Sissi (Film)

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Sissi ist ein österreichischer Historienfilm aus dem Jahr 1955, der von den frühen Jahren der Kaiserin Elisabeth erzählt. Er basiert auf dem gleichnamigen, erstmals 1952 im Titania-Verlag in Stuttgart in zwei Teilen veröffentlichten Roman von Marie Blank-Eismann. Die Erstveröffentlichung dieses Romanes erfolgte bereits 1933 in der Roman-Zeitschrift Blütenregen als illustrierter Fortsetzungsroman.

Als sich der Film als großer Erfolg an den Kinokassen erwies, folgten die Fortsetzungen Sissi – Die junge Kaiserin (1956) und Sissi – Schicksalsjahre einer Kaiserin (1957). Die Sissi-Trilogie mit Romy Schneider und Karlheinz Böhm gehört zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Filmproduktionen und zu den erfolgreichsten Filmen in deutschen und österreichischen Kinos; die Zuschauerzahlen bewegen sich zwischen 20 und 25 Millionen. Nur Der Förster vom Silberwald (28 Millionen) gilt als noch erfolgreicher. Die Zahlen sind allerdings ungenau, da in dieser Zeit die Kartenverkäufe noch nicht lückenlos erfasst wurden.

Vorgeschichte[Bearbeiten]

1931 kaufte Hubert Marischka das Theaterstück Sissys Brautfahrt von Ernst Decsey und Gustav Holm. Zusammen mit seinem Bruder Ernst und den Autoren des Theaterstücks schrieb er es zu einem Libretto für ein Singspiel mit Namen Sissy um. Mit der Musik von Fritz Kreisler wurde es am 23. Dezember 1932 im Theater an der Wien uraufgeführt. Das Stück wurde, mit Paula Wessely und danach mit Hedy Kiesler und schließlich Rose Stradner in der Titelrolle, ein großer Erfolg. Die Produktion wurde bis 1936 gespielt, eine der nicht mehr sehr zahlreichen Aufführungen nach dem Zweiten Weltkrieg sah Elfriede Ott und Oskar Werner in den Hauptrollen. Für die damals beträchtliche Summe von 160.000 Dollar erwarb die amerikanische Filmgesellschaft Columbia die Rechte an dem Stück. Die Filmfassung unter dem Titel The King Steps Out wurde von Josef von Sternberg mit Grace Moore in der Hauptrolle verfilmt und war ein Erfolg an der Kinokasse.

1955 entschloss sich auch Ernst Marischka zu einer Verfilmung. Da die Rechte von der US-Version von 1936 nicht zurückgekauft werden konnten, erwarb er, um keinen Rechtsstreit zu riskieren, die Rechte an dem Roman Sissi von Marie Blank-Eisman, konzipierte das Drehbuch völlig neu und nannte den Film wie den zugrundeliegenden Roman Sissi.

Handlung[Bearbeiten]

Bayern/ Österreich 1853: Prinzessin Elisabeth, genannt Sissi, ist die zweitälteste Tochter von Herzogin Ludovika und Herzog Max in Bayern. Sie wächst unbeschwert mit ihren sieben Geschwistern im elterlichen Schloss am Starnberger See auf. Das ungestüme Mädchen ist tierlieb und naturverbunden und verlebt eine glückliche Kindheit ohne standesübliche Zwänge.

Zusammen mit ihrer Mutter und ihrer älteren Schwester Helene reist die 16-jährige Sissi aus dem bayerischen Possenhofen ins österreichische Bad Ischl. Auf Initiative der Kaiserinmutter, Erzherzogin Sophie, soll Helene, genannt Néné, ihren Cousin, den jungen Kaiser Franz Joseph in der kaiserlichen Sommerresidenz treffen, um sich alsbald mit ihm zu verloben. Sissi kennt den Grund der Reise nicht und darf wegen ihrer ungestümen Art während der Tage in Ischl an keinem gesellschaftlichen Ereignis teilnehmen. So verbringt sie die freie Zeit beim Angeln.

Dabei begegnet sie zufällig dem anreisenden Kaiser, der nicht ahnt, dass es sich bei dem hübschen Mädchen um seine jüngere Cousine Sissi handelt. Er findet Gefallen an ihr und lädt sie für den Abend zu einem Jagdausflug ein. Bei diesem Treffen erfährt die überraschte Sissi von der geplanten Heirat Franz Josephs mit ihrer Schwester Néné. Wehmütig gesteht ihr der junge Kaiser, dass er den Mann, der sie, Sissi, einmal zur Frau bekäme, schon jetzt beneide. Verstört durch die indirekte Liebeserklärung und getrieben von der Loyalität zu ihrer Schwester, lässt Sissi Franz Joseph ohne weitere Erklärung alleine zurück, obwohl sie sich längst in den Monarchen verliebt hat.

