SolarWorld
| SolarWorld AG | |
|---|---|
| Rechtsform | Aktiengesellschaft |
| ISIN | DE0005108401 |
| Gründung | 1998 |
| Sitz | Bonn, Deutschland |
|
|
| Mitarbeiter | 3.354 (Stand: 30. Sep. 2011)[1] |
| Umsatz | 1,305 Mrd. Euro (Stand: 31. Dez. 2010)[2] |
| Branche | Photovoltaik |
| Website | www.solarworld.de |
Die SolarWorld AG ist ein internationaler Solarstromtechnologiekonzern. Zentrale Geschäftsfelder sind die Produktion sowie der internationale Vertrieb im Bereich der multikristallinen Solarstromtechnologie. Der Herstellungsprozess umfasst alle Stufen der solaren Wertschöpfung - vom Rohstoff Silizium über Solarwafer, Solarzellen und Solarmodule bis zu schlüsselfertigen Solarstromanlagen. Auch das Recycling der solaren Produkte gehört zur Produktionskette.
Die SolarWorld AG ist seit 1999 börsennotiert und u.a. im Technologieindex TecDAX an der Frankfurter Wertpapierbörse gelistet.
Weltweit beschäftigt die SolarWorld über 3.300 Menschen. Das Unternehmen ist mit zehn Standorten in sieben Ländern vertreten. Die größten Fertigungen sind in Freiberg/Deutschland und Hillsboro/USA. Mit dem Ausbau seiner Produktionsstätte in Hillsboro im US-Bundesstaat Oregon ist der Konzern der größte Anbieter kristalliner Solarstromtechnologie in den USA.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Geschichte
Frank Asbeck, Vorstandsvorsitzender der SolarWorld AG, gründete 1988 ein Ingenieurbüro für Industrieanlagen in Bonn. 1995 wurde der Handel mit Photovoltaik-Modulen, Wechselrichtern, Komponenten sowie Bausätzen und Systemlösungen etabliert. 1998 übernahm die neu gegründete SolarWorld sämtliche Geschäftsaktivitäten des Ingenieurbüros im Bereich Solarenergie. Der Börsengang des Unternehmens erfolgte anschließend im November 1999.
Im jahr 2000 startete am deutschen Produktionsstandort Freiberg die Waferproduktion. Ein Jahr später wurde die Solar Factory GmbH in Freiberg gegründet. Hier begann 2003 die vollautomatisierte Modulproduktion.
Mit Einweihung der Deutschen Cell GmbH im Jahr 2002 entstand in Freiberg die erste konzerneigene Zellfertigung.
Die für den Ausbau des internationalen Geschäfts zentralen Vertriebszweige in den USA und Europa wurden 2005 mit der Gründung der Vertriebsgesellschaften SolarWorld California Inc./USA und SolarWorld Ibérica S.L./Spanien ausgeweitet. Am US-Standort Hillsboro in Oregon wurde 2006 die Produktion durch die Übernahme der solaren Siliziumaktivitäten der Shell-Gruppe ausgebaut. Der Kauf einer weiteren Fertigung solarer Wafer- und Zellenproduktion im Jahr 2007 ließ die Produktionskapazität abermals ansteigen.
In den USA wurde 2010 ein neues, vollautomatisiertes Modulwerk am Standort Hillsboro eingeweiht.
Im gleichen Jahr wurde in Freiberg eine neue Solarwaferfertigung in Betrieb genommen.[3]
Seit 2010 ist die SolarWorld an dem Joint Venture Qatar Solar Technologies Q.S.C. mit Sitz im Emirat Katar beteiligt.
Im März 2011 erhielt das Unternehmen die Aufsuchungsrechte für Lithium im Erzgebirge. Der Rohstoff wird vor allem für die Herstellung von Batterien zur Speicherung von Solarstrom benötigt.
Im Mai 2011 wurde in Freiberg die neue Modulfertigungsstätte Solar Factory III in Betrieb genommen.[4]
[Bearbeiten] Übernahmeangebot für Opel
Am 19. November 2008 kündigte das Unternehmen an, alle vier deutschen Opel-Werke sowie das Entwicklungszentrum der Adam Opel GmbH übernehmen zu wollen.[5] Ein entsprechendes Angebot sollte dem amerikanischen Mutterkonzern, General Motors (GM), unterbreitet werden.
