Skiren

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Die Skiren waren ein germanischer Volksstamm im Osten Mitteleuropas.

Der Name „Skiren“ gehört zu den ältesten belegten germanischen Ethnonymen.[1] Sie lebten zunächst im Gebiet von Masuren bis zur Grenze des heutigen Litauen. Tacitus und Ptolemaios erwähnen sie zwar nicht, dafür aber Plinius der Ältere.[2] Mit den Bastarnen zogen große Teile der Skiren nach Süden, in die Region am Schwarzen Meer. Die Skiren werden in der folgenden Zeit namentlich nicht erwähnt; erst die spätantike „Veroneser Völkertafel“ verzeichnet sie wieder.[3] Nachdem sie - wohl im Jahr 381 - vergeblich versucht hatten, in das römische Reich einzudringen, wurden sie in der Völkerwanderungszeit im 5. Jahrhundert von den Hunnen unterworfen. Nach dem Tod Attilas im Jahr 453 errichtete Edekon ein kurzlebiges Skirenreich im Alföld, das aber bereits im Jahr 469 unterging. Teile der Skiren zogen mit West- und Ostgoten nach Westen, andere traten als Föderaten in römische Dienste. Unter diesen Föderaten war auch der Sohn Edekons, Odoaker, der nach der Absetzung des letzten weströmischen Kaisers Romulus Augustulus im Jahr 476 von den italischen Föderatentruppen zum König ausgerufen wurde. Die Skiren als intakte gens hatten zu dieser Zeit bereits aufgehört zu existieren.[4]

Die in der älteren Forschung oft als skirische Dynastie (bzw. als Volksgruppe) bezeichneten „Turkilingen“ sind wohl ein historisches Phantom. Sie gehen sehr wahrscheinlich auf ein Missverständnis des Geschichtsschreibers Jordanes zurück, der als einziger davon berichtet und zwar immer in Verbindung mit Odoaker. Da ein anderer Sohn Edekons, Onoulf, in einer Quelle als Sohn eines Thüringers bezeichnet wird,[5] beruht darauf wohl auch der Fehler des Jordanes.[6]

Literatur[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Stefan ZimmerSkiren. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde (RGA). 2. Auflage. Band 28, Walter de Gruyter, Berlin/New York 2005, ISBN 3-11-018207-6, S. 639.
  2. Helmut CastritiusSkiren. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde (RGA). 2. Auflage. Band 28, Walter de Gruyter, Berlin/New York 2005, ISBN 3-11-018207-6, S. 640–641.
  3. Helmut Castritius: Skiren. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde (RGA). 2. Auflage. Band 28, Walter de Gruyter, Berlin/New York 2005, ISBN 3-11-018207-6, S. 641.
  4. Zur späten Geschichte der Skiren vgl. Helmut Castritius: Skiren. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde (RGA). 2. Auflage. Band 28, Walter de Gruyter, Berlin/New York 2005, ISBN 3-11-018207-6, S. 643–644.
  5. Suda, Stichwort Kata patera kai mêtera, Adler-Nummer: kappa 693, Suda-Online
  6. Vgl. dazu auch Helmut Castritius: Skiren. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde (RGA). 2. Auflage. Band 28, Walter de Gruyter, Berlin/New York 2005, ISBN 3-11-018207-6, S. 643.