Sodbrennen

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Dieser Artikel behandelt ein schmerzhaftes Symptom, für den Film Sodbrennen siehe ebendort.
Klassifikation nach ICD-10
K20 Ösophagitis
K21.0 Gastroösophageale Refluxkrankheit mit Ösophagitis
K21.9 Gastroösophageale Refluxkrankheit ohne Ösophagitis
ICD-10 online (WHO-Version 2013)

Sodbrennen (griechisch Pyrosis, in der Schweiz auch Magenbrennen) beschreibt eine vom Oberbauch aufsteigende brennende und schmerzhafte Empfindung hinter dem Brustbein, die unter Umständen bis zum Hals und dem Rachen ausstrahlt, oft zusammen mit saurem oder bitterem Aufstoßen. Sodbrennen ist das Leitsymptom der Refluxkrankheit bzw. Refluxösophagitis. Etymologisch bedeutet das kaum noch verwendete Wort Sod „das Sieden, das Siedende“ und ist vom Althochdeutschen sōd, gisōd sowie mittelhochdeutsch sōt „das Wallen, Sieden, siedende Flüssigkeit, Brühe, Brunnen“ herzuleiten.[1]

Ursachen und Verlauf[Bearbeiten]

Der Schmerz wird meist durch den Rückfluss der stark sauren Magensäure in die Speiseröhre (Ösophagus) ausgelöst. Es kommt dabei zu einer Reizung der im Epithel der Speiseröhre eingelagertern Chemo-Schmerzrezeptoren durch H+-Ionen wegen der durch die Säure bedingten Lockerung der Zellverbindungen des Schleimhautepithels und damit erhöhter Durchlässigkeit im Zwischenzellenbereich.[2] Bitteres, galliges Aufstoßen kann aber auch auf einen Rückfluss aus dem Zwölffingerdarm hinweisen. Es kann als Begleitsymptom vor allem bei gesteigerter Aktivität des Darms (Motilitätsstörung) und auch nicht säurebedingt bei einer Schwächung der glatten Magenschließmuskulatur auftreten.[3] Des Weiteren kann Sodbrennen durch einen nichtsauren Magenrückfluss entstehen, z. B. durch Nahrungsmittel und Getränke, auch verschiedene Mechanismen wie etwa Refluxinduktion, lokale Irritation oder Reizschwellensenkung sind möglich.[2]

Nicht bei jedem Refluxereignis entsteht tatsächlich Sodbrennen; die Symptomgenerierung ist abhängig von Ausmaß und Dauer des pH-Abfalls, vom Ausmaß der durch Säure angegriffenen Schleimhautfläche sowie von einer Sensibilisierung der Rezeptoren durch vorangegangenes Sodbrennen. Häufigkeit und Intensität können durch eine individuell unterschiedliche Säurempfindlichkeit sowie durch psychosoziale Faktoren wie Stress oder physische Begleiterkrankungen erheblich beeinflusst werden. Weiter scheinen Wechselwirkungen zwischen der chemischen und mechanischen Empfindlichkeit des Ösophagus wie etwa durch eine Ösophagusdehnung eine Rolle in der Entstehung zu spielen. Ferner kann es durch Entzündungsmediatoren zu einer Überempfindlichkeit der Chemo-Schmerzzellen kommen, die über zentrale Mechanismen dann verstärkt und räumlich ausgeweitet werden kann.[2]

Prävention und Behandlung[Bearbeiten]

Hauptartikel: Refluxösophagitis#Therapie

Saurer Reflux kann insbesondere nach fetthaltigem oder scharfem Essen, pfefferminzhaltigen Speisen, Kaffee-, Alkohol- oder Nikotinkonsum auftreten und sich im Liegen verstärken. Daher wird empfohlen, diese auslösenden Faktoren vor dem Schlafengehen zu vermeiden.[4] Medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten zur kurzfristigen Symptomminderung sind bei saurem gastroösophagealen Reflux Antazida, die als Puffer die Magensäure neutralisieren, sowie Protonenpumpenhemmer, welche die Bildung von Magensäure über die Hemmung der H+/K+-ATPase in den Belegzellen des Magens unterdrücken.[2] Dadurch wird der Reflux zwar nicht verhindert, aber die Speiseröhre wird nicht mehr durch den sauren Magensaft gereizt. Eine weitere Behandlungsmöglichkeit ist die Einnahme von Alginat, das sich als zäher Schaum über den Mageninhalt legt und auf diese Weise die Speiseröhre schützt.[5]

Schwangerschaft[Bearbeiten]

Zwischen 40 % und 80 % aller Schwangeren sind, meist im letzten Trimester der Schwangerschaft, von Sodbrennen betroffen. Hauptursache für das Sodbrennen in der Schwangerschaft ist der gestörte Verschlussmechanismus zwischen Speiseröhre und Magen. Die schwangerschaftsbedingte Erhöhung der Hormone Progesteron und Östrogen führt dazu, dass der untere Schließmuskel der Speiseröhre weniger angespannt ist als vor oder nach einer Schwangerschaft. Dazu kommt infolge der wachsenden Gebärmutter ein erhöhter Druck in der Bauchhöhle, was die Verschlussfähigkeit des unteren Speiseröhrenschließmuskels zusätzlich mindert. Das Zusammenspiel dieser Faktoren führt dazu, dass vermehrt Magensäure in die Speiseröhre fließen kann. Linderung verschaffen kann das Schlafen mit erhöhtem Oberkörper, häufige kleine Mahlzeiten statt weniger reichhaltiger und allgemein das Meiden fettiger Speisen und Süßigkeiten. Zu Medikamenten sollte nur in ernsteren Fällen und in Rücksprache mit einem Arzt gegriffen werden.[6]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Sodbrennen – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Etymologisches Wörterbuch des Deutschen nach Pfeifer online auf DWDS
  2. a b c d Christian Pehl, Wolfgang Schepp: online Wie entsteht Sodbrennen? Pathomechanismen und Einflussfaktoren. In: Deutsches Ärzteblatt, 2002.
  3. Irmtraut Koop: Gastroenterologie compact: Alles für Klinik und Weiterbildung, Thieme, 2009, online in Google Bücher
  4. Warum ein Verdauungsschlaf nicht unbedingt eine gute Idee ist, wissenschaft.de vom 29. Dezember 2005
  5. Review article: alginate-raft formulations in the treatment of heartburn and acid reflux. In: Alimentary Pharmacology and Therapeutics. Band 14(6), 2000, S. 669-690.
  6. E.-G. Loch, O. Leiss: Sodbrennen in der Schwangerschaft – nur ein Symptom? In: Gynäkologische Praxis. Band 26, 2002, S. 219–226.
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