Sirkeli Höyük

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Der Sirkeli Höyük

Der Sirkeli Höyük ist einer der größten Siedlungshügel Kilikiens. Er liegt 40 km östlich der Millionenstadt Adana, nordwestlich des Dorfes Sirkeli im Landkreis Ceyhan, am Durchbruch des Ceyhan durch die Misis-Berge (türk. Nur Dağ).

Lage und Bedeutung des Fundortes[Bearbeiten]

37.00388888888935.745277777778Koordinaten: 37° 0′ 14″ N, 35° 44′ 43″ O

Reliefkarte: Türkei
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Sirkeli Höyük
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Türkei
Felsrelief, im Hintergrund die Burg Yılan Kalesi

Unmittelbar am Sirkeli Höyük vorbei verläuft die wichtigste Straße durch die Region, die im Osten nach Syrien und im Westen über die Kilikische Pforte nach Zentralanatolien führt. Die Bedeutung dieser historischen Route wird durch die Anlage der mittelalterlichen Burg Yılankale am gegenüberliegenden Flussufer sowie den Verlauf der Bagdad-Bahn und der modernen Autobahn verdeutlicht, die beide unmittelbar am Sirkeli Höyük vorbeiführen.

Der ca. 300 × 400 m große Ruinenort besteht aus einem 30 m hohen, ovalen Haupthügel, einem nach Norden vorgelagerten trapezoiden Sattel und einer nördlich anschließenden, flachen Terrasse. Auf der gegenüberliegenden Flussseite ist eine Vorstadt bezeugt.

Quer durch den Ruinenhügel verläuft von Südwesten nach Nordosten eine Felsrippe, an deren nordöstliche Kante zwei Felsreliefs angebracht sind (s. u.).

Offenbar war der Ort vom Chalkolithikum (ab ca. 5000 v. Chr.) über die gesamte Bronze- (3000–1200 v. Chr.) und Eisenzeit (1200–300 v. Chr.) bis in die hellenistische Epoche (ca. 100 n. Chr.) besiedelt. Vieles deutet darauf hin, dass er mit der antiken Handels- und Kultstadt Lawazantija (assyrisch Lusanda, griechisch Loandos) zu identifizieren ist, der Heimatstadt der berühmten hethitischen Königin Puduhepa, Tochter eines Priesters der Liebesgöttin Šawuška und Gattin des Großkönigs Hattušili III. (ca. 1265–1236 v. Chr.), der mit dem ägyptischen Pharao Ramses II. den ältesten bekannten Friedensvertrag schloss.

Monumente[Bearbeiten]

Seiner Lage verdankt der Ort eine Schlüsselstellung, die nicht zuletzt in der Anbringung zweier hethitischer Felsreliefs an der Ruine ihren Ausdruck fand: Das besser erhaltene zeigt den hethitischen Großkönig Muwatalli II. (reg. 1290–1272 v. Chr.) und ist somit eines der bislang ältesten bekannten hethitischen Felsreliefs. Nahebei fand sich ein weiteres, antik ausgemeißeltes Relief, das in der Forschung zumeist als Darstellung des Kurunta (= Ulmi-Teššup), des Sohnes von Muwatalli II., gedeutet wird. Möglich ist auch, dass es dessen Bruder, den von Hattušili II. (›III.‹, ca. 1265–1240 v. Chr.) entmachteten Muršili III. (= Urḫi-Teššup, ca. 1272–1265 v. Chr.), zeigte und nach dessen Absetzung ausradiert werden sollte.

An der Oberseite der Reliefwand, unmittelbar oberhalb der Reliefs, sind mehrere muldenartige Aushöhlungen angebracht, die offenbar im Zusammenhang mit den Bildwerken standen und der Libation, dem Ausgießen von Flüssigkeiten im Zuge von Kulthandlungen dienten. Diese Mulden waren Teil einer ausgedehnten Anlage, zu der neben den Reliefs auch ein aus Stein gemauertes, größeres Gebäude gehörte, das sich unmittelbar westlich der Mulden an die Felsrippe anlehnt. Das Ensemble wird als Kultstätte für den hethitischen Großkönig gedeutet.

Archäologische Funde[Bearbeiten]

Überreste des entfernten Reliefs

Die bisher bei Grabungen gefundenen Objekte zeigen, dass der Ort während der gesamten Siedlungsdauer ein kultureller Schmelztiegel war.

Bemerkenswert sind außer den hethitischen Felsreliefs eine in späthethitischem Stil (ca. 10. Jh. V. Chr.) aus Stein gefertigte Säulenbasis in Form zweier Löwen, bemalte mittelbronzezeitliche (ca. 2000–1500 v. Chr.) Keramik der sogenannten ›Syro-Kilikischen Ware‹, eine mittelbronzezeitliche Terrakotta im nordsyrischen Stil, hethitische Schnabelkannen (ca. 1600–1300 v. Chr.), zahlreiche aus Zypern stammende bemalte Keramikgefäße der Spätbronze- und der Eisenzeit (ca. 1500–600 v. Chr.), eine phrygische Bogenfibel (ca. 700 v. Chr.) aus Zentral-Anatolien sowie eine eisenzeitliche phönizische Glasperle in Gesichtsform. Hinzu kommen einige Gegenstände der Verwaltung, so Siegel und Siegelungen aus verschiedenen Perioden.

Ausgrabungen[Bearbeiten]

John Garstang führte 1936 eine kurzen Untersuchung auf dem Sirkeli Höyük durch. Er legte fünf kleinere Sondagen an. Zwischen 1992 und 1996 fanden durch die Universität München und die Bayerische Akademie der Wissenschaften unter der Leitung von Barthel Hrouda und 1997 durch die Universität Innsbruck unter der Leitung von Horst Ehringhaus Ausgrabungen statt. Es wurden eine größere Anzahl von unterschiedlich großen Grabungsschnitten (Arealen) angelegt, vor allem auf der Kuppe des Haupthügels sowie im Nordosten der Unterstadt unmittelbar oberhalb der Felswand mit den Reliefs am Abhang zum Fluss hin.

2006 wurden die Ausgrabungen im Rahmen einer Kooperation zunächst der Eberhard-Karls-Universität Tübingen, seit 2011 der Universität Bern mit der Çanakkale Onsekiz Mart Üniversitesi (Universität von Çanakkale) unter der Leitung von Mirko Novák und Ekin Kozal wieder aufgenommen.

Literatur[Bearbeiten]

  • A. Ahrens, E. Kozal, M. Novák, Sirkeli Höyük in Smooth Cilicia. A General Overview from the 4th to the 1st Millennium BC, in: Paolo Matthiae u. a. (Hrsg.), Proceedings of the 6th International Congress of the Archaeology of the Ancient Near East, 5 May - 10 May 2008, "Sapienza", Università di Roma (6ICAANE); Vol. 2: Excavations, Surveys and Restorations, Reports on Recent Field Archaeology in the Near East (Wiesbaden 2010), 55-74.
  • A. Ahrens, E. Kozal, Chr. Kümmel, M. Novák, Neues aus dem Hethiterreich - Entdeckungen auf dem Sirkeli Höyük, in: Archäologie in Deutschland 1/2008, 4.
  • A. Ahrens, E. Kozal, Chr. Kümmel, I. Laube, M. Novák, Sirkeli Höyük - Festung oder Kultstadt?, in: Antike Welt 3/2009, 42-46.
  • A. Ahrens, E. Kozal, Chr. Kümmel, I. Laube, M. Novák, Sirkeli Höyük - Kulturkontakte in Kilikien. Vorbericht über die Kampagnen 2006 und 2007 der deutsch-türkischen Mission, in: Istanbuler Mitteilungen 58 (2008), 67-107.
  • E. Kozal, M. Novák, Chr. Kümmel, A. Ahrens, I. Laube, Yıllarında Sirkeli Höyük´te (Adana-Ceyhan) Türk-Alman Kazıları, in: 30. Kazı Sonuçları Toplantısı, 3. Çilt (Ankara 2009), 297-310.
  • Barthel Hrouda, Vorläufiger Bericht über die Ausgrabungsergebnisse auf dem Sirkeli Höyük/Südtürkei von 1992-1996, in: Istanbuler Mitteilungen 47 (1997), 91-150.
  • Horst Ehringhaus, Vorläufiger Bericht über die Ausgrabung auf dem Sirkeli Höyük, Provinz Adana/Türkei im Jahre 1997, in: Istanbuler Mitteilungen 49 (1999), 83-140.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sirkeli – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien