Some Time in New York City

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Some Time in New York City
Studioalbum von John Lennon und Yoko Ono
Veröffentlichung 15. September 1972
Label Apple Records, EMI Group
Format LP, MC, CD, Download
Genre Rock
Anzahl der Titel 16
Laufzeit 90 min 52s

Besetzung

  • Elephant’s Memory Band:
    • Stan Bronstein – Saxofon, Flöte
    • Wayne ‚Tex‘ Gabriel – Gitarre
    • Richard Frank Jr. – Schlagzeug, Perkussion
    • Adam Ippolito – Klavier, Orgel
    • John La Boosca – Klavier
    • Gary Van Scyoc – Bass
Produktion John Lennon, Yoko Ono, Phil Spector
Studio Record Plant East-New York
Chronologie
Imagine
1971
Some Time in New York City Mind Games
1973

Some Time in New York City (dt.: ‚Irgendwann in New York City‘) ist das dritte Solo-Studioalbum von John Lennon nach der Trennung der Beatles. Gleichzeitig ist es einschließlich der drei Avantgarde-Alben mit seiner Frau Yoko Ono und des Live-Albums der Plastic Ono Band das insgesamt siebte Album John Lennons und das fünfte Album mit Yoko Ono. Es wurde am 15. September 1972 in Großbritannien und am 15. Juni 1972 in den USA veröffentlicht.

Some Time In New York City gilt als das politischste Werk von John Lennon.

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten]

Am 3. September 1971 verließen John Lennon und Yoko Ono Großbritannien und flogen nach New York, und checkten im St Regis Hotel ein, von wo sie aus mehrere künstlerische Projekte begannen. Bis zum November 1971 erfolgte ein Umzug nach Greenwich Village in die 105 Bank Street.

Als erstes musikalisches Projekt nahmen sie vom 28. bis zum 31. Oktober 1971 mit dem Produzenten Phil Spector und den Musikern Jim Keltner (Schlagzeug), Klaus Voormann (Bass), Nicky Hopkins (Keyboard) und dem Harlem Community Choir folgende Weihnachtssingle auf:

  • Happy Xmas (War Is Over) / Listen, the Snow is Falling (John & Yoko/Plastic Ono Band with the Harlem Community Choir– Erscheinungsdatum: 6. Dezember 1971 (Großbritannien: 24. November 1972))[1]
Poster der Friedenskampagne aus dem Jahr 1969

Die Single war in den USA, im Gegensatz zu Großbritannien, wo sie ein Jahr später veröffentlicht wurde, kommerziell nicht erfolgreich, etablierte sich aber in kommenden Jahren zu einem der meistgespielten Weihnachtslieder. Der Text basiert auf dem Slogan einer Antikriegs-Kampagne von John Lennon und Yoko Ono aus dem Dezember 1969. Die Zeile “War is over, if you want it, war is over, now!” die im Hintergrund vom Chor gesungen wird, stammt aus dieser Kampagne.

John Lennon und Yoko Ono sahen sich in den USA mit verschiedenen politischen Problemen konfrontiert. Das hatte zur Folge, dass sich das Paar intensiv damit auseinandersetzte und diese Einflüsse in ihren Texten verarbeiteten; als weiteres Thema wurde der damalige Nordirlandkonflikt aufgegriffen. Die Texte der Neukompositionen wichen von den allgemeinen Friedensbotschaften wie bei Give Peace a Chance und Happy Xmas (War is Over) ab, hin zu speziellen Themen, die auf aktuellen Anlässen beruhten, die Lennons ließen sich in dieser Zeit unter anderen von Jerry Rubin und David Peel politisch beeinflussen.

John Lennon und Yoko Ono hatten mit einer extra für diesen Auftritt zusammengestellten Band, am 10. Dezember 1971 in der University of Michigan in der Crisler Arena in Ann Arbor, Michigan, eine Auftritt, wo sie während der John Sinclair Freedom Rally folgende Lieder erstmals live darboten: Attica State, The Luck of the Irish, Sister O Sister und John Sinclair.

