Social-Media-Marketing

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Social Media Marketing)
Wechseln zu: Navigation, Suche

Social-Media-Marketing (aus dem Englischen für Marketing über soziale Medien, abgekürzt SMM) ist ein Begriff aus der Werbeindustrie. Er beschreibt Werbung über Soziale Netzwerke im Internet. Statt Produkte über Fernseh- oder Plakatwerbung bekannt zu machen, nutzt Social-Media-Marketing Plattformen wie Facebook und Twitter, um potenzielle Kunden individuell anzusprechen und an die Marke zu binden.

Ziele[Bearbeiten]

Das Wachstum der sozialen Medien seit etwa 2005 hat einen großen Einfluss auf die Kommunikationsweise der Unternehmen mit ihren (potenziellen) Kunden. Da es die sozialen Medien erlauben, mit anderen Teilnehmern nicht nur zu kommunizieren, sondern auch zu interagieren, hilft das Social-Media-Marketing dabei, die netzaffinen Early Adopters und Meinungsführer zu erreichen, die zum Beispiel bei Twitter besonders hohe Zahlen an Followern haben. Über diese Wege können einzelne Produkte oder Marken beworben werden. Auch Künstler oder Politiker nutzen das Marketing über soziale Medien, um ihr „Image“ und ihren Bekanntheitsgrad zu erhöhen.[1] Social-Media-Marketing ist verhältnismäßig kostengünstig und kann mit ähnlichen Software-Werkzeugen gleich diverse Plattformen bespielen, um Marketingkampagnen aufzusetzen. Die Unternehmen bekommen auf diesem Weg zudem direktere Rückmeldungen ihres Zielmarkts als etwa bei der Fernsehwerbung.

Die Öffentlichkeitsarbeit mittels Social Media wird Social Media Relations genannt. Eines ihrer Instrumente sind Social Media Releases, also in sozialen Medien gestreute Pressemitteilungen. Gebündelt werden diese Maßnahmen häufig in einem Social Media Newsroom.

Beim Social-Media-Marketing kommen unter anderem folgenden Strategien zum Einsatz:[2] Virales Marketing, Aufbau einer eigenen Gemeinschaft von Interessenten beispielsweise durch einen Blog oder Forum, Social Media Monitoring (Sentiment und Kampagnenanalyse), Optimierung von Inhalten (Social Media Optimization) – Verbesserung der Auffindbarkeit der Inhalte auf einer Webseite, Expertentum – Aufbau von Reputation als Experte auf einem Wissensgebiet, Sammeln von Informationen und Wissen, Kundenkontakt – reine Präsenz bis hin zur intensiven Interaktion mit Benutzern,[3] aktuelle Nachrichten – Publikation aktueller, passender Nachrichten, Aufbau eines guten Online-Rufs (Reputation), Veranstaltungen in den sozialen Netzen.

Die Entwicklung und Umsetzung der Strategien kann über spezialisierte Social Media- oder „Seeding“-Agenturen erfolgen, die über ein Netzwerk von Meinungsführern verfügen, um Werbebotschaften gezielt über Social-Media-Plattformen zu verbreiten.

Chancen und Risiken[Bearbeiten]

Social-Media-Marketing bietet dem Marketing von Unternehmen und Prominenten sowohl Chancen als auch Risiken. Schnell und kostengünstig kann ein breites Publikum angesprochen und eine Verbindung zwischen Unternehmen und Kunden erreicht werden. Nach einem niedrigschwelligen Bekenntnis des Kunden per Mouseklick erscheinen die Botschaften des Unternehmens regelmäßig auf dem Bildschirm der Zielgruppe.[4] So attraktiv das für die Werbebranche ist, birgt es allerdings auch die Gefahr, außer Kontrolle zu geraten, da die Meinungen im Internet nicht denen des Unternehmens entsprechen müssen, sondern sich unkontrollierbar verselbständigen. Leicht können auch negative Meinungen im Web entstehen und dem Image einer Marke, einer Firma oder einer Person schaden.[5] [6] [7] Dies kann für Unternehmen auch eine Chance sein, die Kritik aufzugreifen und an ihrem Image zu arbeiten.

Beispiele[Bearbeiten]

Verschiedene Unternehmen haben inzwischen den Weg in die sozialen Medien gewagt – einige erfolgreich, andere weniger erfolgreich. Der Schlüssel zum Erfolg war die Einstellung, nicht als gesichtsloses Unternehmen aufzutreten. Im Rahmen des Social-Media-Marketing erwarten Kunden Authentizität, Transparenz und vertrauenswürdige Informationen.

Twitter im Social-Media-Marketing[Bearbeiten]

Microblogging, wie es bei Twitter praktiziert wird, lässt sich, trotz der auf den Prinzipien des Web 2.0 basierenden Architektur, für werbende Kommunikation als klassisches one-to-many Kommunikationsmittel einsetzen.[8] Der Dienst Twitter ist ein Tool im Social-Media-Marketing, welches sich gut eignet, Inhalte auch für Suchmaschinen gut sichtbar zu machen. Durch die hohe Attraktivität von sozialen Netzwerken für Google werden Twitternachrichten höher gerankt als beispielsweise Inhalte normaler Webseiten. Auch weil diese Kommunikationsform für mobile, internetfähige Endgeräte wie Smartphones schnell erreichbar ist, erfreut sich Twitter im Marketing großer Beliebtheit.

