Slup (Mähren)

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Slup
Wappen von Slup
Slup (Mähren) (Tschechien)
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Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Jihomoravský kraj
Bezirk: Znojmo
Fläche: 1573 ha
Geographische Lage: 48° 47′ N, 16° 12′ O48.78138888888916.199166666667191Koordinaten: 48° 46′ 53″ N, 16° 11′ 57″ O
Höhe: 191 m n.m.
Einwohner: 473 (1. Jan. 2014) [1]
Postleitzahl: 671 28
Struktur
Status: Gemeinde
Ortsteile: 2
Verwaltung
Bürgermeister: František Jeleček (Stand: 2006)
Adresse: Slup 42
671 28 Jaroslavice
Gemeindenummer: 594784
Website: www.slup.cz

Slup (tschechisch bis 1945 Čule, deutsch Zulb) ist eine tschechische Gemeinde im Jihomoravský kraj (Südmähren). Slup liegt etwa 15 km südöstlich der Kreisstadt Znojmo (Znaim) und etwa 5 km von der Grenze zu Österreich entfernt. Der Ort selbst ist als ein Längsangerdorf angelegt.

Geographie[Bearbeiten]

Die Nachbarorte sind im Nordosten Valtrovice (Waltrowitz), im Osten Křídlůvky (Klein Grillowitz), im Südosten Jaroslavice (Joslowitz) und im Nordwesten Strachotice (Rausenbruck).

Geschichte[Bearbeiten]

Die Anlage des Ortes und die „ui“- Mundart (bairisch-österreichisch) mit ihren speziellen Bairischen Kennwörtern weisen auf eine Besiedlung durch bayrische deutsche Stämme hin, wie sie vor allem im 12/13. Jahrhundert erfolgte.[2] Die erste urkundliche Erwähnung der Ortschaft findet sich in einer Urkunde König Ottokars I. vom 7. November 1228. Eine vorher (1052) datierte Erwähnung stellte sich als Fälschung aus dem 12. Jahrhundert heraus. Der Ort stand im 14. Jahrhundert unter der Herrschaft des Nonnenstifts Oslawan.[3] Im Jahre 1509 wurde der Ort von König Wladislaw an einen Wilhelm von Pernstein verpfändet. Ab 1548 gehörte der Ort samt Meierhof zur Herrschaft Joslowitz. Zwar wurde Zulb schon 1516 als Markt bezeichnet, doch erfolgte die Markterhebung erst 1860.[4] Zu Zeit der Reformation war der Ort von 1560 bis 1609 evangelisch. Nach der Niederschlagung des Ständeaufstandes in Böhmen, welcher den Dreißigjährigen Krieg auslöste, wurde die Besitzungen der aufständischen Adligen vom Kaiser konfisziert und an andere Adlige verkauft. So kam Zulb unter die Herrschaft von Kardinal Dietrichstein, welcher die Gegenreformation einleitete und somit den Ort wieder zum katholischen Glauben zurückführte. Matriken werden seit 1650 geführt. Onlinesuche über das Landesarchiv Brünn. [5] Im Jahre 1735 wird der erste Lehrer im Ort genannt. In die Volksschule gingen auch die Kinder der Nachbarortschaften Miezmanns und Klein-Olkowitz. Im Jahre 1829 wird die Schule ausgebaut und aufgrund der Nachfrage wird eine vierklassige Schule 1889 neu gebaut.

Die Mühle des Ortes, ein über 400 Jahre altes Bauwerk im Stil der Renaissance und mit vier Wasserrädern die größte Mühle in ganz Mähren, beherbergt heute das südmährische Mühlenmuseum. Die letzte Wallfahrt nach Mariazell findet 1907 statt.[6] Der größte Teil der Einwohner lebten von der Landwirtschaft, wobei der in Südmähren seit Jahrhunderten gepflegte Weinbau eine besondere Rolle einnahm. Auch die Jagd war mit jährlich 800 geschossenen Hasen einträglich. Neben der Landwirtschaft gab es auch das übliche Kleingewerbe.

