Arbeiter- und Soldatenrat

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Soldatenrat)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Reichsversammlung der Arbeiter-und Soldatenräte am 16. Dezember 1918

Arbeiter- und Soldatenräte waren in der deutschen Novemberrevolution 1918 Organe der Selbstverwaltung in den Städten, in denen sich Arbeiter und Soldaten erhoben, um die Hohenzollern-Monarchie zu stürzen und den Ersten Weltkrieg zu beenden. Sie nahmen die Sowjets (deutsch: Räte) der russischen Oktoberrevolution zum Vorbild. In ihrer Mehrheit bestanden sie aus Anhängern der SPD und der USPD. Die Institution der Räte bildet das wichtigste Element der Rätedemokratie/Räterepublik sowie damit zusammenhängend der politischen Strömung des Rätekommunismus.

Entstehung[Bearbeiten]

Ansprache eines Mitglieds des Arbeiter-und Soldatenrats am Berliner Reichstag, November 1918

Der erste Arbeiter- und Soldatenrat bildete sich am 4. November 1918 als Folge des Kieler Matrosenaufstands. In den nächsten Tagen folgten zahlreiche weitere Städte diesem Beispiel, bis die Revolution am 9. November Berlin erreichte. Während es sich am Anfang um soziale und Antikriegs-Proteste mit der Parole „Frieden und Brot“ handelte, forderten die Räte die Abdankung des Kaisers Wilhelm II. und die sozialistische Republik. Auf dem am 16. Dezember in Berlin zusammengetretenen Reichsrätekongress wurde darüber hinaus die Abschaffung der bisherigen Heeresverfassung und die Einführung eines Volksheeres mit gewählten Offizieren gefordert. Der Antrag der USPD, am Rätesystem als Grundlage der Verfassung der Republik festzuhalten und den Räten die legislative und exekutive Gewalt zuzugestehen, wurde abgelehnt.

Der SPD-Politiker Gustav Noske stellte sich in Kiel an die Spitze des Arbeiter- und Soldatenrates, mit dem Ziel, die revolutionäre Bewegung zu mäßigen und letztlich zu neutralisieren. Im Ergebnis kam es zur Gründung der Weimarer Republik als Kompromiss zwischen den revolutionären Forderungen und den Interessen der bürgerlichen Kräfte in Deutschland.

Aus den Erfahrungen der Arbeiter- und Soldatenräte[1] und ihrer (Teil-)Niederlage bildete sich die KPD unter Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg.

Langfristige Bedeutung[Bearbeiten]

Obwohl es bereits Vorläufer im 19. Jahrhundert gab (Arbeiterausschüsse), können die 1918 gebildeten Arbeiterräte als Ursprung von Betriebsräten und später auch Personalräten, also der Arbeitnehmervertretung im Rahmen der betrieblichen Mitbestimmung, verstanden werden.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Wilhelm Keil: Erlebnisse eines Sozialdemokraten. Band 2. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1948.
  • Gerhard Engel: Die "Freie demokratische Fraktion" in der Großberliner Rätebewegung - Linksliberalismus in der Revolution 1918/1919, in: Internationale wissenschaftliche Korrespondenz zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung (IWK), No. 2/2004, S. 150 - 202.
  • Ralf Hoffrogge: Richard Müller - Der Mann hinter der Novemberrevolution, Karl-Dietz-Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3320021481
  • Reinhard Rürup: Probleme der Revolution in Deutschland 1918/19. Steiner, Wiesbaden 1968 (Institut für Europäische Geschichte Mainz. Vorträge 50, ISSN 0537-7927).
  • Ulrich Kluge: Soldatenräte und Revolution. Studien zur Militärpolitik in Deutschland 1918/19. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1975, ISBN 3-325-35965-9 (formal falsche ISBN), (Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft 14), (Zugleich: Berlin, FU, Diss., 1972), online.
  • Allgemeiner Kongreß der Arbeiter- und Soldatenräte Deutschlands. Vom 16. bis 21. Dezember 1918 im Abgeordnetenhause zu Berlin. Reprint der Ausgabe Berlin 1919. Olle & Wolter, Berlin 1976, (Kritische Bibliothek der Arbeiterbewegung 1, ZDB-ID 518701-1).
  • Sebastian Haffner: Die deutsche Revolution 1918/1919. Wie war es wirklich? Kindler, München 1979, ISBN 3-463-00738-X (5. korrigierte und aktualisierte Auflage unter dem Titel: Der Verrat. Verlag 1900, Berlin 2002, ISBN 3-930278-00-6).
  • Hagen Schulze: Weimar. Deutschland 1917–1933. Severin u. Siedler, Berlin 1982, ISBN 3-88680-050-4 (Siedler deutsche Geschichte = Die Deutschen und ihre Nation 4).
  • Karl Heinrich Pohl: Obrigkeitsstaat und Demokratie. Aspekte der „Revolution“ von 1918/19. In: Manfred Hettling (Hrsg.): Revolution in Deutschland? 1789–1989. Sieben Beiträge. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1991, ISBN 3-525-33572-5, S. 46–70, online.
  • Heinrich August Winkler: Weimar 1918–1933. Die Geschichte der ersten deutschen Demokratie. Beck, München 1993, ISBN 3-406-37646-0.
  • Horst Möller: Die Weimarer Republik. Eine unvollendete Demokratie. 9. Auflage. Deutscher Taschenbuch-Verlag, München 2008, ISBN 978-3-423-34059-5, S. 1–93 (dtv 34059).

Regionale Darstellungen[Bearbeiten]

  • W. Sollmann: Die Revolution in Köln. Ein Bericht über Tatsachen. Verlag der Rheinischen Zeitung, Köln 1918 (Nachdruck: Archiv Verlag, Braunschweig 1993).
  • Paul Hahn: Erinnerungen aus der Revolution in Württemberg. „Der rote Hahn. Eine Revolutionserscheinung.“ Bergers Literarisches Büro und Verlagsanstalt, Stuttgart 1922 (Zeitgenössische Memoirenwerke).
  • Erhard Lucas: Frankfurt unter der Herrschaft des Arbeiter- und Soldatenrats. 1918/19. Verlag Neue Kritik, Frankfurt am Main 1969.
  • Klaus Schönhoven: Die württembergischen Soldatenräte in der Revolution von 1918/19. In: Zeitschrift für Württembergische Landesgeschichte. 33, 1974, ISSN 0044-3786, S. 236–257.
  • Eberhard Kolb, Klaus Schönhoven: Regionale und Lokale Räteorganisationen in Württemberg. 1918/19. Droste, Düsseldorf 1976, ISBN 3-7700-5084-3 (Quellen zur Geschichte der Rätebewegung in Deutschland 1918/1919. Bd. 2).
  • Günter Cordes: Das Revolutionsjahr 1918/19 in Württemberg und die Ereignisse in Ludwigsburg. In: Ludwigsburger Geschichtsblätter. 32, 1980, ISSN 0179-1842, S. 117–138.
  • Dirk Dähnhardt: Revolution in Kiel. Der Übergang vom Kaiserreich zur Weimarer Republik 1918/19. 2. unveränderte Auflage. Karl Wachholtz, Neumünster 1984, ISBN 3-529-02636-0 (Mitteilungen der Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte 64), (Zugleich: Kiel, Univ., Diss., 1977).

Dokumente[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Manche Zeitgenossen sprachen von „Arsol-Räten“.