Sistema di Controllo della Marcia del Treno

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Sistema di Controllo della Marcia del Treno (Abk. SCMT) ist ein Zugsteuerungs- und Zugsicherungssystem, das im Netz der RFI in Italien eingesetzt wird. Es kann unter ETCS Level 1 laufen und Eurobalisen zur Datenübertragung zwischen Fahrzeug und Strecke verwenden. Es besteht aus den Teilsystemen „SST“ (Sottosistema di Terra = „streckenseitiges Teilsystem“ oder Streckenausrüstung) und „SSB“ (Sottosistema di Bordo = „fahrzeugseitiges Teilsystem“ oder Fahrzeugausrüstung). Die Bezeichnungen SST und SSB stammen aus den EU-Regelwerken zur Interoperabilität.

Übersicht SCMT-Fahrzeugausrüstung[Bearbeiten]

Das italienische SCMT kann national als alleiniges Zugsteuerungs- und Zugsicherungssystem eingesetzt werden. Das europäische ETCS ermöglicht die Einbindung nationaler Systeme, so dass das SCMT als nationales System auch unter ETCS aktiv sein kann.

Die SCMT-Fahrzeugausrüstung besteht im Wesentlichen aus folgenden Komponenten:

  • Antennen zur Erfassung von Balisen-Telegrammen
  • Antennen zur Erfassung der kontinuierlichen Signalrückmeldungen (RSC, Ripetizione Segnali Continua)
  • Eine Odometrie-Einrichtung zur Erfassung des zurückgelegten Weges
  • Zwei Leitrechner für die Zugbeeinflussung und -sicherung (RSC) und die Zugsteuerung (CMT)
  • Anzeige- und Bediengerät am Führerpult
  • Eingriff in die Zugsteuerung, um eine Zwangsbremsung einzuleiten.
  • Bremswirkgruppe zur Steuerung einer Zwangsbremsung

SCMT integriert zwei verschiedene Leitsysteme: RSC (Ripetizione Segnali Continua, Zugbeeinflussung und -sicherung) und CMT (Controllo Marcia Treno, Zugsgteuerung). Je nach Betriebsmodus, der zur jeweiligen Streckenausrüstung passen muss, können die beiden Systeme einzeln arbeiten oder auch ergänzend zusammen wirken. RSC ist das ältere System. Mittlerweile sind auch alle RSC-Strecken zusätzlich mit SCMT-Balisen ausgerüstet worden, so dass in diesem Fall beide Systeme zusammenarbeiten.

Die Aufgabe von Zugbeeinflussungssystemen ist die Berechnung und Überwachung von zulässigen Geschwindigkeiten auf der jeweils befahrenen Strecke. Dies erfolgt in der Regel über Sensortechnik im Gleis und Erfassungstechnik im Fahrzeug ("local")

Die Aufgabe von Zugsicherungssystemen ist es zu gewährleisten, dass alle Züge, die auf einer Strecke fahren, einen ausreichenden Abstand zueinander besitzen (Blockabschnitte und Fahrgenehmigungen, die dafür erteilt werden oder nicht.) Diese Steuerung erfolgt in der Regel über die Fahrdienstleitstellen oder Betriebszentralen.

Die Aufgabe von Zugsteuerungssystemen ist es, beides möglichst optimal miteinander zu vereinbaren, um den Triebfahrzeugführer so weit wie möglich zu entlasten.

Überschreitet ein Zug die jeweils erlaubte Geschwindigkeit z. B um 3 km/h bzw. 5 km/h, leitet das System eine Zwangsbremsung ein.

Durch die detaillierten Informationen, die übertragen werden, und die genaue Überwachung der Zugfahrt kann das System kontrollieren, ob der Zug die aktuell zulässige Geschwindigkeit und die Bremskurven einhält - Geschwindigkeitsüberschreitungen oder das unerlaubte Vorbeifahren an haltzeigenden Signalen sollten somit unmöglich sein.

RSC-Fahrzeugausrüstung[Bearbeiten]

Die "Ripetizione Segnali Continua a 9 codici" (kontinuierliche Signalrückmeldung mit 9 Signalbegriffen), kurz "RSC 9 Codici" (RSC9) ist eine Erweiterung des vormals in Italien eingesetzten RSC mit 4 Signalbegriffen (siehe RSC 4 Codici); es können mehrere, verschiedene Codes vom Gleis empfangen und unterschieden werden. Bei aktivem RSC-System (RSC-Taste leuchtet blau) werden auf dem Bildschirm des Bedien- und Anzeigegerätes die entsprechenden Code-Symbole angezeigt. Das Icon für den empfangenen Code ist farblich hervorgehoben.

Das RSC-System berechnet, abhängig vom empfangenen Code, die zulässige Höchstgeschwindigkeit für den aktuellen Block unter Berücksichtigung von eingegebenen Zugdaten.

CMT-Fahrzeugausrüstung[Bearbeiten]

Die Funktion "Controllo della Marcia del Treno" (Zugfahrtsteuerung) im SCMT überwacht die jeweils zulässige Geschwindigkeit des Zuges. Berechnungsgrundlage sind die empfangenen Streckendaten und die vom Lokführer eingegebenen Zugdaten. Es wird zwischen zwei Arten der Geschwindigkeitsbegrenzung unterschieden:
1. zulässige Konstantgeschwindigkeit und
2. Verminderung der zulässigen Geschwindigkeit.

Um Sprünge in den Geschwindigkeitskurven zu vermeiden, wird bei einer erforderlichen Geschwindigkeitsreduzierung eine Kurve auf einen Zielpunkt der Strecke auf die niedrigere Geschwindigkeit berechnet. Höhere Geschwindigkeitsgrenzen werden sofort wirksam.

