Slip carriage

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Ein slip carriage oder slip coach ist ein Personenwagen, der während der Fahrt vom Zug abgekuppelt und im nächsten Bahnhof angehalten wird.

In Europa kamen slip carriages nur in Großbritannien zum Einsatz. Die dortigen Eisenbahngesellschaften standen unter großem Wettbewerbsdruck und waren bestrebt, die Reisezeiten so kurz wie möglich zu halten und auf Zwischenhalte möglichst zu verzichten.

Um auch Zwischenstationen bedienen zu können, ohne Zeit für den Halt zu verlieren, wurden am Zugende ein oder mehrere slip carriages angehängt. Vor der Einfahrt in den Zielbahnhof des Wagens wurde die Kupplung getrennt. Das Fahrzeug rollte in den Bahnhof und wurde vom Schaffner mit der Handbremse am Bahnsteig angehalten, während der Zugstamm den Bahnhof mit der zulässigen Höchstgeschwindigkeit durchfahren konnte.

Der Einsatz von slip carriages hatte verschiedene Nachteile. Die Reisemöglichkeit bestand nur in eine Richtung. Im Zielbahnhof musste eine Lokomotive zur Abstellung des Wagens bereitstehen und der Wagen musste für die Rückfahrt zum Ausgangsbahnhof einem anderen Zug beigestellt werden. Jeder slip carriage eines Zuges musste zudem mit einem hierfür ausgebildeten Schaffner besetzt sein.

Die ersten slip coaches wurden 1851 (andere Quellen: 1858) eingesetzt, die meisten Verbindungen bestanden in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg. Wegen des damit verbundenen Aufwandes wurde diese Betriebsweise im Laufe der Jahre unwirtschaftlich. Während des Zweiten Weltkriegs verkehrten keine slip coaches, danach nur noch auf Strecken der Great Western Railway (GWR). Nach der Verstaatlichung der GWR im Jahr 1948 gab es noch rund zwölf Verbindungen mit slip coaches. Ab 1959 blieb davon nur noch ein Wagen nach Bicester, im September 1960 verschwand diese Betriebsweise endgültig.

Aus heutiger (und kontinentaleuropäischer) Sicht erscheint es gefährlich, einen Personenwagen während der Fahrt abzukuppeln und ausrollen zu lassen. Das ist nicht der Fall. Das Verfahren wurde von renommierten Eisenbahngesellschaften über Jahrzehnte ohne Einfluss auf die Unfallstatistik praktiziert.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]