Einer der Nachfolgestaaten Österreich-Ungarns nach dem Ersten Weltkrieg, 1914–1918, war die Tschechoslowakei, die jene deutschsprachigen Gebiete Böhmens, Mährens und Österreichisch-Schlesiens für sich beanspruchte, die seit Ende 1918 als Deutschösterreich galten. Der Erste Weltkrieg forderte 49 Gefallene beziehungsweise Vermisste. Der Vertrag von St. Germain[7] sprach diese strittigen Territorien gegen den Willen der dortigen deutschen Bevölkerung der Tschechoslowakei zu. Damit fiel auch Zulb, dessen Bewohner 1910 ausschließlich Deutschsüdmährer waren, an den neuen Staat. In der Zwischenkriegszeit führten die hohe Arbeitslosigkeit unter der deutschen Bevölkerung, Maßnahmen wie die Bodenreform 1919, die Sprachenverordnung 1926, Neuansiedlungen sowie Neubesetzungen von Beamtenposten durch Personen tschechischer Nationalität, zu vermehrten Spannungen im ganzen Lande. [8] Als auch die von den Sudetendeutschen geforderte Autonomie nicht verhandelt wurde und bewaffnete Konflikte drohten, veranlassten die Westmächte die tschechische Regierung zur Abtretung der Randgebiete an Deutschland. Dies wurde im Münchner Abkommen[9] geregelt. Somit wurde Zulb mit 1.Oktober 1938 ein Teil des deutschen Reichsgaus Niederdonau. In diesen Jahren war der Ort Klein-Olkowitz (heute: Oleksovičky) in Zulb eingemeindet.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, welcher 101 Gefallene und Vermisste forderte, kam am 8. Mai 1945 die Gemeinde wieder zur Tschechoslowakei zurück. Bei den einsetzenden Schikanen und Folterungen durch tschechische Milizen kam ein Mann zu Tode. [10] Das Beneš-Dekret 115/1946 schützte vor einer juristischen Aufarbeitung der Geschehen. Viele Deutschsüdmährer flohen, andere wurden, vor allem am 8.August 1945, wild über die Grenze nach Österreich vertrieben. Beim Versuch einer Nachkriegsordnung nahmen die Siegermächte des Zweiten Weltkrieges am 2. August 1945 im Potsdamer Protokoll, Artikel XIII, zu den wilden und kollektiv verlaufenden Vertreibungen der deutschen Bevölkerung konkret nicht Stellung. Explizit forderten sie jedoch einen „geordneten und humanen Transfer" der "deutschen Bevölkerungsteile", die „in der Tschechoslowakei zurückgeblieben sind“. [11] Zwischen dem März und dem Oktober 1946 wurden 52 Zulber nach Westdeutschland Zwangsaussiedlung. 26 Personen verblieben im Ort, der wieder neu besiedelt wurde. Das Vermögen der deutschen Bewohner wurde durch das Beneš-Dekret 108 konfisziert und die katholische Kirche in der kommunistischen Ära enteignet. Eine Restitution ist seitens der Tschechischen Republik nicht erfolgt.

Die in Österreich befindlichen Zulber wurden entsprechend den im Potsdamer Kommuniqués genannten "Transfer"-Zielen bis auf ca.190 Personen nach Deutschland abgeschoben. Acht Personen wanderten in andere Länder aus. [12] [13] [14]

Nach dem Krieg wurde durch Spenden der Vertriebenen eine Ehrentafel für die Gefallenen des Ersten und Zweiten Weltkrieges errichtet und das Grab des Dekans Franz Windisch (Gruft der Familie Holly aus dem Jahre 1810) sowie die Statuen des hl. Sebastian und des hl. Nepomuk am Zulber Friedhof renoviert.

