Sonderabzeichen für das Niederkämpfen von Panzerkampfwagen durch Einzelkämpfer

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Deutscher Soldat mit Panzerfaust in einem Deckungsgraben, Ukraine 1944
Verleihung des Panzervernichtungsabzeichens
Verleihungsdokument für das "Sonderabzeichen für das Niederkämpfen von Panzerkampfwagen durch Einzelkämpfer in Gold"
Beispiel des Panzervernichtungsabzeichens in Gold und Silber am rechten Ärmel erkennbar
Bundeswehrordensspange mit goldenen Panzervernichtungsabzeichen in der 57er Version

Das Sonderabzeichen für das Niederkämpfen von Panzerkampfwagen durch Einzelkämpfer (kurz: Panzervernichtungsabzeichen) war eine Auszeichnung für Einzelkämpfer in deutschen Kampfverbänden im Zweiten Weltkrieg, die laut Bekanntmachung vom 9. März 1942 "mit Nahkampfwaffen oder Nahkampfmitteln (Panzerbüchse, Gewehrgranate, geballte Ladung usw.) einen feindlichen Panzerkampfwagen oder sonstiges feindliches gepanzertes Fahrzeug im Nahkampf vernichtet oder außer Gefecht gesetzt haben". Mit Verfügung vom 18. Dezember 1943 wurden auch Panzerfaust und Panzerschreck als Nahkampfwaffe anerkannt.[1]

Bei den Nahkampfmitteln handelte es sich außer den geballten Ladungen, meist Bündel von Handgranaten, um Molotowcocktails, Handgranaten, Panzerminen oder Hafthohlladungen. Geballte Ladungen oder Handgranaten wurden auf den Panzer bzw. Kettenlaufräder und Kette geworfen und gelegt, in der Hoffnung, seine Bewegungsfähigkeit durch Zerstörung der empfindlichen Kettenlaufräder oder Ketten zu mindern oder zu unterbinden. Ferner wurden diese durch die Panzerluken geworfen, wozu der Angreifer auf den Panzer klettern musste. Molotowcocktails, mit Brandmittel befüllte Glasflaschen mit brennender Lunte, wurden aufs Heck des Panzers geworfen. Durch die Lüftungsschlitze des Motors lief die brennende Flüssigkeit in den Motorraum hinein und setzt diesen in Brand, was einen Totalausfall des Panzers bewirken konnte. Die Panzerminen oder Hafthohlladungen waren zum Teil mit Magneten versehen um sie an fahrenden Panzern wirkungsvoll anbringen zu können. In den bauartbedingten Hohlräumen des Panzers (Spalten zwischen Turm und Wanne, bzw. Fahrwerk) platziert, verursachen sie empfindliche Schäden bis zur völligen Zerstörung des Panzers.

Bei all diesen Angriffsvariationen mit Panzernahbekämpfungsmitteln ist jedoch als Voraussetzung anzusehen, dass der feindliche Panzer nicht durch eigene Infanterie geschützt wurde, die den angreifenden Soldaten sofort unter Feuer genommen hätte. Der Panzer musste beim Angriff mit Nahkampfmitteln entweder stehen oder ganz langsam fahren. Der Angriff erfolgte von der Seite oder von hinten, da die Sicht aus dem Panzer sehr eingeschränkt war. Zudem musste der angreifende Soldat hoffen, dass er von anderen Panzern beim Angriff nicht bemerkt wurde, da er sonst sofort mit MG beschossen wurde. Hingegen konnte beim Angriff mit Panzerbüchse, Gewehrgranate, Panzerfaust und Panzerschreck auch aus einer Deckung heraus agiert werden.

Das Panzervernichtungsabzeichen wurde am 9. März 1942 gestiftet und konnte rückwirkend bis zum 22. Juni 1941 verliehen werden. Es bestand aus einem rechteckigen Aluminiumgespinst (32 mm x 90 mm), ober- und unterhalb abgegrenzt durch etwa 3 mm eingewirkten dünnen schwarzen Stoffstreifen und einem mittig aufgesetzten, aus Blech gestanzten silberfarbenen Panzer. Das Abzeichen wurde mit Hilfe von drei Splinten oder zwei Splinten und einer Gegenplatte am rechten Ärmel in Höhe des Oberarms befestigt. Für jeden weiteren zerstörten, bzw. kampfunfähig gemachten Feindpanzer wurde ein weiteres Abzeichen verliehen und am Ärmel angebracht.