Kernvoraussetzung für die Abgabe des Angebotes sei allerdings die komplette Trennung von Opel aus dem GM-Konzern und eine Kompensationszahlung von 40.000 Euro pro deutschem Arbeitsplatz gewesen. Die gesamte Kompensationshöhe lag damit nach Unternehmensangaben bei rund einer Milliarde Euro. Für die Übernahme hätte Solarworld Opel Barmittel in Höhe von 250 Millionen Euro und Banklinien von 750 Millionen Euro - vorbehaltlich einer Bundesbürgschaft – bereitstellen können. Solarworld wollte Opel zum „ersten grünen europäischen Autokonzern weiterentwickeln.“ Opel beschäftigte zu diesem Zeitpunkt am Stammsitz im hessischen Rüsselsheim sowie in Bochum (Nordrhein-Westfalen), Eisenach (Thüringen) und Kaiserslautern (Rheinland-Pfalz) knapp 30.000 Menschen.
Vereinzelt bewerteten Aktienhändler diese Ankündigung als PR-Gag.[6] Solarworld-Chef Frank Asbeck hingegen sagte, sein Angebot war durchaus ernst gemeint.[7] Der US-Automobilkonzern General Motors, zu dem die Adam Opel GmbH gehört, lehnte das Angebot ab. Wie eine Konzernsprecherin mitteilte, stehe Opel nicht zum Verkauf.[8] „Wir haben es nach der Ablehnung des Angebots nicht mehr weiter verfolgt“, zitierte die Agentur Reuters Herrn Asbeck am 18. Februar 2009, was für die These vom PR-Gag spricht.
[Bearbeiten] Organisation
Die SolarWorld Aktiengesellschaft besteht aus drei Organen; neben der Hauptversammlung aus Vorstand und Aufsichtsrat. Die leitende Funktion des Vorstands wird vom Aufsichtsrat überwacht, die Hauptversammlung hat eine beschließende Funktion. In den operativen Geschäftseinheiten des Unternehmens sind die Geschäftsführer bzw. Vorstände der einzelnen Tochtergesellschaften für die strategische Leitung und die operative Umsetzung verantwortlich.
[Bearbeiten] Vorstand
Die SolarWorld AG wird derzeit von fünf Vorstandsmitgliedern geleitet, denen gemäß Gesetz (§ 77 AktG; § 78 AktG), Satzung (§§ 5; 6) und Geschäftsordnung die Geschäftsführung und die Vertretung der Gesellschaft obliegt.
- Vorstandsvorsitzender / Chief Executive Officer (CEO)
- Erstbestellung: 1999
- Frank Henn
- Vorstand Vertrieb / Chief Sales Officer (CSO)
- Erstbestellung: 2004
- Boris Klebensberger
- Vorstand Operatives Geschäft / Chief Operating Officer (COO)
- Erstbstellung: 2001
- Philipp Koecke
- Vorstand Finanzen / Chief Financial Officer (CFO)
- Erstbestellung: 2003
- Colette Rückert-Hennen
- Vorstand Personal und Marke / Chief Human Resources and Brand Officer (CHRBO)
- Erstbestellung: 2011
[Bearbeiten] Aufsichtsrat
Die Mitglieder des Aufsichtsrats der SolarWorld AG sind in der Hauptversammlung am 21. Mai 2008 bis zu derjenigen Hauptversammlung wieder gewählt worden, die über die Entlastung des Aufsichtsrats für das Geschäftsjahr 2012 beschließt. Sowohl das Aktiengesetz als auch die Satzung und Geschäftsordnung der SolarWorld AG bilden die Rechtsgrundlage für die Arbeit des Aufsichtsrats.
- Claus Recktenwald
- Aufsichtsratsvorsitzender
- Erstbestellung: 1998
- Georg Gansen
- Stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender
- Erstbestellung: 1998
- Alexander von Bossel
- Aufsichtsratsmitglied
- Erstbestellung: 1998
[Bearbeiten] Standorte
Die Hauptproduktionsstandorte des Konzerns befinden sich in Freiberg/Deutschland und in Hillsboro/USA. Der Vertrieb des Unternehmens ist weltweit mit Standorten in Deutschland, USA, Frankreich, Spanien, Singapur und Südafrika vertreten. Die Firmenzentrale sowie das Vertriebszentrum der SolarWorld AG sind ansässig in Bonn/Deutschland.
[Bearbeiten] Börsengang und Kennzahlen
Die Aktien notierten erstmals am 8. November 1999 im Freiverkehr der Börse Düsseldorf sowie in der Folge auch an anderen deutschen Börsenplätzen.
