard Andree, S. 47–54, 55–67
  19. Uno Harva: Die religiösen Vorstellungen der altaischen Völker. FF Communications N:o 125. Suomalainen Tiedeakatemia, Helsinki 1938, S. 131–139
  20. Biblische Erzählung und Gilgamesch-Epos entsprechen sich in der Rettung von Tieren zu Land (Tiere der Steppe). Fische werden nicht genannt; als Vogelarten werden nur Taube und Rabe erwähnt.
  21. ZDF 22. April 2007 Das Gilgamesch-Epos, M. Papirowski, H. Nelson Minkenberg: Die Sintflut, Mythos oder Wahrheit
  22. vgl. Harald Haarmann in Geschichte der Sintflut S. 22ff.
  23. V. R. Baker: Global Late Quaternary Fluvial Paleohydrology: With Special Emphasis on Paleofloods and Megafloods. (PDF; 1,2 MB) In: John F. Shroder (ed.) Treatise on Geomorphology, Band 9, S. 511–527. San Diego: Academic Press. © 2013 Elsevier
  24. Lee, Keenan, 2004, The Altai Flood
  25. Rudoy, A.N., Glacier-dammed lakes and geological work of glacial superfloods in the Late Pleistocene, Southern Siberia, Altai Mountains, Quaternary International, 2002, Vol. 87/1, pp. 119-140
  26. Rudoy, A.N., Baker, V. R. Sedimentary effects of cataclysmic late Pleistocene glacial outburst flooding, Altay Mountains, Siberia // Sedimentary Geology, 85 (1993) 53-62.
  27. Baker, V. R., G. Benito, A. N. Rudoy, Paleohydrology of late Pleistocene Superflooding, Altay Mountains, Siberia, Science, 1993, Vol. 259, pp. 348-352
  28. Stefan M. Maul in Das Gilgamesch-Epos, ISBN 3-406-52870-8, S. 14
  29.   Aufnahmen vom Meteoriten Wabar
  30. Forscher auf den Spuren der Apokalypse, Der Spiegel, 12. August 2006
  31. Geländeuntersuchungen, Museum für Naturkunde der Humboldt-Universität Berlin im Mai 2008
  32. Earth Impact Database
  33. Otto Muck: Alles über Atlantis: alte Thesen, neue Forschungen. Mitautor Theodor Müller-Alfeld, Herausgeber F. Wackers. Econ, München 1976, ISBN 3-430-16837-6, 9783430168373. 382 S.
  34. Sintflut durch einen Tsunami?
  35. Valentina Yanko-Hombach: The Black Sea flood question: Changes in coastline, climate and human settlement. Springer, Dordrecht 2007.
  36. HPQ-02 Black Sea?Mediterranean Corridor during last 30 ky: Sea level change and human adaptation, Referenzen zum 33. International Geological Congress Oslo 2008
  37. Ali Aksu et al., GSA Today Bd. 12, S. 4–10, referenziert in bild der wissenschaft, 26. April 2002
  38. H. Arz, F. Lamy, J. Pätzold und P. Müller, M. Prins: Mediterranean Moisture Source for an Early-Holocene Humid Period in the Northern Red Sea. In: Science Bd. 300, 4. April 2003, S. 118–121.