Snapdragon (Spiel)

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Snapdragon (auch bekannt als Flap-dragon, Snap-dragon, oder Flapdragon, in deutschen Texten auch Drachenschnappe oder Feuerdrache) war ein in England populäres Gesellschaftsspiel vom 16. bis zum 20. Jahrhundert. Es wurde meist im Winter gespielt, zum Beispiel am Weihnachtsabend.

Ablauf[Bearbeiten]

Brandy wird in eine flache Schale gefüllt. Rosinen (oder andere Trockenfrüchte) werden hinzugegeben und der Brandy entzündet. Michael Faraday gibt den Rat „daß man, um ein recht schönes Snapdragon zu bekommen, eine vorher gut erwärmte Schale nehmen muß; auch sollte man die Pflaumen und den Branntwein vorher erwärmen.“[1] Die Lichter im Raum werden gedimmt. Reihum versuchen die Mitspieler, trotz der Gefahr von Verbrennungen mit bloßen Fingern möglichst viele Rosinen aus der brennenden Flüssigkeit zu fischen und zu essen. Erfahrenen Mitspielern gelingt es die brennenden Rosinen durch rasches Schließen des Mundes zu löschen.[2] Sieger ist, wer die meisten Rosinen gegessen hat. In einer anderen Version wird eine der Rosinen markiert und Sieger ist, wer diese „lucky raisin“ erhält.[3]


Wie in Robert Chambers' Book of Days (en) (1879) beschrieben wird das Spiel begleitet durch einen Gesang:[4]

The Song of Snapdragon.
Bild eines Snapdragon spielenden Drachens von Robert Chambers[4]


Here he comes with flaming bowl,
Don't he mean to take his toll,
Snip! Snap! Dragon!

Take care you don't take too much,
Be not greedy in your clutch,
Snip! Snap! Dragon!

With his blue and lapping tongue
Many of you will be stung,
Snip! Snap! Dragon!

For he snaps at all that comes
Snatching at his feast of plums,
Snip! Snap! Dragon!

But Old Christmas makes him come,
Though he looks so fee! fa! fum!
Snip! Snap! Dragon!

Don't 'ee fear him but be bold —
Out he goes his flames are cold,
Snip! Snap! Dragon!

Snapdragon in der Literatur[Bearbeiten]

Lewis Carroll[Bearbeiten]

Snapdragon-Fliege, Illustration von John Tenniel

Lewis Carroll erwähnt im Buch Alice hinter den Spiegeln (1871) die Snapdragon-Fliege:

«'Look on the branch above your head,' said the Gnat, 'and there you'll find a snap-dragon-fly. Its body is made of plum-pudding, its wings of holly-leaves, and its head is a raisin burning in brandy.' 'And what does it live on?' 'Frumenty and mince pie,' the Gnat replied; 'and it makes is nest in a Christmas box.' 'And then there's the Butterfly,' Alice went on, after she had taken a good look at the insect with its head on fire, and had thought to herself, 'I wonder if that's the reason insects are so fond of flying into candles -- because they want to turn into Snap-dragon-flies!'»

„"Sieh auf dem Ast über deinem Kopf", sagte die Mücke, "dort findest du eine Snapdragon-Fliege. Ihr Körper ist aus Plumpudding gemacht, die Flügel aus Blättern der Stechpalme und ihr Kopf ist eine in Brandy brennende Rosine." "Und wovon lebt sie?" "Frumenty (en) und Mince Pie," antwortete die Mücke, "und sie macht ihr Nest in einer Weihnachts-Schachtel." "Und dann ist da noch der Schmetterling," fuhr Alice fort, nachdem sie einen guten Blick auf das Insekt mit dem Kopf im Feuer genommen hatte, und dachte für sich, "Ich frage mich, ob das der Grund ist, dass Insekten so gern in Kerzen fliegen - weil sie sich in Snapdragon-Fliegen verwandeln wollen!"“

Lewis Carroll: Through the Looking-Glass, and What Alice Found There[5]

In Tim Burtons Film Alice im Wunderland begegnet Alice Snapdragon-Fliegen, die aber hier Fliegen in Drachengestalt sind.

Agatha Christie[Bearbeiten]

In Agatha Christies Buch Die Schneewittchen-Party (1969) wird zu Beginn der Handlung ein Mädchen während eines Snapdragon-Spiels (in der Übersetzung Feuerdrache) ermordet.[6] In der Verfilmung Hallowe’en Party (Film) aus der Reihe Agatha Christie’s Poirot wird das Spiel ausführlich gezeigt, der Gesang tritt wiederholt zur Untermalung der Handlung auf.