Best Practice[Bearbeiten]

Dell[Bearbeiten]

Dell bietet mit ihrem Direct2Dell-Blog eine starke Präsenz im Bereich der Blogs. Neben der Möglichkeit für Blogger, sich zu Dell-relevanten Themen zu informieren, unterstützt diese Community Dell bei einer nachhaltigen Imageverbesserung. Die Anzahl negativer Blogs fiel seit dem Start der Seite von 49 Prozent auf 22 Prozent.[9] Grund für diese positive Entwicklung ist der Umstand, dass Dell es schafft, in direkten Kontakt mit ihren Kunden zu treten und ihre unmittelbaren Bedenken, Kommentare und Fragen aufzunehmen und zu berücksichtigen.

Starbucks[Bearbeiten]

Das auf Kaffeeprodukte spezialisierte und international tätige Einzelhandelsunternehmen Starbucks bedient eine Vielzahl verschiedener Social-Media-Angebote. Zu ihnen zählen u. a. Facebook, YouTube, Flickr, Twitter und ihr eigenes Unternehmensblog „My Starbucks Idea“. Starbucks wird als das Unternehmen mit einer der besten Social-Media-Strategien gesehen. Ihre Aktivitäten zielen auf die Bedürfnisse, Verlangen und Vorlieben ihrer Kunden ab und bestärken sowohl im Rahmen der Kundenbindung als auch im Rahmen der Kundengewinnung.[10] Auch Kritiker von Starbucks bedienen sich Social-Media-Strategien.[11]

Worst Practice[Bearbeiten]

Nestlé[Bearbeiten]

Nestlé wird vehement durch Umweltschützer unter Beschuss genommen. Dies gipfelte in einem Angriff auf Nestlé via Facebook und einem „twitstorm“ auf Twitter. Darüber hinaus wurde auf YouTube ein Video veröffentlicht, das Nestlé wegen des kontinuierlichen Einsatzes von Palmöl und der Zerstörung des Regenwaldes stark kritisierte. Nestlé reagierte denkbar unglücklich auf die Kritik und als begonnen wurde, Kommentare unter Bezug auf die Verwendung eines modifizierten Kitkat-Logos ("Killer") zu löschen, wurde dies von vielen Nutzern als Zensur gewertet. Schlussendlich entschuldigte sich der Konzern bei den Facebook-Nutzern. [12][13][14]

Walmart[Bearbeiten]

Walmart versagte seinen Kunden einen offenen Dialog. In der Angst vor negativen Kommentaren und Resonanzen beschnitten sie die Kommentarfunktion auf ihrem Blog. Ergebnis waren zahlreiche negative Kommentare und Posts. Weiter verfolgte Wal-Mart selbst nicht ihre eigenen Kernkompetenzen. So suchte man auf der Facebook-Seite vergebens nach ihrem Slogan „Save Money. Live Better.“ Stattdessen fokussierte man sich auf „Fashion“ und „Style“.[15]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Ron Faber, Sönke Prestin: Social Media und Location-based Marketing. Mit Google, Facebook, Foursquare, Groupon & Co. lokal erfolgreich werben. Hanser, München 2012, ISBN 978-3-446-42911-6
  • Uwe Hettler, Social-Media-Marketing: Marketing mit Blogs, Sozialen Netzwerken und weiteren Anwendungen des Web 2.0, Oldenbourg Verlag, 2010, ISBN 978-3-486-59115-6
  • Wolfgang Hünnekens, Die Ich-Sender – Das Social Media-Prinzip, 2009, ISBN 978-3-86980-005-9
  • Bernhard Jodeleit, Social Media Relations: Leitfaden für erfolgreiche PR-Strategien und Öffentlichkeitsarbeit im Web 2.0, Dpunkt Verlag, 2010, ISBN 978-3-89864-694-9
  • Eric Qualman, Socialnomics: Wie Social Media Wirtschaft und Gesellschaft verändern, Mitp-Verlag, 2009, ISBN 978-3-8266-9020-4
  • Reto Stuber: Erfolgreiches Social-Media-Marketing mit Facebook, Twitter, XING und Co.. 4., überarbeitete Auflage. DATA BECKER, Düsseldorf 2011, ISBN 978-3-8158-3063-5.
  • Tamar Weinberg: Social-Media-Marketing. Strategien für Twitter, Facebook & Co.. 3. Auflage. O'Reilly, Köln 2012, ISBN 978-3-86899-236-6.
  • Michael Bernecker und Felix Beilharz: Social-Media-Marketing - Strategien, Tipps und Tricks für die Praxis, 2. Auflage. johanna-Verlag, Köln 2012, ISBN 978-3-937763-29-3.

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Politiker: Präsentationen in Social Networks. Auf: Beyond-Print.
  2. Online Marketing Strategies: Ten Ways To Promote Your Business With Social Media
  3. Interaktionsrate und -qualität auf Facebook-Microsites
  4. Robin Kiera (2011), „Strategischer Nutzen Sozialer Netzwerke“ These Bd. 83, S. 24ff.
  5. Nestlé: Social Media Desaster
  6. Nestlé: Wenn Fanpages zum Kriegsschauplatz werden
  7. Nestlé: der Supergau in Zahlen und Grafiken
  8. D. Amersdorffer et al. Social Web im Tourismus - Strategien - Konzepte - Einsatzfelder. Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2010
  9. http://marketingprofs.com/
  10. http://www.dirjournal.com/articles/starbucks-social-media/
  11. The Telegraph, Starbucks Twitter campaign hijacked by tax protests, 17. Dezember 2012
  12. http://www.allfacebook.com/2010/03/the-facebook-nestle-mess-when-social-media-goes-anti-social/
  13. http://news.cnet.com/8301-13577_3-20000805-36.html
  14. http://www.social-brand-value.com/2010/03/25/nestle-und-das-social-media-desaster/
  15. A Failed Facebook Marketing Campaign (Version vom 11. August 2007 im Internet Archive)