Grund der Veranstaltung war die Inhaftierung von John Sinclair, der ein US-amerikanischer Dichter und Schriftsteller ist und ehemaliger Manager der MC5 und Vorsitzender der White Panther Party war. Er wurde im Juli 1969 zu zehn Jahren Haft verurteilt, weil er zwei Joints an verdeckte Ermittler der Polizei verkaufte. Lennon fordert in diesem Stück Sinclairs Freilassung und kritisiert in seinem Text die CIA und den Vietnamkrieg. (“…if he he’d been a soldier man, shooting gooks in Vietnam, if he was the CIA, selling dope and making haye, he’d be free…”).[2]

Die Grundlage für Attica State bildet die Revolte der Insassen der Attica Correctional Facility im Jahr 1971. Die Häftlinge verlangten bessere Lebensbedingungen. Am 9. September 1971 nahmen die Insassen 33 Wärter als Geiseln als Reaktion auf den Tod von George Jackson, einem der Gefangenen in der Haftanstalt. Bei der gewaltsamen Beendigung der Geiselnahme kamen 39 Menschen ums Leben.[3]

The Luck of the Irish behandelt das Thema Nordirland und Lennon findet harsche Worte für die britische Politik (“…if you had the luck of the Irish, you’d be sorry and wish you were dead, you should have the luck of the Irish, and you’d wish you was English instead…”). Die Briten marschierten dort ein und „vergewaltigten“ das Land (“…was raped by the British brigands…”). Weiterhin warf John Lennon den Engländern vor Völkermord zu begehen (“As the bastards commit genocide! Aye! Aye! Genocide!”).[4]

In Sisters O Sisters, hauptsächlich geschrieben von Yoko Ono, verlangt Ono, dass sich die Frauen erheben sollen (“…let’s stand up right now…”). Es handelt somit auch von der Unterdrückung der Frau.

Die live eingesungenen Lieder The Luck of the Irish und John Sinclair wurden im November 1998 auf dem Kompilationsalbum John Lennon Anthology veröffentlicht. Die Liveversion von Attica State erschien im September 2006 auf dem Album The U.S. vs. John Lennon.

Am 16. Dezember 1971 wurden die vier Lieder erneut während der David Frost Show im US-amerikanischen Fernsehen aufgeführt, die Ausstrahlung erfolgte am 13. Januar 1972. Einen Tag später am 17. Dezember 1971 erfolgte ein weiterer Auftritt der Lennons während des Attica State Benefit im Apollo Theatre in New York City, wo sie Attica State und Imagine sangen, beide Liveversionen wurden ebenfalls auf der John Lennon Anthology veröffentlicht. Vom 14. Januar bis zum 28. Januar 1972 folgten fünf Auftritte mit der Elephant’s Memory Band in der Mike Douglas Show, die Ausstrahlung im US-amerikanischen Fernsehen erfolgte vom 14. bis zum 18. Februar 1972.

John Lennon und Yoko Ono beschlossen gemeinsam ein Album aufzunehmen, das überwiegend politische Texte beinhaltet. Für Some Time in New York City engagierten John Lennon, Yoko Ono und Phil Spector die Elephant’s Memory Band und Jim Keltner als Studiomusiker, die Aufnahmen fanden von Februar bis März 1972 statt. Während dieser Zeit bekam John Lennon Probleme mit der Aufenthaltsgenehmigung in den USA, es drohte ihm eine Ausweisung, Grund waren die wachsenden Befürchtungen der CIA vor einem „radikalisierenden“ Künstler John Lennon.

Am 20. März 1972 wurden die Aufnahmen beendet, aber eine Veröffentlichung verzögerte sich aufgrund von musikrechtlichen Problemen der Firmen Maclen (Firma von John Lennon und Paul McCartney) und Ono Music (Firma von John Lennon und Yoko Ono). Hinzu kam, dass der Manager von John Lennon, Allen Klein, nicht wollte, dass das Album veröffentlicht werden sollte. Allen Klein befürchtete, dass sich das Album schlecht verkaufen und dass so eine Sonderzahlung von Capitol Records nicht ausgezahlt wird. Bedingung der Sonderzahlung war, dass die beiden letzten Soloalben von Ex-Beatles, die vor dem 31. August 1972 veröffentlicht werden, mindestens 500.000 Exemplare in den USA verkaufen müssten. Some Time in New York City wurde in den USA am 15. Juni 1972 veröffentlicht und verkaufte dort weniger als 200.000 Exemplare und war somit das kommerziell erfolgloseste Studio-Album John Lennons zu Lebzeiten. In Europa verkaufte sich das Album im Vergleich zum Vorgänger-Album Imagine ebenfalls schlecht, dort wurde das Album erst am 15. September 1972 veröffentlicht. Zu dieser Zeit war die Mehrheit der besungenen Ereignisse nicht mehr aktuell. Ob die politischen Texte oder die Musik vom Publikum nicht angenommen wurden bleibt spekulativ.

