Sitt

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Dieser Artikel befasst sich mit Sitt als ein Wort, das als Adjektiv das Gegenteil von durstig bedeuten soll. Für weitere Bedeutungen siehe Sitt (Begriffsklärung).

Sitt ist ein Kunstwort, das als Adjektiv das Gegenteil von durstig (also nicht mehr durstig) bedeuten soll. Die Erfindung von sitt war der größte und bekannteste Versuch, eine Lücke in der deutschen Sprache durch einen Wettbewerb zu schließen. Das Wort wird aber bislang kaum benutzt.[1]

Wettbewerb von 1999[Bearbeiten]

Da es im Deutschen kein verbreitetes Wort mit dieser Bedeutung gab, wurde es 1999 von der Dudenredaktion in Zusammenarbeit mit dem Getränkehersteller Lipton im Rahmen eines Wettbewerbs ausgesucht. Es beteiligten sich mehr als 100.000 Personen aus verschiedenen Kontinenten, die 45.000 Vorschläge einreichten.[2] Das Wort sitt selbst schlugen 40 Einsender vor. Der Schüler Jascha Froer aus Ludwigsburg wurde aus diesen 40 sitt-Einsendern gezogen und zum offiziellen Preisträger ernannt. Doch auch die anderen Einsender gingen nicht leer aus: Wie auch der Schüler Andreas Johannes aus Waldkraiburg, der seiner Klasse dadurch einen neuen Computer bescherte. [3]

Das Wort wurde in Anlehnung an satt gewählt, da satt das Gegenteil von hungrig ist. Laut Begründung der Duden-Redaktion wies sitt die Vorteile auf, im deutschen gut aussprechbar und problemlos flektierbar zu sein sowie keinen Markennamen zu enthalten. Zudem bildet sitt einen Stabreim mit satt.[2]

Andere Vorschläge nahmen beispielsweise auf Marken Bezug (gecoked, liptoniced), erweiterten bestehende Wörter um andere Bedeutungen (getränkt, soff), importierten in anderer Bedeutung aus anderen Sprachen (thirstbust, cool), verwiesen auf zusammengesetzte (sattgetrunken, antidurstig) oder zusammengezogene (nimedu – nicht mehr durstig) Wörter oder wollten etwas Lautmalerisches etablieren (börps, burps, plopp).[2]

Das Wort hat sich bis heute im allgemeinen Sprachgebrauch nicht durchgesetzt und wird auch nicht von gängigen Wörterbüchern gelistet. Es wurde in Einzelfällen allerdings verwendet,[4] teilweise jedoch mit dem Hinweis, ein Kunstwort zu sein.[5]

„Satt“ ist als Gegenbegriff zu durstig im (historischen) Grimmschen Wörterbuch zu finden.[6] Auch nach heute üblichem Verständnis eignet sich satt als übergeordneter Gegenbegriff sowohl zum Begriff hungrig als auch zum Begriff durstig.

Frühere Vorschläge[Bearbeiten]

Der von Duden und Lipton veranstaltete Wettbewerb war bereits der zweite dieser Art, 1992 veranstaltete die Gesellschaft für Deutsche Sprache einen ähnlichen Wettbewerb, die Jury konnte sich aus den 1000 Vorschlägen aber auf keinen Vorschlag einigen.[2]

1975 gab es bereits in der Welt im Spiegel, einer Beilage der damals erscheinenden Satirezeitschrift pardon, einen erfundenen Herrn Schmöll, der seinen Namen als Begriff für das Gegenteil von durstig hergeben wollte: „Möchten Sie noch etwas zu trinken?“ – „Nein danke, ich bin schmöll“.[7]

Lösung in anderen Sprachen[Bearbeiten]

Die schwedische Sprache kennt das Wort otörstig, das wörtlich übersetzt „undurstig“ bedeutet. Man trinkt sich dort undurstig (dricka sig otörstig) und ist manchmal auch satt und undurstig (mätt och otörstig). Analoge Begriffswörter existieren in den anderen skandinavischen Sprachen – dänisch utørstig, norwegisch utørst bzw. utyst und isländisch óþyrstur und färöisch ótystur[8] – sind aber selten und oft unbekannt.

In der Plansprache Esperanto kann malsoifa (undurstig) zu soifa (durstig) gebildet werden.

Literatur[Bearbeiten]

  • Jochen A. Bär: »Sitt« und »satt«: Vom Einfluss des Eistees auf die Sprache. In: Der Sprachdienst, 43, S. 246–248

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Lars Broder Keil: „Unwörter sind Produkte von Medien und Politik“: Interview mit Horst Dieter Schlosser. In: Die Welt, 30. Dezember 2008
  2. a b c d Manfred Winter: Sitt und satt! In: Interaktiv, März 2000, S. 8
  3. Genug getrunken? Duden-Redaktion: „Dann ist man sitt“. In: Die Welt, 8. Oktober 1999
  4. Peter-Arnold Mumm: Retrospektivität im Rigveda: Aorist und Perfekt. In: Heinrich Hettrich (Hrsg.): Indogermanische Syntax: Fragen und Perspektiven. Wiesbaden 2002, S. 165
  5. Frank Abel: Eisheilige: Wieso Bodenfrost wie Zitronentee ist. Science Blogs, 20. Mai 2008
  6. Eintrag im Grimmschen Wörterbuch Universität Trier
  7. j-kramer.de Kopie unter archive.org
  8. ótystur im Wiktionary