Slawskoje

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Siedlung
Slawskoje/Kreuzburg
Славское
Föderationskreis Nordwestrussland
Oblast Kaliningrad
Rajon Bagrationowsk
Gegründet 1240
Frühere Namen Creuzburg i. Ostpr. (bis 1931),
Kreuzburg (Ostpr.) (bis 1946)
Zeitzone UTC+3
Telefonvorwahl (+7) 4015667
Postleitzahl 238420
Kfz-Kennzeichen 39, 91
OKATO 27 203 822 001
Geographische Lage
Koordinaten 54° 30′ N, 20° 27′ O54.50416666666720.443055555556Koordinaten: 54° 30′ 15″ N, 20° 26′ 35″ O
Slawskoje (Russland)
Red pog.svg
Lage in Russland
Slawskoje (Oblast Kaliningrad)
Red pog.svg
Oblast Kaliningrad
Creuzburg, nordöstlich von Braunsberg und südwestlich von Königsberg i. Pr. auf einer Landkarte von 1910 (seinerzeit Kreuzburg geschrieben).

Slawskoje (russisch Славское, deutsch Creuzburg i. Ostpr. (1931-1946 Kreuzburg (Ostpr.)), litauisch Kryžbarkas, polnisch Krzyżbork), ist ein Ort in der russischen Oblast Kaliningrad im ehemaligen Ostpreußen. Er gehört zur Dolgorukowskoje selskoje posselenije (Landgemeinde Dolgorukowo (Domtau)) und liegt im Rajon Bagrationowsk (Kreis Preußisch Eylau).

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Die Lage

Die einstige Stadt Kreuzburg lag in der Provinz Ostpreußen, Regierungsbezirk Königsberg, Landkreis Preußisch Eylau. In der Gegenwart gehört das Stadtgebiet, heute als „Siedlung“ (russisch: possjolok) eingestuft, zum russischen Staatsgebiet, Oblast Kaliningrad, Rajon Bagrationowsk. Der ehemalige und nicht näher benannte Wohnplatz im Norden der Stadt und jenseits des Flüsschens Pasmar (russisch: Maiskaja) ist heute eine eigene Siedlung mit Namen Sadowoje, die nun aber nicht - wie Slawskoje - zur Landgemeinde Dolgorukowo (Domtau), sondern zur Niwenskoje selskoje posselenije (Landgemeinde Niwenskoje (Wittenberg)) gehört.

[Bearbeiten] Geschichte

[Bearbeiten] Ordensburg

Um 1240 errichteten die Ritter des Deutschen Ordens die in ihrer Provinz Natangen gelegenene Ordensburg Kreuzburg an der Stelle einer alten Festung der Prußen. Diese Burg verfiel schon im Spätmittelalter zur Ruine, doch blieb ihr stilisiertes Abbild im Wappen der Stadt erhalten.

[Bearbeiten] Stadtgründung

Lage in der Oblast
Creuzburg-slawskoje.JPG
Stadtwappen

Zwischen der Ordensburg im Süden und dem Fluss Pasmar im Norden wurde auf einer hochwassergeschützten Anhöhe die mit eigenen Mauern und Toren gesicherte und um einen rechteckigen Marktplatz im Zentrum angelegte Stadtanlage mit der im Süden befindlichen Stadtkirche besiedelt.

[Bearbeiten] Stadtrechtvergabe

Bereits 1315 erhielt Kreuzburg durch den damaligen Ordensmarschall Heinrich von Plötzke die Stadtrechte nach Kulmer Vorbild.

Die beistehende historische Abbildung zeigt die Stadt von Norden mit einer Mühle bei der Pasmar-Brücke sowie der bereits im Verfall befindlichen Stadtmauer und dem Rathaus auf dem Marktplatz und der Stadtkirche.

[Bearbeiten] Stadtentwicklung

Bedingt durch die landschaftlichen und rauhen klimatischen Bedingungen und die relative Nähe zur Großstadt Königsberg blieb die eigene Stadtentwicklung gehemmt, Kreuzburg war eine bescheidene Ackerbürgerstadt, die kaum jemals mehr als 2000 Einwohner in ihren Grenzen beherbergte. Die Stadt war im Königreich Preußen auch Poststation. Das direkte Umland der Stadt blieb nur dünn besiedelt, etwa 20 weilerartige Siedlungen und Güter nutzten die Stadt als Versorgungsmittelpunkt.

[Bearbeiten] Industrialisierung

Neben einigen Mahlmühlen und einem Sägewerk besaß die Stadt um 1900 eine Molkerei, eine Ziegelei, das Amtsgericht und Gefängnis sowie eine Schule. Die nördliche Ausfallstraße führte in Richtung Königsberg, eine östliche Abzweigung nach Tharau. In südlicher Richtung führte diese Hauptstraße weiter nach Preußisch Eylau.[1]

[Bearbeiten] Verkehrsentwicklung

Die Eisenbahnhaupttrasse Berlin-Königsberg wurde an Kreuzburg vorbei gebaut. Erst 1908 erhielt die Stadt Anschluss durch die Kleinbahn Tharau–Kreuzburg nach Tharau an der Staatsbahnstrecke Königsberg-Rastenburg. Mit dem Bau der Reichsautobahn (heute russische Fernstraße R 516) von Königsberg nach Elbing erhielt auch Kreuzburg einen etwa 5 km entfernte Autobahnauffahrt bei dem Dorf Sollnicken.[2] Bis Anfang der 1930er Jahre wurde die Stadt in der Form Creuzburg in Ostpreußen geschrieben. Durch das geringe Wirtschaftswachstum blieb die sehr regelmäßige Anlage der Stadt bis 1945 vollständig erhalten.

