Skandinavismus

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Skandinavismus ist die Bezeichnung für eine politische Bewegung, die im 19. Jahrhundert eine Vereinigung der skandinavischen Länder anstrebte. Das Ziel war der Anschluss Dänemarks an die schwedisch-norwegische Union.

Hintergrund dieser Bewegung war die Sorge vor einem von Deutschland ausgehenden Pangermanismus und die Angst vor einer Expansion des Zarenreiches. Die Bewegung wurde hauptsächlich von Akademikern, Studenten und Künstlern getragen. Einen Höhepunkt erreichte sie während der deutsch-dänischen Kriege der Jahre 1848 - 1850 sowie 1864, als schwedische und norwegische Freiwillige auf der Seite Dänemarks gegen Preußen in den Krieg um Schleswig zogen.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Die Anfänge

Die ersten Anfänge sind schon im 18 Jahrhundert in den Wissenschaftlichen und kulturellen kreisen Dänemarks zu finden und waren ein Ausfluss des „Weltbürgergedankens“. Der Groll der skandinavischen Löänder gegeneinander geriet bei ihnen in Vergessenheit, und man sollte sich als „skandinavische Brüder“ wahrnehmen. Das Wort „skandinavisch“ kam allmählich in den allgemeinen Sprachschatz. Bedeutung erhielt der Besuch König Gustavs III. 1787 in Kopenhagen. 1792 hielt der dänische Professor Sneedorff in der Nordischen Gesellschaft in London über die Wichtigkeit der Vereinigung der drei nordischen Länder. 1796 wurde die „Nordische Literaturgesellschaft“ (Skandinavisk literatur-selskab) in Kopenhagen gegründet. Aber um 1800, insbesondere durch die Napoleonischen Kriege und dem dänisch-schwedischen Krieg brach diese Entwicklung zunächst ab. Die Loslösung Norwegens von Dänemark nach Schweden hin im Kieler Frieden beendeten zunächst jeglichen Skandinavismus. Doch die Kulturverbindungen, insbesondere auf literarischem Gebiet, rissen nie ganz ab.[1]

[Bearbeiten] Der Neuanfang

1828 und in den folgenden Jahren griff der Skandinavismus zuerst unter den Studenten und Professoren Kopenhagens, Lunds und Uppsalas um sich. der enthusiastische Anhänger des Skandinavismus Frederik Barfod gründete die nordische Zeitung Brage og Idun und 1839 hielt die „Skandinavisch Naturforschende Gesellschaft“ ihre erste gemeinsame Sitzung in Göteborg ab.[2] In Schweden fiel er mit den liberalen Bestrebungen zusammen, die sich gegen die Tendenz des Königs Karl Johan zur eigenmächtigen Leitung des Staates und seinem guten Verhältnis zum absolutistischen Zarenreich.[3] Der König wollte daher vom Skandinavismus nichts wissen. In den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts traten in Dänemark die „Nationalliberalen“ auf, deren Führer Orla Lehmann und Karl Ploug waren. Sie gaben die Zeitung Fædrelandet heraus. Es ging dabei zunächst um die Integration Schleswigs in den dänischen Staat. Dazu glaubte man, die Unterstützung der übrigen nordischen Staaten, insbesondere Schwedens zu benötigen und erklärte die Verteidigung der Eidergrenze zur gemeinskandinavischen Aufgabe. Diese Bestrebungen trafen zunächst auf die Sympathie schwedischer Studenten, dann auch in Norwegen. Es wurde die Zeit des „Studentenskandinavismus“. Bei einem Besuch von Studenten aus Lund 1842 hielt Barfod eine Rede über die skandinavische Einheit und Freiheit. 1843 fand ein großes Treffen von Studenten aus Kopenhagen und Lund in Uppsala statt. 1843 hatte sich eine „Skandinavische Gesellschaft“ gebildet. 1845 fand ein weiteres Treffen in Kopenhagen unter Beteiligung von Studenten aller drei skandinavischer Länder statt, in welchem eine „unverbrüchliche Blutsbrüderschaft“ zwischen den Vaterländern beschworen wurde.[4] So kam die Verteidigung Schleswigs gegen Preußen in das Ideengut des Skandinavismus. Aber aus Norwegen kamen Gegenstimmen. Doch die Stunde der Wahrheit kam rasch: Als König Friedrich VII. sich das nationalliberale Programm nach einigem Zögern zu Eigen machte, kam es in Schleswig und Holstein zum Aufruhr, der auch vom Parlament in der Paulskirche unterstützt wurde. Friedrich wandte sich um Hilfe an Schweden und wurde von der Presse Schwedens und Norwegens unterstützt.[5]