Die zulässige Geschwindigkeit wird für verschiedene Ebenen berechnet:

  • für den Rang des Zuges ("rango")
  • für den Rang der Strecke ("grado")
  • für tageszeitliche Begrenzungen
  • für Langsamfahrstellen
  • für den Fall passivierter Zugbeeinflussungssysteme
  • für das Passieren von abzweigenden Weichen
  • für die Annäherung an haltzeigende Signale

Das SCMT-Bediengerät bietet dem Lokführer, außer der Aktivitätsanzeige des CMT-Systems (SCMT-Taste leuchtet blau), keine Anzeigen.

RSC-Streckenausrüstung[Bearbeiten]

Die RSC-Codes werden durch modulierte Wechselspannungen über die Gleise übertragen. Die Gleise sind in Blöcke unterteilt (in der Regel 1350 m, es sind aber auch kürzere und längere Blöcke möglich), und jeder Block sendet einen Code. Weichenbereiche lassen sich nicht codieren.

Die folgenden Codes können übertragen werden:

Code Bedeutung
AC
  • Kein Code (hinter haltzeigenden Signalen, im Weichenbereich, belegte Blöcke)
75
  • Ankündigung eines haltzeigenden Signals (am Blockende)
120
  • Vor einem Hauptsignal, das Fahrerlaubnis mit einer Weichenabzweigung von 30 km/h oder 60 km/h anzeigt
120*
  • Vor einem Hauptsignal, das Fahrerlaubnis mit einer Weichenabzweigung von 100 km/h anzeigt
120**
  • Code wird nicht genutzt
180
  • Wenn die Distanz vom Blockende bis zum haltzeigenden Signal weniger als 2700 m beträgt und der nächste Teilblock den Code 75 hat
  • Ankündigung eines nicht kodierten Streckenabschnitts
  • Ankündigung von Langsamfahrstellen und innerhalb von Langsamfahrstellen
180*
  • Wenn die Distanz vom Blockende bis zum haltzeigenden Signal weniger als 2700 m beträgt und der nächste Teilblock den Code 180 hat
270
  • Freie Strecke für mindestens 2700 m (2 Blöcke)
270*
  • Freie Strecke für mindestens 4050 m (3 Blöcke)
270**
  • Freie Strecke für mindestens 5400 m (4 Blöcke)

SCMT-Streckenausrüstung[Bearbeiten]

Streckendaten, die die SCMT-Fahrzeugausrüstung zur Berechnung der aktuellen zulässigen Geschwindigkeit des Zuges braucht, empfängt sie von Balisen. Die Balisen sind mittig auf dem Gleis montiert und senden ein Datentelegramm an den Zug, wenn er sie überfährt. Der Zug muss mit entsprechenden Antennen ausgestattet sein.

Die Balisen sind in Gruppen angeordnet. In der Regel werden Gruppen aus zwei Balisen verwendet, aber auch Vierergruppen sind zulässig. Jede Gruppe enthält im Telegramm eine eindeutige ID. Die Balisen einer Gruppe haben einen Abstand von 3 bis 7 m.

Die Gleise sind für beide Fahrtrichtungen mit Balisen ausgestattet. Eine Nummerierung der Balisen-Telegramme innerhalb jeder Gruppe, ermöglicht das Erkennen der Richtung für die die Daten bestimmt sind. Telegramme mit aufsteigender Nummerierung sind für die Fahrtrichtung zu verwenden.

Balisengruppen sind miteinander verlinkt, d.h. im letzten empfangenen Telegramm wird die nächste Gruppe angekündigt. Dies kann über die Entfernung zur nächsten Gruppen oder dem Typ der nächsten Gruppe erfolgen. Beim Verpassen einer angekündigten Balisengruppe kann das CMT-System unterschiedliche Maßnahmen einleiten, unter anderen auch eine Zwangsbremsung.

Es gibt sogenannte feste Balisen (auch: Festdatenbalisen), die immer das gleiche Telegramm senden, und schaltbare Balisen (auch: transparente Balisen), die mehrere unterschiedliche Telegramme senden können, z. B. abhängig vom Signalzustand.

Zusätzlich gibt es auch mobile Balisen, die Langsamfahrstellen sichern.

Für die SCMT-Streckenausrüstung sind 9 verschiedene Telegrammtypen definiert. Jedes Telegramm besteht aus einem Header, dem Telegrammtyp selbst und dem Datenteil. Manche Daten sind in mehreren Telegrammtypen enthalten.

Verbreitung[Bearbeiten]

Die Ausrüstung mit SCMT ist auf dem gesamten Haupt- und Zubringernetz (rete fondamentale e complementare) abgeschlossen. Dies gilt auch für die Nachrüstung der Triebfahrzeuge. Eine Ausweitung auch auf die restlichen Nebenstrecken (rete secondaria) ist nicht geplant, dort kommt ein wesentlich einfacheres und reines Zugbeeinflussungssystem (SSC, Sistema Supporto Condotta) zur Anwendung.

Mit Ausnahme von RS4 Codici - dessen Hauptaugenmerk weniger auf der Steuerung der Zugfahrt als auf der kontinuierlichen Führerstandssignalisierung liegt - gab es vor dem SCMT in Italien kein Zugbeeinflussungssystem, das die Signalbeachtung überwachte. Mittlerweile ist gesamte italienische Streckennetz vollständig mit Zugbeeinflussungssystemen ausgestattet. Am 31. Dezember 2013 waren 11.848 km mit SCMT, 4.273 km mit SSC (davon 221 km doppelt mit SSC+SCMT) und 654 km mit ERTMS ausgerüstet.[1]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.rfi.it/cms/v/index.jsp?vgnextoid=f396881b105aa110VgnVCM1000003f16f90aRCRD