Sonic Youth

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Sonic Youth
Gordon und Moore, Stockholm 2005
Gordon und Moore, Stockholm 2005
Allgemeine Informationen
Genre(s) No Wave, Noise-Rock,
Post-Punk, Art-Punk
Gründung 1981
Website www.sonicyouth.com
Gründungsmitglieder
Thurston Moore
Bass, Gitarre,
Gesang
Kim Gordon
Gesang, Gitarre
Lee Ranaldo
Aktuelle Besetzung
Gesang, Gitarre
Thurston Moore
Bass, Gitarre,
Gesang
Kim Gordon
Gesang, Gitarre
Lee Ranaldo
Steve Shelley (seit 1985)
Bass, Gitarre
Mark Ibold (seit 2006)
Ehemalige Mitglieder
Schlagzeug
Richard Edson (1981–1982)
Schlagzeug
Bob Bert (1982-1983, 1983-1985)
Schlagzeug
Jim Sclavunos (1983)
Bass, Gitarre
Jim O'Rourke (2000–2005)
Anne DeMarinis (1981–1982)
Chartplatzierungen
(vorläufig)
Erklärung der Daten
Alben[1][2]
Daydream Nation
  UK 99 29.10.1988 (1 Wo.)
Goo
  UK 32 07.07.1990 (2 Wo.)
  US 96 14.07.1990 (15 Wo.)
Dirty
  UK 6 01.08.1992 (5 Wo.)
  US 83 08.08.1992 (11 Wo.)
Experimental Jet Set, Trash and No Star
  UK 10 21.05.1994 (2 Wo.)
  US 34 28.05.1994 (10 Wo.)
Washing Machine
  UK 39 14.10.1995 (1 Wo.)
  US 58 14.10.1995 (3 Wo.)
A Thousand Leaves
  UK 38 23.05.1998 (1 Wo.)
  US 85 30.05.1998 (2 Wo.)
NYC Ghosts & Flowers
  US 172 03.06.2000 (1 Wo.)
Murray Street
  US 126 13.07.2002 (1 Wo.)
Sonic Nurse
  US 64 26.06.2004 (2 Wo.)
Rather Ripped
  UK 64 17.06.2006 (1 Wo.)
  US 71 01.07.2006 (4 Wo.)
The Eternal
  DE 29 19.06.2009 (… Wo.)
  CH 31 21.06.2009 (… Wo.)
  UK 42 14.06.2009 (… Wo.)
  US 18 27.06.2009 (… Wo.)
Vorlage:Infobox Chartplatzierungen/Wartung/vorläufige Chartplatzierung

Die 1981 in New York gegründete Band Sonic Youth war eine der einflussreichsten No-Wave-/Noise-Rock-Bands.

Bandgeschichte[Bearbeiten]

Sonic Youth traten unter diesem Namen zum ersten Mal am 18. Juni 1981 auf dem Noise-Festival in White Columns (New York) auf, nachdem Thurston Moore, Kim Gordon, Lee Ranaldo und Keyboarderin Ann DeMarinis schon zuvor unter einigen anderen Namen Auftritte in der weiteren Gegend rund um New York hatten. Der Name Sonic Youth ist eine Verbindung aus Big Youth, einem jamaikanischen Reggae-Deejay, der insbesondere in den 1970er Jahren Berühmtheit erlangte, und Sonic’s Rendezvous Band, einer Nachfolgeband von MC5, die deren Gitarrist Fred „Sonic“ Smith von 1977 bis 1979 leitete.

2001 spielten sie zusammen mit der französischen Sängerin Brigitte Fontaine zwei Titel („Demie Clocharde“, „Kékéland“) für Fontaines Album Kékéland ein. Im Jahr 2005 verließ Jim O'Rourke Sonic Youth, um seine Karriere als Film-Regisseur zu forcieren. 2006 wirkten Thurston Moore und Kim Gordon zusammen mit ihrer gemeinsamen Tochter Coco Haley in der Fernsehserie Gilmore Girls mit.

Nach 18 Jahren lief im Jahre 2006 der Vertrag mit Geffen Records aus. Im August 2008 kündigte die Band an, ihr kommendes Album wieder bei einem Independent-Label (Matador) zu veröffentlichen.

Im Oktober 2011 gaben Kim Gordon und Thurston Moore das Ende ihrer 27-jährigen Ehe bekannt, eine zu dem Zeitpunkt anstehende Südamerika-Tournee war jedoch nicht betroffen. Die weitere Zukunft von Sonic Youth ist indes ungewiss.[3]

Stil[Bearbeiten]

Kim Gordon bei einem Sonic-Youth-Auftritt 2005

Das Resultat des Bandschaffens war und ist eine reiche Klangwelt experimenteller, emotional-assoziativer Musik. Der Sound von Sonic Youth sprengt die Grenzen und widersetzt sich der Logik konventioneller Rock-Songs. Viele Werke ähneln daher in ihrem Aufbau eher klassischer Musik, was nicht zuletzt auch mit der vorherigen Tätigkeit der Bandmitglieder im E-Gitarrenorchester von Glenn Branca zusammenhängt.

Ging es der Band früher vor allem um das Ausloten dissonanter Grenzen – kennzeichnendes Merkmal sind insbesondere die Feedbacks und Kim Gordons Shouting –, fielen die späteren Alben insgesamt melodischer und „poppiger“ aus. Die Entwicklung der Band scheint sich, wenn man die seit 1990 bei ihrem „kommerziellen Hauptlabel“ Geffen erscheinenden Alben betrachtet, in Richtung einer noch stärkeren Verbindung von Elementen experimentellen Lärms mit eingängigen Harmonien zu bewegen. Andererseits haben Sonic Youth seit 1997 auf ihrem eigenen Label SYR eine ganze Reihe von Alben herausgebracht (SYR1 bis SYR6 sowie die Silver Sessions for Jason Knuth), die – am deutlichsten auf SYR3 und den Silver Sessions – entschieden improvisierenden Charakter haben, zum Teil fast 30 Minuten lange Sessions darstellen, die – instrumentell und technisch aber auf sehr viel höherem Niveau stehend – sehr deutlich an frühere eigene Musikperioden anknüpfen und sich vollkommen von ihren strukturell zum Teil vergleichsweise einfach erfassbaren „kommerzielleren“ Geffen-Alben unterscheiden. Dadurch sind Sonic Youth in der Lage gewesen, eine bemerkenswert breit gestreute Schicht von Fans zu gewinnen, die sich einerseits auf bestimmte Facetten der Musik konzentrieren können, andererseits dadurch aber auch die Fans mit diesen verschiedenen Facetten zu konfrontieren: da sich in gewisser Weise mehr als eine Gruppe unter dem Namen Sonic Youth vereint hat, erhalten die Zuhörer auch mehr und verschiedenartigere Musik zu hören als bei anderen Gruppen, die sich nicht vergleichbarer kreativer Fähigkeiten und Freiräume erfreuen können wie Sonic Youth.

Die Texte von Sonic Youth sind zwar nicht durchweg politisch, aber über die gesamte Zeit lassen sich mit Titeln wie Youth Against Fascism oder (so auf dem Album Sonic Nurse) Peace Attack auch explizit politisch-kritische Stücke finden. Zahlreiche Lieder befassen sich mit gesellschaftlichen, sozialen und auch psychologischen Themen.

Über den Bandrahmen hinaus haben die Bandmitglieder diverse Nebenprojekte, in denen sie sich auch anderer künstlerischer Ausdrucksformen bedienen (Moore und Ranaldo haben jeweils Bücher und Fanzines herausgebracht), erwähnenswert sind außerdem besonders die Solo-Alben von Thurston Moore und Lee Ranaldo, dann die Projekte mit anderen Musikern wie Thurston Moore und Kim Gordon jeweils mit Lydia Lunch sowie Kim Gordon mit Julie Cafritz (früher bei der Gruppe Pussy Galore) als Gruppe Free Kitten und Kim Gordon mit Ikue Mori und DJ Olive (auf SYR5).