Michael Faraday[Bearbeiten]

Michael Faraday erwähnt in seinem Essay Naturgeschichte einer Kerze (1861) das Spiel Snapdragon und erklärt die wissenschaftlichen Hintergründe.[1]

Lingua[Bearbeiten]

Im Theaterstück Lingua, or the Combat of the Tongue and the Five Senses for Superiority (1607) wird die Vermutung geäußert, dass das Spiel auf Hercules zurückgeht, zur Erinnerung an dessen Kampf mit dem feuerspeienden Drachen im Garten der Hesperiden.[7]

Charles Dickens[Bearbeiten]

Charles Dickens lässt in seinem ersten Roman Die Pickwickier die Hauptfigur Samuel Pickwick das Spiel (in der Übersetzung Drachenschnappe) spielen.[8]

Juliana Horatia Ewing (en)[Bearbeiten]

In der Geschichte Snap-Dragons (1888) von Juliana Horatia Ewing erwachen die Snap-Dragons nach dem Spiel zum Leben und wirken erzieherisch auf den streitsüchtigen Harry.[9]

Elbridge Streeter Brooks (en)[Bearbeiten]

In der Kurzgeschichte Master Sandy's Snapdragon (um 1890) von Elbridge Streeter Brooks erhält der elfjährige Prinz Charles 1611 die „lucky raisin“ und erbittet als Siegerpreis von seinem Vater König James die Freilassung von Walter Raleigh.[3]

Weblinks[Bearbeiten]

  • Fitzgerald, Waverly: Playing Snapdragon. In: School of the Seasons. 28. Juli 2009, abgerufen am 29. Juli 2010 (englisch).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b  Michael Faraday: Naturgeschichte einer Kerze. Mit einer Einleitung und Biografie von Peter Buck. Didaktischer Dienst Franzbecker, Hildesheim 1980 (Originaltitel: The Chemical History of a Candle), ISBN 3-88120-010-X, S. 50ff (Englische Online-Version Deutsche Online-Version, abgerufen am 3. August 2010).
  2.  Samuel Johnson: A dictionary of the English language. in which the words are deduced from their originals, explained in their different meanings and authorized by the names of the writers in whose works they are found. Richard Bentley, London 1785, S. 674 (Online-Version, abgerufen am 29. Juli 2010).
  3. a b  Elbridge Streeter Brooks: Master Sandy's Snapdragon. In: Asa Don Dickinson, Ada M. Skinner (Hrsg.): The Children's Book of Christmas Stories. IndyPublish.com, Whitefish 2003, ISBN 1-4043-4637-6 (Reprint, Online-Version bei Project Gutenberg, abgerufen am 30. Juli 2010).
  4. a b  Robert Chambers: Chambers's Book of Days. J. B. Lippincott & Co., Philadelphia 1879 (Online-Version mit Suchfunktion Online-Faksimile-Version, abgerufen am 29. Juli 2010).
  5.  Lewis Carroll, John Tenniel (Illustrator): Alice hinter den Spiegeln. Insel Taschenbücher, Nr.97. Insel, Frankfurt 1993 (Originaltitel: Through the Looking-Glass, übersetzt von Christian Enzensberger), ISBN 3-458-31797-X (Englische Online-Version, abgerufen am 29. Juli 2010).
  6.  Agatha Christie: Schneewittchen-Party. 3. Auflage. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt 2005 (Originaltitel: Hallowe'en Party, übersetzt von Hiltgunt Grabler), ISBN 3-596-16951-8.
  7.  Robert Dodsley, Isaac Reed, Octavius Gilchrist, John Payne Collier (Hrsg.): Lingua, or the Combat of the Tongue and the Five Senses for Superiority. In: A Select Collection of Old Plays. in twelve volumes. V, Septimus Prowett, London 1825, S. 180f (Online-Version bei google-books, abgerufen am 30. Juli 2010).
  8.  Charles Dickens: Die Pickwickier. 6. Auflage. Diogenes, Zürich 2002 (Originaltitel: The Posthumous Papers of the Pickwick Club, übersetzt von Gustav Meyrink), ISBN 3-257-21405-7, 28 (Deutsche Online-Version Englische Online-Fassung, abgerufen am 30. Juli 2010).
  9.  Juliana Horatia Ewing (en), Society for Promoting Christian Knowledge (Hrsg.): Snap-Dragons. A Tale of Christmas Eve. London 1888 (Online-Version, abgerufen am 31. Juli 2010).