Bei ihrer Rückkehr in die Sommerresidenz lüftet Néné das Geheimnis der Reise nach Bad Ischl: Sie werde sich mit Franz Joseph noch am selben Abend verloben. Auch Sissi soll diesem gesellschaftlichen Höhepunkt, dem Ball zu Ehren des Geburtstags Franz Josephs, beiwohnen.

Auf seiner Geburtstagsfeier steht Franz Joseph plötzlich Sissi gegenüber. Er sucht das Gespräch, gesteht ihr jetzt offen seine Liebe und bittet sie, ihn zu heiraten. Um ihre Schwester Néné nicht zu verletzen, erteilt sie ihm eine Absage. Franz Joseph aber setzt sich über die Vorbehalte seiner Mutter und Sissis Widerstand hinweg und gibt zur Überraschung aller Anwesenden die Verlobung mit der blutjungen Cousine bekannt. Die verschmähte Néné ist untröstlich und verlässt den Ball.

Wieder zurück im heimatlichen Possenhofen sind die Hochzeitsvorbereitungen in vollem Gange. Dennoch kann sich Sissi nicht auf ihre bevorstehende Heirat freuen, da die gekränkte Néné auf unbestimmte Zeit das gemeinsame Elternhaus verlassen hat. Als diese jedoch kurz vor der Hochzeit frisch verliebt mit ihrem neuen Verehrer, dem Prinzen von Thurn und Taxis, nach Hause zurückkehrt, um sich mit Sissi auszusprechen, kann die junge Braut endlich glücklich ihrer Zukunft entgegensehen.

Zu den Hochzeitsfeierlichkeiten reist Sissi mit ihrer gesamten Familie an Bord des Raddampfers „Franz Joseph“ nach Wien. Viele Menschen säumen das Ufer der Donau und jubeln der zukünftigen Kaiserin von Österreich zu. Die Traumhochzeit findet statt und Sissi und Franz Joseph heiraten.

Den komödiantischen Part besetzt neben Franz Josephs Vater, dem eine Schwerhörigkeit vorgebenden Erzherzog Franz Karl, vor allem Major (später Oberst) Böckl, der den Kaiser in Ischl beschützen soll und Sissi für eine Attentäterin hält.

Kritiken[Bearbeiten]

  • "Damals, als es die Lady Di noch nicht gab, mussten die Bedürfnisse von Royalisten anders befriedigt werden, und da bot sich die für den Film entsprechend frei bearbeitete Geschichte der jungen und schönen bayerischen Prinzessin, die in zwei Fortsetzungen als österreichische Kaiserin auftrat, geradezu an. Herzallerliebst." – Heyne-Filmlexikon
  • "Anspruchslos unterhaltsame Farbenpracht."6000 Filme. Kritische Notizen aus den Kinojahren 1945 bis 1958. Handbuch V der katholischen Filmkritik, 3. Auflage, Verlag Haus Altenberg, Düsseldorf 1963, S. 397–398
  • "Romy Schneider ist taufrisch, jung, kindlich verführerisch und trägt ihre Roben mit Anmut. Karlheinz Böhm als herausgeputzter Kaiser Franz Joseph weiß sein Glück zu schätzen. Mischung aus Heimatfilm, Melodram, Märchen und prachtvoller Biedermeieridylle, die Romys große Starkarriere einleitete." (Wertung: 2½ Sterne = überdurchschnittlich)Adolf Heinzlmeier und Berndt Schulz in Lexikon „Filme im Fernsehen“ (Erweiterte Neuausgabe). Rasch und Röhring, Hamburg 1990, ISBN 3-89136-392-3, S. 751
  • "Rührende Liebesromanze um die spätere österreichische Kaiserin Elisabeth im zeitgerechten «Gartenlaube»-Stil. Für Liebhaber dieser Unterhaltungsware «aus der guaten, alten Zeit» ab 14 bekömmlich." – „Evangelischer Filmbeobachter[1]

Hintergrund[Bearbeiten]

Die Sissi-Verfilmungen nützen noch heute Österreichs Fremdenverkehr. Die Verfilmung und ihre beiden Fortsetzungen zeigen Österreichs Landschaft als Kulisse einer der berühmtesten Liebesgeschichten des deutschsprachigen Raums. Als Kulisse für das am Starnberger See gelegene Schloss Possenhofen, wo die spätere Kaiserin ihre Kindheit verbrachte, diente das Schloss Fuschl am Fuschlsee im Salzkammergut.[2]

Trotz der begeisterten Aufnahme durch ihr Publikum wurde den Sissi-Filmen die öffentliche Anerkennung versagt. Besonders bei der Filmkritik galten sie als typischer Kitsch. Auch die Hauptdarstellerin Romy Schneider distanzierte sich von ihrer Rolle. Romy Schneider sagte über die Filme und ihre Rolle darin in einem späteren Interview: „das pappt mein Leben lang wie Grießbrei an mir“.[3]

Karlheinz Böhm brach mit seinem „Sissi“-Image, als er 1959 in der englischen Produktion Augen der Angst einen psychopathischen Mörder spielte, der Frauen tötet und den Augenblick des Todes mit einer Filmkamera festhält. Der Film löste einen Skandal aus und brachte für Böhm einen vorzeitigen Karriereknick.