Im Juni 2003 wurde die SolarWorld AG in den Prime Standard der Deutschen Börse aufgenommen. Zeitgleich erfolgt die Aufnahme der Aktie in den internationalen ethisch-ökologischen Natur-Aktien-Index (NAI). Seit Dezember 2004 ist die Aktie im TecDax notiert. Im August 2006 wurde die SolarWorld AG in den von der Deutsche Börse neu gegründeten Aktienindex für erneuerbare Energien (RENIXX) aufgenommen und am 4. Juni 2007 in den ÖkoDAX.
[Bearbeiten] Ausgewählte Kennzahlen SolarWorld 2007
| Umsatzerlöse | 699 Mio. EUR | Wachstum: 35 % |
| EBIT | 202 Mio. EUR | (2006: 181 Mio. EUR) |
| Gewinn | 113 Mio. EUR | (2006: 131 Mio. EUR) |
[Bearbeiten] Ausgewählte Kennzahlen SolarWorld 2008
| Umsatzerlöse | 900,3 Mio. EUR |
| EBIT | 260,8 Mio. EUR |
| Gewinn | 148,7 Mio. EUR |
[Bearbeiten] Ausgewählte Kennzahlen SolarWorld 2009
| Umsatzerlöse | 1012,575 Mio. EUR |
| EBIT | 151,806 Mio. EUR |
| Gewinn | 58,973 Mio. EUR |
Nach einer Analyse des Handelsblattes (Ausgabe 8. Januar 2010) ging die Aktie der SolarWorld AG durch ihren Börsengang als beste Aktie der letzten 10 Jahre hervor.[9]
[Bearbeiten] Ausgewählte Kennzahlen SolarWorld 2010
| Umsatzerlöse | 1304,7 Mio. EUR |
| EBIT | 192,8 Mio. EUR |
| Gewinn | 87,3 Mio. EUR |
| Eigenkapital | 922,9 Mio. EUR |
[Bearbeiten] Engagement
[Bearbeiten] Nachhaltigkeit
Seit Gründung hat sich die SolarWorld als nachhaltiges Unternehmen positioniert. Dabei beruft sie sich nicht nur auf die Nachhaltigkeit ihrer Produkte, sondern verfolgt den Anspruch, insgesamt nachhaltig zu wirtschaften. In der jährlichen Berichterstattung beschreibt das Unternehmen, wie nachhaltiges Management umgesetzt wird. Erwähnte Maßnahmen sind beispielsweise eine Sustainability Balanced Scorecard.
Für die hohe Umwelt- und Sozialverträglichkeit seines Produktionsprozesses und die Verwertung speziell nachhaltiger Produkte erhielt das Unternehmen im Jahr 2008 den Deutschen Nachhaltigkeitspreis.
Die Berichterstattung des Konzerns folgt den Anforderungen der Global Reporting Initiative (GRI). Seit 2007 veröffentlicht die SolarWorld einen integrierten Bericht, d.h. die Nachhaltigkeitsberichterstattung ist Teil der Konzernberichterstattung. Dabei unterzieht der Wirtschaftsprüfer die Daten zur Nachhaltigkeitsleistung einer prüferischen Durchsicht. Die SolarWorld erreicht seitdem das höchste Anwendungsniveau der GRI: A+.
Als erstes reines Solarunternehmen unterzeichnete die SolarWorld 2009 die zehn Prinzipien des Global Compact der Vereinten Nationen (UNGC). Damit verpflichtet sich das Unternehmen, bestimmte soziale und ökonomische Aspekte, wie den Schutz vor Diskriminierung oder die Förderung umweltschonender Maßnahmen, auf globaler Ebene nachhaltig in die Unternehmensführung einzubeziehen.
[Bearbeiten] Solare Hilfsprojekte - Solar2World und SunTV
Die SolarWorld AG unterstützt unter dem Namen Solar2World unterschiedliche solare Hilfsprojekte in Entwicklungsländern. Vor allem in Afrika, aber auch beispielsweise in Haiti werden netzunabhängige Solaranwendungen installiert, um die regionale Entwicklung zu unterstützen. Krankenhäuser und Schulen sowie Wasseraufbereitungsstätten und Nationalparks wurden in den vergangenen Jahren mit Solarstrommodulen ausgestattet.
