Sisikon

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Sisikon
Wappen von Sisikon
Staat: Schweiz
Kanton: Uri (UR)
Bezirk: (Der Kanton Uri kennt keine Bezirke.)
BFS-Nr.: 1217i1f3f4
Postleitzahl: 6452
Koordinaten: 690016 / 20055646.9499928.621115453Koordinaten: 46° 57′ 0″ N, 8° 37′ 16″ O; CH1903: 690016 / 200556
Höhe: 453 m ü. M.
Fläche: 16.30 km²
Einwohner: 394 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 24 Einw. pro km²
Website: www.sisikon.ch
Alte Ansicht von Sisikon, vor 1914

Alte Ansicht von Sisikon, vor 1914

Karte
Vierwaldstättersee Göscheneralpsee Grimselsee Lago Ritom Lai da Curnera Lai da Nalps Kanton Bern Kanton Glarus Kanton Graubünden Kanton Luzern Kanton Nidwalden Kanton Obwalden Kanton Obwalden Kanton Schwyz Kanton Tessin Kanton Wallis Altdorf UR Andermatt Attinghausen Bauen UR Bürglen UR Erstfeld Flüelen Göschenen Gurtnellen Hospental Isenthal Realp Schattdorf Seedorf UR Seelisberg Silenen UR Sisikon Spiringen Spiringen Unterschächen WassenKarte von Sisikon
Über dieses Bild
w

Sisikon ist eine politische Gemeinde des Kantons Uri in der Schweiz.

Geographie[Bearbeiten]

Sisikon liegt am Ostufer des Urnersees auf dem Delta des Riemenstalderbaches. Im Norden grenzt Sisikon an die Schwyzer Gemeinden Morschach und Riemenstalden, im Süden an die Urner Gemeinden Flüelen und Bürglen.

Das Dorf wird von markanten Voralpengipfeln überragt: dem Fronalpstock im Nordosten sowie der Kaiserstockkette im Südosten. Gegenüber gibt der See den Blick frei auf die Gletscherpyramide des Urirotstocks und die umliegenden Berge. Dank des milden Klimas gedeihen in Sisikon Feigen und Kiwis.

Nur 20 Hektar oder 1,2 % der Gemeinde sind Siedlungsfläche. Davon sind acht Hektar Gebäudeareal sowie zehn Hektar Verkehrsfläche. Umfangreicher ist die Landwirtschaftsfläche mit 504 Hektar oder einem Anteil von 30,9 %. Darunter liegen grosse Alpgebiete, die eine Fläche von 428 Hektar bedecken. Dagegen sind nur 73 Hektar Wies- und Ackerland. 717 Hektar oder 44,0 % sind von Wald und Gehölz bedeckt. Der Rest des Gemeindegebiets, 388 Hektar oder 23,8 %, ist unproduktives Gebiet. Es handelt sich fast ausschliesslich um vegetationslose Flächen (Hochgebirge) oder Gebiete mit unproduktiver Vegetation (hochalpine Vegetation).

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung
Jahr Einwohner
1850 245
1860 197
1870 243
1880 841
1888 291
1900 274
1920 340
1930 318
1941 435
1950 335
1960 336
1970 309
1990 319
2000 350
2010 393

In den 1850er Jahren kam es zu einer ersten Abwanderungswelle, die jedoch im darauffolgenden Jahrzehnt wettgemacht werden konnte. Die Rekordzahl von 841 Bewohnern im Jahr 1880 ist auf den Bau der Gotthardbahnlinie zurückzuführen. Insgesamt führte der Bahnanschluss zu einer Bevölkerungszunahme (1870–1888: +19,8 %). Danach setzte bis zur Jahrhundertwende ein geringer Rückgang der Bewohnerzahl ein. Zwischen 1900 und 1941 wuchs die Einwohnerzahl stark an (1900–1941: +58,8 %). In den 1940er Jahren gab es dann eine zweite Abwanderungswelle (1941–1950: −23,0 %). In den 1950er Jahren blieb die Zahl der Bewohner stabil. Zwischen 1960 und 1970 wanderte nochmals ein Teil der Einwohner ab. Insgesamt verlor Sisikon zwischen 1941 und 1970 126 Einwohner (oder 29,0 %). Seither hat ein beständiges Wachstum eingesetzt. Zwischen 1970 und 1990 war es mässig, seither stark (1970–2005: +26,2 %).

Sprachen[Bearbeiten]

Die Bevölkerung spricht eine hochalemannische Mundart. Fast die gesamte Einwohnerschaft spricht als tägliche Umgangssprache Deutsch. Bei der letzten Volkszählung im Jahr 2000 gaben 96,00 % Deutsch, 1,43 % Italienisch und 1,14 % Serbokroatisch als Hauptsprache an.

Religionen – Konfessionen[Bearbeiten]

Die Bevölkerung bestand früher vollumfänglich aus Mitgliedern der römisch-katholischen Kirche. Die Konfessionsverhältnisse im Jahr 2000 lassen immer noch die ursprüngliche Struktur erkennen. 306 Personen waren katholisch (87,43 %). Daneben gab es 5,43 % evangelisch-reformierte und 3,14 % orthodoxe Christen und 1,71 % Konfessionslose. Acht Personen (2,29 %) machten keine Angaben zu ihrem Glaubensbekenntnis.

Herkunft – Nationalität[Bearbeiten]

Von den Ende 2005 390 Bewohnern waren 367 (94,10 %) Schweizer Staatsangehörige. Die Zugewanderten stammen mehrheitlich aus Mitteleuropa (Österreich, Niederlande und Deutschland), dem früheren Jugoslawien, Lettland und Sri Lanka. Bei der Volkszählung 2000 waren 318 Personen (90,86 %) Schweizer Bürger; davon besassen 15 Personen die doppelte Staatsbürgerschaft.

Altersstruktur[Bearbeiten]

Die Gemeinde zählt einen hohen Anteil an jüngeren Bewohnern. Der Anteil der Personen unter zwanzig Jahren von 27,14 % der Ortsbevölkerung liegt deutlich über dem Anteil der Personen im Seniorenalter (60 Jahre und älter; 18 %). Dies ist auf das Wachstum der Einwohnerzahl seit 1970 zurückzuführen. Die Zuwanderung junger Menschen hat zu mehr Geburten geführt, so dass sich die Einwohnerschaft (statistisch) verjüngt.

Bei der letzten Volkszählung im Jahr 2000 ergab sich folgende Altersstruktur:

Alter 0–6 Jahre 7–15 Jahre 16–19 Jahre 20–29 Jahre 30–44 Jahre 45–59 Jahre 60–79 Jahre 80 Jahre und mehr
Anzahl 29 50 16 52 78 62 51 12
Anteil 8,29 % 14,29 % 4,57 % 14,86 % 22,29 % 17,71 % 14,57 % 3,43 %

Politik[Bearbeiten]

Legislative[Bearbeiten]

Die Gemeindeversammlung bildet die Legislative. Sie tritt meistens zweimal jährlich zusammen.

Exekutive[Bearbeiten]

Der siebenköpfige Gemeinderat bildet die Exekutive. Er ist nebenamtlich tätig. Derzeitiger Gemeindepräsident ist Timotheus Abegg (Stand 2013).

Wirtschaft[Bearbeiten]

Im Jahr 2005 gab es 12 Landwirtschaftsbetriebe, die 24 Arbeitsstellen anboten. Industrie und Gewerbe beschäftigten in 4 Arbeitsstätten 11, der Dienstleistungsbereich in 16 Betrieben 90 Personen (Beschäftigung auf Vollzeitstellen umgerechnet). Die Volkszählung 2000 ergab 10 Landwirtschafts- und Forstbetriebe mit 30 Beschäftigten. Die Betriebszählung 2001 kam auf 6 Industrie- und Gewerbebetriebe mit 16 und 19 Dienstleistungsunternehmen mit 80 Beschäftigten. Von den im Jahr 2000 181 erwerbstätigen Personen Sisikons arbeiteten nur 66 (36,46 %) in der eigenen Gemeinde. Insgesamt bot der Ort 105 Menschen Arbeit an, von denen 66 (62,86 %) Einheimische waren.

Die 115 Wegpendler verrichten ihre Arbeit in anderen Gemeinden des Kantons Uri, aber auch in grösserer Zahl ausserhalb des Wohnkantons. Darunter 22 Personen in Altdorf und je 6 in Schattdorf, Erstfeld und Bürglen. Bedeutende Arbeitsorte ausserhalb des Kantons waren die schwyzerischen Gemeinden Schwyz (23 Personen), Arth (8) und Ingenbohl (6) sowie die Stadt Luzern (6) und die Stadt Zug (4). Es gab nur 39 Zupendler. Diese kamen hauptsächlich aus Altdorf (9 Personen), Schattdorf (7), Ingenbohl (5) und der Gemeinde Schwyz, Morschach (Kanton Schwyz) und Flüelen (je 3).