Eigentlich beruht der Name „Sissi“ auf einem Missverständnis. Der wahre Rufname der späteren Kaiserin Elisabeth in ihrer Familie lautete „Sisi“. So schrieb sie sich zumindest selber, manchmal auch „Lisi.“

Fortsetzungen[Bearbeiten]

Drehorte[Bearbeiten]

  • Fuschlsee – dort entstanden die Aufnahmen, die laut Film am Starnberger See spielen
  • Bad Ischl – Außenaufnahmen an der Kaiservilla
  • Der Raddampfer „Johann Strauß“, der heute fest in Wien liegt
  • Die historische kaiserliche Hochzeit am 24. April 1854 fand nicht im Stephansdom statt, sondern in der sehr schlichten und zur Hofburg gehörenden Augustinerkirche. Die Filmaufnahmen stammen aus der Michaelerkirche.

Andere Umsetzungen des Themas[Bearbeiten]

1991 wurde von Christoph Böll, Neffe des Literaturnobelpreisträgers Heinrich Böll, eine weitere Verfilmung des Stoffes mit dem Titel Sisi und der Kaiserkuß in die Kinos gebracht.[4] Der Film sollte weniger romantisch, dafür respektloser und näher an der echten Person Elisabeth sein. Hauptrollen hatten unter anderem Wichart von Roëll und Sonja Kirchberger. Es gab Streit zwischen den verschiedenen Finanziers des Films, was den Kinostart behinderte. Trotz umfangreicher Presseberichterstattung im Vorfeld floppte deshalb die Produktion. Der Film hatte nur etwa 3000 Zuschauer, durch mehrere Millionen DM Filmförderung wurde jede einzelne Kinokarte mit einer vierstelligen DM-Summe subventioniert. Co-Produzent des Films war Wilhelm Grönemeyer, Bruder des Sängers Herbert Grönemeyer und des Arztes Dietrich Grönemeyer.

Außerdem gibt es ein erfolgreiches Musical mit dem Titel Elisabeth. Seit 2012 gibt es zudem Sissi – Das Musical.[5]

2007 entstand der humoristische Animationsfilm Lissi und der wilde Kaiser unter der Regie von Michael Herbig.

Im ZDF und ORF wurde im Dezember 2009 eine Neuverfilmung des Lebens von Kaiserin Elisabeth in zwei Teilen gezeigt. Sie heißt Sisi, Xaver Schwarzenberger führte Regie. Die Elisabeth spielt Cristiana Capotondi, Erzherzogin Sophie wird von Martina Gedeck dargestellt.

Im Film Mädchen, Mädchen 2 – Loft oder Liebe wird der Film für ein Trinkspiel genutzt: Immer wenn das Wort „Majestät“ fällt, muss getrunken werden.[6]

Literatur[Bearbeiten]

  • Marie Blank-Eismann: Sissi. Original-Roman (Erstveröffentlichung). In Blütenregen. Illustrierte Wochenschrift für die Familie. 1933, ZDB-ID 2358509-2.
  • Marie Blank-Eismann: Sissi. Roman. Deutscher Literatur-Verlag Melchert, Hamburg 1991, ISBN 3-87152-275-9.
  • Ernst Marischka: Sissi. Ein Roman nach den Filmen Sissi. Sissi, die junge Kaiserin und Schicksalsjahre einer Kaiserin. Blüchert, Hamburg 1960.
  • Karin Petra Rudolph: Sissi. Das Leben einer Kaiserin. Der Bildband zu den Originalfilmen. Burgschmiet-Verlag, Nürnberg 1998, ISBN 3-932234-26-X.
  • Heidi Schlipphacke: Melancholy Empress: Queering Empire in Ernst Marischka's „Sissi“ Films. In: Screen. 51, 3, 2010, ISSN 0036-9543, 232–255.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Evangelischer Presseverband München, Kritik Nr. 6/1956
  2. Schloss Fuschl
  3. Romy Schneider
  4. Sisi und der Kaiserkuß in der Internet Movie Database (englisch)
  5. Sissi – Das Musical
  6. IMDb.de: Mädchen, Mädchen 2 – Loft oder Liebe (2004) – Bezüge zu anderen Titeln, Zugriff am 11. Februar 2011

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sissi – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien