Snowpiercer

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Filmdaten
Deutscher Titel Snowpiercer
Originaltitel Snowpiercer
설국열차
Seolgugyeolcha
Produktionsland Südkorea
USA
Originalsprache Englisch
Koreanisch
Erscheinungsjahr 2013
Länge 126 Minuten
Altersfreigabe FSK 16[1]
Stab
Regie Bong Joon-ho
Drehbuch Bong Joon-ho
Kelly Masterson
Produktion Park Chan-wook
Lee Tae-hun
Park Tae-jun
Dooho Choi
Robert Bernacchi
David Minkowski
Matthew Stillman
Musik Marco Beltrami[2]
Kamera Hong Kyung-pyo
Schnitt Steve M. Choe
Besetzung

Snowpiercer ist ein Science-Fiction-Actionfilm aus dem Jahre 2013, der auf den französischen Comics Schneekreuzer (Le Transperceneige) von Jacques Lob, Benjamin Legrand und Jean-Marc Rochette basiert. Es ist der erste englischsprachige Film des südkoreanischen Regisseurs und Drehbuchautors Bong Joon-ho, der durch den 2006 erschienenen Monsterfilm The Host weltbekannt wurde. In Südkorea hatte der Film seine Premiere am 31. Juli 2013 und lief am 1. August 2013 in den Kinos an. Der deutsche Kinostart war am 3. April 2014.

Handlung[Bearbeiten]

In einer postapokalyptischen Zukunft sollte ein misslungenes Experiment die globale Erwärmung stoppen und zieht stattdessen eine globale Eiszeit nach sich, in der alles Leben auf der Erde erfroren ist. Die einzigen Überlebenden der Menschheit sind auf engstem Raum im Snowpiercer zusammengepfercht, einem überlangen Zug, der rund um den Planeten reist und durch ein Perpetuum mobile angetrieben wird. Im Zug herrscht ein Zweiklassensystem. Die Unterschicht wird im Zugende zusammengepfercht und unter erbärmlichen Bedingungen geknechtet. Nachdem zum wiederholten Male Kinder „nach vorne“ entführt worden sind und erneut einer der Unterdrückten durch eine drakonische Bestrafung einen Arm verliert, organisiert der rebellische Curtis mit der Unterstützung des alten Gilliam einen Aufstand.

Die Unterdrückten beginnen, sich durch die einzelnen Zugabteilungen nach vorn zur so genannten „Maschine“ vorzuarbeiten, um so die Kontrolle über den Zug zu übernehmen. Sie durchbrechen zunächst noch relativ leicht die ersten Wachabteile, welche die weiter vorne liegenden Waggons abschirmen, und gelangen in einen Wagen, in dem viele Menschen in Schlafsärgen gefangen gehalten werden. Unter ihnen sind der drogensüchtige Namgoong, dessen Aufgabe die Konstruktion der Schließmechanismen der Zugtüren war, und seine Tochter Yona, die den Aufständischen um Curtis und Gilliam nach und nach die nächsten Schotte öffnen können. Zum ersten Mal entdecken sie Fenster nach draußen, wo eine im Eis erstarrte, weiße Welt ohne jegliches Leben zu sehen ist. Sie gelangen über das Abteil der Nahrungsherstellung vor die Wasserversorgung. Diese wird jedoch schwer bewacht und es kommt zum Kampf zwischen den Truppen von Ministerin Mason und den Aufständischen. Als der Snowpiercer in einen langen Tunnel fährt, verfügen nur die Wachen über Nachtsichtgeräte und können in der absoluten Finsternis viele Aufständische töten. Erst als vom Zugende Fackeln nach vorne gebracht werden, können sie die Oberhand gewinnen und Curtis schließlich Mason gefangen nehmen; Curtis' Freund Edgar stirbt jedoch bei den Kämpfen. Die Ministerin öffnet ihnen den Zugang zu den weiter vorne liegenden Abteilen des Zuges, wo sie ein Gewächshaus, ein Aquarium und ein Schlachthaus passieren. Immer deutlicher wird, in welchem Wohlstand die vorderen Zugbewohner leben. Im nächsten Abteil befindet sich eine Schule, in der Kinder unterrichtet werden. Hier sind die entführten Kinder nicht zu finden, aber einer der Schüler weist ihnen den Weg nach „weiter vorne“, wo man sie hingebracht habe. In der Schule zeigt ein Kinderlehrfilm die Geschichte des Snowpiercers, der auf dem vollständig autarken Luxuszug des Industriellen und Zugnarren Mr. Wilford beruht, der eine weltumspannende Eisenbahnstrecke schuf, auf der man in einem Jahr einmal um die Welt fahren konnte. Hier ist der Snowpiercer immer noch unterwegs.

