Skibergsteigen

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Aufsteigen mit Tourenski
Abfahrt im Pulverschnee

Unter Skibergsteigen oder Skitourengehen versteht man das Besteigen von Bergen auf Skiern und die Talfahrt abseits präparierter Skipisten in idealerweise unverspurtem Gelände. Die ersten Skitouren wurden zum Ende des 19. Jahrhunderts gegangen. Da es noch keine Liftanlagen gab, mussten auch Anfang des 20. Jahrhunderts sämtliche Verschiebungen auf Skiern in Form von Skitouren erfolgen.

Am beliebtesten sind Abfahrten im frischen Pulverschnee, doch bedeutet das wegen des Einsinkens auch erhöhte Anstrengung beim Aufstieg und öfter auch erhöhte Lawinengefahr, besonders wenn der Schnee unter Windeinfluss gefallen ist oder beim Begehen steiler Hänge.

Begriff[Bearbeiten]

In Deutschland wird mit Skibergsteigen eher der Wettkampf assoziiert, im Breitensport wird häufig der Begriff „Skitourengehen“ verwendet. Im Österreichischen lautet der Begriff Schibergsteigen (Schitourengehen), in der Schweiz ist der Begriff Skialpinismus gebräuchlicher.

Ausrüstung für Skitouren[Bearbeiten]

Teil einer Skitourenausrüstung: Schaufel, Sonde, Karte, Verschütteten-Suchgerät, Steigfelle – und Lawinenbulletin zur Vorbereitung

Zur Ausrüstung von Tourengehern gehören meistens:

  • Tourenskier, die relativ kurz und breiter als üblich sind, um die Abfahrten im Tiefschnee zu erleichtern
  • eine Touren-Skibindung, in der sich die Fersen beim Aufstieg heben können
  • Skifelle zum Ankleben aus Mohair oder Kunstfaser („Klebefelle“), früher Seehundfelle mit Riemchenbefestigung
  • ein Sicherheitsset für Lawinenabgänge (siehe unten)
  • wetterfeste Kleidung (siehe Bergsteigen), Karte/Kompass und Notproviant
  • und bei schwierigen Schneebedingungen Harscheisen und verstellbare Teleskopstöcke

Zusätzlich werden von den Sportlern auch die Ausrüstungsgegenstände des klassischen Bergsteigens verwendet (wie z. B. Pickel etc.).

Skischuhe (Skistiefel) in etwas weicherer Bauart (oder mit Gelenk) erleichtern das Gehen; bei steilem oder felsigem Gelände sind Schuhe mit Profilsohle nützlich, weil manchmal die Ski getragen werden müssen.

Für die Besteigung eines Gipfels – die Krönung mancher Skitour – sind Profilsohlen unerlässlich, doch muss die Bindung auf die erhöhte Reibung abgestimmt werden. Solche Schuhe sind nur für Tourenbindungen geeignet. Normale Skibindungen bieten mit diesen Schuhen keine Sicherheit mehr (fehlende kontrollierte Auslösewerte).

Die Ski sollten Skistopper haben. Fangriemen verhindern zwar beim Sturz, dass die Ski im Tiefschnee verschwinden, stellen aber bei schnellen Abfahrten eine Verletzungsgefahr dar. Im Falle eines Lawinenabgangs verhindern sie ein Lösen der Ski. Das Lawinenopfer wird tiefer verschüttet (Ankerwirkung).

Lawinengefahr und Orientierung[Bearbeiten]

im Aufstieg

Der Abgang von Lawinen ist die größte Gefahr für Skitouristen und wird von Urlaubern wie Einheimischen häufig unterschätzt. Bei erhöhter Lawinengefahr (schon ab Stufe 2 „mäßig“ des offiziellen Lawinenlageberichts) sind entsprechende Vorsichtsmaßnahmen (z. B. Sicherheitsabstände, Selbstbeschränkung auf Routen mit entsprechender Hangrichtung und -neigung, etc.) notwendig. Die Mitnahme eines Lawinenverschütteten-Suchgerätes („Lawinenpieps“), einer Lawinenschaufel und einer Lawinensonde (jeweils pro Person) ist bei jeder Skitour Standard. Es gibt weitere Sicherheitsausrüstungen, die noch nicht verbreitet sind und entweder die Auffindung der Verschütteten weiter erleichtern (Lawinenball, Lawinenairbag), ein Ganz-Verschüttung vermeiden helfen (Lawinenairbag) oder die Überlebenswahrscheinlichkeit als Verschütteter erhöhen sollen (AvaLung). Alle diese Maßnahmen und Hilfsmittel dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass eine Lawinenverschüttung immer eine tödliche Gefahr darstellt und daher die Vermeidung durch überlegtes und defensives Verhalten oberstes Gebot darstellt.