Aus Platzgründen wurde am 18. Dezember 1943 das Goldene Panzervernichtungsabzeichen gestiftet, das sich durch das goldfarbene Gespinst und den goldfarbenen Panzer vom einfachen Abzeichen unterschied und nach Abschuss des 5. Panzers verliehen wurde. Der beliehene Soldat musste in diesem Fall die vier vorher erlangten Abzeichen, die weiterhin in seinem Besitz blieben, ablegen.

Die Panzervernichtungsabzeichen wurden von mehreren Herstellern produziert und in der Ausführung der Abzeichen gab es kleinere Unterschiede. Da Anfangs bei Fronttruppen ein Mangel an Panzervernichtungsabzeichen herrschte wurden auch provisorische und selbst von Soldaten hergestellte Abzeichen verliehen.[1]

Am 7. März 1945 befahl Hitler (voller Wortlaut): Der Führer hat heute befohlen, dass jeder Soldat, der mit Panzerfaust oder mit behelfsmäßigen Nahkampfmitteln 6 feindliche Panzer vernichtet, das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes erhält. Abschüsse mit Ofenrohr (Raketenpanzerbüchse 54) unterliegen einer besonderen Bewertung. Diese Bestimmung ist auf dem schnellsten Weg allen Soldaten bekanntzugeben. Sie hat keine rückwirkende Kraft. Die Ritterkreuzvorschläge sind mit kürzester Begründung unter Angabe des Vernichtungsmittels und unter Aufführung der erforderlichen Personalangaben auf dem Fernschreibewege von der eingebenden Stelle unmittelbar an den Chef des Heerespersonalamtes (HPA) im Führerhauptquartier zu richten. Den vorgesetzten Dienststellen ist gleichzeitig Meldung zu erstatten.[2]

Die meisten Panzervernichtungsabzeichen erhielten Günther Viezenz mit insgesamt 21 Abzeichen, Friedrich Anding mit 18 Abzeichen und Willi Frey mit 12 Abzeichen. Walter Kuhn erhielt vier Panzervernichtungsabzeichen für vier Panzervernichtungen innerhalb eines einzigen Tages.[1]

In Deutschen Reich berichteten Zeitschriften und Zeitungen ab 1942 häufig über Soldaten welche feindliche Panzer vernichtet hatten. Diese Soldaten wurden als Panzerknacker bezeichnet. In den Berichten waren meist Soldaten zu sehen an deren Uniformen die Panzervernichtungsabzeichen waren.[1]

Nach Angaben des Generalobersten Heinz Guderian wurden bis Mai 1944 etwa 10.000 Panzervernichtungsabzeichen verliehen. Bis Kriegsende waren es schätzungsweise 14.000. Im Gegensatz zu Klietmann 1981 geht der Militaria-Experte Lautenschläger 2013 von ca. 13.000 Verleihungen aus.[1]

Da auf den Panzervernichtungsabzeichen kein Hakenkreuz abgebildet war, durften diese auch bei der Bundeswehr getragen werden. Wie bei anderen Militärorden des Dritten Reichs wurden auch vom Panzervernichtungsabzeichen Kopien im Militariabereich als Originale verkauft.[1]

Panzervernichtungsabzeichen gab es im Zweiten Weltkrieg auch in den Armeen von Finnland, Ungarn und Italien.[1]

Siehe auch: Liste der deutschen Orden und Ehrenzeichen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Dirk Schneider: "Das Panzervernichtungsabzeichen sowie das Tieffliegervernichtungsabzeichen." Verlag Weber 2014, ISBN 978-3981651829
  • Kurt-Gerhard Klietmann: Auszeichnungen des Deutschen Reiches. 1936–1945. Motorbuch, Stuttgart 1981, ISBN 3-87943-689-4.
  • Alex Buchner: Deutsche und alliierte Heereswaffen 1939–1945. Deutschland, UdSSR, England, USA. Podzun-Pallas, Friedberg/H. 1992, ISBN 3-7909-0469-4.
  • Uwe Lautenschläger: Das Sonderabzeichen für das Niederkämpfen von Panzerkampfwagen durch Einzelkämpfer. Internationales Militaria-Magazin 2013, Nr. 159: 5-38.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g Uwe Lautenschläger: Das Sonderabzeichen für das Niederkämpfen von Panzerkampfwagen durch Einzelkämpfer. Internationales Militaria-Magazin 2013, Nr. 159: 5-38.
  2. Veit Scherzer: Ritterkreuzträger 1933–1945. Militaer-Verlag, Ranis/Jena 2005, ISBN 3-938845-00-7, S. 30.