Skyguide

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SKYGUIDE, Schweizerische Aktiengesellschaft für zivile und militärische Flugsicherung[1]
Skyguide-logo.svg
Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1922[2]
Sitz Meyrin, Schweiz
Leitung Daniel Weder
(CEO)
Guy Emmenegger
(VR-Präsident)
Mitarbeiter 1'376 (FTE, 31. Dezember 2012)[3]
Umsatz 440 Mio. CHF (2012)[3]
Branche Luftfahrt
Produkte FlugverkehrssicherungVorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Produkte
Website www.skyguide.ch
BW

Skyguide (offiziell SKYGUIDE, Schweizerische Aktiengesellschaft für zivile und militärische Flugsicherung, englisch SKYGUIDE, Swiss civil and military Air Navigation Services Limited) ist die Flugsicherungsgesellschaft, die den Schweizer Luftraum überwacht.

Sie ist eine privatrechtliche Aktiengesellschaft nach Schweizer Recht, die im Auftrag der Eidgenossenschaft für die Sicherheit des gesamten Luftraums der Schweiz sowie des angrenzenden Luftraumes in Deutschland, Österreich, Frankreich und Italien verantwortlich ist. Im Schweizer Luftraum umfasst dies sowohl die zivile als auch die militärische Flugsicherung.

Skyguide untersteht der Aufsicht des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK). Hauptaktionärin mit 99,91 Prozent der Anteile am Skyguide-Aktienkapital ist die Schweizerische Eidgenossenschaft. Bei Skyguide arbeiten rund 1400 Mitarbeiter, davon etwa zwei Drittel im Bereich der Flugsicherung, rund ein Viertel im technischen Dienst, die übrigen mehrheitlich in der Verwaltung. Seit 1. Oktober 2007 wird Skyguide von Daniel Weder geleitet.

Partner[Bearbeiten]

Wichtige Partner von Skyguide sind die International Civil Aviation Organization (ICAO), Eurocontrol (Europäische Organisation zur Sicherung der Luftfahrt) und die Civil Air Navigation Services Organization (CANSO) sowie die Schweizer Luftwaffe. In Belgien besitzt Skyguide ausserdem seit Ende 2000 eine Tochtergesellschaft namens Skynav, die der Verbindung zur Europäischen Union dient.

Skyguide in Zahlen[Bearbeiten]

Skyguide überwachte im Jahr 2010 pro Tag rund 3200 Flüge nach Instrumentenflugregeln. Über das gesamte Jahr betrachtet entspricht dies rund 1,16 Millionen Flügen. Im gleichen Jahr erwirtschaftete skyguide einen Umsatz von über 365 Millionen Schweizer Franken. Die Schweizer Flugsicherung hat rund 1400 Mitarbeitende an 14 Standorten in der ganzen Schweiz, davon etwa zwei Drittel im Bereich der Flugsicherung, rund ein Viertel im technischen Dienst, die übrigen mehrheitlich in administrativen Funktionen.

Standorte[Bearbeiten]

Skyguide Flugverkehrsleitstelle & Luftwaffen Einsatzzentrale bei Wangen

Die wichtigsten Standorte sind die beiden Area Control Center (ACC) am Militärflugplatz Dübendorf in Wangen-Brüttisellen und am Flughafen Genf in Cointrin, wo sich auch der administrative Hauptsitz von Skyguide befindet.

Das Kontrollzentrum in Genf ist zuständig für den Westschweizerischen Luftraum und den Luftraum über den französischen Alpen sowie einen Teil des italienischen Luftraumes, der an der Grenze zu Frankreich liegt. Das Kontrollzentrum am Standort Wangen wurde im Februar 2009 in Betrieb genommen. In Wangen befindet sich nebst dem Flugverkehrskontrollzentrum, das für den Luftraum der Deutschschweiz, Liechtenstein und Süddeutschland zuständig ist, auch das NOTAM-Büro, das Erstellungsbüro für Flugverkehrskarten. In Wangen betreibt Skyguide auch Schulungsräume, drei Tower-Simulatoren sowie Trainingsräume für Realtime-Ausbildung von Flugverkehrsleitern, auch für Mitarbeiter anderer Flugverkehrsleitfirmen. Im selben Gebäude in Wangen befindet sich auch die Einsatzzentrale der Luftwaffe.

Weitere Standorte von Skyguide befinden sich auf den Flugplätzen Bern-Belp, Buochs, Grenchen, Lugano-Agno und St.Gallen-Altenrhein sowie auf zahlreichen gemischt zivil-militärischen oder rein militärischen Flugplätzen. Dazu gehören Alpnach, Dübendorf, Emmen, Locarno, Meiringen, Payerne und Sion. Auf dem Flugplatz Les Eplatures und dem Flugplatz Samedan ist die Flugsicherung an den Flugplatzbetreiber delegiert.

In der Schweiz wird gemäss den Vorgaben der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation ICAO sowohl der Flugverkehr nach Instrumentenflugregeln (IFR) als auch nach Sichtflugregeln (VFR) in englischer und französischer Sprache abgewickelt.

Radarstation[Bearbeiten]

Die Radarkuppel auf der Lägern bei Boppelsen

Oberhalb der Gemeinde Boppelsen ZH, auf dem Jura-Hügelzug "Lägern" (Hochwacht) sowie auf dem La Dôle betreibt die Skyguide jeweils Sekundärradarstationen zur Flugverkehrsführung, zudem werden von einem der FLORAKO-Sekundärradaren der Luftwaffe weitere Tracks eingespeist. In Kloten und in Genf betreibt Skyguide jeweils kombinierte Primär- und Sekundärradare für die An- und Abflugkontrolle.

Militärische Aufgaben[Bearbeiten]

Skyguide ist verantwortlich für die Führung des zivilen Luftverkehrs in der Schweiz. Die Luftraumüberwachung ist Sache der Schweizer Luftwaffe, die mit ihren Primärradaren auch Flugobjekte ohne Transpondersignal erfassen kann. Eine Besonderheit in der Militärluftfahrt ist, dass die Flugzeuge der Schweizer Luftwaffe durch Mitarbeiter von Skyguide geführt werden. Diese Mitarbeiter haben die zivile Ausbildung zum Flugverkehrsleiter / Fluglotsen absolviert und verifizieren diese Ausbildung regelmässig bei den ICAO-Standard-Prüfungen, sie haben jedoch zusätzlich zur zivilen Ausbildung eine militäraviatische, taktische Weiterbildung absolviert. Im Normalfall arbeiten sie als zivile Mitarbeiter zusammen mit dem militärischen Personal, bei Bedarf (z.B. WEF Davos) arbeiten sie im militärischen Betrieb im Offiziersrang. Der militärische Bereich von Skyguide ist auch für die Führung von Werkflügen der Firma Pilatus Aircraft zuständig. Skyguide bewirtschaftet den Schweizer Luftraum dynamisch mit der Schweizer Luftwaffe zusammen, das heisst, wenn die Luftwaffe ihren Luftraum nicht oder nur teilweise benötigt, wird dieser an die zivile Luftfahrt abgegeben, und Skyguide führt sogenannte Shortcuts durch, bei denen zivile Flugzeuge ihre Reiseroute durch den militärischen Luftraum abkürzen können. Im Gegenzug darf die Luftwaffe bei Bedarf den zivilen Luftraum einschränken, sei dies für den seltenen Fall einer Volltruppenübung (z.B. Stabante2011) oder aber bei den regelmässigen Konferenzen wie dem WEF in Davos. Je nach Bedarf führen die Skyguide-Mitarbeiter des militärischen Bereiches auch Kampfflugzeuge in den sogenannten Cross–Boarder Areas in Frankreich oder Italien, also militärischen Lufträumen, die über die Landesgrenzen hinausgehen und von den Luftstreitkräften beider Länder benutzt werden können.

Geschichte[Bearbeiten]

Am 1. Januar 1931 beauftragte die Eidgenossenschaft die damalige Radio Schweiz AG (RSAG) mit der Flugsicherung in der Schweiz. Die RSAG war am 23. Februar 1922 als Marconi Radio AG zur Entwicklung der drahtlosen Telegraphie gegründet worden, nachdem der Erste Weltkrieg die Bedeutung dieser Art von Telekommunikation aufgezeigt hatte. Am 10. Mai 1928 hatte sich die Marconi Radio AG in RSAG umbenannt, um ihren schweizerisch-nationalen Charakter zu betonen.

