Schmuckfarbe

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Gamut des CMYK-Farbraums im Vergleich zum Monitor-RGB am CIE-Diagramm aller sichtbaren Farben.

Eine Schmuckfarbe, auch Sonderfarbe oder Spotcolour genannt, ist eine zusätzlich zu den Grundfarben verwendete Druckfarbe beim Mehrfarbdruck. Der Begriff umfasst Volltonfarben für zusätzlichen Farbtiefenumfang ebenso wie Effektfarben.

  • Eine Volltonfarbe lässt sich nicht aus den Standardgrundfarben zusammensetzen. Dies ist weder im Vierfarbdruck, der auf dem CMYK-Farbmodell (Cyan, Magenta, Yellow und Schwarz) beruht (in aller Regel die Prozessfarben oder Grundfarben der Euroskala) möglich, noch im Sechsfarbdruck. Der Grund liegt darin, dass das Gamut des Farbdrucks einige wichtige Farbbereiche nicht berücksichtigt: Wie bei jeder Drei- (beziehungsweise beim Druck Vier-)farbenmischung bleiben farbsatte, hochbunte Töne (Volltöne) nicht darstellbar. Besonders im Bereich Grün und im Tiefblau zeigt die CMY-Farbmischung deutliche Schwächen. Durch Hinzunahme weiterer Farben wird der Gamut erweitert.
  • Auch ein Deckweiß, das in seiner Weißheit außerhalb des am Papierweiß limitierten Gamuts liegt, gehört zu den Sonderfarben, oder die deckenden Rubbellosfarben von PIN-Zuteilungen.
  • Weiter führt die Wiedergabe durch Rasterung (in der Bildverarbeitung: Dithering) von hellen und dunklen Farben bei den tiefen Farben zu Verschwärzung, bei den Pastellfarben zu Farbschwäche, so dass auch in diesen Bereichen, etwa im Kunstdruck, Sonderfarben notwendig werden.
  • Effektfarben, etwa Gold- oder Silberfarben oder Leuchtfarben, weisen darüber hinausgehende Eigenschaften aus, was Glanz und andere Effekte betrifft.
  • auch für Flächen in Volltonabbildung, in dem flächendeckender Farbauftrag gefordert ist, werden bei Mischtechnik mit Rasterdruck Sonderfarben notwendig: Metalleffektfarben sind sehr stark deckend sowie teilweise nicht überdruckbar und können beim Rastern einen Großteil ihres Glanzeffektes verlieren, da es keine geschlossene Oberfläche mehr gibt. Macht man es trotzdem, können bei falscher Farbreihenfolge völlig unvorhersehbare Farbeffekte auftreten, wenn mit der gerasterten, opaken Metallfarbe vorgedruckte Rastertonfarben partiell abgedeckt werden. Das dadurch resultierende Schillern zeichnet sich durch Moiréeffekte und/oder gravierende Farbschwankungen von einem Bogen zum nächsten aus.

Durch den Einsatz von Schmuckfarben ist es auch möglich, Farben zu drucken, die außerhalb des beim Vierfarbdruck möglichen Farbbereichs liegen. Die Schmuckfarbe, als Druckfarbe, die spezielle optische , „schmückende“ Eigenschaften hat, wird als eigener, „gesonderter“ Druckgang gedruckt. Bei den heute üblichen 4-Farbmaschinen, die alle vier Prozessfarben in einem Arbeitsgang drucken, erfordert die Sonderfarbe einen gesonderten Druckgang, was zu mitunter nicht unerheblichen Mehrkosten führen kann, da eine 4-Farbmaschine dann doppelt so lange für diesen 5-farbigen Job belegt ist, oder zwei getrennte Druckwerke im Seriendruck notwendig sind.
Im modernen Photodruck verwendet man neben den vier CMYK-Farben – hierbei nicht ganz im Sinne des Begriffs als „Sonderfarbe“ bezeichnet – auch Hellcyan und Hellmagenta (Sechsfarbdruck), zwei Grautöne, oder gar sechs Grundfarben eines kombinierten RGB-CMY-Systems mit Schwarz und Grau, als Grundfarben, aber auch, wenn nötig, zusätzliche Schmuckfarben.[1]

Gebräuchliche Schmuckfarbenpaletten für die Druckendstufe sind HKS- (hochgesättigte Farben wie HKS 61 oder 84, oder deckend HKS 88K) und Pantone-Fächer (z. B. 801-814C, 871-877C für Effektfarben), auch das RAL-Farbsystem definiert etwa Perlglanz-Sonderfarben. Stehen vorgesehene Schmuckfarben nicht zur Verfügung, werden sie näherungsweise aus den Prozessfarben gedruckt.

(1) das übermäßige Blau dieser Abbildung ergibt sich durch globale Sättigungsreduktion im Scan, was die anderen Farben verblassen lässt
(2) auch am Bildschirm erscheinen die Goldflächen nur in gedämpftem Ocker

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Johannes Schuster: Tintologie. Die Technik fototauglicher Tintendrucker. c’t 7/2006 S. 234f
Farb-Check-RGB.png

Die in diesem Artikel angezeigten Farben sind nicht farbverbindlich und können auf verschiedenen Monitoren unterschiedlich erscheinen.
Eine Möglichkeit, die Darstellung mit rein visuellen Mitteln näherungsweise zu kalibrieren, bietet das nebenstehende Testbild (nur wenn die Seite nicht gezoomt dargestellt wird): Tritt auf einer oder mehreren der drei grauen Flächen ein Buchstabe („R“ für Rot, „G“ für Grün oder „B“ für Blau) stark hervor, sollte die Gammakorrektur des korrespondierenden Monitor-Farbkanals korrigiert werden. Das Bild ist auf einen Gammawert von 2,2 eingestellt – den gebräuchlichen Wert für IBM-kompatible Computer. Apple-Macintosh-Rechner hingegen verwenden bis einschließlich System 10.5 („Leopard“) standardmäßig einen Gammawert von 1,8, seit dem System 10.6 („Snow Leopard“) kommt Gamma 2,2 zum Einsatz.