Sonnenfinsternis vom 20. März 2015

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Sonnenfinsternis vom 20. März 2015
SE2015Mar20T.gif
Klassifikation
Typ Total
Gebiet Island, Europa, Nordafrika, Nordasien
Total: Nordatlantik, Färöer, Spitzbergen
Saros-Zyklus 120 (61 von 71)
Gamma-Wert 0,9454
Größte Verfinsterung
Dauer 2 Minuten 47 Sekunden
Ort Nordatlantik, östlich von Island
Lage 64° 26′ N, 6° 39′ O64.4383333333336.65Koordinaten: 64° 26′ 18″ N, 6° 39′ 0″ O
Zeitpunkt 20. März 2015 09:45:38  UT
JD: 2457101.9066898
Größe 1,0445

Die totale Sonnenfinsternis vom 20. März 2015 findet am Tag des Frühlingsbeginns auf der Nordhalbkugel statt. Die totale Verfinsterung beginnt östlich von Neufundland, der Schattenpfad umrahmt dann Grönland und Island auf seinem Weg durch das Europäische Nordmeer. Die Färöerinseln und Spitzbergen liegen in der totalen Zone. Die Finsternis endet nahe dem Nordpol, genau an dem Tag, an dem dort die Sonne erstmals nach einem halben Jahr wieder über dem Horizont erscheint. In ihrer partiellen Phase kann die Finsternis von ganz Europa gesehen werden.

Der Pfad des Kernschattens ist während des gesamten Verlaufs mehr als 400 Kilometer breit, die maximale Breite liegt bei 487 Kilometern.[1] Diese für totale Sonnenfinsternisse ungewöhnlich große Breite des Schattenpfads resultiert daraus, dass die Sonne bei Eintreten der Totalität nirgendwo höher als 18° steht, wodurch sich lange Schatten auf der Erdoberfläche ergeben.

Verlauf[Bearbeiten]

Der Kernschatten des Mondes trifft die Erde erstmals um 9:14 UT (Universal Time) im Nordatlantik östlich von Neufundland am Ort 53° 38′ N, 45° 59′ W53.635-45.976666666667. Die dort während des Sonnenaufgangs stattfindende Finsternis dauert 2 Minuten und 6 Sekunden. Der zunächst 406 Kilometer breite Kernschatten rast von dort in nordöstlicher Richtung über den Atlantik, zwischen Island und den Britischen Inseln hindurch. Auf den Färöerinseln trifft er erstmals auf Land. Wenig später tritt im Atlantik östlich von Island um 9:35.38 UT das Maximum der Finsternis ein, die Totalitätsdauer beträgt dort 2 Minuten und 47 Sekunden, die Breite des Schattenpfads ist auf 463 Kilometer angewachsen. Anschließend überstreicht der Kernschatten Spitzbergen und das Europäische Nordmeer in Richtung des Nordpols. Nur 69 Kilometer vom Nordpol entfernt, verlässt der Kernschatten um 10:21 UT die Erde.[2]

Die partielle Phase der Finsternis ist von Europa, Nordafrika, dem Nahen Osten, dem westlichen Asien und Grönland zu sehen. In Mitteleuropa liegt der Bedeckungsgrad zwischen 60 und 85 %, wobei er im Nordwesten größer ist als im Südosten. In Bern beginnt die Finsternis um 9:24 und endet um 10:32, wobei maximal 69,5 % der Sonnenscheibe bedeckt sein werden. In Wien beginnt die Sonnenfinsternis um 9:37, also etwa 13 Minuten später, und endet um 10:46. Nur wenig später, um 9:39, beginnt in Berlin sich der Mond vor die Sonne zu schieben, dort dauert die Finsternis länger als in Wien und geht bis 10:47. Der Bedeckungsgrad in Wien beträgt 62,9 %, während er in Berlin immerhin bei 74,2 % liegt.[2] Die größte Bedeckung in deutschen Städten gibt es in Flensburg mit 82,1 %.[3] Aus der Sicht eines Betrachters wandert der Mond im Verlauf der Finsternis vom rechten zum linken Sonnenrand.