[Bearbeiten] Kriegsereignisse und Zerstörung

Im Februar 1945 wurde heftig um Kreuzburg gekämpft, die Stadt befand sich im Heiligenbeiler Kessel was die fast vollständige Zerstörung der Stadt zur Folge hatte. Von der Stadtkirche blieb nur der Turmstumpf erhalten, das Kirchenschiff mit der im 16. Jahrhundert von einem Rigaer Meister geschaffenen Kanzel nebst Ratsgestühl brannte vollkommen aus. Heute sind nur zwei Wohnhäuser in der Kirchenstraße aus der Vorkriegszeit erhalten.

[Bearbeiten] Nachkriegsentwicklung

Nach dem Zweiten Weltkrieg lag Kreuzburg im südlichen Teil des Sperrgebietes um die nun sowjetische Hafenstadt Kaliningrad. Ein Wiederaufbau der Stadt unterblieb, der Ort wurde in Slawskoje umbenannt und verlor das Stadtrecht.[3]

[Bearbeiten] Slawski sowjet (Dorfsowjet)

Bis zum Jahre 2009 war Slawskoje zentraler Ort des nach ihm benannten Slawski sowjet (Dorfsowjet Slawskoje) innerhalb des Rajon Bagrationowsk. Zu seinem Bezirk gehörten 27 Ortschaften:

Heutiger Name Name (bis 1946) Heutiger Name Name (bis 1946)
Grigorjewo,
ab 1993: Pobereschje
Kissitten
bei Kreuzburg
Pobereschje Schnakeinen
Gruschewka Seeben Pobereschje Neu Schnakeinen
Jelino Pasmarshof Podgornoje Penken
Krasnoarmeiskoje Sollau Pugatschjowo Wilmsdorf
Krasnoarmeiskoje,
bis 1992: Saretschje
Kilgis Puschkino Posmahlen
Krasnosnamenskoje Dollstädt Salessje Neu Sollau
Krasnosnamenskoje Vogelsang Sewerjanka Neu Posmahlen und Sophienberg
Lermontowo Boggentin Pobereschje,
bis 1992: Sidorowo
Porschkeim
Lermontowo Wogau Sosnowka Groß Labehnen
Lugowoje Klein Park Woinowo Barslack
Malinowka Glauthienen Woinowo Döbnicken
Oktjabrskoje Moritten Wolschskoje Schmerkstein
Perwomaiskoje Kavern Wyssokoje Tiefenthal

Anlässlich einer Struktur- und Verwaltungsreform im Jahre 2009[4] wurde der Dorfsowjet Slawkoje aufgelöst und ein großer Teil der Orte (so auch Slawskoje selbst) als jeweils „Siedlung“ (russisch: possjolok) genannte Ortschaften in die neu gebildete Landgemeinden Dolgorukowo (Domtau) bzw. Pogranitschny (Hermsdorf) eingegliedert. Die übrigen Orte werden nicht mehr nachgewiesen.

[Bearbeiten] Einwohnerentwicklung

  • 1875: 2.004
  • 1885: 1.976, davon 17 Katholiken und 11 Juden
  • 1910: 1.726
  • 1939: 2.005

[Bearbeiten] Kirche

[Bearbeiten] Kirchengebäude

Die Kirche stammt aus dem 14. Jahrhundert. Sie wurde im Krieg beschädigt, heute steht nur noch die Turmruine[5].

[Bearbeiten] Kirchengemeinde

Kreuzburg war ein altes Kirchdorf und bestand bereits in vorreformatorischer Zeit. Die Reformation fand bereits sehr früh Eingang. War der Ort lange Zeit der Inspektion des Oberhofpredigers in Königsberg (heute russisch: Kaliningrad) unterstellt, so war sie zuletzt bis 1945 in den Kirchenkreis Preußisch Eylau (Bagrationowsk) innerhalb der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union zugeordnet.

Heute besteht keine evangelische Gemeinde mehr in Slawskoje. Der Ort liegt jetzt im Einzugsbereich der Dorfkirchengemeinde in Gwardeiskoje (Mühlhausen), einer Filialgemeinde der Auferstehungskirche in Kaliningrad (Königsberg). Sie gehört zur Propstei Kaliningrad[6] in der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland (ELKER).

