Rodriguez (Musiker)

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Sixto Díaz Rodriguez 2007

Rodriguez (* 10. Juli 1942 in Detroit), vollständiger Name Sixto Díaz Rodríguez, ist ein US-amerikanischer Folk-Singer-Songwriter. Er veröffentlichte Anfang der 1970er Jahre zwei zunächst erfolglose Studioalben und zog sich 1971 ins Privatleben zurück. Als ihn ein südafrikanischer Musikjournalist 1998 aufgespürt hatte, erlangte er ab Anfang der 2000er Jahre jedoch Bekanntheit. Sein Werdegang und die Suche nach ihm ist Gegenstand des 2012 erschienenen Dokumentarfilms Searching for Sugar Man.

Herkunft und musikalische Anfänge[Bearbeiten]

Rodriguez wurde 1942 in Detroit als Sohn mexikanischer Einwanderer geboren. Nach dem Abschluss der High School verdiente er seinen Lebensunterhalt mit Auftritten in Kneipen seiner Heimatstadt. Mitte der 1960er Jahre wurde er dort von Harry Balk von Impact Records entdeckt und nahm 1967 seine erste Single I’ll Slip Away auf. Nachdem Balk zu Motown gewechselt war, empfahlen die Studiomusiker Dennis Coffey und Mike Theodore Rodriguez Clarence Avant, der gerade sein Label Sussex Records gegründet hatte. Zusammen mit Coffey und Theodore und in Begleitung der Funk Brothers nahm Rodriguez ein Folk-Album mit von ihm selbst geschriebenem Material auf, das 1970 unter dem Titel Cold Fact bei Sussex Records erschien. Trotz der positiven Kritiken wurde das Album ein kommerzieller Misserfolg. 1971 nahm Rodriguez in London ein zweites Album unter Leitung von Steve Rowland auf, das ebenfalls floppte. Daraufhin kehrte er dem Musikgeschäft den Rücken, arbeitete zeitweise als Sozialarbeiter sowie an einer Tankstelle und auf dem Bau. 1981 absolvierte er ein Bachelor-Studium in Philosophie und kandidierte bis 1989 mehrfach erfolglos für ein politisches Amt in Detroit.

Erfolge im Ausland[Bearbeiten]

Ab Mitte der 1970er Jahre avancierte Rodriguez in Südafrika, Botsuana, dem damaligen Rhodesien sowie Australien und Neuseeland zum Kultstar, obwohl sich die Erstauflage seines Debütalbums für den internationalen Markt nur wenige 100 Mal verkauft hatte.[1] Nachdem sein Lied Sugar Man seit Mitte 1972 regelmäßig im Radio gespielt worden war, erschien 1977 beim australischen Label Blue Goose eine Best-of-Schallplatte mit dem Titel At His Best. Das Album erhielt in Australien Gold, so dass dort auch das Debütalbum wiederveröffentlicht wurde und sich rund 40.000 Mal verkaufte.[1] Da die Lizenzierung der Alben über sein ehemaliges Label erfolgte, das ihm aufgrund des anfänglichen Misserfolgs gekündigt hatte, erfuhr Rodriguez weder von diesen Erfolgen noch erhielt er Tantiemen. 1979 und 1981 holte ihn ein Veranstalter für eine Reihe von Konzerten zusammen mit der Band Midnight Oil nach Australien, die ausverkauften Shows besuchten insgesamt rund 30.000 Zuschauer.[1] Zu den Auftritten erschien schließlich das Konzertalbum Alive. Danach zog sich Rodriguez erneut ins Privatleben zurück.

Hype in Südafrika und die Suche nach Rodriguez[Bearbeiten]

Dies nährte Gerüchte über seinen Tod. Gerüchten zufolge sollte er sich auf der Bühne erschossen haben; andere besagten, er sei infolge von Drogenmissbrauch oder Depressionen verstorben. Seine Fans waren sich einig, dass Rodriguez unter nicht näher bekannten Umständen zu Tode gekommen sei.[2]