Bis Ende des Zweiten Weltkriegs bediente die RSAG vor allem die telegraphischen Kommunikationsbedürfnisse der Eidgenossenschaft. Erst am 21. Dezember 1948 begann die RSAG nach einer Vereinbarung mit der Eidgenossenschaft, wonach diese und die Flughäfen die Kosten der Flugsicherung tragen, mit der Überwachung des Luftraums.

Per 1. Januar 1988 wurden die Flugsicherungs-Aktivitäten der RSAG restrukturiert und waren neu im staatlichen Unternehmen Swisscontrol mit Sitz in Bern beheimatet. 1996 wurde die Swisscontrol in eine privatrechtliche Aktiengesellschaft umgewandelt und ihr Sitz nach Genf verlegt, wo sie seit 1998 am Flughafen Genf-Cointrin ein neues Gebäude bezog.

Anfang 2001 wurde die bisher getrennte zivile und militärische Flugsicherung unter dem neuen Namen Skyguide in einem Unternehmen vereinigt. Skyguide verwaltet damit als erste Flugsicherung in Europa den gesamten Luftraum eines Landes.

Am 1. Juli 2002 stiessen im von skyguide kontrollierten süddeutschen Luftraum über Überlingen am Bodensee eine Tupolev 154 der russischen Bashkirian Airlines (Republik Baschkortostan) und eine Boeing 757 von DHL Express Worldwide in einer Höhe von 12'000 Metern zusammen; 71 Menschen kamen dabei ums Leben. Im Februar 2004 wurde Peter Nielsen, der Flugverkehrsleiter, der in der Unglücksnacht bei skyguide Dienst tat, von Witali Kalojew, einem russischen Angehörigen dreier Opfer des Unglücks, ermordet. (Zum Artikel)

Am 21. September 2005 wurde skyguide als eine der ersten Flugsicherungen in Europa in allen Unternehmensbereichen nach der Norm ISO 9001:2000 zertifiziert. Damit erfüllte skyguide die Voraussetzung für die Single European Sky (SES)-Zertifizierung, die rund ein Jahr später durch das Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) erteilt wurde.

Anfang Dezember 2010 unterzeichneten sechs Staaten, darunter die Schweiz, einen Staatsvertrag zur rechtlichen Gründung des grenzüberschreitenden Luftraumblocks im Herzen Europas, des FABEC (Functional Airspace Block Europe Central).

Europäische Zusammenarbeit[Bearbeiten]

Der europäische Luftraum ist heute stark fragmentiert. Das Projekt Single European Sky (SES) – Einheitlicher Europäischer Luftraum – der Europäischen Kommission will das Flugsicherungssystem in Europa harmonisieren und damit die Effizienz der Luftraumstruktur insgesamt erhöhen. Eine Voraussetzung dafür ist die Bildung von grösseren, zusammenhängenden Luftraumblöcken. Die Luftstrassen sollen sich vermehrt nach den Bedürfnissen der Luftraumbenutzern richten und weniger nach den nationalen Grenzen. Die Reorganisation des europäischen Luftraumes wird notwendig sein, um den prognostizierten Verkehrszuwachs bewältigen zu können.

In Europa ist die Schaffung von insgesamt neun Luftraumblöcken vorgesehen. Einer davon ist der Functional Airspace Block Europe Central (FABEC), der funktionale Luftraumblock in Zentraleuropa. Darin werden rund 55 Prozent des europäischen Flugverkehrs abgewickelt, das sind rund 5,3 Millionen Flüge pro Jahr. Im Dezember 2010 unterzeichneten die sechs Mitgliedstaaten (Belgien, Deutschland, Frankreich, Luxemburg, die Niederlande und die Schweiz) einen Staatsvertrag. Damit wurde die rechtliche Basis des FABEC gelegt.

Quellen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Skyguide – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Eintrag im Handelsregister Genf
  2. Gründung des Radiosenders Marconi AG, seit Januar 2001 «Skyguide»
  3. a b Skyguide, Geschäftsbericht 2012.

46.2246166.099332Koordinaten: 46° 13′ 29″ N, 6° 5′ 58″ O; CH1903: 496669 / 120125