Einfluss auf die Solarstromerzeugung[Bearbeiten]

Im September 2014 veröffentlichte Der Spiegel einen Artikel mit der Aussage, die deutschen Stromnetzbetreiber würden befürchten, die Sonnenfinsternis könne die Stabilität des Stromnetzes gefährden.[4] Eine im Oktober 2014 vorgelegte Studie stellt heraus, dass die Auswirkungen der Sonnenfinsternis stark von der Bewölkungssituation abhängig sind. Bei bewölktem Himmel kommt es durch die Sonnenfinsternis in Deutschland maximal zu einem Leistungsgradienten von 52 MW/min (Megawatt pro Minute). Bei klarem Himmel dagegen ist ein Leistungsgradient von 348 MW/min möglich, was dem 3,5-fachen der üblichen Leistungsgradienten aller Photovoltaik-Anlagen in Deutschland entspricht. Dieser Anstieg der residualen Last kann in Deutschland alleine durch die Pumpspeicherkraftwerke aufgefangen werden. Zusätzlich könnten flexible Kraftwerke, wie beispielsweise schnell regelbare Gaskraftwerke, zum Ausgleich beitragen. Weiterhin wären auch Ausgleichsmaßnahmen auf der Nachfrageseite möglich. Die entsprechend der dann vorhergesagten Bewölkungssituation zu erwartenden Auswirkungen der Sonnenfinsternis sollten allerdings in der Strombedarfsplanung vorausschauend berücksichtigt werden.[5]

Klassifikation der Finsternis[Bearbeiten]

Die Finsternis ist die 61. von 71 Sonnenfinsternissen des Saros-Zyklus mit der Nummer 120. Alle Finsternisse dieses Zyklus finden statt, wenn der Mond seinen aufsteigenden Mondknoten passiert. Der Zyklus begann mit der Finsternis vom 27. Mai 933 mit einer partiellen Finsternis, bei der der Schatten des Mondes den Südpol streifte. Bei den folgenden Finsternissen des Zyklus wanderte der Schatten immer weiter nördlich, bei der letzten Finsternis am 7. Juli 2195 wird er nur noch den Nordpol streifen. Die Finsternis des Jahres 2015 wird die vorletzte totale des Zyklus sein, nur noch bei der Nachfolgefinsternis vom 30. März 2033 wird die Neumondscheibe die Sonne ganz bedecken.[2]

Folgende Sonnenfinsternisse[Bearbeiten]

Im Jahr 2015 gibt es am 13. September eine weitere Sonnenfinsternis. Dies ist aber nur eine partielle Sonnenfinsternis, die nirgendwo ringförmig oder total ist. Gesehen werden kann die Finsternis vom südlichen Afrika, von Südindien und der Antarktis. Die darauf folgende zentrale Finsternis findet am 9. März 2016 statt. Bei dieser totalen Sonnenfinsternis zieht der Kernschatten über Sumatra, Borneo und Sulawesi hinweg. Die nächste von Mitteleuropa aus zu sehende Finsternis findet am 10. Juni 2021 statt, diese ringförmige Finsternis wird von dort auch nur partiell zu sehen sein.

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans-Ulrich Keller (Hrsg.): Kosmos Himmelsjahr 2015. Franckh-Kosmos, Stuttgart 2014, ISBN 978-3-440-14025-3.
  • Wolfgang Held: Sonnen- und Mondfinsternisse und die wichtigsten astronomischen Konstellationen bis 2017. Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2005, ISBN 3-7725-2231-9.
  •  Hans-Ulrich Keller (Hrsg.): Kosmos Himmelsjahr 2009. Franckh-Kosmos, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-440-11350-9.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Fred Espenak: Path of Total Solar Eclipse of 2015 Mar 20. Abgerufen am 11. Februar 2015.
  2. a b c Keller (Hrsg.): Kosmos Himmelsjahr 2015. S. 86–94, siehe Literatur
  3. Sonnenfinsternis am 20.03.2015 in Mitteleuropa sofi2015.de, abgerufen am 2. Dezember 2014.
  4. spiegel.de: Solarenergie: Stromnetzbetreiber fürchten Sonnenfinsternis
  5. Johannes Weniger, Joseph Bergner, Tjarko Tjaden, Volker Quaschning: Einfluss der Sonnenfinsternis im März 2015 auf die Solarstromerzeugung in Deutschland. Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, Berlin 2014, doi:10.13140/2.1.5190.4963 (online)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sonnenfinsternis vom 20. März 2015 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien