Soibada

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Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem Ort Soibada. Für den gleichnamigen Subdistrikt siehe Soibada (Subdistrikt).
Soibada
Soibada (Osttimor)
Soibada
Soibada
Koordinaten 8° 52′ S, 125° 56′ O-8.8666666666667125.93333333333Koordinaten: 8° 52′ S, 125° 56′ O
Manatuto subdistricts.png
Basisdaten
Staat Osttimor

Distrikt

Manatuto
Subdistrikt Soibada
Suco Fatumaquerec, Manlala und Leo-Hat
Höhe 613 m
Colégio Soibada
Colégio Soibada

Soibada (Saibada, Soilaoa) ist der Hauptort des gleichnamigen osttimoresischen Subdistrikts Soibada im Distrikt Manatuto.

Geographie[Bearbeiten]

Klimadiagramm von Soibada[1]
Altar mit der Heiligen Mutter von Aitara

Der Ort Soibada liegt im Landesinneren Timors, etwa 52 km in Luftlinie (135 km Straßenkilometer)[2] südöstlich von der Landeshauptstadt Dili und etwa 40 km südlich der Distriktshauptstadt Manatuto. Die meisten Gebäude haben Wände aus Bambus, nur Fussböden aus gestampfter Erde und sind mit Palmwedel gedeckt. [2] Die Ortsteile Uma Querec (Umacuarec), Sasahi und Hisuala liegen im Suco Fatumaquerec. Hier liegt auch das Zentrum Soibadas auf einer Meereshöhe von 613 m. Die Ortsteile Dauloroc (Dauroloc), Lehutula und Manlala befinden sich im Suco Manlala und Leo-Hat (Leohat) und Malushum im Suco Leo-Hat. Eine verhältnismäßig gut ausgebauten Straße führt nach Manatuto. Weiter nach Süden geht die Überlandstraße wenige Kilometer weiter nach Manehat und dann weiter Richtung Uma Boco. In Soibada gibt es eine Vorschule, eine Grundschule, eine präsekundäre Schule, ein Waisenhaus, einen Hubschrauberlandeplatz, ein kommunales Gesundheitszentrum und einen Markt.[3] Im Ort stehen mehrere Gebäude aus der portugiesischen Kolonialzeit. Die Herz-Jesu-Kirche ist das älteste Kirchengebäude Osttimors.[2] Die Kirche San António de Motael in Dili gilt zwar als älter, ihr Gebäude wurde aber erst 1955 nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wieder neu errichtet.

In der katholischen Schule werden 600 Schüler von 6 bis 16 Jahren unterrichtet, davon leben 78 im Konvent mit den drei Nonnen, die als Lehrkräfte in der Schule arbeiten.[2] Der Freiheitskämpfer und Dichter der Nationalhymne Francisco Borja da Costa, der spätere Bischof Alberto Ricardo da Silva und die ehemaligen Staatspräsidenten Nicolau dos Reis Lobato und José Ramos-Horta gingen hier auf die älteste Missionsschule Osttimors des Colégio Nuno Alvares Pereira. Das an die Mission angehängte Mädchencollege heißt Colégio da Imaculada Conceição.

Etwa eine Meile nördlich von Soibada entfernt, im Suco Manlala, liegt der Hügel Aitara (608 m), auf dessen Gipfel sich ein großer Banyan-Baum befindet. Dieser Ort gilt seit jeher als heilig. Neben dem Baum steht ein Marienschrein, der der Mutter von Aitara (Nossa Senhora de Aitara) geweiht ist. Sie soll hier an einem 16. Oktober mehreren Frauen erschienen sein, weswegen in Soibada um 1900 die Mission errichtet wurde. Die den Schrein umgebende, moderne Kapelle ist auf dem Fundament der Kapelle aus der Kolonialzeit errichtet worden. Sie ist heute ein nationaler Pilgerort, an dem jährlich mit einer großen Feier an die Erscheinung gedacht wird.[4]

Geschichte[Bearbeiten]

Anfang des 18. Jahrhunderts missionierte der Dominikaner Manuel de Santo António in Samoro und bekehrte den hiesigen Liurai zum Christentum.[5] Zum Reich von Samoro gehörte die Umgebung des Ortes Soibada. 1756 weigerte sich Samoro, wie viele andere Reiche im Osten, Wehale in ein Bündnis mit den Niederländern zu folgen. Man blieb auf Seiten der Portugiesen.