Ein Diener verteilt mit einem Wagen gekochte Eier als Neujahrsgeschenk, als er und die Lehrerin plötzlich Maschinenpistolen zücken und die Aufständischen niederschießen. Ein Handlanger Masons, Franco, streckt Gilliam nieder, im Gegenzug exekutiert Curtis Mason. Die kleiner werdende Gruppe flüchtet weiter nach vorn durch den Zug und kommt durch weitere Luxusabteile mit einer Bibliothek, Bar und einem Friseursalon. An einer großen Kurve liefern sich Curtis und der Handlanger Wilfords ein Feuergefecht quer über den Durchmesser des Bogens. In einem Saunawaggon kann Franco schließlich unter großen Opfern besiegt werden. Nur noch Curtis, Namgoong und Yona arbeiten sich im Zug weiter nach vorn durch eine Diskothek, bis sie schließlich in einem Maschinenraum vor einem verschlossenen Schott stehen. In seinem Frust schlägt Curtis auf Namgoong ein. Als beide zur Ruhe kommen, erzählt Curtis seine Geschichte: Als die Flüchtlinge den Zug bestiegen hatten, gingen ihnen rasch Wasser und Nahrung aus. Nach kurzer Zeit griff der Kannibalismus um sich. Curtis kidnappte das Baby Edgar, um ihn zu verspeisen, und tötete dabei seine Mutter, als Gilliam seinen Arm opferte, um das Kind zu retten. Erst einige Zeit später machte Wilford Proteinblöcke verfügbar.

Namgoong erklärt, dass der Snowpiercer jedes Jahr ein Flugzeugwrack passiert, das bei jedem Anblick von weniger Schnee bedeckt wird, woraus er schließt, dass die Erde sich langsam erwärme und ein Überleben draußen wieder möglich sein könne. Er schlägt vor, sich nach draußen zu sprengen, wird aber von Wilfords Assistentin Claude angeschossen, die Curtis in den Maschinenraum zwingt. Wilford begrüßt Curtis freundlich und erklärt ihm, wie er versucht, das Gleichgewicht innerhalb des Zuges zu wahren, indem er die Maschine wartet und immer wieder die Bewohner dezimiert, wenn diese zu zahlreich werden. Aufgrund seines Alters will er, dass Curtis sein Nachfolger wird und sich an seiner statt um den Rest der Menschheit kümmert.

Währenddessen kämpfen Yona und Namgoong mit weiteren Zugbewohnern und dem zurückgekehrten Franco. Als Yona den Boden der Maschine öffnet, entdecken sie, dass Wilford Kinder benutzt, um die ausfallenden Teile der Maschine zu ersetzen. Curtis opfert seinen Arm, um eines der Kinder, Timmy, zu befreien. Yona bringt den Sprengsatz zur Zündung und Namgoong und Curtis opfern sich, um Yona und Timmy vor dem Feuer der Explosion zu schützen. Der Knall löst auf dem Hang oberhalb des Zuges eine Lawine aus, die auf den Snowpiercer prallt und ihn in einem spektakulären Zusammenstoß zerstört. Lediglich Yona und Timmy verlassen den zerstörten Zug. Als sie sich im vereisten Gebirge umsehen, bemerken sie aus relativ geringer Entfernung einen Eisbären.

Hintergrund und Sonstiges[Bearbeiten]

  • Die Dreharbeiten fanden in Prag und am Hintertuxer Gletscher in Tirol statt.[3]
  • Der Inhaber der Nordamerika-Rechte, Harvey Weinstein, fand die Ur-Fassung für das US-Publikum „zu intelligent“.[4] Bong weigerte sich aber für die US-Veröffentlichung eine um 20 Minuten gekürzte Version zu wählen, zumal bereits im Juli 2013 die gekürzte Version vor einem Testpublikum in New Jersey wesentlich schlechter abgeschnitten hatte als die Originalfassung. Schlussendlich kam der Film am 27. Juni 2014 zwar in voller Länge in die Kinos – knapp drei Monate später als in Europa – Weinstein überließ den Kinoverleih jedoch kurzfristig Radius-TWC, womit Snowpiercer zunächst nur in acht ausgewählten Kinos lief und erst zwei Wochen später in 356.

Rezeption[Bearbeiten]

Kritiken[Bearbeiten]

Die kritische Rezeption des Films fiel außerordentlich positiv aus. Auf Rotten Tomatoes erhielt er von Kritikern 95% positive Bewertungen mit einem Schnitt von 8,1 Punkten. Auch Metacritic errechnete ausgehend von 36 Rezensionen einen hohen Wert von 84 Punkten.

„Für seine erste internationale Produktion überträgt Bong den dystopischen Stoff auf einen glänzend inszenierten Actionfilmplot […] Stark inszenierte Gesellschaftsparabel, die mit greller Plakativität die Chance verspielt, als Klassiker in die Sci-Fi-Annalen einzugehen.“

Cinema[5]

„Zu einem wirklichen Meisterstück des Action-Kinos macht "Snowpiercer" aber etwas anderes: nämlich die Synthese aus westlicher und asiatischer Kinotradition, die er beherrscht wie derzeit kein anderer. […] Selbst im heftigsten Kampfgefecht drosselt Bong dann das Tempo, spielt mit Licht und Schatten oder verlegt eine Kampfszene komplett ins Dunkle, um sich nur auf die dumpfe Tonspur zu konzentrieren. Ein ziemlich irres Jump'n'Run-Spektakel, als wäre man in einem manisch-depressiven Arcadespiel gelandet.“

Süddeutsche Zeitung[6]

Kommerzieller Erfolg[Bearbeiten]

Snowpiercer spielte weltweit 86,8 Mio. $ ein (Stand November 2014).[7] Etwa zwei Drittel davon nahm der Film in Südkorea ein, wo er bereits im August 2013 in den Kinos anlief und mit über 9 Millionen Zuschauern der elfterfolgreichste Film aller Zeiten ist. In Deutschland wurde der Film an seinem Startwochenende im April nur in 88 Kinos gezeigt und landete mit 12.640 Besuchern auf Platz 18 der Kinocharts.[8] Insgesamt spielte er in seinen drei Wochen Laufzeit hierzulande umgerechnet 530,987 $ ein. Erfolgreicher war Snowpiercer in Frankreich, dem Herkunftsland der Autoren der Comicvorlage. Dort brachte er an den Kinokassen 5 Mio. $ ein, sogar etwas mehr als in den USA, wo der Film erst Ende Juni 2014 startete

Auszeichnungen (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Asia-Pacific Film Festival 2013 für Ondrej Nekvasil als Bester Ausstatter
  • Blue Dragon Award 2013 für Bong Joon-ho als Bester Regisseur
  • Daejong-Filmpreis 2013 für den Besten Schnitt

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung (PDF) der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK)
  2. Film Music Reporter: Marco Beltrami to score "Snowpiercer" and "Warm Bodies". In: Film Scoring Assignments. 4. Mai 2012. Abgerufen am 7. Mai 2012.
  3. ScreenDaily.com vom 17. Juli 2012
  4. "Snowpiercer": US-Kinopublikum zu dumm für den Film? Tagesspiegel vom 28. Januar 2014.
  5. Snowpiercer auf Cinema
  6. David Steinitz: Draußen Eiszeit, drinnen dicke Luft sueddeutsche.de, 2. April 2014
  7. Einspielergebnisse
  8. Kinocharts der Startwoche

Weblinks[Bearbeiten]