Ausreichende Kenntnisse in Lawinenkunde, die sachgemäße Anwendung von Entscheidungsstrategien und die regelmäßig geübte Verschüttetensuche sind Voraussetzung für Touren im ungesicherten alpinen Winterbergsport. Alpenvereine und gute Tourismusbüros stellen hierfür Broschüren zur Verfügung, auch ausführliche Fachbücher sind erhältlich. Der verantwortungsvolle Tourengeher sollte allerdings sein theoretisches Wissen in einem Kurs mit praktischer Erfahrung kombinieren. Solche Kurse bieten Alpenvereine und Bergschulen oder auch Skiverbände (z. B. Deutscher Skiverband, Österreichischer Skiverband) an. Zu den Lawinenwarndiensten siehe unten; es gibt sogar Abonnements für Handy.

Zwingend notwendig ist eine gute Landkarte mit topografischer Geländedarstellung (Mindestmaßstab 1:25.000). Nur mit diesem Hilfsmittel kann das Gelände (Exposition und Steilheit) ausreichend genau abgeschätzt werden, um das Risiko bei der geplanten Tour abzuschätzen. Bei schlechter Sicht erleichtern kleine GPS-Satellitenempfänger die Orientierung im Gelände. Kompass, Höhenmesser und eine Taschenlampe mit Ersatzbatterien runden die „Navigationsausrüstung“ ab.

Besonderheiten[Bearbeiten]

Viele bevorzugen für Skitouren das Frühjahr – einerseits wegen des körnigen Schnees (Firn), andererseits wegen der meist geringeren Lawinengefahr, die jedoch bedingt durch die tageszeitliche Erwärmung ansteigen kann (siehe Lawinenlagebericht). Insbesondere bei den typischen Frühjahrsverhältnissen mit kalten, klaren Nächten und warmen Tagen und dem vorherrschenden Firn herrschen häufig sichere Verhältnisse – wenn der Harschdeckel (harter Schnee) noch tragfähig ist, man also früh genug unterwegs ist. Bei langen Touren kann das den Aufbruch im Dunkeln bedeuten.

Nach Ende der Skitourensaison nehmen manche Bergsteiger ihre kurzen Firngleiter („Figl“) oder Mikroski im Rucksack mit, die kurze Abfahrten in den letzten verbliebenen Schneefeldern erlauben.

Siehe auch: Spitzkehre

Wettkämpfe[Bearbeiten]

Die Geschichte der Skitourenrennen bzw. des Wettkampfskibergsteigens geht zurück auf ursprünglich durch das Militär ausgetragene Wettkämpfe. Sogenannte „Militärpatrouillen“ dienten dem Kräftemessen und zur körperlichen Ertüchtigung der teilnehmenden Teams. Seit den 1920er-Jahren wurden auch zivile Rennen ausgetragen, in Österreich z.B. das „Mairennen“ in Gosau oder der „Geierlauf“ in der Wattentaler Lizum oder das „Wildsaurennen“ in Praxmar.

Start zur Patrouille des Glaciers 2006

Militärpatrouillenlauf, bei dem Skibergsteigen mit Wertungsschießeinlagen kombiniert wurde, war bei den Olympischen Winterspielen 1924 olympische Disziplin. Die Mannschaften bei diesen Militärpatrouillenläufen bestanden jeweils aus vier Teilnehmern, die zum Zeitpunkt der Olympischen Spiele aktive Soldaten der waren. Allerdings stieß diese Disziplin bei den Zuschauern nicht auf das erwartete Interesse, sodass die Disziplin Militärpatrouille 1926 vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) zum Vorführbewerb erklärt wurde. Als solcher wurde der Militärpatrouillenlauf drei weitere Male im Rahmen der Olympischen Winterspiele in den Jahren 1928, 1936 und 1948 durchgeführt. Die olympischen Militärpatrouillenläufe gelten als Vorläufer der olympischen Disziplin Biathlon. Die Union Internationale des Associations d’Alpinisme (UIAA) plant die Aufnahme der Sportart Skibergsteigen bei den Olympischen Winterspielen 2018[1].

Nach dem Zweiten Weltkrieg organisierten die Länder, in denen Skirennen im Hochgebirge überlebt hatten, ihren Traditionen entsprechende Wettkämpfe. In den 1980er-Jahren wurden in den Alpenländern einige neue Wettkampfrennen ins Leben gerufen. Zu Beginn der 1990er Jahre gründeten Skibergsteiger aus Frankreich, Italien, Spanien, Andorra, der Slowakei und der Schweiz das Comité International du Ski-Alpinisme de Compétition (CISAC), 1992 wurde der erste Europacup ausgetragen und auch die erste Europameisterschaft.[2] Die Wettkampf-Variante des Tourenskilaufens ist heute international zusammengefasst im International Council for Ski Mountaineering Competitions (ISCM) unter dem Dach der UIAA in der Schweiz. Dem Verband gehören derzeit 34 Nationen an. Zu den bedeutendsten Wettkämpfen in den Alpen zählen die Patrouille des Glaciers und die Trophée du Muveran in der Schweiz, die Trofeo Mezzalama in Italien und die Pierra Menta in Frankreich. Weltweit gibt es derzeit etwa 500 Wettkämpfe. Seit 2002 gibt es im Zweijahresrhythmus offizielle Weltmeisterschaften, seit 2004 einen Worldcup. Die Weltmeisterschaft wurde erstmals in den französischen Alpen ausgetragen. Weitere Austragungsorte waren 2004 Spanien, 2006 Italien und 2008 die Schweiz.