Das Album beinhaltete neben den vier vorher erwähnten Liedern Attica State, The Luck of the Irish, Sister O Sister und John Sinclair noch folgende Musikstücke:

  • In Woman Is the Nigger of the World moniert Lennon die Missstände um das Thema „Frau“. Er bezeichnete seine Jugend später als chauvinistisch, dies änderte sich seiner Meinung aber, als er Yoko Ono kennenlernte.[5]
  • Das Yoko Ono-Lied Born in a Prison gibt die sozialkritische Meinung der Autorin wider, in der das Leben mit einem Gefängnisaufenthalt verglichen wird.[6]
  • In New York City beschreibt Lennon die Erlebnisse und Begegnungen des Paars die der Umzug nach New York mit sich brachte. Namentlich genannt werden David Peel und Jerry Rubin, mit denen das Paar musikalisch und politisch aktiv waren.[7]
  • In Sunday Bloody Sunday beschreibt John Lennon seine Gedanken zum sogenannten Blutsonntag am 30. Januar 1972 in Nordirland, bei dem 13 Demonstranten von britischen Fallschirmjägern erschossen wurden.[8]
  • Angela wurde gemeinsam von John Lennon und Yoko Ono geschrieben und handelt von Angela Davis, die eine politische Aktivistin in den USA ist und die im Jahr 1970 wegen angeblicher Beteiligung an einer Gefangenenbefreiung verhaftet wurde. Angela war Lennons und Onos Beitrag für die „Free Angela Davis“-Kampagne.[9]
  • In Yoko Onos We’re All Water geht es um die scheinbaren Unterschiede zwischen den Menschen, die bei näherer Betrachtung nur oberflächlich sind, so unterscheiden sich Mao Zedong und Richard Nixon nur wenig, nachdem man sie entkleidet hat. („…there may not be much difference between chairman Mao and Richard Nixon, if we strip them naked…“).

Nach Beendigung der Aufnahmen hatten John Lennon und Yoko Ono mit der Elephant’s Memory Band am 11. Mai 1972 einen Auftritt in der Dick Cavett Show, es folgten am 30. August 1971 zwei Konzerte im Madison Square Garden in New York unter dem Titel One to One-Konzert, das entsprechende Livealbum Live in New York City erschien erst im Januar 1986. Der letzte gemeinsame Auftritt mit der Elephant’s Memory Band erfolgte am 6. September 1972 während der Benefiz-TV-Show Jerry Lewis Muscular Dystrophy Telethon wo sie drei Lieder spielten. Die letzten gemeinsamen Studioaufnahmen mit der Elephant’s Memory Band erfolgten im Oktober/November 1972 für das Yoko Ono-Doppelalbum Approximately Infinite Universe, das von John Lennon und Yoko Ono produziert wurde.[10]

John Lennon produzierte ebenfalls im Januar/Februar 1972 das Album The Pope Smokes Dope für David Peel sowie im April/Mai 1972 (Veröffentlichung: April 1972) das Album Elephant’s Memory der Elephant’s Memory Band (Veröffentlichung: September 1972), bei beiden Alben wirkte er auch teilweise als Musiker mit.

Das Album enthält zusätzlich den Livemitschnitt eines gemeinsamen Auftritts vom 6. Juni 1971 von John Lennon, Yoko Ono und Frank Zappas Mothers of Invention im Fillmore East in New York, sowie einen weiteren Konzertmitschnitt der Plastic Ono Band im Lyceum Ballroom in London vom 15. Dezember 1969, das unter dem Motto peace for christmas (Benefit for UNICEF) stand. Bei diesem Auftritt wirkten neben Eric Clapton, Klaus Voormann, Alan White unter anderen auch Billy Preston und George Harrison mit, die Musikgruppenbezeichnung lautete Plastic Ono Supergroup. Ursprünglich war es geplant das Album separat unter dem Titel Live Jam zu veröffentlichen, dann wurde es aber mit dem Studioalbum Some Time in New York City kombiniert.

Während der Aufnahmen zu Some Time in New York City wurden noch Rock’n Roll-Titel sowie das Lied Down In the Caribbean aufgenommen. Die Lieder sind auf Bootlegs veröffentlicht worden.

Das nächste gemeinsame Album von John Lennon und Yoko Ono erschien mit Double Fantasy im November 1980.