Fast alle Mitglieder von Sonic Youth sind außerdem auch als Produzenten von Künstlern und Gruppen tätig, die sie fördern möchten. So leitet z. B. Thurston Moore das Label Ecstatic Peace, Lee Ranaldo produzierte u. a. die Gruppe False Virgins und Kim Gordon die reine Frauen-Punk-Band Erase Errata. Daneben führen Sonic Youth als eigenes Label SYR (Sonic Youth Records).

In der Geschichte der Band wirkten oft befreundete Musiker mit, u. a.:

Eine umfassende Übersicht zu den Mitgliedern und zur Geschichte von Sonic Youth bis zum Album Experimental Jetset, Trash and No Star findet man bei Alec Foege: Confusion is Next – The Story of Sonic Youth, St. Martin’s Press, 1993.

Gitarrenstimmungen[Bearbeiten]

Eine Eigenart der Band ist es, die verwendeten Stimmungen ihrer Gitarren nicht mehr zu verändern, ein Erbe ihrer Zeit bei Glenn Branca. Jeder Song hat somit seine eigenen Gitarren, dies hat bei Konzerten einen ständigen Instrumentenwechsel zur Folge. Die Gitarrensammlung der Band ist immens.

Dass es nicht gerade einfach ist, auch nur ein einziges Stück einzustudieren, liegt nicht zuletzt an der Experimentierfreudigkeit von Sonic Youth. Bei allen ihren Studioalben setzen sie auf den Gitarren fast nur alternative Stimmungen ein und bearbeiten diese sogar nachträglich, um noch weiter veränderte Klänge zu erhalten. Zu den wichtigsten Stimmungen gehören (Beispielsongs in Klammern):

  • F# F# G G A A (Schizophrenia, Tom Violence, White Kross)
  • D D D D A A (Schizophrenia, Catholic Block)
  • G G D D G G (Teen Age Riot)
  • A C C G G# C (Silver Rocket)
  • C C E B G D (The Sprawl, Cross The Breeze)
  • F# F# F# F# E B (Catholic Block, Kool Thing, Death Valley '69, Shadow Of A Doubt)
  • E G D G E D (Dirty Boots, Titanium Expose, Tunic)
  • C G D G C D (Rain On Tin, Plastic Sun, The Empty Page)

Sonic Youth & Kurt Cobain / Nirvana[Bearbeiten]

Nirvana wurde indirekt durch Sonic Youth berühmt, denn Thurston Moore empfahl Geffen Records die relativ unbekannte Band, die auf dem Seattler Label Sub Pop gerade ihr Debüt Bleach veröffentlicht hatte. Geffen Records übernahm in Kooperation mit Sub Pop den Vertrieb des zweiten Longplayers Nevermind, der mit 40.000 Exemplaren weltweit in den Verkauf ging. Kurt Cobains Band spielte 1991 im Vorprogramm von Sonic Youth auf deren Europatournee zum ersten Mal vor einem größeren Live-Publikum, bevor Ende 1991 deren großer Erfolg begann. Dokumentiert sind diese gemeinsamen Tage im Tourvideo 1991: The Year Punk Broke. Außerdem verband Nirvana und Sonic Youth eine gemeinsame künstlerisch-politische Attitüde; der künstlerische Kampf gegen eingefahrene Machtstrukturen wie Sexismus oder Homophobie wurde in nicht wenigen Liedern – wie z. B. Rape Me (Nirvana) oder Kool Thing (Sonic Youth) – deutlich gemacht.

Sonic Youth & R.E.M.[Bearbeiten]

Als R.E.M. 1994 an ihrem Album Monster arbeiteten und Sänger Michael Stipe den Text zum Lied Crush with Eyeliner schrieb, hatte er das Gefühl, den einen oder anderen Teil von einer Sonic-Youth-Platte genommen zu haben. Er lud daraufhin Thurston Moore ins Studio ein, der daraufhin als Hintergrundsänger bei Crush with Eyeliner in Erscheinung trat. Im Nachhinein sagte Stipe jedoch, er könne diese Textzeile womöglich auch unbewusst aus einer Werbung für Coca-Cola genommen haben. Dennoch traten Sonic Youth 1995 auf der Welttournee von R.E.M., der Monster-Tour, als Vorgruppe auf.