Wappen und Siegel[Bearbeiten]

Im Jahre 1649 entstand das erste Siegel des Ortes. Es enthält ein Schildchen, das einen Hügel mit drei herauswachsenden Lilien zeigt. Seitlich der Blüten sind Rosetten erkennbar, so dass der Gesamteindruck eines Blumenstraußes entsteht. Nach der Markterhebung im Jahre 1860 wurde das Siegel bis 1892 weitergeführt. Um 1937 führte Zulb einen bildlosen Gemeindestempel.[15]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Volkszählung Einwohner gesamt Volkszugehörigkeit der Einwohner
Jahr Deutsche Tschechen Andere
1880 1216 1216 0 0
1890 1303 1303 0 0
1900 1330 1330 0 0
1910 1382 1379 0 3
1921 1380 1285 69 26
1930 1367 1277 73 17

[16]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Pfarrkirche Maria Namen (1228), Taufstein aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts, renoviert im Jahre 1845, Neugotischer Hochaltar von 1867 mit 7 Statuen, Kapelle des Hl.Sebastian (17.Jahrhundert)
  • Statue des hl. Sebastian (1860), renoviert im Jahre 1832 und 1913 wegen Blitzschlag neu errichtet
  • Bildstock des hl. Nepomuk (1. Hälfte des 18. Jahrhunderts)
  • Bildstöcke (hl. Sebastian (1860) und hl. Nepomuk) [17]
  • Mühle (16.Jahrhundert), heute Aussenstelle des Technischen Museums in Brünn

Brauchtum[Bearbeiten]

Reiches Brauchtum sowie zahlreiche Märchen und Sagen bereicherten das Leben der 1945/46 vertriebenen deutschen Ortsbewohner:

  • Neben dem Kirtag am 2. Sonntag im September ist der „Kreuzmontag“, der ehemalige Jahrmarkt- und Wallfahrtstag, das zweite große Ereignis im Ort. Die Kaufleute stellen dann ihre Buden auf und am Sonntag wird das Hochamt gefeiert.
  • Mitte Mai war die große Prozession während der Bittage von der Kirche zum Hl. Sebastian (1.Andacht), zu Steinerkreuz mit Dreifaltigkeitsstatue (2. Andacht), Richtung Geißberge zum Wuchtykreuz (3. Andacht), zurück zur Malter an der Hauptstraße (4. Andacht), zum Glockenhaus in Klein-Olkowitz (5. Andacht), über den Kirchweg und die Lukabruck zum Hl. Nepomuk (6. Andacht), Schlussandacht in der Kirche in Zulb.
  • Jährlich gab es eine Wallfahrt zu Christi Himmelfahrt zur Wallfahrtskirche Maria Dreieichen bei Horn. Die letzte Wallfahrt fand im Jahre 1943 statt.

Die Sagen von

  • der Wallfahrtskirche "Maria unter den Weiden"
  • dem vergrabenen Wandlungsglöcklein
  • dem Gehenkten, der seine gestohlene Lunge zurückwollte
  • den Glasstoana
  • dem Kreuzlein am Armensünderweg[18]

Literatur[Bearbeiten]

  • Wenzel Max: Thayaland, Volkslieder und Tänze aus Südmähren, 1984, Geislingen/Steige
  • Ilse Tielsch-Felzmann: Südmährische Sagen. 1969, München, Verlag Heimatwerk
  • Karl Bauer: Die alten Sagen von Zulb
  • Karl Bauer: Alte Sagen von Klein Olkowitz und Zulb (1999)
  • Karl Bauer: Ehe- und Verkündigungsbuch Katholisches Pfarramt Zulb
  • Karl Bauer: Pfarrgemeinde Zulb, Südmähren
  • Thomas Berger: Vorläufiges Anschriftenverzeichnis der ehemaligen Einwohner der Gemeinde Zulb (1970)
  • Thomas Berger: Heimatbuch Zulb von Johann Mühlberger (1982)
  • Thomas Berger: Heimatbuch Zulb Kreis Znaim 6. Teil (1993/94)
  • Thomas Berger: Gegeben zu Zulb (1998)
  • Emilia Hrabovec: Vertreibung und Abschub. Deutsche in Mähren 1945 – 1947, Frankfurt am Main/ Bern/ New York/ Wien (=Wiener Osteuropastudien. Schriftenreihe des österreichischen Ost- und Südosteuropa Instituts), 1995 und 1996
  • Felix Ermacora: Die sudetendeutschen Fragen, Rechtsgutachten, Verlag: Langen Müller, 1992, ISBN 3-7844-2412-0
  • Peter Glotz: Die Vertreibung, Ullstein, Hamburg 2003, ISBN 3-550-07574-X