Zur Fußballweltmeisterschaft 2010 wurden in Südafrika und Namibia 35 netzunabhängige solarbetriebenen Fernsehstationen installiert. So konnten viele südafrikanische Zuschauer, die keinen Zugang zum öffentlichen Stromnetz hatten, die WM-Spiele am Bildschirm mitverfolgen. Das Projekt soll darüber hinaus auch zukünftige Weiterbildung und Aufklärung ermöglichen.
[Bearbeiten] Einstein-Award
Ende 2005 verlieh die SolarWorld AG erstmals den SolarWorld Einstein-Award, mit dem sie herausragende Persönlichkeiten ehrt, die sich um die Entwicklung der Solarenergie verdient gemacht haben. Erste Preisträger waren Dr. Hermann Scheer sowie der Generaldirektor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen, Klaus Töpfer.
Zur Nachwuchsförderung vergibt die SolarWorld AG zusätzlich den Junior-Einstein-Award. Mit dem Förderungspreis werden junge Nachwuchswissenschaftler ausgezeichnet, die sich mit der Erforschung solarer Möglichkeiten auseinandersetzen. Die Preisverleihungen finden einmal jährlich statt.
[Bearbeiten] Solare Mobilität
SolarWorld beteiligt sich seit 2005 an der Entwicklung von Solarrennwagen an der Hochschule Bochum. Die mit Studenten der Fachrichtung Ingenieurswissenschaft entwickelten Solarmobile zeigen die technischen Möglichkeiten auf, mit denen Solarenergie und Elektromobilität zukunftsweisend zusammengeführt werden können. Der 2011 entwickelte Solarracer SolarWorld Gran Turismo (GT) löst das Vorgängermodell SolarWorld No. 1 ab. Der SolarWorld GT startete im Oktober 2011 im Rahmen der World Solar Challenge in Australien eine Weltumrundung. Nach 365 Tagen und 34.000 Kilometern sowie zwei Äquatorüberquerungen soll diese 2012 beendet werden.
[Bearbeiten] Solarstromanlagen für den Vatikan
Im Jahr 2008 stiftete die SolarWorld dem Papst eine Solarstromanlage, bestehend aus mehr als 2.000 Solarmodulen. Installiert wurde die Solaranlage auf der vatikanischen Audienzhalle, was aufgrund der geschwungenen Dachform auch architektonisch ein außergewöhnliches Projekt darstellt.[10]
[Bearbeiten] Werbekampagnen
Im Sommer 2009 startete die SolarWorld AG eine Werbekampagne mit Fußballnationalspieler Lukas Podolski. Durch die von Starregisseur Sönke Wortmann produzierten TV-Werbespots und Plakatkampagnen hat der Konzern seinen Bekanntheitsgrad in Deutschland maßgeblich gesteigert. Seit 2010 läuft eine Kampagne mit Larry Hagman (bekannt aus der Fernsehserie Dallas), der in den Werbespots seinen Umstieg von Öl auf Solarenergie erklärt. Gesendet werden die Spots u.a. bei der ARD vor den 20.00 Uhr-Nachrichten.
[Bearbeiten] Weblinks
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ SolarWorld AG: Konzernzwischenbericht 3. Quartal 2011. Abgerufen am 6. Dezember 2011.
- ↑ SolarWorld AG: Konzernbericht 2010. Abgerufen am 27. Oktober 2011.
- ↑ Bonner Presseblog - Bundesumweltminister Röttgen weiht neue Solarwaferfertigung ein
- ↑ SolarWorld AG eröffnet Deutschlands größte Modulfertigung Pressemitteilung der SolarWorld vom 20. Mai 2011
- ↑ SolarWorld AG: SolarWorld AG plant Übernahmeangebot für deutsche Opel-Standorte. 19. November 2008, abgerufen am 1. Juni 2010.
- ↑ Der Spiegel: Solarfabrikant Asbeck verblüfft mit Offerte für Opel-Werke. 19. November 2008, abgerufen am 1. Juni 2010.
- ↑ http://boerse.ard.de/content.jsp?key=dokument_322604
- ↑ Der Spiegel: General Motors lässt Solarworld-Chef abblitzen. 19. November 2008, abgerufen am 1. Juni 2010.
- ↑ Handelsblatt: Der Bonner Sonnenkönig, Prinz Poldi und der Papst. 8. Januar 2010, abgerufen am 8. Dezember 2011.
- ↑ Solarzellen aus Deutschland auf päpstlicher Audienzhalle im Vatikan, Nachricht des Auswärtigen Amtes vom 15. November 2008
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