Sonja Kohn

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Sonja Kohn (geb. Türk; * 5. August 1948 in Wien) ist eine österreichische Bankerin.

Leben[Bearbeiten]

Sonja Kohn wurde als Tochter jüdischer Flüchtlinge aus Osteuropa geboren und wuchs in Wien auf. In den 1970er Jahren begann sie, sich gemeinsam mit ihrem Ehemann Erwin Kohn im Import-Export-Geschäft zu betätigen, was sie auch nach Mailand führte. 1985 übersiedelten sie nach New York, wo sie in der als orthodox geltenden jüdischen Gemeinde Monsey lebten.

In den USA gründeten Sonja Kohn und ihr Mann die Gesellschaft Eurovaleur Inc., deren Präsidentin sie ist. Sonja Kohn wurde in New York als “Austria’s woman on Wall Street” bekannt. In den 1990er Jahren kehrte sie nach Europa zurück, wo sie mit Gerhard Randa (Bank Austria) zusammenarbeitete.

Im Jahre 1994 gründete sie die Finanzgesellschaft Medici, an der sie drei Viertel der Anteile hielt und dem Aufsichtsrat vorstand. Nach dem Madoff-Skandal wurde die Bank 2009 aufgehoben und in eine Gesellschaft umgewandelt.

Kohn hatte bis 2006 einen Beratervertrag mit der Wiener Börse für internationale Börsenkooperationen. [1]

1999 wurde ihr das Große Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich verliehen.

Fall Madoff[Bearbeiten]

Im Dezember 2010 wurde Sonja Kohn in die Affäre um den amerikanischen Milliardenbetrüger Bernard L. Madoff verwickelt. Sie wurde fälschlicherweise eine Zeit lang beschuldigt, Madoffs wichtigste Geschäftspartnerin in Europa gewesen zu sein [2]. Auch in Österreich ermittelte die Justiz in dieser Angelegenheit wegen Betrugsverdacht. [3].

Madoffs Konkursverwalter Irving Picard klagte Sonja Kohn, die Bank Medici und ein paar Dutzend andere Personen in New York auf Schadenersatz in der Höhe von 19,6 Milliarden Dollar (rund 15 Mrd. Euro) ein - die bisher größte Einzelsumme infolge dieses Skandals.[4] Insgesamt wurden dutzende Klagen im Ausmaß von insgesamt rund 50 Milliarden Dollar eingebracht. [5]

Am 18. Oktober 2013 gewann Sonja Kohn ein richtungsweisendes Verfahren in London, das Picard gegen sie angestrengt hatte, klar.[6]. Picard hatte Kohn wegen Zahlungen eingeklagt, die sie von Madoff für ihre Dienste erhalten hatte. Der Richter des London High Court sprach von «haltlosen Vorwürfen», stellte das Verfahren ein und kam zum Schluss, dass die Zahlungen an Kohn «nichts anderes als eine angemessene Entlöhnung für die von ihr rechtmäßig erbrachten Leistungen» gewesen waren. Kohn habe «voll und ganz redlich gehandelt».[7].

Der Richter hielt zudem fest, Kohn sei ebenfalls ein Opfer von Madoffs Betrügereien und habe eigenes Vermögen verloren.[8] Ihre Familie verlor laut Urteil 11.5 Millionen Dollar. Es sei bitter gewesen, zu erleben, wie ein Kläger völlig falsche und ungerechte Vorwürfe in die Welt setzen könne – «und wie die Medien diese Vorwürfe weiterverbreiten, als wären sie die Wahrheit und nicht einfach die Behauptungen einer Partei», sagte Kohn.[9]

Ehrungen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. (4. November 2004) Wirtschaftsblatt: Zur Person - Sonja Kohn (abgerufen am 22. März 2009)
  2. Klageschrift 2011
  3. (10. Jänner 2014) derstandard.at: Staatsanwalt lässt Madoff-Verfahren schmelzen
  4. Klageschrift 2011
  5. 16. Dezember 2010 The Economist: An affair to remember (Print-Ausgabe: Seite 129)
  6. (18. Oktober 2013) derstandard.at: Sonja Kohn gewann Verfahren in London
  7. (18. Oktober 2013) Reuters: UK court dismisses case against directors of Madoff unit
  8. (18. Oktober 2013) kurier.at
  9. (17. November 2013) Sonja Kohn: Freispruch im Madoff-Betrug: handelszeitung.ch

Weblinks[Bearbeiten]