Die Aufstiege erfolgen bei den Wettkämpfen mit aufgeklebten Skifellen, die das Abrutschen verhindern. Diese müssen für die Abfahrten – meist durch Tiefschnee – abgerissen und für einen weiteren Aufstieg vom Sportler wieder aufgeklebt werden. Die Streckenprofile können auch Aufstiegspartien enthalten, die nur zu Fuß oder durch Klettern bezwungen werden können. An diesen Passagen trägt der Sportler seine Skier im Gepäck mit sich. Angeboten werden bei den Wettkämpfen in der Regel die Disziplinen Einzellauf, Teamlauf, Staffellauf und Vertical Race, in den letzten Jahren auch oft ein Rennen über die sogenannte lange Distanz.

1999 entstand die Schweizer Nationalmannschaft. Seit 2001 betreibt der Deutsche Alpenverein (DAV) das Skibergsteigen auch als Leistungssport, trägt den Deutschen Skitourencup aus und stellt die Deutsche Nationalmannschaft Skibergsteigen auf. Obwohl Österreich über eine ausreichende Anzahl von Spitzenskibergsteigern verfügt, war es bis 2007 das einzige Alpenland, das keine Nationalmannschaft in dieser Sportart stellte. Mit der Gründung und der Aufnahme in die ISMC des österreichischen Skibergsteigerverbandes ASKIMO im Oktober 2007 können zukünftig auch österreichische Athleten im Rahmen des Österreichischen Nationalkaders im Wettkampf-Skibergsteigen an den internationalen Wettkämpfen teilnehmen. 2008 fand in Österreich die erste nationale Meisterschaft statt. Neben den bei der Weltmeisterschaft mittlerweile üblichen Disziplinen Einzel, Team und Staffel wurde 2008 erstmals auch ein Langdistanzrennen ausgetragen, bei dem die Italiener Guido Giacomelli und Francesca Martinelli jeweils den ersten Platz erzielten.[3]

Internationale Wettkämpfe werden in den Altersklassen Senioren (ab 24 Jahre), Kadetten (16–18 Jahre), Junioren (19–20 Jahre) und Espoirs (21–23 Jahre) bestritten.

Skitouren auf Pisten[Bearbeiten]

Zunehmend werden Skitouren in der Nähe oder auf Skipisten unternommen. In jüngerer Zeit kam es dadurch zur Kollision von Interessen der Skibergsteiger und der Seilbahnbetreiber. Um eine gemeinsame Nutzung zu ermöglichen, wurden vom Deutschen Alpenverein 10 Regeln für Skitouren auf Pisten erarbeitet.[4] Weiter wurden beispielsweise für alle bayerischen Skigebiete eigene Regelungen zwischen dem DAV und den Seilbahnbetreibern ausgehandelt.[5] Ähnliche Regelungen existieren auch für Österreich und die Schweiz.

Zahlen und Fakten[Bearbeiten]

In Österreich gibt es ca. 350.000 (Quelle: Österreichische Seilbahnen) bis 650.000 (Quelle: Österreichischer Alpenverein) Skitourengänger. Wettkämpfe werden in 36 registrierten Staaten der Welt abgehalten.

Literatur[Bearbeiten]

  • Rudi Mair, Patrick Nairz: Lawine. Die 10 entscheidenden Gefahrenmuster erkennen. Praxis-Handbuch, Tyrolia-Verlag, Innsbruck 2010, ISBN 978-3-7022-3086-9.
  • Christian Schneeweiß, Bernd Ritschel: Skitourengehen. Das Praxisbuch für Einsteiger und Fortgeschrittene. Bruckmann Verlag, München 2010, ISBN 978-3765455001.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Skibergsteigen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Die Sportart Skibergsteigen im Artikel Dachstein Xtreme 2008: Streckenänderungen beschlossen, mountains2b.com, März 2008.
  2. Claude Défago: Die Geschichte des Skialpinismus
  3. WM Skibergsteigen 2008: Italiener siegen auch zum Abschluss, mountains2b.com, März 2008.
  4. DAV Regeln für Skitouren auf Pisten, alpenverein.de, 7. Dezember 2012.
  5. Skitouren Regelungen für die bayerischen Alpen-Skigebiete, alpenverein.de, 7. Dezember 2012.