Gitarre Moonlander, Lee Ranaldo, Sonic Youth, von Yuri Landman, 2007

Diskografie[Bearbeiten]

Sonic Youth haben in ihrer mittlerweile 30-jährigen Geschichte viele Tonträger produziert, u. a. folgende offizielle Studioalben (Label in Klammern):

  • 1982 – Sonic Youth (Neutral/Zensor)
  • 1983 – Confusion Is Sex (Neutral/Zensor)
  • 1984 – Kill Your Idols (in D: Zensor)
  • 1984 – Sonic Death (Ecstatic Peace)
  • 1985 – Bad Moon Rising (Homestead/Blast First)
  • 1986 – Made In USA (Rhino, 1994 veröffentlicht)
  • 1986 – Evol (SST/Blast First)
  • 1987 – Sister (SST/Blast First)
  • 1988 – The Whitey Album (Enigma/Blast First) als Ciccone Youth (mit Suzanne Sasic, J Mascis und Mike Watt)
  • 1988 – Daydream Nation (Enigma/Blast First)
  • 1990 – Goo (DGC/Geffen)
  • 1992 – Dirty (DGC/Geffen)
  • 1994 – Experimental Jet Set, Trash and No Star (DGC/Geffen)
  • 1994 – Screaming Fields of Sonic Love (DGC/Geffen)
  • 1995 – Washing Machine (DGC/Geffen)
  • 1997 – SYR1: Anagrama (Sonic Youth Records)
  • 1997 – SYR2: Slaapkamers met slagroom (Sonic Youth Records)
  • 1997 – SYR3: Invito al Ĉielo (‚Einladung in den Himmel‘ auf Esperanto; Sonic Youth Records)
  • 1998 – A Thousand Leaves (DGC/Geffen)
  • 1999 – SYR4: Goodbye 20th Century (Sonic Youth Records)
  • 2000 – NYC Ghosts & Flowers (Geffen)
  • 2000 – ''SYR5: Kim Gordon mit Ikue Mori und DJ Olive (Sonic Youth Records)
  • 2002 – Murray Street (Geffen)
  • 2004 – Sonic Nurse (Geffen)
  • 2005 – SYR6: Koncertas Stan Brakhage Prisiminimui (Sonic Youth Records)
  • 2006 – Rather Ripped (Geffen)
  • 2006 – Destroyed Room: B-Sides And Rarities (Geffen)
  • 2008 – SYR7: J’accuse Ted Hughes (Sonic Youth Records)
  • 2008 – SYR8: Andre sider af Sonic Youth (Sonic Youth Records)
  • 2009 – The Eternal (Matador/Beggars/Indigo)
  • 2011 – SYR9: Simon Werner a disparu (Sonic Youth Records; Soundtrack)

Ausstellungen[Bearbeiten]

Sonic Youth Etc.: Sensational Fix

  • Life, Saint-Nazaire, 18. Juni bis 7. September 2008
  • Museion, Museum für moderne und zeitgenössische Kunst, Bozen, 10. Oktober bis 4. Januar 2009
  • Kunsthalle Düsseldorf und KIT — Kunst im Tunnel, 31. Januar bis 10. Mai 2009
  • Centro de Arte Dos de Mayo, Móstoles (Madrid), 3. Februar bis 2. Mai 2010

Literatur[Bearbeiten]

  • David Browne: Goodbye 20th Century – Die Geschichte von Sonic Youth. Aus dem amerikanischen Englisch von Ralf Niemczyk mit Imke Trainer. Kiepenheuer & Witsch, KiWi Paperback 1132, Köln 2009. ISBN 978-3-462-04162-0

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. The Billboard Albums von Joel Whitburn, 6th Edition, Record Research 2006, ISBN 0-89820-166-7
  2. UK-Chartstatistik
  3. Sonic Youth: Kim Gordon & Thurston Moore geben ihre Scheidung bekannt. Motor Music, 17. Oktober 2011, abgerufen am 18. Oktober 2011.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sonic Youth – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien