Slawische Verteidigung

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Slawische Verteidigung
Solid white.svg a b c d e f g h Solid white.svg
8 a8 b8 c8 d8 e8 f8 g8 h8 8
7 a7 b7 c7 d7 e7 f7 g7 h7 7
6 a6 b6 c6 d6 e6 f6 g6 h6 6
5 a5 b5 c5 d5 e5 f5 g5 h5 5
4 a4 b4 c4 d4 e4 f4 g4 h4 4
3 a3 b3 c3 d3 e3 f3 g3 h3 3
2 a2 b2 c2 d2 e2 f2 g2 h2 2
1 a1 b1 c1 d1 e1 f1 g1 h1 1
a b c d e f g h
Züge 1. d4 d5 2. c4 c6
ECO-Codes D10-D19
Benannt nach Schachmeister slawischer Herkunft Simon Alapin, Alexander Aljechin, Efim Bogoljubow, Milan Vidmar
Älteste Quelle 1929

Bei der Slawischen Verteidigung handelt es sich um eine Eröffnung des Schachspiels, die in mehrere Varianten unterteilt wird. Die Slawische Verteidigung wird auch als Slawische Verteidigung im abgelehnten Damengambit, als Slawisches Damengambit oder einfach als Slawisch bezeichnet.

Sie zählt zu den Geschlossenen Spielen. Im Gegensatz zum abgelehnten Damengambit wird die schon geöffnete Diagonale c8-h3 nicht durch e7-e6 verschlossen, so dass eine Entwicklung des Läufers c8 nach f5 oder g4 vor e7-e6 möglich bleibt. Unter Umständen kann Schwarz nach 2. … c7-c6 die spätere Annahme des Gambitbauern mit d5xc4 erfolgreich versuchen.

Ideengeschichtlich war die Entwicklung des „offenen Slawen“ eine Auswirkung der „hypermodernen Eröffnungsrevolution“. Denn Schwarz gibt das Zentrum mit 4. … d5xc4 auf, um dann das Fehlen eines eigenen Zentrumsbauern mit einer flexiblen Bauernstruktur und Figurendruck zu kompensieren.

Der Durchbruch auf höchstem Niveau kam durch Aljechin und insbesondere durch Euwe in den Weltmeisterschaftskämpfen 1935 und 1937.

Die Slawische Verteidigung entsteht nach den Zügen:

1. d2-d4 d7-d5
2. c2-c4 c7-c6

Zu den Hauptvarianten der Slawischen Verteidigung zählen:

  • Die Abtauschvariante: 3. c4xd5 c6xd5
Nach der Auflösung der Zentrumsspannung entsteht eine ausgeglichene Stellung, in der Weiß – aufgrund des Anzugsvorteils – allenfalls einen symbolischen Vorteil hat. Auf Großmeisterniveau oder gar in der Weltspitze ist die Abtauschvariante daher selten anzutreffen.

(Seine Grundidee kann Schwarz nicht sofort umsetzen, denn 4. … Lc8-f5? scheitert taktisch an 5. c4xd5 c6xd5 6. Dd1-b3 b7-b6 7. e2-e4!) d5xc4

    • 5. a2-a4 Lc8-f5 6. e2-e3 e7-e6 7. Lf1xc4 Lf8-b4 8. 0-0 bringt Weiß leichten Raumvorteil. Das weiße Bauernzentrum ist nicht so beweglich wie es aussieht: d4-d5 führt zu Abtausch und Verflachung, e4-e5 ergibt Stärken und Schwächen für beide Seiten. Schwarz wird auf e6-e5, c6-c5 oder b7-b5 langsam hinarbeiten.

Der Rückgewinn des c4 mittels 6. Sf3-e5 e7-e6 7. f2-f3 führt durch 7. … c6-c5 oder 7. … Lf8-b4 8. e2-e4 Lf5xe4 9. f3xe4 Sf6xe4 10. Lc1-d2 Dd8xd4 zu erheblichen Komplikationen. Die Idee der sofortigen Durchsetzung des Bauernzentrums mittels f2-f3 und e2-e4 war es, einen Lg6 auf Granit beißen zu lassen. 6. Sf3-e5 Sb8-d7 7. Se5xc4 Dd8-c7 hat die Idee 8. g2-g3 e7-e5

    • Daneben existieren das Tolusch-Geller-Gambit 5. e2-e4 und die Aljechin-Variante 5. e2-e3.
      • Im Tolusch-Geller-Gambit verzichtet Weiß auf den Rückgewinn des Bauern c4. Stattdessen will Weiß das Zentrum beherrschen und am Königsflügel aktiv werden. 5. … b7-b5 6. e4-e5 Sf6-d5 7. a2-a4 e7-e6 8. a4xb5 Sd5xc3 9. b2xc3 c6xb5 10. Sf3-g5 Lc8-b7 11. Dd1-h5 g7-g6 12. Dh5-g4 Lf8-e7 ist die Hauptvariante.
      • In der Aljechin-Variante ist der weiße e-Bauer im Gegensatz zum Tolusch-Geller-Gambit nicht angreifbar. Dadurch gewinnt Weiß Zeit, sich nach 5. … b7-b5 6. a2-a4 b5-b4 sofort des Rückgewinns des Bauern c4 anzunehmen. Die Abspiele 7. Sc3-a2 e7-e6 8. Lf1xc4 oder 7. Sc3-b1 Lc8-a6 8. Dd1-c2 e7-e6 9. Lf1xc4 erreichen mühelos dieses Ziel.
  • Neu etabliert hat sich das von Tschebanenko popularisierte Chamäleon-System 3. Sg1-f3 Sg8-f6 4. Sb1-c3 a7-a6 mit Absichten wie 5. e2-e3 b7-b5 6. b2-b3 Lc8-g4.

Da 4. … Lc8-f5? taktisch scheitert und 4. … d5xc4 die Entwicklung des Lc8 nur um den Preis eines weißen Bauernzentrums ermöglicht, wartet 4. … a7-a6 ab, um nach weißem c4xd5, c4-c5 oder b2-b3 dann im nächsten (oder häufig übernächsten) Zug doch noch zu Lc8-f5/g4 zu kommen.

  • Das Winawer-Gegengambit: 3. Sb1-c3 e7-e5 - möglich sind dort 4. c4xd5 c6xd5 5. d4xe5 d5-d4 6. Sc3-e4 Dd8-a5+ mit Rückgewinn des Bauern, oder 4. c4xd5 c6xd5 5. Sg1-f3 e5-e4 6. Sf3-e5 Sb8-c6 mit völligem Ausgleich.
  • Rausis versuchte sich als Schwarzer mit der nachträglichen Annahme 3. Sg1-f3 d5xc4 4. e2-e3 Lc8-e6 (5. Sf3-g5 scheitert am Doppelangriff Dd8-a5+) und als Weißer mit 3. Sg1-f3 Sg8-f6 4. Dd1-c2 d5xc4 5. e2-e4
    • Halbslawische Verteidigung
    • Wegen der Einschließung des Lc8 durch e7-e6 entstehen nach 2. … c7-c6 3. Sg1-f3 Sg8-f6 4. Sb1-c3 e7-e6 und 2. … c7-c6 3.Sc3 e6 Systeme der eher eigenständigen Halbslawische Verteidigung wie:
      • Das Noteboom-System 3. Sb1-c3 e7-e6 4. Sg1-f3 d5xc4
      • Das Slawische Gambit 3. Sb1-c3 e7-e6 4. e2-e4
      • Das Meraner System 3. Sg1-f3 Sg8-f6 4. Sb1-c3 e7-e6 5. e2-e3 Sb8-d7 6. Lf1-d3 d5xc4
      • Das Botwinnik-System, auch Antimeraner Gambit genannt: 3. Sg1-f3 Sg8-f6 4.Sb1-c3 e7-e6 5. Lc1-g5

Stellungen nach

    • 1.d2-d4 d7-d5 2.c2-c4 c7-c6 3.Sg1-f3 Sg8-f6 4.g2-g3

können wegen der geplanten Aufstellung des weißen Läufers auf g2 zur Katalanischen Eröffnung gezählt werden.

Literatur[Bearbeiten]