Sowohl das schwedische als auch das dänische Königshaus und führende Politiker begannen den Zusammenschluss der drei skandinavischen Länder zu erörtern. Ziel war ein Machtgegengewicht gegen Russland im Osten und Deutschland im Süden. Am leichtesten, so glaubte man, wäre es, wenn das Haus Bernadotte in Schweden nach dem Tode des kinderlosen Friedrich VII. von Dänemark den dänischen Thron bestiege.[6] In den Konferenzen in London 1850 und 1852 wurde die Schleswig-Holsteinísche Frage geregelt und gleichzeitig eine Thronfolgeregelung bestimmt, die einen gemeinsamen König für Dänemark und Schweden ausschloss.[7]

1856 begannen dänisch-schwedische Geheimverhandlungen über einen nordischen Verteidigungsbund. Aber sie kamen zu keinem Ergebnis, da Dänemark einen nordischen Unionsstaat ablehnte, aber auch, weil die norwegische und die schwedische Regierung eine militärische Unterstützung Dänemarks davon abhängig machten, dass auch eine der Großmächte Dänemark beistehen würde und weil Holstein nicht einbezogen war. In Norwegen standen insbesondere die Bauern einer militärischen Unterstützung Dänemarks ablehnend gegenüber. Damit war 1857 der Plan zu einem Verteidigungsbündnis gescheitert. Schweden hielt sich zurück, solange nicht dänische Kernlande angegriffen würden. Damit war der politische Skandinavismus im Kern getroffen.[8]

Es kam zu einer Annäherung zwischen Russland und Frankreich. Das französische Außenministerium warnte davor, sich in skandinavische Illusionen zu binden und das neue schwedische Kabinett nahm eine betont antiskandinavistische Haltung ein.[9]

Als Dänemark nun alleingelassen den Krieg gegen Preußen und Österreich 1864 verloren hatte, kam es im Frieden von Wien zu einer Regelung der schleswig-holsteinischen Frage, die den politischen Skandinavismus beendete. Aber die Bitterkeit der Niederlage sorgte für das Entstehen von Vereinigungen, die den Skandinavismus weiter pflegten: In Dänemark „Nordisk samfund“, in Schweden „Nordiska nationalföreningen“ und in Norwegen „Skandinavisk selskab“. Das gemeinsame Organ wurde die in Lund herausgegebene Zeitschrift Nordisk tidskrift för politik, ekonomi och litteratur (1866-1870).

[Bearbeiten] Skandinavismus in der Gegenwart

Der Skandinavismus änderte nun seine Erscheinungsform und wurde „Nordische Zusammenarbeit“ genannt. Es drückte sich in den folgenden Jahren in einem gemeinsamen Portosystem, einer Münzunion, gemeinsamer Gesetzgebung auf vielen länderübergreifenden Gebieten wie Handels-, Familien- und Seerecht, gemeinsamer Verkehrspolitik und kultureller Zusammenarbeit aus. Aber die Ereignisse um 1905 beendeten diese Zusammenarbeit. Erst während des Ersten Weltkrieges kam es wieder zu gemeinsamen Haltungen in der Neutralitätsfrage, einer Ausweitung des Handels und häufigeren Treffen der Könige. Nun wurde auch Finnland einbezogen. Man entwickelte gemeinsame Neutralitätsregeln. Aber auf dem Treffen der Regierungschefs 1939 in Stockholm kam es zu keiner gemeinsamen Sicherheitspolitik. Die Zusammenarbeit beschränkte sich auf die Intensivierung einer gemeinsamen Wirtschafts-, Kultur und Sozialpolitik sowie in der Gesetzgebung.

Im Zweiten Weltkrieg kam der Begriff in der schwedischen Öffentlichkeit erneut auf bei Diskussionen über eine Politik gegenüber Deutschland bzw. den von Deutschland besetzten Nachbarländern Norwegen und Dänemark. Zunächst verhielt sich Schweden neutral. Nach der Niederlage der deutschen Truppen in Finnland Ende 1944, dem sowjetisch-finnischen Waffenstillstand und dem sowjetischen Vormarsch in Nordnorwegen entschloss sich Schweden, doch noch Truppen zur Befreiung Norwegens und Dänemarks in Marsch zu setzen, wozu es jedoch 1945 nicht mehr kam.

Gegenwärtig findet der Skandinavismus noch seinen Ausdruck im 1919 gegründeten „Foreningen Norden“ und im Nordischen Rat

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Hildebrand Spalte 879.
  2. Hildebrand Spalte 879.
  3. Mardal
  4. Hildebrand Spalte 880.
  5. Mardal
  6. Mardal
  7. Hildebrand Spalte 880.
  8. Hildebrand Spalte 880.
  9. Hildebrand Spalte 881.

[Bearbeiten] Literatur

[Bearbeiten] Siehe auch

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