Solaris (Rebsorte)

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Trauben und Blätter der Rebsorte Solaris.
Eine Jungpflanze der Rebsorte Solaris.

Solaris ist eine 1975 neu gezüchtete pilzwiderstandsfähige weiße Rebsorte. Die Solaris wurde am Staatlichen Weinbauinstitut Freiburg durch Norbert Becker aus den Sorten Merzling und Gm 6493 gekreuzt. Amtlich wird er mit dem Zuchtstamm FR 240-75 gekennzeichnet. Seit 2001 genießt die Solaris Sortenschutz:

Der Name „Solaris“ leitet sich von der Sonne ab, die der Sorte aufgrund ihrer Kraft zu einer frühen Reife und zu einer hohen Zuckerleistung verhilft.

Das Weinbauinstitut Freiburg betreibt u. a. die Züchtung pilzwiderstandsfähiger Rebsorten (siehe auch Ökologischer Weinbau), und stellt nur bei solchen Rebsorten einen Antrag auf Sortenschutz und Sortenzulassung, bei denen amtlicherseits durch das Bundessortenamt entsprechend den Bestimmungen der Internationalen Organisation zum Schutz von Pflanzenzüchtungen (UPOV, Sitz in Genf) die Zuordnung zur Rebart Vitis vinifera festgestellt und bestätigt wird. Damit können die Weine entsprechender Rebsorten innerhalb des Geltungsbereichs der Bestimmungen der Europäischen Marktorganisation als Qualitätswein auf den Markt kommen.

Neben der Sorte Solaris wurden am Staatlichen Weinbauinstitut Freiburg mit Cabernet Carbon, Cabernet Carol, Cabernet Cortis, Cabernet Cantor, Baron, Prior und Monarch Rotweinsorten und mit Bronner, Helios, Souvignier gris und Muscaris weitere Weißweinsorten als Züchtungserfolge mit im Jahr 2008 über 350 Hektar in den Markt eingeführt. Die Rebsorte Johanniter stammt ebenfalls aus Freiburg und ist eine Züchtung von J. Zimmermann.

Synonyme[Bearbeiten]

  • Zuchtnummer FR 240-75

Abstammung[Bearbeiten]

Norbert Becker nutzte zur Kreuzung dieser Sorte die Elternsorten Merzling als Mutter und Gm 6493 als Vater. Gm 6493 (oder auch Geisenheim 6493) war eine Sämlingspopulation, die im Jahre 1964 durch Professor V. Kraus in der damaligen Tschechoslowakei aus den Rebsorten Zarya Severa x Muskat-Ottonel gekreuzt wurde. Prof. Kraus bot die Sämlinge Prof. Dr. Helmut Becker (1927–1990), damals an der Forschungsanstalt Geisenheim tätig, an, der die Bedeutung dieses Materials erkannte und es züchterisch in Nachkommenschaftsprüfungen weiterbearbeitete.

Norbert Becker recherchierte bei den Kreuzungen von Prof. V. Kraus aus dem Jahr 1964 für die Sämlingspopulation, die erst in Geisenheim die Bezeichnung Gm 6493 erhalten hatte, irrtümlich die Rebsorte Saperawi Severni statt Zarya Severa als Muttersorte ♀. Eine differenzierte Nachrecherche von N. Beckers Nachfolger Volker Joerger zusammen mit Kollegen von der Forschungsanstalt Geisenheim konnte den Irrtum aufzeigen und die wahre Elternschaft gilt jetzt in Fachkreisen seit dem Jahr 2003 als gesichert geklärt. Diese Erkenntnisse konnten jedoch nicht mehr in der 13. Auflage des Taschenbuch der Rebsorten aufgenommen werden.

Eigenschaften der Rebe[Bearbeiten]

Die Blätter sind groß, dreilappig und dunkelgrün. Die Trauben sind mittelgroß. Austrieb, Blüte und Reifungsbeginn erfolgen im Vergleich zu Standardsorten eine Woche früher. Die Frostfestigkeit gilt als sehr gut. Die Lageansprüche sind verhältnismäßig gering, da die Sorte bereits Anfang September über ein Mostgewicht von 100 Grad Oechsle verfügt. Solaris wächst weniger aufrecht, was die Heftarbeiten erschwert.

Eigenschaften des Weins[Bearbeiten]

Die Weine sind fruchtig und reif und eignen sich als Verschnittpartner von Riesling und Weißburgunder.

Verbreitung[Bearbeiten]

Die Rebflächen in Deutschland verteilen sich wie folgt auf die einzelnen Anbaugebiete:

Weinbaugebiet Rebfläche (Hektar)
Ahr unter 0,5
Baden 35
Franken 1
Hessische Bergstraße
Mittelrhein
Mosel 2
Nahe unter 0,5
Pfalz 5
Rheingau
Rheinhessen 2
Saale-Unstrut unter 0,5
Sachsen 7
Stargader Land
Württemberg 1
TOTAL Deutschland 2007 54

Quelle: Rebflächenstatistik vom 13. März 2008, Statistisches Bundesamt, Wiesbaden 2008 in Beschreibende Sortenliste des Bundessortenamtes 2008, S. 198ff.[1]

Kleine Bestände sind auch in der Schweiz bekannt. (11,4 Hektar, Stand 2007, Quelle: Office fédéral de l'agriculture OFAG[2])

Literatur[Bearbeiten]

  •  Walter Hillebrand, Heinz Lott und Franz Pfaff: Taschenbuch der Rebsorten. 13. Auflage. Fachverlag Fraund, Mainz, 2003, ISBN 3-921156-53-x.
  • V. Jörger: Die neuen pilzwiderstandsfähigen Rotwein-Zuchtstämme des Stattlichen Weinbauinstituts 2002.
  • N. Becker: (7) 25–28, (8) 27–30, (9) 18–20. In: Pilzwiderstandsfähige Rebenneuzuchten des Staatlichen Weinbauinstituts Freiburg 1996.
  • V. Joerger: Resistenzzuechtung gegen Botrytis 2005, S. 29–32.
  • B. Gensbol, J. M. Gundersern: Vinavl i Danmark – en håndbog. Gads Forlag, København, Dänemark 1998.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Beschreibende Sortenliste des Bundessortenamtes 2008(PDF; 507 kB)
  2. Das Weinjahr 2008 (PDF), Herausgeber Office fédéral de l'agriculture OFAG

Weblinks[Bearbeiten]