Wiederveröffentlichungen[Bearbeiten]

  • Die Erstveröffentlichung im CD-Format erfolgte im August 1987.
  • Im Oktober 1992 veröffentlichte Frank Zappa die Liveaufnahmen mit John Lennon und Yoko Ono auf seinem Album Playground Psychotics in einer anderen Abmischung.
  • Im November 2005 wurde das Album Some Time in New York City als Einzel-CD in einer remasterten und neu abgemischten Version mit zwei Bonusstücken, aber ausschließlich der Liveaufnahmen mit Frank Zappa wiederveröffentlicht (We’re All Water und Don’t Worry Kyoko wurden zusätzlich noch editiert). Weitere Liveaufnahmen von Studiotiteln des Albums waren bereits auf dem Boxset John Lennon Anthology veröffentlicht worden.
  • Im Oktober 2010 wurde das Album in einer erneut remasterten Version, diesmal in der originalen Abmischung und ohne Bonusstücke, aber wieder mit den Liveaufnahmen mit Frank Zappa, wiederveröffentlicht.

Single-Auskopplung[Bearbeiten]

Als Single wurde in den USA[11] und Deutschland[12] vorab am 24. April 1972 Woman Is the Nigger of the World / Sister O Sister aus dem Album ausgekoppelt. Eine Veröffentlichung in Großbritannien erfolgte nicht.

Titelliste[Bearbeiten]

  • Seite 1
  1. Woman Is the Nigger of the World (Lennon/Ono) – 5:12
  2. Sisters, O Sisters (Ono) – 3:45
  3. Attica State (Lennon/Ono) – 2:53
  4. Born in a Prison (Ono) – 4:05
  5. New York City (Lennon) – 4:27
  • Seite 2
  1. Sunday Bloody Sunday (Lennon/Ono)– 4:58
  2. The Luck of the Irish (Lennon/Ono) – 2:55
  3. John Sinclair (Lennon) – 3:26
  4. Angela (Lennon/Ono) – 4:04
  5. We’re All Water (Ono) – 7:10
  • Seite 3
  1. Cold Turkey (Live) (Lennon) – 8:35
  2. Don’t Worry Kyoko (Live) (Ono) – 16:01
  • Seite 4
  1. Well (Baby Please Don’t Go) (Live Jam) (Walter Ward) – 4:41
  2. Jamrag (Live) (Lennon/Ono) – 5:36
  3. Scumbag (Live) (Lennon/Ono/Frank Zappa) – 4:08
  4. Aü (Live) (Lennon/Ono) – 6:23

Wiederveröffentlichung von 2005[Bearbeiten]

  1. Woman Is the Nigger Of The World (Lennon/Ono) – 5:17
  2. Sisters, O Sisters (Ono) – 3:48
  3. Attica State (Lennon/Ono) – 2:55
  4. Born in a Prison (Ono) – 4:05
  5. New York City (Lennon) – 4:29
  6. Sunday Bloody Sunday (Lennon/Ono) – 5:03
  7. The Luck of the Irish (Lennon/Ono) – 2:59
  8. John Sinclair (Lennon) – 3:30
  9. Angela (Lennon/Ono) – 4:08
  10. We’re All Water (Ono) – 5:19
  11. Cold Turkey [Live Jam] (John Lennon) – 8:35
  12. Don’t Worry Kyoko (Yoko Ono) – 15:20
  13. Well (Baby Please Don’t Go) (Walter Ward) – 4:33

Bonustitel

  1. Listen, the Snow Is Falling (Ono) – 3:06
  2. Happy Xmas (War Is Over) (Lennon/Ono) – 3:34

Chartplatzierungen[Bearbeiten]

Jahr Album Chartplatzierungen
DE AT CH UK US
1972 Some Time in New York City - - - 11 48
Jahr Singleauskopplung Chartplatzierungen
DE AT CH UK US
1972 Woman Is the Nigger of the World - - - n.v. 57
Jahr Separate Single Chartplatzierungen
DE AT CH UK US
1971 Happy Xmas (War Is Over) 45 54 57 2

Literatur[Bearbeiten]

  • John Lennon die Biographie von Philipp Norman
  • Chip Madinger, Mark Easter: Eight Arms To Hold You – The Solo Compendium. 44.1 Productions 2000, ISBN 0-615-11724-4 (S. 32–33; 57–58 und 71–73).

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 7”-Single: Happy Xmas (War is Over)
  2. Text:John Sinclair
  3. Text: Attica State
  4. Text: The Luck of the Irish
  5. Text: Woman Is the Nigger of the World
  6. Text: Born in a Prison
  7. Text: New York City
  8. Text: Sunday Bloody Sunday
  9. Text: Angela
  10. Album: Approximately Infinite Universe
  11. US-7“-Vinyl-Single: Woman Is the Nigger of the World
  12. Deutsche-7“-Vinyl-Single: Woman Is the Nigger of the World