[Bearbeiten] Kirchspielorte (bis 1945)

Zu dem weitflächigen Kirchspiel Kreuzburgs gehörten bis 1945:

Name (bis 1946) Russischer Name Name (bis 1946) Russischer Name
Arnsberg Pobeda Liepnicken Saretschnoje,
bis 1992: Ostrownoje
Döbnicken Woinowo Moritten Oktjabrskoje
Globuhnen Medowoje Porschkeim Pobereschje,
bis 1992: Sidoworo
Heyde Kalmykowo Schnakeinen Pobereschje
Kavern Perwomaiskoje Sollau Krasnoarmeiskoje
Kilgis Krasnoarmeiskoje,
bis 1992:Saretschje
Sollnicken Medowoje
Kissitten
bei Kreuzburg
Pobereschje,
bis 1992: Grigorjewo
Struwe Pobeda
Klein Labehnen Sosnowka Tiefenthal Wyssokoje
Krücken Kamenka Tykrigehnen Medowoje

[Bearbeiten] Pfarrer (bis 1945)

In der Zeit von der Reformation bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges bestanden in Kreuzburg zwei Pfarrstellen. Es amtierten als evangelische Geistliche[7]:

  • NN., 1528
  • Michael Spillmann, 1559
  • Johann Gansewind, bis 1565
  • NN., 1567
  • Hermann Eifler, 1573-1583
  • Johann Haas, bis 1584
  • Johann Rudolph
  • NN., bis 1589
  • Nicolaus Prätorius, 1592-1602
  • Michael N., bis 1602
  • Johann Stobäus, 1602-1619
  • Heinrich Haltermann
  • Heinrich Frischeintz, 1619-1621
  • Michael Wegner, 1620-1645
  • Jacob Christison, 1621-1624
  • Gustav Coggius, 1624-1668
  • Nicolaus Rittershusius, 1645-1672
  • Christoph Hülner, 1668-1693
  • Abraham Klein, 1672-1721
  • Johann Klopcke, 1693-1718
  • Christoph Stephani, 1719-1723
  • Josua Schusterus, 1721-1729
  • Christoph Stephani, 1719-1723
  • Johann Jacob Milo, 17231733
  • Johann Friedrich Straube, 1729-1768
  • Johann H.. Daniel Moldenhawer, 1733-1737
  • Johann Grünenberg, 1738-1782
  • Paul Thomas Anderson, 1768-1793
  • Johann Salomo Grünenberg, 1783-1805
  • Johann Jacob Feggler, 1792-1800
  • Johann Philipp Schröder, 1793-1828
  • Friedrich Wilhelm Fischer, 1801-1807
  • Johann Immanuel Schiemann, 1808-1813
  • Georg Friedrich Sande, 1814-1831
  • August Wilhelm Schulze, 1829-1864
  • Julius Lilienthal, 1831-1854
  • Alexander O.H. Stoboy, 1842-1882
  • Rudolf Ottomar E. Kleist, 1864-1886
  • Max Schliepe, 1885-1887
  • Georg Schmidt, 1886-1908
  • Ernst Gotthard P. Neumann, 1888-1896
  • Erdmund Johannes Höhne, 1897-1899
  • Johann Theodor W. Sterner, 1899-1910
  • Gottfried Wilhelm Steckel, 1909-1915
  • Franz Georgesohn, 1910-1915
  • Paul Friedrich Ferdinand Hafke, 1916-1931
  • Hans Hermenau, 1919-1920
  • Walter Becker, 1921-1925
  • Arno Gronert, 1925-1945
  • Lothar Guhl, 1931-1934
  • Friedrich Schumacher, 1935-1942
  • Arno Stritzel, 1942-1945

[Bearbeiten] Söhne und Töchter der Stadt

  • Franz Boy, Vizepräsident des OLG Königsberg
  • Hermann von Boyen, preußischer Militär
  • Michael Kongehl, deutscher Barockdichter
  • Wilhelm Reichermann, (1845–1920) ostpreußischer Heimatdichter
  • Wilhelm Sahm, (1873–1944) Heimatforscher

[Bearbeiten] Verweise

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Reichsamt für Landesaufnahme TK25 - Blatt 1588 Kreuzburg in Ostpr., Berlin 1910
  2. Reichsamt für Landesaufnahme TK25 - Blatt 1488 Mahnsfeld, Berlin 1908
  3. Alexander von Normann, Heinrich Lange: Nördliches Ostpreussen. Gegenwart und Erinnerung einer Kulturlandschaft. S.233–235
  4. Nach dem Gesetz über die Zusammensetzung und Territorien der munizipalen Gebilde der Oblast Kaliningrad vom 25. Juni/1. Juli 2009, nebst Gesetz Nr. 253 vom 30. Juni 2008, präzisiert durch Gesetz Nr. 370 vom 1. Juli 2009
  5. Kreisgemeinschaft Preußisch Eylau
  6. Evangelisch-lutherische Propstei Kaliningrad
  7. Friedwald Moeller, Altpreußisches Evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg, 1968, Seite 28-29

[Bearbeiten] Weblink

[Bearbeiten] Siehe auch

54.49777777777820.443055555556Koordinaten: 54° 30′ N, 20° 27′ O

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