Skywarn Austria

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Skywarn Austria
SkywarnAustriaLogo.gif
Zweck: Ehrenamtlicher Verein
Vorsitz: Thomas Poisinger
Gründungsdatum: 2003
Mitgliederzahl: 150 (Stand: 01.10.2012)
Sitz: Aschach/Steyr, OÖ
Website: http://www.skywarn.at

Skywarn Austria ist ein gemeinnütziger Verein, dessen Prinzip (Skywarn) vor ca. 30 Jahren in den USA seinen Anfang nahm. Dort hatte man schon damals erkannt, dass es äußerst wichtig ist, die Bevölkerung gezielt und rechtzeitig vor Unwettern - insbesondere konvektiven Wetterereignissen, wie zum Beispiel Tornados, zu warnen. Trotz modernster Technik wie Doppler-Radar, Windprofiler, Wetterballon etc. kann man auch heute nicht ganz genau sagen, wann und wo genau Hagel, Downbursts oder Tornados auftreten und wie stark diese Unwetterphänomene sein werden. Um diese Lücke in Österreich zu schließen, etablierte man im Verein auch hier die ehrenamtliche Tätigkeit des Stormchasers (zu Deutsch Sturmjäger).

Über den Verein Skywarn Austria[Bearbeiten]

Hagelgeschosse
Dem Unwetter entgegen..

Skywarn Austria ist der erste ehrenamtliche österreichische Verein für Wetterbeobachtung und Unwetterwarnung. Unterteilt werden seine aktiven Mitglieder in Storm-Chaser (Sturmjäger) und Storm-Spotter (Sturmbeobachter).

Während Beobachter meist nur an einem speziellen Ort ein Unwetter verfolgen, dokumentieren und gegebenenfalls wichtige Meldungen an die Skywarn-Austria-Zentrale mittels Internet oder Hotline weitergeben, jagen Sturmjäger mit Fahrzeugen gezielt Unwettern hinterher – nicht selten bis zu 1000 km pro Tag - um besonders gefährlich wirkende Unwetter näher zu beobachten. Nicht selten begeben sie sich auch in das Gebiet der heftigsten Turbulenzen und berichten in Echtzeit über das Geschehen. Wenn extreme Wetterphänomene auftreten, benachrichtigen die Mitglieder von Skywarn Austria Wetterdienste, Radio- und Fernsehanstalten und Einsatzorganisationen. Wichtige Beobachtungen können dann von den Medienpartnern innerhalb weniger Minuten in Form von Warnungen an die betroffene Bevölkerung weiterleitet werden. Auch werden diese auf der Vereins-Homepage veröffentlicht. Gewarnt wird bei Skywarn Austria, im Gegensatz zu anderen Wetterdiensten, nur vor dem „Ist-Zustand“ (zum Beispiel: „Der Hagelschauer ist jetzt hier über Ort A und zieht in Richtung X“), der von den Chasern und Spottern gemeldet wird. So kann es vermieden werden, dass Personen vollkommen unvorbereitet und ohne Vorwarnung von Unwettern überrascht werden und es Verletzte oder gar Tote zu Beklagen sind.

Gleichzeitig werden die Unwetter in jeder Phase ihrer Entwicklung mittels Foto- und Videokamera festgehalten. Dadurch werden wertvolle Informationen für die Forschung gewonnen. Aber nicht nur Warnungen sind das Ziel des Vereins: Menschen können so auch verstehen, welche Katastrophen Unwetter auslösen können, wie diese aussehen, und besonders, wie man sich davor schützen kann.

Da Österreich ein Alpenland ist, und das Straßennetz in manchen Regionen oft unzureichend dicht ist, ist es für die Chaser des Vereins immer wieder eine Herausforderung, inneralpin schwere Unwetter zu verfolgen und zu dokumentieren, ohne sich selbst in größere Gefahr zu begeben. So erklärt sich auch eines der wichtigsten Prinzipien von Skywarn Austria: „Ein guter Chaser bleibt immer trocken!“ Dies bedeutet, dass man nach Möglichkeit so genannte Corepunch-Ereignisse vermeidet. Auch birgt das Gebirge beim Chasen große Gefahren: zum Teil ist die Sicht in Tälern sehr eingeschränkt, so dass herannahende Gefahren wie Blitzfluten, Downbursts und Felsstürze nicht rechtzeitig erkannt werden können.

Aufgaben und Ziele[Bearbeiten]

Faszination Wetter
Überflutung

Wichtigste Ziele des gemeinnützigen Verein Skywarn Austria sind:

  • Österreichweit kostenlose Nowcasting-Unwettermeldungen/-warnungen über Radio, Fernsehen, Internet, ...
  • Mehrere für das Projekt angestellte Skywarn-Teams, die jederzeit und überall in Österreich zum Einsatz kommen können, um potentielle Unwetter beobachten und verfolgen zu können und im Falle extremer Wettererscheinungen zu warnen.
  • Dokumentation des Geschehenen mittels Foto & Film zu weiteren Analysen und Forschungszwecken
  • Aufklärung der Bevölkerung über Unwetter und ihren Folgen
  • Zusammenarbeit mit Medien, Katastrophenschutzdiensten, Blaulichtorganisationen, meteorologischen Institutionen und Forschungseinrichtungen (auf nationaler und internationaler Ebene)
  • Schaffung eines Spotternetzwerks mit homogener Verteilung auf Österreich
  • Analyse und Prognosen für Schwergewitter und andere Unwetterereignisse
  • Archivierung und statistische Aufbereitung von Unwetterereignissen
  • Beteiligung an nationalen und internationalen Forschungsprojekten
  • Ersthelfer-Aufgaben bei Unfällen und Unwetterkatastrophen wahrnehmen

Zusammenarbeit[Bearbeiten]

Skywarn Austria hat sich nicht nur in den letzten Jahren in der Wetterszene einen Namen gemacht. Durch geschulte ehrenamtliche Mitglieder setzen mittlerweile auch zahlreiche Organisationen und Firmen auf eine Zusammenarbeit mit Skywarn Austria

Wetterdienst und Katastrophenschutz:

Wissenschaft:

  • TorDACH - Forschung/Fallbeispiele und Archivierung
  • ESSL (insbesondere ESWD) - Forschung/Fallbeispiele und Archivierung
  • ESN - Forschung/Fallbeispiele und Koordinierung des internationalen Skywarn Netzwerks

Medien:

  • ORF- Öffentlichkeitsarbeit und Dokumentationsmaterial
  • ATV - Öffentlichkeitsarbeit und Dokumentationsmaterial
  • Live Radio - Wetterwarnungen und Öffentlichkeitsarbeit
  • Antenne Steiermark und Antenne Salzburg - Wetterwarnungen und Öffentlichkeitsarbeit
  • Kleine Zeitung - Öffentlichkeitsarbeit und Dokumentationsmaterial

Geschichte[Bearbeiten]

Chasing-Car

Im Jahr 2003 entstand neben Skywarn Schweiz und Skywarn Deutschland auch in Österreich ein Verein für mobile Unwetter-Früherkennung – SKYWARN AUSTRIA. Im selben Jahr gelang es Partnerschaften mit dem Unwetter-Kompetenzzentrum TorDACH und seinem internationalen Nachfolger ESSL herzustellen. 2004 wurde erstmals der „operationelle“ Betrieb in der Hauptsaison aufgenommen. Zahlreiche ehrenamtliche Wetter-Beobachter bzw. Chaser hatten sich dem Verein angeschlossen und unterstützen seine Prinzipien und sein Frühwarnmeldenetz.

In den folgenden 2 Jahren ergaben sich wichtige Partnerschaften mit nationalen Wetterdiensten, wie dem Flugwetterdienst Austrocontrol, der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik oder Meteomedia Österreich (der späteren Ubimet). Im Jahr 2005 wurde ATV erster größerer Medienpartner des Vereins, auch Radioanstalten und andere Medien zeigten Interesse an der Idee von Skywarn Austria. Mit der Einstellung der statistischen Aufzeichnungen und Analysen von Unwetterereignissen in Österreich durch TorDACH Österreich (Nachfolger nur auf europäischer Basis ist ESSL/ESWD) wurden diese privat von mehreren Skywarn-Mitgliedern, im Rahmen des nationalen Projekts unwetterstatistik.at, weitergeführt.

Seither hat sich nicht nur das mediale Interesse rund um Skywarn Austria verstärkt. Das Netz an ehrenamtlichen Unwetterbeobachtern und Stormchasern hat sich seit diesem Datum stark vergrößert, derzeit hat der Verein mehr als 150 ehrenamtliche Mitglieder. Hinzu kommen noch 150 mehr oder minder aktive Melder/Beobachter die im Skywarn Austria Forum registriert sind (insgesamt mehr als 250).

Die Arbeit[Bearbeiten]

Beschreibung eines typischen Ablaufs, wie die ehrenamtliche Chasing/Spotting-Tätigkeiten von den Mitgliedern des Vereins abläuft.

Vorbereitung[Bearbeiten]

Es fängt an mit dem täglichen Hören des Wetterberichts und dem Ansehen der neuesten Wettermodell-Läufe im Internet. Wenn das Wetter der kommenden Tage eine Neigung zu Schwergewitterlagen aufweist – angekündigte Fronten, Gewitter, Unwetter – kommt der nächste Schritt: Die Mitglieder von Skywarn Austria informieren sich über Labilität, Taupunkte, Windrichtungen und weitere Wetterwerte, um zu entscheiden, wo Unwetter in Österreich am wahrscheinlichsten sind. Eine Einschätzung der Wetterlage und ein Schwergewitter-Forecast erfolgen durch ein Forecast-Team, welches einige Mitglieder des Vereins bilden. Diese Schwergewitter-Prognosen werden auch auf der Vereinshomepage allgemein zugänglich veröffentlicht. Auf das gewarnte Gebiet richtet sich dann die Hauptaufmerksamkeit von Skywarn-Chasern und Spottern.

Nun wird die Ausrüstung (Kameras, Windmesser, Notfallausrüstung…) vorbereitet und Vereinsmitglieder verabreden sich zu Chasing-Teams. Es wird entschieden, in welche Region man sich begibt, um am günstigsten Unwetter beobachten zu können.

Chasing[Bearbeiten]

Während sich die ersten Unwetterherde entwickeln, beginnt nun langsam die „wirkliche“ Arbeit der ehrenamtlichen Sturmjäger des Vereins. Mit dem Auto geht es dem Unwetter entgegen. Bei Skywarn Austria sind die Chasing-Teams im günstigsten Fall mit Notebook und mobilem Internet ausgestattet, um die Situation auch an Messstationen, Radar und Satellitenbildern genau verfolgen zu können. Insbesondere bei der Jagd selbst und bei der Annäherung an Gewitterzellen steht der Chaser unter großem Zeitdruck. Deshalb greift Skywarn Austria auf Unwettermeldehotlines zurück, die von Hobbymeteorologen des Vereins besetzt sind und gegebenenfalls durch turbulente Situationen führen und eine beratende Rolle übernehmen. Weiters dienen sie zum sofortigen Weiterleiten wichtiger Veränderungen in der Atmosphäre und Unwettermeldungen. Bei extremen Wettererscheinungen wird meist ein direkter telefonischer Kontakt zu Medien, Katastrophenschutz- und Wetterdiensten hergestellt, da zum Beispiel im Fall eines Tornadoereignisses Sekunden zählen, um die Bevölkerung noch rechtzeitig warnen zu können.

Zusätzlich werden diese Unwetter-Ereignisse mittels Foto & Film festgehalten. Auch eine Protokollierung der Ereignisse ist wichtig, da das Material für spätere Analysen und Fallstudien herangezogen werden kann.

Nacharbeiten[Bearbeiten]

Meist hinterlassen heftige Unwetter ihre Spuren, egal ob Hagelschneisen, Sturmschäden, Überflutungen oder ähnliches. Diese werden von einem Unwetterexperten erfasst, ebenfalls genauestens dokumentiert und dienen statistischen Zwecken und für Forschungs-Projekte. Auch die Information der Bevölkerung über den Verein Skywarn Austria und seinen ehrenamtlichen Tätigkeiten wird hier wahrgenommen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Herfried Eisler, Peter Buschbeck: Skywarn Austria Chasing Guide, 2009

Weblinks[Bearbeiten]

Nachweise[Bearbeiten]

  1. Ehrenamtliche Wetterbeobachtung: "Skywarn Austria" - Organisation für mobile Unwetterwarnungen und Wetterbeobachtung