In den späten 1970er Jahren erlangten seine Alben in dem von der Apartheid geprägten Südafrika vor allem als Kopien großen Erfolg. Dort wurden seine Texte insbesondere von den Jugendlichen als Protestlieder interpretiert.[2] Für sie war Rodriguez ein Ersatz für Stars wie Jimi Hendrix oder Bob Dylan.[3] Rodriguez erfuhr davon erst, als er von dem südafrikanischen Fan Stephen Segerman aufgespürt worden war. Dieser hatte 1996 als Autor des Begleittextes im Booklet zur CD anlässlich der südafrikanischen Wiederveröffentlichung von Coming from Reality dazu aufgerufen, das Geheimnis um das weitere Schicksal von Rodriguez zu lüften.[4] Segerman schaltete 1997 eine Internetseite und 1998 wurde Rodriguez schließlich gefunden. Es folgte ein ausverkaufter Auftritt in einem Stadion in Kapstadt. Anfang der 2000er Jahre wurde seine Musik von David Holmes wiederentdeckt, dessen 2002 veröffentlichter Sampler Come Get It, I Got It das Stück Sugar Man enthielt. 2008 wurde das Debütalbum Cold Fact weltweit neu veröffentlicht, gefolgt von Coming from Reality.

Verfilmung der Suche und spätes Comeback[Bearbeiten]

Der schwedische Dokumentarfilmer Malik Bendjelloul traf Rodriguez das erste Mal 2006 und veröffentlichte nach einigen Jahren der Recherche 2012 seinen Dokumentarfilm Searching for Sugar Man, in dem er die Suche zweier Südafrikaner nach Rodriguez nachzeichnete.[5] Der Film wurde bei der Oscar-Verleihung 2013 als Bester Dokumentarfilm ausgezeichnet. Der gleichnamige Soundtrack zu diesem Film erreichte Platz 76 der US-Charts. Ebenfalls 2012 erreichte die Wiederveröffentlichung von Cold Fact Platz 86 der US-Billboard-200.

Zwischen 1998 und 2010 gab Rodriguez schließlich mehrere Konzerte in Südafrika, Schweden und Australien. Die Veröffentlichung des Dokumentarfilms führte 2012 auch in Nordamerika und Europa zu größerer Bekanntheit. 2013 wurde wiederum bekannt, dass er 30 neue Songs geschrieben habe und nun vertonen lassen wolle.[6]

Am 9. Mai 2013 verlieh ihm die Wayne State University in Detroit den Ehrendoktortitel Doctor of Humane Letters.[7]

Diskografie[Bearbeiten]

Studioalben[Bearbeiten]

Jahr Titel Chartpositionen[8] Anmerkungen
DE AT CH UK US
1970 Cold Fact 20
(1 Wo.)
39
(… Wo.)
78
(18 Wo.)
Erstveröffentlichung: März 1970
1971 Coming from Reality 36
(1 Wo.)
73
(… Wo.)
161
(4 Wo.)
Erstveröffentlichung: November 1971
2012 Searching for Sugar Man (Soundtrack) 22
(15 Wo.)
10
(… Wo.)
26
(… Wo.)
76
(14 Wo.)
Erstveröffentlichung: 24. Juli 2012

Weitere Alben:

  • 1977: At His Best
  • 1981: Alive
  • 1982: The Best of
  • 1998: Live Fact
  • 2005: Sugarman: The Best of
  • 2013: Coffret Rodriguez

Weblinks[Bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b c  Rodriguez Is Australian Cult. In: Billboard Magazine. 7. April 1979, S. 89f.
  2. a b Christoph Dallach: Folk-Pop-Legende Rodriguez. Tote Helden leben länger. Spiegel Online, 26. Oktober 2012, abgerufen am 26. Oktober 2012.
  3. Quint Kik: Rodriguez Biography. Allmusic, abgerufen am 26. Oktober 2012 (englisch).
  4. Manohla Dargis: Rock Musician Shrouded in Mystery of What Might Have Been. Malik Bendjelloul’s ‘Searching for Sugar Man’. New York Times, 26. Juli 2012, abgerufen am 26. Oktober 2012 (englisch).
  5. Der Weise vom Bau in Süddeutsche Zeitung vom 29. Dezember 2012, S. 14
  6. Sean Michaels: Rodriguez set to return to studio after 42-year absence. The Guardian, abgerufen am 18. März 2013 (englisch).
  7. Kim Kozlowski: Detroit musician Sixto Rodriguez to get honorary WSU degree. The Detroit News, 18. April 2013, abgerufen am 31. Mai 2013 (englisch).
  8. Chartquellen: AT / CH / UK / US, abgerufen am 13. Juni 2014.