Quellen[Bearbeiten]

  • Felix Bornemann: Kunst und Kunsthandwerk in Südmähren, Zulb, s. 45, C. Maurer Verlag, Geislingen/Steige 1990, ISBN 3-927498-13-0
  • Bruno Kaukal: Die Wappen und Siegel der südmährischen Gemeinden , Zulb, s. 269f, Josef Knee,Wien 1992, ISBN 3-927498-19-X
  •  Alfred Schickel, Gerald Frodl: Geschichte Südmährens. Band 3. Die Geschichte der deutschen Südmährer von 1945 bis zur Gegenwart. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige 2001, ISBN 3-927498-27-0, S. 289 (Zulb).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Slup – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2014 (PDF; 504 KiB)
  2. Leopold Kleindienst:Die Siedlungsformen, bäuerliche Bau- und Sachkultur Südmährens, 1989, S. 9
  3. Gregor Wolny:Markgrafschaft Mähren.,1837,s.296
  4. Codex diplomaticus et epistolaris Moraviae, Band II, S.192
  5. Acta Publica Registrierungspflichtige Online-Recherche in den historischen Matriken des Mährischen Landesarchivs Brünn (cz,dt). Abgerufen am 24. April 2011.
  6. Walfried Blaschka, Gerald Frodl:Der Kreis Znaim von A bis Z.,2009
  7. Felix Ermacora: Der unbewältigte Friede: St. Germain und die Folgen; 1919 -1989 , Amalthea Verlag, Wien, München, 1989, ISBN 3-85002-279-X
  8. Johann Wolfgang Brügel: Tschechen und Deutsche 1918 – 1938, München 1967
  9. O. Kimminich: Die Beurteilung des Münchner Abkommens im Prager Vertrag und in der dazu veröffentlichten völkerrechtswissenschaftlichen Literatur, München 1988
  10.  Alfred Schickel, Gerald Frodl: Geschichte Südmährens. Band 3. Die Geschichte der deutschen Südmährer von 1945 bis zur Gegenwart. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige 2001, ISBN 3-927498-27-0, S. 218, 289, 409, 421, 423, 431 (Zulb).
  11. Charles L. Mee: Die Potsdamer Konferenz 1945. Die Teilung der Beute. Wilhelm Heyne Verlag, München 1979. ISBN 3-453-48060-0.
  12. Cornelia Znoy:Die Vertreibung der Sudetendeutschen nach Österreich 1945/46, Diplomarbeit zur Erlangung des Magistergrades der Philosophie, Geisteswissenschaftliche Fakultät der Universität Wien, 1995
  13. Emilia Hrabovec: Vertreibung und Abschub. Deutsche in Mähren 1945 – 1947, Frankfurt am Main/ Bern/ New York/ Wien (= Wiener Osteuropastudien. Schriftenreihe des österreichischen Ost-und Südosteuropa Instituts), 1995 und 1996
  14.  Alfred Schickel, Gerald Frodl: Geschichte Südmährens. Band 3. Die Geschichte der deutschen Südmährer von 1945 bis zur Gegenwart. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen an der Steige 2001, ISBN 3-927498-27-0, S. 218, 289, 409, 421, 423, 431 (Zulb).
  15. J. Tertsch: Heimatkunde Zulb (1898), S.22
  16. Historický místopis Moravy a Slezska v letech 1848–1960, sv.9. 1984
  17. Georg Dehio, Karl Ginhart: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler in der Ostmark, 1941, Anton Schroll & Co, Zulb S.516
  18. Zuckriegl: Im Märchenland der Thayana, 2000, Eigenverlag, 181f