1898 gründeten Jesuiten in Soibada die erste Missionsschule in der damaligen Kolonie Portugiesisch-Timor (andere Quellen nennen 1904 bzw. die Zeit zwischen 1877 bis 1887, wobei zuvor bereits in Lahane eine Schule gegründet wurde), die bald darauf auch Sitz eines der beiden Generalvikars der Kolonie wurde. In der Schule wurden erstmals die Kinder der Liurais, der traditionellen Herrscher Timors, europäisch erzogen und ausgebildet. Diese neue Generation bildete später eine neue, christliche Elite in der Kolonie, auf die sich die portugiesische Herrschaft stützen konnte. Am 23. Dezember 1910 wurden die Jesuiten aber auf Befehl der neuen, republikanischen Verwaltung aus Soibada vertrieben. Dies bedeutete für die Portugiesen auf Jahre hinaus einen Rückschlag für ihren Einfluss in dieser Region. 1935 konnten die Missionare zurückkehren.[6] Am 13. Oktober 1936 wurde in Soibada das Priesterseminar Nossa Senhora da Fatima gegründet, das aber 1951 nach Dare verlegt wurde.[7]

Soibada wurde direkt nach der indonesischen Invasion 1975 zum Hauptquartier der FRETILIN. Auf deren Kongress wurde hier im Mai 1976 der bisherige Premierminister Osttimors Nicolau dos Reis Lobato offiziell zum militärischen Kommandanten erhoben.[6] 1977 eroberten die Indonesier Soibada. Die Einwohner aus Manlala flohen in die nahen Wälder von Lehutala, wo sie Hütten nahe ihren Anpflanzungen errichteten. Kurz darauf mussten sie weiter nach Fatuberlio fliehen, wo ebenfalls Hütten, Gärten und sogar eine kleine Schule aufgebaut wurden. Hier starben einige Einwohner durch Hunger und Krankheiten. Zwei Monate später erfolgten erneute Angriffe durch die Indonesier, weswegen die Menschen aus Manlala nun innerhalb Fatuberlios wieder fliehen mussten. Die Ernte ging dadurch verloren. Nach weiteren Attacken der indonesischen Armee flohen die Einwohner Soibadas im August 1978 erneut. Erst drei Monate später ergaben sie sich den Truppen.[8]

In Soibada stand Ende 1979 ein indonesisches Umsiedlungslager für Osttimoresen, die zur besseren Kontrolle von den Besatzern umgesiedelt werden sollten.[8]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Maisfeld in Soibada

Angebaut werden in Soibada für den alltäglichen Gebrauch Mais, Vanille, Getreide, Bohnen, Zitrusfrüchte, Maniok, Kartoffeln, Kürbisse, Süßkartoffeln, Taro, Tapioka, Karotten, Kohl und Avocados. Daneben pflanzt man Kaffee, Lichtnüsse und Kakao an. Als Vieh werden Rinder, Wasserbüffel, Ziegen, Schafe, Hühner und Schweine gehalten. Diese werden nur selten für den Alltag geschlachtet. Ihr Fleisch gibt es meist nur zu Feierlichkeiten, wie religiösen Festen, Beerdigungen oder Hochzeiten.[2]

Die Versorgung mit sauberen Trinkwasser ist ein Problem. Krankheiten durch Verunreinigungen sind häufig. Es gibt zwei ganzjährige Flüsse, die meisten Dörfer verfügen aber über Brunnen mit Grundwasser.[2]

Partnerschaften[Bearbeiten]

Galerie[Bearbeiten]

Colégio in Soibada

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Aitara – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Colégio in Soibada‎ – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Seeds of Life
  2. a b c d e f Pittwater Friends of Soibada: Soibada, abgerufen am 27. September 2013
  3. UNMIT-Karte des Distrikts Manatuto, August 2008 (PDF; 581 kB)
  4. Soibada Update - Our Lady of Aitara, The Marian Shrine of the Timorese people, 31. Oktober 2010
  5. Artur Teodoro de Matos: D. Frei Manuel de Santo António: missionário e primeiro bispo residente em Timor. Elementos para a sua biografia (1660-1733) (portugiesisch)
  6. a b History of Timor – Technische Universität Lissabon (PDF; 824 kB)
  7. Mission of the Sacred Heart of Jesus
  8. a b „Chapter 7.3 Forced Displacement and Famine“ (PDF; 1,3 MB) aus dem „Chega!“-Report der CAVR (englisch)
  9. Pittwater Council: Friendship Agreement between Pittwater and Soibada in East Timor