Verkehr[Bearbeiten]

Seeufer bei Sisikon mit Axenstrasse

Zwei Hauptverkehrsadern durchschneiden das Dorf: die Gotthardbahnlinie und die Nationalstrasse A4, besser bekannt unter dem Namen Axenstrasse. Die beiden Verkehrswege sind gleichzeitig Fluch und Segen des Dorfes: Einerseits sorgen sie für eine exzellente Anbindung an den Rest der Welt, anderseits wird das Dorf von Lärm, Abgasen und hoher Unfallgefahr geplagt.

Baugeschichte: Die Eröffnung der Gotthardpassstrasse im Jahre 1830 brachte einen starken Anstieg des alpenquerenden Verkehrs. Just in diese Zeit fiel der Beginn des Dampfschiff-Zeitalters auf dem Vierwaldstättersee. So wurden denn sämtliche Lasten und Passagiere von Brunnen und Luzern her über den See transportiert. Bald schon vermochte diese schwerfällige Transportform im Güterverkehr nicht mehr zu genügen, weshalb immer lautere Stimmen den Bau einer Strasse von Brunnen über Sisikon nach Flüelen forderten. 1862 begannen die Bauarbeiten, 1864 wurde der erste Abschnitt des Axenstrasse genannten Werks eingeweiht, 1865 war sie durchgehend befahrbar.

1871 wurden mit der Gründung der Gotthardbahn-Gesellschaft die Weichen für eine weitere Verkehrserschliessung Sisikons gestellt. Diese gipfelten 1882 mit der feierlichen Eröffnung der Axenstrecke.

Von Sisikon zweigt eine Nebenstrasse nach Riemenstalden ab, wohin Postautos fahren. Kursschiffe der Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees bedienen mehrmals täglich die Stationen Sisikon und Tellsplatte, von wo eine Seilbahn auf den Axen fährt.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Name Sisikon ist erstmals im Schutzbrief des Stiftes Beromünster von 1173 als «ein Gut in Sysinchon» urkundlich verbrieft. Der Name deutet auf alemannische Ansiedler während der alemannischen Einwanderungsepoche zwischen dem 5. und 9. Jahrhundert hin. Der Name stammt von «Siso», Hof der «Sisinge». Siso ist die Abkürzung eines Namens wie Sigisbert oder Sigismund. Vor diesen alemannischen Bewohnern waren möglicherweise auch Kelten und Galloromanen zeitweise hier wohnhaft; einzelne Orts- und Flurnamen deuten darauf hin.

Der durch Sisikon führende Riemenstalderbach führte während Jahrhunderten immer wieder zu Naturkatastrophen. Aber auch grosse Felsstürze trafen das Dorf, allen voran jener von 1801. Auf der Länge von 300 und der Höhe von 250 Metern stürzte der Fels in den See. Die gewaltige Flutwelle tötete 14 Menschen.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Auf Sisikoner Gemeindegebiet, drei Kilometer südlich des Dorfes, liegt am Seeufer die Tellskapelle. Gleich neben der Kapelle steht seit 2001 das grösste Glockenspiel der Schweiz, das zu jeder vollen Stunde eine Melodie erklingen lässt.

Ausflüge und Sport[Bearbeiten]

Dank seiner Lage am Weg der Schweiz ist Sisikon ein idealer Ausgangspunkt für Wanderungen um den Urnersee. Weitere lohnende Ausflüge führen zu Fuss oder per Tourenski auf die umliegenden Berggipfel. Vom Rophaien aus bietet sich ein spektakulärer Blick auf den tief unten schimmernden Urnersee und die Berge rund um den Urirotstock.

Der Alplersee (auch Alplensee), rund zehn Kilometer südöstlich von Sisikon gelegen, gilt unter Kennern als einer der schönsten Schweizer Voralpenseen. Er ist nur zu Fuss erreichbar, entweder von Riemenstalden via Chäppeliberg und Alplen, oder von den Alpen Butzen und Stock.

Sisikon ist unter Windsurfern beliebt, weil hier der Urnersee beste Thermikbedingungen bietet. Fortgeschrittene geniessen bei Föhn oder Bise die Möglichkeit, mit hohem Tempo über den See zu preschen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Helmi Gasser: Die Kunstdenkmäler des Kantons Uri, Band 2: Die Seegemeinden. Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1986 (Kunstdenkmäler der Schweiz Band 78). ISBN 3-7643-1811-2. S. 1–60.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sisikon – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistik Schweiz – STAT-TAB: Ständige und Nichtständige Wohnbevölkerung nach Region, Geschlecht, Nationalität und Alter (Ständige Wohnbevölkerung)